Login
Börsentelegramm

Agrarmärkte präsentieren sich uneinheitlich

von , am
20.02.2014

Am CBoT verlor die Märzbohne gestern nach strammem Zugewinn, Weizen durchstoß durch die 6,- US$/bu-Marke und auch der Mais zog nordwärts.

Am gestrigen Handelstag verlor Baumwolle am stärksten. © Manfred Rose/pixelio.de
Am CBoT war nur die Bohne im Minus, Weizen und Mais zogen weiter nordwärts, wobei erneut der Weizen den Takt vorgab. Im agrarischen Sektor überstrahlten aber die Gewinne im Kaffe ein weiteres Mal das Geschehen, denn hier schlugen Zugewinne in Höhe von über 11% zu Buche. Auf der Verliererseite fanden sich Baumwolle, Kakao und die Fleischnotierungen.

Bohne setzt zurück

Die Märzbohne verlor gestern 6 ¼ cts/bu und schloss bei 13,54 ¾ US$/bu. Nach den strammen Zugewinnen der letzten Handelstage war der gestrige Rücksetzer sicherlich nicht sonderlich überraschend, zumal der Markt am alten Zwischenhoch notierte.
 
AgRural hatte vor kurzem seine Prognose für die brasilianische Gesamtbohnenernte infolge der örtlich zu trockenen Witterungsbedingungen reduziert. Abiove kam gestern mit seinen Zahlen raus und passte seine Schätzung nach oben an. Man hob die Gesamternte von 87,6 auf 88,6 mio Tonnen an. Zum Vergleich, das USDA stand in seiner Februarschätzung bei glatt 90 mio Tonnen.
 
In Paris handelten die Rapsnotierungen auf beiden Seiten, die Vorzeichen wechselten mehrfach. Am Ende der Sitzung kam aber der Kollaps und die Notierungen drehten ins Minus. Besonders auffällig waren die 6,- €/mto Verlust im alterntigen Maitermin. Hier verlor man 6,- €/mto und settelte bei 381,25 €/mto. Der äußerst schwache Schlusskurs legt den Verdacht nahe, dass das Top des Aufwärtsschwunges gemacht ist, jedoch klammerte sich der Markt an seine 200-Tagelinie, sodass noch nicht alles verloren sein muss.

Sojaöl fest

Sojaöl konnte wegen der strammeren Palmölpreise an der Börse in Kuala Lumpur, welche eine Leitfunktion für die globalen Pflanzenölpreise besitzen, seinerseits ansteigen und am Dientag in Chicago ordentlich draufpacken. Die Marke von 40 cts/Pfund konnte sogar zurückerobert werden. Das war die größte Rallye eines Handelsmonats (Frontmonat) seit August 2014. Auch hier waren Shortabdeckungen seitens der Fonds mit ursächlich für die verzeichneten Zugewinne.
 
Ob wir einen strukturellen Boden bei Sojaöl gemacht haben, lässt sich derzeit nicht mit der nötigen Eindeutigkeit beurteilen. Gestern büsste man zwar etwas an Boden ein, aber man verteidigte die 40 ct/Pfund-Marke. Das dürfte bei den Bullen vorsichtigen Optimismus auslösen.

Weizen: Shortcovering geht weiter

Der CBoT-Weizen legte gestern im März 8 ¼ cts/bu zu und schloss bei 6,20 ¼ US$/bu. Nach dem Durchstoß durch die 6,- US$/bu-Marke gab es gestern weiteres Glattstellungsinteresse seitens der Fonds zu beobachten. Sie kauften den Weizen, um Verkaufpositionen zu schließen.
 
Die Nachrichtenlage gab nicht sonderlich viel her und beschränkte sich auf Marktübliches. An der Pariser Matif dominierte immer noch der Respekt vor der 200,- Euro-Marke. Man hatte den Eindruck, dass niemand der erste sein wollte, der den Angriff wagt, um nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Wir können davon ausgehen, dass die derzeitige Situation unter jedermanns Lupe liegt. Insbesondere diejenigen, die noch Mehlkontrakte zu preisen haben, dürften rasch bei der Hand sein, falls der Markt die 200,- €/mto erfolgreich angreift. Anschlußmomentum wäre dann sicherlich vorprogrammiert.
 
Für gestern blieb aber erst einmal ein unverändertes Schlusskurs von 199,- €/mto im Märztermin stehen.

Kanada: Ministerium erwartet Flächenverschiebung

Das kanadische Agrarministerium veröffentlichte eine Einschätzung hinsichtlich der zu erwartenden Flächenverteilung in 2014. Die Ministerialstatistiker sehen eine Verschiebung von Weizen zu Raps bei reduzierter Erntemenge beider Früchte. Die außergewöhnlich hohen Ertragsniveaus aus 2013 würden sich in 2014 nicht wiederholen lassen. Man bezifferte seine Flächenschätzung mit 24,7 mio acres bei Weizen (gesamter Weizen), was ein Minus von 6% zum Vorjahr bedeutet.
 
Basierend auf Durchschnittserträgen vergangener Jahre führte die Fläche zu einer Gesamtweizenernte von 29,3 mio Tonnen (ein Minus von 22% zum vormaligen Allzeithoch aus dem Jahre 2013) Mais profitiert vom Plus bei Weizen.
 
Der Märzmais am CBoT legte gestern 5 cts/bu zu und settelte bei 4,54 ½ US$/bu. Auch beim Mais blieb die Nachrichtenlage relativ unspektakulär und ist keiner zweiten Lektüre wert. In Paris schloss der vordere Märztermin 0,25 €/mto im Plus und schloss bei 173,25 €/mto.

Kartoffel kriegt die gerade noch die Kurve

Das war kein Heldenstück, was die Kartoffel da gestern an der Eurex ablieferte. Nach einer schwachen Eröffnung geriet man sofort weiter unter Druck, und die Marke von 11,- €/dt wurde durchbrochen.
 
Bei einem relativ verhaltenen Umsatz von 156 Kontrakten lag der Veredelungserdapfel im Feuer der Bären und wurde ordentlich gegrillt. Offenbar wollte er sich nicht kampflos geschlagen geben und leistete in der Folge Widerstand, der ihn immerhin wieder auf die 11,- €/dt-Marke zurückbrachte. Bei 10,90 €/dt wurde der Apriltermin 2014 schließlich gesettelt, was einem Minus von 0,30 €/dt entsprach.
 
Wer auf Unterstützung vom Kassamarkt hoffte, wurde bitter enttäuscht. Hier fuhr man im Gleis der Gewohnheit und wickelte vertragsgebundene Ware ab. Exportnachrichten gab es keine. Das Mastschwein wurde im März und im Maitermin gehandelt, wies aber keine wesentlichen Preisveränderungen auf. Der März legte wenigstens 0,020 €/kg zu und settelte bei 1,490 €/kg glatt. Das Ferkel wurde umsatzmäßig nicht aus dem Stall gelassen, aber im weißen Sortiment konnte wenigstens die fettreiche Komponente (Butter) auftrumpfen.
 
Auf verschiedenen Handelsterminen wurden 23 Kontrakte Umsatz erzielt. Die Preisveränderungen waren nicht sonderlich groß, aber erwähnenswert ist das einheitliche Niveau von 3500,- €/Tonne in den Terminen April, Mai und Juni.

Zucker zeigt etwas Stärke

Die indische Zuckerproduktion könnte sich infolge exzessiver Regenfälle in Hauptanbaugebieten verringern. Der zweitgrößte Zuckerproduzent hinter Brasilien befindet sich in Gefahr, die niedrigste Ernte der letzten vier Jahre einzufahren.
 
Einer Bloomberg-Erhebung unter den Marktbeteiligten zufolge, werde sich die indische Zuckerproduktion im laufenden Wirtschaftsjahr (Zuckerwirtschaftsjahr beginnt immer am 1. Oktober) um 6,4% auf 23,5 mio Tonnen im Vorjahresvergleich reduzieren. Die indische Zuckerverarbeitungsindustrie schätzte die Ernte in ihrem letzten Bericht auf noch 25 mio Tonnen. Experten erwarten aber, dass auch von dieser Seite her notwendige Korrekturen vorgenommen werden. In zwei Wochen werden diese dem Markt präsentiert.
 
Bewahrheitet sich die Einschätzung der von Bloomberg Befragten, dann käme es zu einem Bestandsabbau in Indien. Global betrachtet würde es aber trotz etwaiger Ertragseinbußen und konsekutiver indischer Bestandsreduzierung weiteren Bestandsaufbau geben, sodass der Markt sicherlich keine bullischen Fähnchen wehen wird. Dennoch hat Zucker angesichts der veränderten fundamentalen Rahmenbedingungen durchaus die Chance, auf gegenwärtigem Niveau einen strukturellen Boden auszuformen. Das wäre angesichts des trostlosen Chartbildes der letzten drei Jahre auch schon einmal etwas.
 
In London legte der Maitermin 6,10 US$/Tonne zu und schloss bei 462,- $ glatt. Da unverändert Das deutsche Aktienbarometer DAX büsste gestern bis zum frühen Nachmittag etwa 50 Punkte und rang mit der Marke von 9600 Punkten. Im weiteren Handelsverlauf konnten die Verluste aber wett gemacht werden. Dennoch blieb ein bäurischer Nachgeschmack zurück.
 
Die ungewisse Lage in den Schwellenländern, wo die Währungen wie Fliegen von der Decke fallen, die schöngefärbten Wirtschaftsdaten im Westen, die politischen Spannungen in einer Vielzahl von Ländern, sowie das us-amerikansiche Notenbankprotokoll sorgen für Bauschmerzen bei den Anlegern.
 
In der Ukraine sind die Unruhen eskaliert, und es hat in der Hauptstadt Kiew bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei viele Tote (ca. 25) und hunderte Verletzte gegeben. In anderen Teilen der Ukraine schließt man sich der Protestwelle gegen das Regime Janukowitsch an und überlegt öffentlich die Abspaltung. Die Stadt Lemberg hat sich bereits für autonom erklärt und damit die Regierung in Kiew herausgefordert.

Exkurs: Lemberg, die Geburtsstadt des Weltökonomen Ludwig von Mises

Lemberg war im Jahre 1881 übrigens auch die Geburtsstadt eines des brillantesten Denkers der Menschheitsgeschichte, Ludwig von Mises. Seine wirtschaftswissenschaftlichen Leistungen als herausragendster Vertreter der Österreichischen Schule der Volkswirtschaftslehre sind bis heute unerreicht und halten jeder sozialistischen und keynesianischen Quacksalberei das gleißende Licht der Vernunft entgegen.
 
Im Jahre 1912 konnte er in seiner Habilitationsschrift "Die Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel" jahrhundertealte Probleme des Geldwesens einer abschließenden Lösung zuführen. Im Schweizer Exil, er musste vor den Nazis fliehen, denn er stand auf der Ermordungsliste der Gestapo, verfasste er mit seiner "Nationalökonomie – Die Theorie des Handels und des Wirtschaftens" ein in sich geschlossenes und erkenntnistheoretisch perfekt durchargumentiertes Meisterwerk der Ökonomie.
 
In die USA geflohen, weil selbst die neutrale Schweiz seine Anwesenheit während der Nazizeit als politische Belastung empfand, schrieb er mit "Human Action" eine erweiterte englischsprachige Nachfolgeversion und erreichte damit den wissenschaftlichen Gipfel seines schaffensreichen Lebens. Ihm gebührt nicht nur der Titel des größten Ökonomens aller Zeiten, sondern auch der als wichtigster Erkenntnistheoretiker, denn er erkannte den menschlichen Verstand als den eines handelnden Wesens und löste damit ein zentrales Problem, an dem Immanuel Kant in seiner "Kritik der reinen Vernunft" noch gescheitert war.

US-Wirtschaft auf Erholungskurs

Aus dem Notenbankprotokoll ging hervor, dass man vorerst am graduellen Tapering festhalten möchte, weil man die us-amerikanische Wirtschaft auf Erholungskurs sieht. Zusätzlich soll gegen Mitte des nächsten Jahres ein aufwärtsgerichteter Leitzinsschritt erfolgen.
 
Fürs erste mag man hiermit den Mainstream bedient haben, aber es ist zu erwarten, dass diese Strategie nicht mehr als ein substanzloses Lippenbekenntnis darstellt, wenn es erst einmal darum geht, den US-Staat zu refinanzieren, wenn die privaten Geldquellen weiter austrocknen.
 
Der Dax schloss am Ende des Tages mit einem Kleinstplus von 0,27 Punkten und 9660,05 Zählern.

Chinesen werfen US-Staatsanleihen über Bord

Das Reich der Mitte hat seine Bestände an papiernen US-Schuldtiteln im Dezember 2013 um 47,8 Mrd. US$ oder 3,6% reduziert, sodass ihr derzeitiger Bestand noch 1,27 Billionen US$ umfasst. Die Reduzierung stellte die größte seit Dezember 2011 dar. Gleichzeitig dehnten andere internationale Gläubiger der USA ihre Bestände an US-Papieren um 1,4% auf 5,79 Billionen aus.
 
Es gärt überall in den internationalen Finanzmärkten, an allen Ecken und Enden rumort es und es sollte uns nicht wundern, wenn alsbald Dinge geschähen, die Janet Yellen in der FED dazu veranlassen, mit massiven Schrottpapieraufkäufen beschleunigt fortzufahren.  
Auch interessant