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Börsentelegramm

Agrarmärkte präsentieren sich in rot

von , am
08.05.2014

© Eisenhans/Fotolia
Der Mittwoch war im Agrarmarktsegment größtenteils in rot geschrieben. Am CBoT mussten Bohne, Mais und Weizen Abschläge hinnehmen. Die einzigen beiden Ausnahmen waren Orangensaft und Zucker, die kleine Gewinne verzeichnen konnten. Der größte Tagesverlierer war Baumwolle. Am Freitag wird das USDA seinen monatlichen Angebots- und Nachfragezahlen veröffentlichen.
 
Im Monat Mai eines jeden Jahres schätzt das us-amerikanische Landwirtschaftsministerium erstmalig die neuen Ernten ein, sodass wir hier einen ersten fundamentalen Haupteinflussfaktor hinsichtlich der Kampagne 2014/15 bekommen. Eine abwartende Markthaltung ist im Vorfeld eines derartigen Berichtes keine Seltenheit.

Sojabohne verliert und löst charttechnische Bedrohung aus

Die Julibohne verlor gestern 13 ¼ cts/bu und settelte bei 14,46 ¼ US$/bu. Der neuerntige November verlor 8 cts/bu und schloss bei 12,17 ¾ US$/bu. Damit konnte das Level von 12,20 nicht gehalten werden. Ein wenig erbaulicher Handelstag ging gestern zu Ende. Die Bohne behielt ihre Korrekturstimmung bei und sank weiter ab. Nachrichtenmäßig konnte man mit keinen wirklichen Neuigkeiten auftrumpfen, sodass man impulslos in den altbekannten Dingen umherstampfte. Hier und da wurde eine Nachricht aufgewärmt, aber letztlich doch vom Markt verschmäht.
 
Am wichtigsten war wohl die technische Entwicklung, denn es gingen auf Schlusskursbasis wichtige Unterstützungen zu Bruch. Das brasilianische Agrarministerium bezifferte gestern die eben eingefahrene Sojabohnenernte des Landes im Zyklus 2013/14 mit 89 – 90 mio Tonnen, was einen neuen Rekord darstellt.
 
Die Firma Tallage sieht in ihren Strategie Grains-Zahlen eine europäische Rapsölproduktion im Zyklus 2014/15 von 9,5 mio Tonnen aus uns zu kommen. Das toppte die Vormonatsschätzung um 90 tsd Tonnen. Es sei eine Margenverbesserung für die Ölmühlen zu erwarten, die diese Prognose rechtfertige. Was die Saat selbst anbelangt, so wies Tallage nach wie vor eine europäische Erntemenge von 21,6 mio Tonnen aus. Im Vergleich zum Vorjahr stellt dies jedoch eine Verbesserung um 500 tsd to dar. An der Matif verlor man im August 2,75 € und settelte bei 253,- €/mto.

Weizen verschmerzt kleines Minus

Der Julitermin büßte gestern am CBoT 1 ¼ cts/bu ein und settelte bei 7,37 ¾ US$/bu. Zwischenzeitlich hatte man stärker verloren, weil man in den Wettervorhersagen die Chancen auf Regen für die US-Plains heraufbeschwor. Das geschah nicht zum erstenmal, sodass wir festhalten müssen, dass durchaus die Möglichkeit besteht erneut von einer Fata Morgana geblendet zu werden. Die von der Trockenheit am stärksten betroffenen Gebiete werden übrigens auch von den optimistischsten Wetterkarten zum wiederholten male nicht bedacht. Langsam wird´s eng in den USA. Wenn sich nicht bald Regen mit guter Flächendeckung einstellt, wird es zu deutlichen Ertragseinbußen kommen. Da beißt die Maus keinen Faden ab.
 
Im internationalen Geschehen betraten die Japaner die Bühne des Marktes und legten im Rahmen ihrer wöchentlichen Kaufaktivitäten einen Tender für 120 tsd Tonnen Futterweizen und 200 tsd Tonnen Futtergerste auf. Die Lieferung soll im Oktober erfolgen, sodass es sich um neuerntige Ware handelt. Wer sich über den Zuschlag freuen darf, müssen wir abwarten. Wenn die eingereichten Offerten zu hoch waren, hatten die Japaner in der jüngeren Vergangenheit auch kein Problem damit, eine Generalabsage an alle Verkaufswilligen zu erteilen und sich unverrichteter Dinge wieder zurückzuziehen.
 
Ferner meldeten sich der Irak auf der Seite der Kaufwilligen zu Wort, der Interesse für 50 tsd to Weizen bekundete, und die taiwanesische Mühlenindustrie. Letztere schauten sich nach 110,45 tsd Tonnen Weizen um.
 
Das ukrainische Landwirtschaftsministerium bezeichnete die Sommergetreideaussaat nun zu 79% abgeschlossen. Es befänden sich mittlerweile 2,6 mio Hektar bei Weizen und Gerste im bestellten Zustand und 3,9 mio Hektar konnten die ukrainischen Landwirte bislang mit Mais bestellen. Wie die neue Kampagne allerdings „politisch bestellt“ werden wird, müssen wir abwarten. Derzeit bemüht man sich scheinbar um Deeskalation, aber ein wirkliches Abrücken von den eigenen Interessen ist derzeit von keiner Seite ernsthaft zu erwarten. Auf dem diplomatischen Schachbrett bewegt man die Figuren mit Alibizügen hin und her, ohne dass sich an der Gesamtstellung von Schwarz und Weiß etwas ändert. Wobei wir einmal offen lassen wollen, wer Schwarz und wer Weiß ist.
 
An der Matif konnte man sich dem internationalen Trend nicht widersetzen und sank ebenfalls ab. Der Novembertermin verlor 1,50 €/mto und settelte bei 207,25 €.

Mais reagiert nach unten

Der Julikontrakt am CBoT gab gestern 3 ½ cts/bu nach und settelte bei 5,14 US$/bu glatt. Man erwartet im Mittleren Westen einen guten Aussaatfortschritt bei Mais in der laufenden Woche, der gestern die Preisbildung belastete. Am moderaten Minus lässt sich aber in etwa ablesen, wie ernst es die Marktteilnehmer damit meinten. Wahrscheinlich war eher eine abwärtsgerichtete Gegenreaktion nach den Zugewinnen vom Vortag notwendig, um das Preisniveau insgesamt zu konsolidieren.
 
Eine hochinteressante, von Reuters durchgeführte Umfrage unter den Marktbeteiligten hinsichtlich des ukrainischen Produktionspotentials kam zu dem Ergebnis, dass man mit nicht mehr als 25 mio Tonnen Mais rechnen dürfe, da infolge der politischen Turbulenzen die Betriebsmittelkredite in einem Maße eingeschränkt sind, das eine höhere Produktion nicht zuließe. Im letzten Jahr hatten die Ukrainer noch fast 31 mio to Mais produzieren können; nun sind es fast 20% weniger, sollten sich die Umfragewerte bewahrheiten. Zum Vergleich, der Internationale Getreiderat hat die Ukraine mit 26,8 mio to auf dem Zettel. In Paris gab der neuerntige November 1,- € nach und settelte bei 192,- €/mto glatt.

Kartoffel: Wo liegt der Boden?

Wer geglaubt hatte, dass die Kartoffel nicht tiefer würde fallen können, wurde gestern auf grausame Weise eines besseren belehrt. Der Veredelungserdapfel dachte überhaupt nicht daran, seine Talfahrt zu stoppen und verlor bei einem Gesamtmarktumsatz von 140 Kontrakten rauschte der Junikontrakt erst einmal auf 6,40 runter bevor man hat den Rückwärtsgang einlegen können, um verlorenes Terrain wieder gutzumachen. An einem Minus von 0,10 €/dt kam man aber auf Schlusskursbasis nicht vorbei, und der Markt settelte im Juni bei 6,70 €/dt. Der Kassamarkt hatte nichts Besseres zu tun, als sämtliche Abwärtstendenzen vollumfänglich zu bestätigen. Nirgendwo gab es einen Hoffnungsschimmer steigender Notierungen auszumachen, jedenfalls was die alte Ernte betrifft.
 
Der neuerntige Apriltermin 2015 legte gestern 0,40 zu und settelte bei 12,30 €/dt. Allerdings wurden auf diesen Termin nur wenig aussagekräftige 16 Kontrakte gehandelt. Das Mastschwein konnte bei leicht sinkenden Notierungen einen Umsatz von 6 Kontrakten in den vorderen beiden Handelsmonaten generieren. Der Mai wurde bei 1,630 €/kg und der Juni bei 1,680 €/kg gehandelt. Das stellte ein kaum nennenswertes Minus dar. Die Ehre des weißen Sortiments rettete die Butter, denn sie schaffte auf den Monat Juni einen Kontrakt Umsatz bei 3380,- €/to. Das stellte ein Plus von 20,- €/to dar.

Zucker bleibt unentschlossen

Die staatseigene Zuckergesellschaft Thailands (Thai Cane and Sugar Corp., kurz TCSC) hat gestern ihre ersten neuerntigen Tenderbemühungen abgeschlossen und 120 tsd Tonnen Zucker an den Mann gebracht. Ursprünglich hatte man geplant 144 tsd Tonnen zu verkaufen, aber für diese Menge fanden sich noch keine Käufer. Die 120 tsd Tonnen gingen an zwei unterschiedliche Käufer, die 47 bzw. 69 Punkte/Pfund über den New Yorker Notierungen bezahlt haben. Im New Yorker Kontrakt stellt ein Punkt ein Hundertstel eines Cents dar. International wurde das Prämienniveau eher preispessimistisch beurteilt, aber zu einer konkreten Stellungnahme war kein internationaler „Zuckermarktexperte“ bereit. Typisch!!! In New York konnte man einen leicht festeren Schlusskurs von 17,28 cts/Pfund beobachten.

El Nino: Wahrscheinlichkeit steigt!

Ein Klimaexperte des Australia´s Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) äußerte sich hinsichtlich eines potentiellen El Ninos wenig optimistisch. Die derzeit höchste zu beobachtende Temperatur eines beginnenden El Ninos in Verbindung mit der enormen Geschwindigkeit, mit der sich die warmen Wassermassen im Pazifik ostwärts bewegen, deuten auf ein signifikantes Ereignis hin. Angesichts der vorliegenden Werte, könne man den stärksten El Nino der letzten Jahrzehnte nicht ausschließen! Wir müssen die weitere Entwicklung der Ereignisse strengstens beobachten, denn viele unserer Agrarbilanzen sind derart knapp, dass nur wenig Spielraum bleibt, um etwaige Ernteausfälle zu kompensieren. ABN Amro sieht im Falle eines El Ninos besonders die Zucker-, Kakao- und Kaffeepreise steigen.

DAX dreht doch noch ins Plus

Das deutsche Aktienbarometer erwies sich gestern zuerst einmal als unfähig, signifikante Zugewinne zu verbuchen. Zu Handelseröffnung offenbarte man eine abschlägige Tendenz, die aus einer schwachen Auftragslage in der deutschen Industrie und aus der politischen Ungewissheit über die Ukraine herrührte. In der laufenden Berichtssaison schaffen es aber immer wieder einzelne Daxtitel, die Investoren zu überzeugen. Gestern setzten sich Siemens und Henkel an die Spitze der Gewinnertitel im Index. Am Nachmittag konnte man schließlich soviel Kaufinteresse anlocken, daß das Börsenbarometer überzeugend in den positiven Bereich drehen konnte. Die Amerikaner gaben eine positive Vorgabe, die man in Frankfurt hat ummünzen können. Am Ende standen ein Plus von 53,77 Punkten und ein Schlusskurs von 9521,3 Zählern auf der Kurstafel.


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