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Börsentelegramm

Agrarmärkte im Ruhemodus

von , am
26.06.2014

Der Fronttermin der Sojabohne konnte am gestrigen Handelstag ein Plus von 9,75 Cent je Bushel verzeichnen. © Mühlhausen/landpixel
Die neuerntige Novemberbohne konnte gestern 4 Cents je Bushel (cts/bu) zulegen und schloss bei 12,28 ¾ US Dollar/bu. Im Vorfeld des nächste Woche erscheinenden USDA-Reports herrschte ein ruhiger Handel, der zur Positionsanpassung seitens der Händler genutzt wurde. Für den Report am Montag erwartet der Markt eine US-Sojafläche von 82,154 Millionen (mio) Acres. Das läge über dem Wert der geplanten Anbaufläche vom März 2014. Vor drei Monaten rechnete man noch mit einer US-Bohnenfläche von 81,493 mio Acres.
 
Hinsichtlich des Quartalsbestandes zum 1. Juni erwartet der Markt lediglich 378 mio Scheffel. Das wäre der knappste Bestand seit 1977. Allerdings darf man nicht verkennen, dass eine derartige Erwartungshaltung, die man nur als bullisch bezeichnen kann, auch nach hinten losgehen kann. Sollte sich nämlich die alterntige Knappheit nicht in diesem extremen Maße bestätigen, kann es rasch zu weiter fallenden Kursen in der alterntigen Bohne kommen. Diese Möglichkeit sollte man trotz aller erwiesenen Knappheit in den USA nicht völlig ausblenden. 
 
Unterm Strich stehen sich aber zwei Extremwerte gegenüber. Auf der einen Seite eine extrem knappe alterntige Bohne und auf der anderen Seite die größte Bohnenfläche (neuerntig) in der Geschichte des Sojaanbaus in den USA. An der Matif in Paris legte man nach den heftigen Verlusten wieder den Rückwärtsgang ein und schraubte sich nach oben. Der August legte 2,75 Euro/mto zu und schloss bei 351,75 Euro/mto. Damit bewegten sich die Preise weiterhin in ihrer Seitwärtszone.

Weizen nach Verlusten etwas fester

Der Juliweizen konnte gestern am CBoT seinen Preisverfall vorerst stoppen und 5 cts/bu zulegen. Der Schlusskurs lag bei 5,75 ½ US Dollar/bu. Während der Sitzung gab es praktisch nichts Neues zu verarbeiten. Man versteifte sich auf das bereits Bekannt und richtete die Augen auf den USDA Bericht in der nächsten Woche. Für kommenden Montag erwartet der Markt einen Quartalsbestand in den USA von 598 mio Scheffel, was im Vergleich zum Vorjahr ein deutliches Minus darstellt. In 2013 konnte man zum gleichen Zeitpunkt noch 718 mio Scheffel Weizen sein eigen nennen.
 
Die Chinesen meldeten sich über Nacht zu Wort und bekräftigten ihre Absicht, die Getreidevorräte des Landes um 25 mio to aufzustocken. Zudem sei in den nächsten beiden Jahren geplant, die Silokapazitäten um 50 mio Tonnen auszubauen, damit man insgesamt einen Vorrat anlegen kann, der die Nahrungsmittelversorgung des Landes für sechs Monate sichert. Es besteht sicherlich kein Zweifel daran, dass die Chinesen derartige Dinge planen und umzusetzen versuchen, denn der wachsende Bedarf macht diese Dinge unumgänglich. Ob zwischen den geäußerten Absichten und den tatsächlich umsetzbaren Möglichkeiten eine Lücke klafft, muss aber streng beurteilt werden. Absichten sind die eine Sache, tatsächliche Umsetzung eine andere. An der Pariser Matif durchbrachen die Notierungen die Unterstützung bei 186,50 und schlossen bei 185,50 Euro/mto.

Mais abschlägig

Der Julimais verlor gestern am CBoT 1 ¾ cts/bu und settelte bei 4,41 ¼ US Dollar/bu. Da die gestrige Sitzung vollkommen unspektakulär war, kommen wir ohne Umweg zum Report. Die Erwartungshaltung des Marktes für den USDA-Bericht am Montag lässt sich hinsichtlich der Maisfläche mit 91,725 mio Acres beziffern. Letztes Quartal hatte das Ministerium noch von 91,691 mio Acres gesprochen. Allerdings handelte es sich seinerzeit um die "intended plantings", also die seitens der Landwirtschaft geplanten Anbauflächen. Diesmal spricht man von der tatsächlich ausgesäten Fläche. Wobei wir aus der Vergangenheit wissen, dass das USDA kein Problem damit hat, diese im Rahmen seiner monatlichen WASDE-Reporte nachträglich anzupassen. Das Motto scheint hier manchmal zu lauten: Was nicht passt, wird passend gemacht! An der Matif verlor der Novembertermin 1,50 Euro und schloss bei 173,- Euro/mto glatt.

Eurex: Kartoffel

Die Veredelungskartoffel an der Eurex konnte auch am dritten Tag der Woche keine Stärke zeigen. Bei einem geringer gewordenen Gesamtumsatz von 107 Kontrakten verlor der Apriltermin 2015 0,30 Euor/dt und schloss bei 11,20 Euro/dt. Der Kassamarkt gab kein Lebenszeichen von sich und verharrte auf der Stelle. Die jüngsten Notierungen lagen auf unveränderten Niveaus. Derzeit schaut man gen Himmel und sinniert über etwaige Niederschläge und deren Wirkung auf den Erdapfel! Im tierischen Bereich wurde gestern nur die Sau rausgelassen, dem Ferkel blieb die Markttür verschlossen. Das Septemberschwein konnte bei 1,740 Euro/kg genau einmal gehandelt werden. Das war besser als nichts. Das weiße Sortiment präsentiert sich zwar seit einigen Wochen preislich wieder etwas fester, aber die Umsatztätigkeit lässt doch sehr zu wünschen übrig. Das muss besser werden! Die Molkereien fehlen einfach am Markt. Das muss anders werden, wenn man die Kontrakte dauerhaft etablieren möchte.

Zucker am oberen Ende der Handelsspanne

Die Zuckernotierungen notieren seit Wochen seitwärts. Seit Anfang März werden die Kurse in New York nach oben hin von der Marke von 19 cts/Pfund gedeckelt. Nach unten hin stützt die Marke von 17,50 cts/Pfund. Die fundamentale Nachrichtenlage ist seit Monaten ohne Neuigkeiten geblieben, sodass kein erfolgreicher Ausbruchversuch unternommen werden konnte. Die Gefahr eines El Ninos wird nunmehr von Australien und von Indien mit 70% beziffert. Das Wetterphänomen würde die indische Produktion dezimieren. Indien ist immerhin nach Brasilien der zweitgrößte Zuckerproduzent der Welt. Eine bedeutende Unregelmäßigkeit in den Monsunregenfällen würde zweifellos negative Auswirkungen auf dem indischen Subkontinent haben. Diese Gefahr scheint sich nun in einer Risikoprämie in den New Yorker Zuckernotierungen eingepreist zu haben. Der Markt muss im Auge behalten werden, weil ein Ausbruch nach oben möglich ist.

DAX minus 70 Punkte

Die weltweiten Aktienmärkte hatten gestern Schlagseite. Der DAX geriet in Frankfurt in etwas ins Schlingern und gab seine Ambitionen, die Marke von 9.900 Punkten zu halten, auf. Die schwächere Tendenz machte sich bereits früh bemerkbar. Das Abwärtsmomentum beschleunigte sich als das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) seine jüngsten Zahlen veröffentlichte. Der Prognose zufolge, würde sich das deutsche BIP-Wachstum im zweiten Quartal um mehr als die Hälfte abschwächen. Konnte man im ersten Quartal noch 0,8 % BIP-Wachstum erzielen, rechnet man für das zweite nur noch mit einem Plus von 0,3 %.
 
Die politischen Unsicherheiten würden die Investitionstätigkeit abschwächen, was sich auf breiter Basis negativ auswirke, so die "Experten" des DIW. An der Börse hörte man das nicht gerne und machte Platz für die Verkaufslaune. Der DAX fiel. Niemand hat aber vergessen, dass wir in hochgradig inflationären Zeiten leben, deren Wohl und Weh von der Gelddruckgeschwindigkeit der Zentralbanken abhängen. Mit Mario Draghi hat man einen ehemaligen Goldman Sachs Banker am richtigen Ort, auf den man sich diesbezüglich verlassen kann. Am Ende hatte der DAX 70,33 Punkte verloren und bei 9867,75 Zählern geschlossen.




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