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Börsentelegramm

Agrarmärkte schwach gestimmt

von , am
13.05.2014

© Mühlhausen/landpixel
Zum Auftakt der neuen Woche zeigten sich die Agrarmärkte von ihrer schwachen Seite. Am CBoT verloren sowohl Weizen und Mais als auch die Sojabohne an Boden. Der USDA-Report vom Freitag hatte keine bullischen Überraschungen parat gehabt, sodass man in Gewinnmitnahmelaune zeigte.
 
Vereinzelt schafften es aber doch einige Notierungen, sich ins grüne Gewand zu hüllen. Beispielsweise legten die Zuckernotierungen in New York leicht zu.

Sojabohne unter Druck

Die alterntige Julibohne verlor gestern 21 ¼ cts/bu und settelte bei 14,64 ¾ US$/bu. Das USDA hatte am Freitag die alterntigen US-Bohnenendbestände mit 3,53 mio to beziffert und lag damit unterhalb des Markterwartungswertes von 3,64 mio to. Hinsichtlich der neuen Kampagne 2014/15 gehen die Ministerialstatistiker von einer US-Erntemenge in Höhe von 98,93 mio Tonnen aus. Infolgedessen würden sich die Endbestände auf 8,98 mio to erholen.
 
Die neuen südamerikanischen Ernten 2014/15 veranschlagte man mit 91 mio to für Brasilien, 54 mio to für Argentinien und 8,2 mio to für Paraguay. Da Südamerika eben erst die alte Ernte eingebracht hat bzw. noch dabei, diese einzufahren, sind die Zahlen zeitlich zu weit weg, um hier und heute eine tragende Rolle zu spielen.
 
Die Kühnheit des USDA´s, die neue US-Ernte mit fast 100 mio Tonnen zu veranschlagen, liegt zeitlich näher und ist ohnehin der preisbildnerische Haupteinflussfaktor, der uns in den folgenden Monaten begleiten wird. Bei seinen Berechnungen unterstellt das Ministerium einen durchschnittlichen Ertrag in den USA von 45,9 Scheffel/Acre, was eine Art von gebremstem Optimismus darstellt. Man war in den vergangenen Kampagnen stets von sehr guten Erträgen ausgegangen, die man aber immer wieder hat nach unten korrigieren müssen, weil einfach die Produktionsumstände nicht mitspielen wollten. Trotz des verhalten optimistischen Wertes von 45,2 Scheffel/Acre wäre es seit vielen Jahren das erste Mal, wenn sich ein derartiger Ertrag in den USA realisieren ließe.
 
Nichtsdestotrotz regierten die Gewinnmitnahmen die Sitzung und drückten die Preise stark in den negativen Bereich. Hieran konnten auch die wöchentlichen Exportinspektionen der USA nichts ändern, die immerhin mit knapp 240 tsd Tonnen an den Markt kamen und damit deutlich über den Erwartungen von nur 75 tsd Tonnen lagen. Nachbörslich veröffentlichte das USDA den Aussaatfortschritt der Bohne. Dieser wurde mit 20% beziffert und lag damit über den Erwartungen von 17%. In der letzten Woche hatte man erst 5% ausgesät. Nun hat man aber zum 5-Jahresdurchschnitt von 21% aufgeschlossen. Es deutet sich ein sehr guter Kampagnenstart an.
 
Unsere Rapsnotierungen an der Matif konnten sich noch gegen die Abwärtstendenz der Bohne stemmen und die Verluste aufholen. Der August schloss bei 363,25 €/mto; ein Plus von 0,25 €/mto.

Weizen durchbricht Unterstützung

Der Julitermin am CBoT durchbrach gestern die mühsam eroberte 7,20 $-Marke und verlor 8 ¼ cts/bu. Der Schlusskurs lag mit 7,14 ¾ US$/bu dennoch deutlich über den Tagestiefständen von exakt 7,- $/bu. Das USDA hatte am Freitag sowohl die globalen alterntigen Weizenendbestände als auch die neuerntigen der Kampagne 2014/15 oberhalb der Markterwartung platziert. Die US-Zahlen hatten demgegenüber einen leicht bullischen Anklang, weil Endbestands- und Produktionszahlen unterhalb der Erwartungen lagen. Angesichts der widrigen Verhältnisse in den US-Winterweizenregionen (Plains) stellte sich im Vorfeld des WASDE-Reports die Frage, in welchem Umfang das USDA diesem Faktor Rechnung tragen würde. Mit einem Durchschnittsertrag von 42,7 Scheffel/Acre (47,2 Scheffel/Acre im letzten Jahr), den das USDA seinen Kalkulationen zu Grunde legte, darf man davon ausgehen, dass dies vorerst in ausreichendem Maße geschehen ist.
 
Übers Wochenende hat es in Teilen der Plains Regen gegeben, der es den Marktteilnehmern sicherlich erleichtert hat, Teile der gewinnträchtigen Positionen zu schließen. Mit dem Durchbruch durch die 7,20 US$/bu scharte sich plötzlich ein ganzer Rattenschwanz technischer „Gewinnmitnehmer“ unter die handelnden Akteure, die den Verkaufdruck entsprechend anheizten. Es muss allerdings in aller Deutlichkeit festgehalten werden, dass zum wiederholten Male die trockensten Regionen in den Plains erneut ohne Regen geblieben sind, sodass sich hier keine Linderung einstellen konnte! Vielleicht haben gestern die guten Exportinspektionen von 623 tsd Tonnen dabei geholfen, die Notierungen von ihren Tiefs wieder etwas in die Höhe zu hieven. Erwartet hatte der Markt nämlich nur maximal 575 tsd Tonnen.
 
Nachbörslich bonitierte das USDA den Saatenstand des US-Winterweizens noch zu 30% mit gut bis exzellent (-1% zur Vorwoche). 42% stehen hingegen mit dem Prädikat „mangelhaft“ auf dem Acker, was ein Plus von 4% zur Vorwoche darstellt. Der US-Sommerweizen hat es bis Sonntagabend zu 34% ins Saatbett geschafft, was 8% über dem Vorwochenwert lag. Allerdings befindet man sich noch deutlich hinter dem Fünfjahresschnitt von 53%. Hier müssen alsbald deutlichere Steigerungen her.
 
Auf der internationalen Bühne wurden zu Wochenauftakt geschäftsübliche Tenderverfahren gestartet, die kein Überraschungspotential boten. Erwähnenswert ist allenfalls der Libanon mit seinem Kaufgesuch von 30 tsd Tonnen, weil er recht selten im Markt in Erscheinung tritt. Der Rest der Kundschaft bestand aus den üblichen Verdächtigen. MARS veranschlagte den zu erwartenden durchschnittlichen Weizenertrag in Europa mit 5,79 to/ha (-0,6% zum Vorjahr).
 
An der Matif ließen sich die Weizennotierungen von den fallenden Preisen in Übersee beeindrucken und sanken. Der Novembertermin verlor 3,- € und schloss bei 204,25 €/mto.

Mais unter Abgabedruck

Der Julitermin am CBoT verlor gestern 8 ¾ cts/bu und settlte bei 4,99 US$/bu glatt. Das USDA hatte am Freitag vergangener Woche die globalen Maisendbestände der Kampagne 2013/14 mit 168,42 mio Tonnen veranschlagt. Das lag über der Markterwartung von 157,31 mio to und war somit tendenziell bärisch. Das gleiche galt für die neue Ernte 2014/15. Hier wurden die globalen Endbestände mit 181,73 mio Tonnen angegeben. Erwartet hatte man lediglich knapp 160 mio Tonnen. Was die USA anbelangt, so tat sich ein zwiespältiges Bild auf, denn alterntig lag man mit einem Endbestand von 29,12 mio to unter den Erwartungen, was einen leicht bullischen Anklang hatte. In neuerntiger Hinsicht war aber das Gegenteil der Fall, denn hier ging das USDA von 43,85 mio Tonnen aus. Das lag über den Erwartungen und musste demzufolge bärisch interpretiert werden.
 
In gestriger Sitzung machten sich auch beim Mais die Gewinnmitnahmen bemerkbar. Insbesondere Fondsgesellschaften sollen damit begonnen haben, sich von größeren Longpositionen zu trennen. Entsprechend stark gerieten die Notierungen zeitweise unter Druck. Die Exportinspektionen der USA lagen mit knapp 1,2 mio Tonnen auf Höhe der Erwartungen und waren damit als neutral einzustufen. Nachbörslich bezifferte das USDA die US-Maisaussaat zu 59% abgeschlossen, was über den Erwartungen von 57% lag. Damit liegt man auch über dem Fünfjahresschnitt von 58%. Im Westen des Mittleren Westens der USA sollte die Maisaussaat diese Woche abgeschlossen werden können, da ideales Wetter vorhergesagt ist. MARS bezifferte die europäischen durchschnittlichen Maiserträge mit 7,08 to/ha (+5,9% zum Vorjahr).
 
An der Matif konnten die neuerntigen Notierungen die Marke von 190,- € nicht halten und verloren im Novembertermin 2,- €/mto. Der Schlusskurs lag bei 188,50 €/mto. Aus charttechnischem Blickwinkel drohen weitere Verluste.

Kartoffel bleibt alterntig bärisch

Für die letzten Reste der alterntigen bislang nicht vermarkteten Kartoffeln gibt es wohl preislich keine Hoffnung mehr. Der Markt steckt im Abwärtstrend fest, und es gibt momentan keinen Grund für eine Trendwende. Der Kassamarkt ist von Gelassenheit und vom Bewusstsein des eigenen Deckungsgrades gekennzeichnet, sodass es vergebens scheint, alterntig noch einmal auf bessere Preise zu hoffen. Bei einem relativ verhaltenem Umsatz von 124 Kontrakten büßte der Junitermin gestern 0,10 €/dt ein und settelte bei 6,10 €/dt. Der neuerntige Apriltermin 2015 schaffte hingegen ein Plus von 0,30 € und schloss bei 12,30 €/dt. Der ganze agrarische Rest an der Frankfurter Eurex konnte sich leider nicht über Umsatz freuen.

DAX: Aussagen von EZB-Mitgliedern treiben Kurse

Der EZB-Vizepräsident Vitor Constancio und das Ratsmitglied Ewald Nowotny lösten weitere Zinsphantasien im Euroraum aus. Es würde derzeit eine Vielzahl von Möglichkeiten ausgelotet, um der niedrigen Inflationsrate entgegenzuwirken, ließen die Notenbanker wissen. Das löste am Markt automatisch steigende Kurse aus, da man sich weitere Zinsschritte erhofft. Die steigenden Wertpapierkurse seit 2009 und die steigenden Immobilienpreise stellen aber nichts anderes dar als inflationsbedingte Preissteigerungen. Bei der Berechnung von Preisinflationsraten finden derartige Dinge allerdings keinen Eingang, sodass man die Öffentlichkeit weiter mit dem Trugbild einer niedrigen Inflation zu blenden imstande ist.
 
Angesichts der in Aussicht gestellten Geldflut freuten sich die Inflationsprofiteure und trieben den DAX 121,01 Punkte in die Höhe. Der Index schloss mit 9702,46 Zählern und damit über 9700-Punktemarke.




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