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Börsentelegramm

Agrarmärkte pausieren

von , am
24.09.2014

Weizen Börse
Der Absturz der Weizenpreise geht  zum Beginn  dieser Woche weiter. © landpixel
Nach den erdrutschartigen Verlusten der Vorhandelstage schaltete man gestern in den Konsolidierungsmodus. Die globalen Agrarmärkte arbeiteten sich eher seitwärts, wenngleich es hier und da Preisverschiebungen gegeben hat. Am CBoT gaben sowohl die Sojabohne als auch Mais und Weizen weiter nach. Damit sind die Abwärtstrends alle intakt geblieben.

Sojabohne unter Erntedruck

Die Novemberbohne büßte gestern 1 ¼ cts/bu ein und settelte am CBoT bei 9,36 ¾ US$/bu. Wir stehen kurz vor dem Moment, in dem die Ernte (bzw. die Druschergebnisse) die Herrschaft in der Preisbildung an sich reißt. Die Ernte in den USA hat begonnen. Wenngleich diese noch im Frühstadium steckt, haben doch die ersten Bohnenanlieferungen in nennenswerten Mengen begonnen. Zwar liegen noch keine Druschergebnisse vor, aber es zeichnet sich ab, dass die guten Erträge mindestens bestätigt werden.
 
In einigen Gegenden redet man bereits von besser als erwartetem Drusch. Da nimmt es nicht wunder, dass der US-Kassamarkt gestern an preislicher Substanz verlor und der Börse ein negatives Signal sendete. Hier standen dann die Kurse unter Druck. Wegen der günstigen Bedingungen erwartet man im Wochenverlauf eine verstärkte Aufnahme der Erntetätigkeiten in den USA. Sollte das Wetter weiterhin mitspielen dürften in der ersten Oktoberwoche flächendeckend belastbare Ernteergebnisse vorliegen.
 
Sojaschrot ist ebenfalls weiterhin schwach. In der Landwirtsausgabe des Börsentelegramms werden wir uns demnächst erneut einen genaueren Blick aufs Schrot werfen. Das argentinische Agrarministerium sieht die neuerntige Bohnenfläche 2014/15 des Landes bei 20 mio Hektar. Das liegt auf dem Rekordniveau des Vorjahres. Die Pariser Rapsnotierungen konnten gestern etwas konsolidieren und legten im vorderen November 0,75 € zu. Der Schlusskurs lag bei 311,25 €/mto.

Weizen leicht abschlägig

Der Dezemberweizen verlor gestern am CBoT 1 ct/bu und schloss bei 4,75 ½ US$/bu. Der Handel war still. Man sucht seinen Boden, hat aber ob der weltweit guten Versorgungslage Probleme damit, diesen zu finden. Zudem droht eine große US-Maisernte die Weizenpreise weiter unter Druck zu halten. Das lässt potentielle Weizenkäufer zurückhaltend agieren, und die Bären können ein ums andere Mal triumphieren. Das war gestern nicht anders.
 
Im internationalen Geschäft war es gestern sehr ruhig. Erst am späten Nachmittag kam etwas Geschäftsinteresse auf. Die Vereinigten Arabischen Emirate starteten einen Einkaufstender über 107 tsd Tonnen Weizen. Über Abschlussergebnisse gab es bis zum Abend nichts zu lesen. Die Tunesier legten gestern die finalen Zahlen ihrer Getreideernte vor und bezifferten diese mit 2,34 mio to. Im Vergleich zum Vorjahr stellt dies eine enorme Verbesserung dar, denn in 2013 betrug die Ernte in Tunesien nur 1,3 mio to. Infolge der erfreulich üppigen Ernte sieht Nizar Ayari vom Getreidebüro Tunesiens die Importe seines Landes um 80% fallen.
 
Das ukrainische Agrarministerium bezifferte die bislang getätigten, neuerntigen Getreideausfuhren des Landes mit 7,8 mio to. Davon entfallen 4,4 mio to auf Weizen, 2,7 mio to auf Gerste und 493 tsd Tonnen auf Mais. Damit liegen die bisherigen Exporte knapp 50% über denjenigen des letzten Jahres. Die Wintergetreideregionen in der Ukraine seien infolge jüngster Niederschläge in einem perfekten pflanzenbaulichen Zustand, sodass es bislang keinen Anlass zur Sorge gibt. An der Matif verlor man 1,- € im November und schloss bei 150,25 €/mto.

Mais zittert vor US-Ernte

Der Dezembermais verlor gestern 5 cts/bu und settelte bei 3,25 ¼ US$/bu. Damit notiert man nur noch knapp oberhalb des Fünfjahrestiefs. Der Fall liegt klar auf der Hand. Der Markt steht angesichts des freundlichen Erntewetters in den USA unter Druck. Man erwartet eine große Ernte, das belastet die Preise. Die Käufer halten sich zurück und sind angesichts der Umstände nicht willens, vermeidbare Risiken einzugehen. Das ist der Kern der Sache, und damit hat es sich. Neben den 107 tsd Tonnen Weizen zeigten sich die Vereinigten Arabischen Emirate noch an anderen Dingen interessiert. Im Zuge der Kauflust hob man am Golf noch den Arm für 30 tsd Tonnen Gerste und 25 tsd Tonnen Mais. Bis zum Abend lagen aber auch hier noch keine Tenderergebnisse vor. In Paris befinden sich die Maisnotierungen derzeit im Totalabsturz. Der November verlor erneut 3,-€ und settelte bei mageren 131,25 €/to.

Eurex: Kartoffel inspirationslos

Die Kartoffel an der Eurex brachte gestern nicht viel zu Wege. Der Umsatz betrug insgesamt 97 Kontrakte. Der Apriltermin neigte lange Zeit zur Schwäche und hatte seinen Tiefstpreis bei 5,90 €/dt. Damit war kurzzeitig die Marke von 6,- €/dt durchbrochen. Im Handelsverlauf konnte man aber drehen und sich wieder über dieses Level hieven. Der Schlusskurs lag bei 6,10 €/dt. Der Kassamarkt für Kartoffeln ist nach wie vor unverändert schwierig. Man befindet sich zwischen gut versorgten alterntigen Terminen und der Aussicht auf eine mindestens gute neue Ernte. Mit diesen Aussichten lassen sich keine Marktteilnehmer in den Markt ziehen.
 
Der Schweinebereich blieb ungehandelt. Weder das Mastschwein noch das Ferkel konnten mit Handelsaktivität glänzen. Im weißen Sortiment schaffte das sonst so stille Molkepulver guten Umsatz. Gleich mehrere Termine erfreuten sich Interesse seitens des Marktes. Dezember, Januar und Februar wurden jeweils zehnmal bei einem Preis von 890,- €/to gehandelt. In der Butter gab es nur wenige Kontrakte zu bestaunen, sodass wir das Minus von 150,- €/to im Februar mit Vorsicht genießen müssen.

Ukraine weitet Kooperation mit China aus

Die ukrainische DARA Gruppe hat mit einer chinesischen Firma (Huangfan District Agricultural Corporation) eine Absichtserklärung für gemeinsame Investitionen in den Agrarsektor des Landes unterzeichnet.

Zuckerpreise bleiben schwach gestimmt

Die Zuckernotierungen in New York fielen durch heftige Zugewinne im vorderen Oktobertermin auf. Wir nähern uns dem zeitlichen Auslaufen des Kontraktes und es gibt offensichtlich noch Bedarf, Positionen zu schließen, um nicht in die physische Andienung zu müssen. Insgesamt bleibt der Zuckermarkt aber weiterhin schwach gestimmt.

DAX weiter im Minus

Angesichts schwacher Konjunkturdaten in der Eurozone schaffte es der Dax gestern nicht nach oben. Schon zu Beginn des Handels schwächelte der Markt und baute rasch seine Verluste aus. Die Tagesrichtung war festgelegt. Die Stimmung in den Unternehmen trübte sich weiter ein, was sich im Einkaufsmanagerindex manifestierte. Der Index fiel um 0,2 auf nun 52,3 Punkte, was den bislang tiefsten Stand in diesem Jahr markierte. Diese Entwicklung kann unsere Leser nicht überraschen, denn wir haben im Rahmen des Börsentelegramms häufiger auf den Modus Operandi von Wirtschaftswachstumsprognosen hingewiesen. Das deutsche Aktienbarometer verlor gestern 151,51 Punkte du settelte bei 9595,03 Zählern.
 
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