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Börsentelegramm

Agrarmärkte preislich gemischt

von , am
14.08.2014

© Mühlhausen/landpixel
Nachdem man am Dienstag die Zahlen des USDA´s zu schlucken hatte, war gestern wiederkäuen und verdauen angesagt. Bei der Passage durch den Magen-Darm-Trakt des Marktes machte sich eine abschlägige Tendenz breit. Am CBoT brachen Bohne und Weizen ihre Unterstützungen und verzeichneten neue Tiefs. Mais schob sich weiter seitwärts.

Sojabohne gibt bärischen Anfechtungen nach

Die Novemberbohne verlor gestern weitere 12 ¾ cts/bu und settelte bei 10,46 ¾ US$/bu. Die Unterstützung bei 10,60 US$/bu ist damit gebrochen. Die vom USDA nicht ausgesprochenen Dinge zeigten gestern Wirkung und drückten die Bohne unter ihre alten Tiefs. Das ungute Gefühl, vom dem wir gestern an dieser Stelle sprachen, setzte sich bei der Preisbildung durch. Es gab keine neuen fundamentalen Nachrichten, die das Vermögen gehabt hätten, diesen Trend aufzuhalten. Es scheint, als habe man das bullische Verteidigungskapital vorerst aufgezehrt und die Herrschaft des Bären final anerkannt.
 
Im weiteren Verlauf müssen wir darauf achten, wie sich der Markt bei Preisveränderungen im Positionsneuaufbau verhält, denn hier liegt allein der Schlüssel für perspektivische Zukunftsaussagen. Die zweite brasilianische Sojabohnenernte (second crop beans) soll in diesem Jahr geringer als üblich ausfallen. Diese Einschätzung vertritt jedenfalls der Hamburger Branchendienst Oil World. Infolge des asiatischen Sojarosts (Pilzkrankheit) habe es spürbare Ertragsreduktionen gegeben.
 
Der staatliche chinesische Informationsdienst für Getreide und Ölsaaten (CNGOIC) hob seine Importprognose für Sojabohnen an. Der Prognose zufolge hat das Reich der Mitte in 2013/14 70 mio Tonnen Bohnen eingeführt und wird in der kommenden Kampagne 2014/15 73 mio Tonnen Bohnen einführen. Zum Vergleich, gestern bezifferte das USDA den neuerntigen Importbedarf an Bohnen mit 73,5 mio Tonnen. Streng genommen lassen sich beide Zahlen in Zweifel ziehen, da die chinesische Zollbehörde kürzlich die Bohneneinfuhren im ersten Halbjahr 2014 mit über 40 mio Tonnen angab. Der Deutsche Raiffeisenverband bezifferte gestern unsere Rapsernte mit 6,1 mio Tonnen und liegt damit wie der Hamburger Branchendienst Oil World (6,2 mio to) oberhalb der Marke von 6 mio to.
 
An der Matif arbeitete man sich in stabiler Seitenlage weiter vor, obwohl die Tendenz des Tages abschlägig war. Der Novembertermin schloss nach einem Minus von 0,50 € bei 321,75 €/mto.

Weizen bestätigt anhaltende Schwächeneigung

Am CBoT verlor der Septembertermin 10 cts und schloss bei 5,28 US$/bu. Der Dezember schloss mit 5,45 ½ unterhalb der Marke von 5,50 US$/bu. Auch beim Weizen gab es zu Wochenmitte keine wesentlichen Neuigkeiten einzupreisen. Der USDA-Report hing als schwerer Stein um den Hals des Marktes. Die Ukraine wird laut Aussage des dortigen Agrarministeriums eine Rekordernte im Getreide einfahren. Die Kiewer Statistiker bezifferten die Erntemenge zwar nicht konkret, aber sie ließen sich dahin gehend ein, dass man die Gesamternte 2014 oberhalb der 63 mio Tonnen des letzten Jahres sieht.
 
Der Deutsche Raiffeisenverband legte gestern seine jüngste Schätzung vor und bezifferte die gesamte Getreideernte Deutschlands auf 50,1 mio Tonnen. Das lag komfortabel über dem Vorjahresniveau von 47,8 mio to. Davon entfielen knapp 26 mio Tonnen auf Winterweizen (+5,4% zum Vorjahr). Der Produktionszuwachs wurde auf die Rechnung der Flächenausdehnung gesetzt.
 
An der Matif gab es durch die Bank sinkende Notierungen zu sehen, wenngleich man die Abschläge in engen Grenzen halten konnte. Der November schloss bei 171,25 €/mto; ein Minus von 0,75 €.

Mais hält still

Am CBoT legte der Dezembertermin ¾ ct/bu zu und settelte bei 3,69 ¾ US$/bu. Auch im Maismarkt herrschte die übliche Mittwochsnachrichtenflaute. Die USA meldeten zwei Geschäfte von der Exportfront. Ihr südlicher Nachbar Mexiko kaufte 107,6 tsd Tonnen Mais aus der neuen Ernte, und eine nicht näher spezifizierte Destination hat sich weitere 130 tsd Tonnen ins Buch genommen. Der deutsche Raiffeisenverband schätzte die neue Maisernte in Deutschland auf 5 mio Tonnen, was deutlich oberhalb des letzten Jahres lag (13,7%). Bei der Wintergerste herrschte ein ähnliches Bild vor. Dank sehr guter Hektarerträge von fast 7,5 to/ha belaufe sich die deutsche Ernte auf 9,2 mio to. Der starke Flächenrückgang beim Winterroggen (-20% zu 2013) sorge allerdings für einen Einbruch der Gesamterntemenge auf nun 3,9 mio to.
 
An der Matif gab es keine nennenswerten Preisveränderungen. Der November schloss bei unveränderten 154,- €/mto.

Getreideimporte Chinas

Die jüngsten Daten der chinesischen Zollbehörde hatten es auf den ersten Blick in sich, denn die Getreideeinfuhren des Landes sind im Vorjahresvergleich in der ersten Hälfte 2014 um ca. 80% auf 11,34 mio Tonnen angewachsen. Unter Fachkreisen schlug diese Zahl ein wie eine kleine Bombe. Allerdings stieß sie auf ein geteiltes Echo und wurde unterschiedlich interpretiert. Die eine Fraktion der Analysten erblickte hierin einen Beweis für die miserable Versorgungslage im Reich der Mitte. Die andere Fraktion wies das Argument nicht vollständig zurück, machte aber eine Ergänzung, auf die nicht verzichtet werden kann. Völlig zu recht machte man darauf aufmerksam, dass das Subventionierungssystem im Reich der Mitte eine tragende Rolle bei dieser Entwicklung gespielt haben könnte. Die chinesischen Farmer bekommen, um die Getreideproduktion im Land anzuheizen, jedes Jahr stetig steigende Zuzahlungen bzw. werden mit Mindestpreisanhebungen bedacht. Mittlerweile ist es für chinesische Nachfrager aufgrund der internationalen Preisentwicklung (abwärts) stellenweise billiger geworden, Ware zu importieren als auf dem heimischen Markt zu kaufen. Für küstennahe Standorte ist dies eine Option und wenn von ihr Gebrauch gemacht wird, steigen die Importe in den Statistiken…. unabhängig von der Versorgungslage im Land.

Eurex: Kartoffel gibt sich nicht geschlagen

Die Kartoffelbullen haben offenbar nicht die Absicht, kampflos klein bei zu geben. Denn man konnte gestern an der Eurex die Marke von 7,- €/dt im Apriltermin 2015 zurückerobern. Das deutlich gefallene Handelsvolumen von nur noch 83 Kontrakten lässt aber starke Zweifel an der Nachhaltigkeit der Zurückeroberung aufkommen. Dass der Kassamarkt nicht hinter dem Ofen hervor zu locken war, bedarf keiner Erwähnung mehr. Hier regiert weiterhin die abwartende Haltung. Im tierischen Bereich war das Mastschwein nebst Ferkel zu nichts imstande. Beide Vierbeiner blieben umsatzlos.
 
Im weißen Sortiment kam es bei fallenden Kursen zu Umsätzen bei Magermilchpulver und Butter. Der Abwärtstrend in den Milchprodukten ist intakt.

Zucker blieb leblos

An der internationalen Zuckerfront blieb es gestern ruhig. Man diskutierte das zu erwartende Preisniveau der neuen Ernte in Indien. Zu einem belastbaren Ergebnis kam man hierbei allerdings nicht. In London schloss der Zuckerkontrakt (Oktober) bei 431,90 US$/to.
 
Der deutsche Aktienindex legte gestern knappe 130 Punkte zu und settelte bei 9198,88 Zählern.
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