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Börsentelegramm

Agrarmärkte werden Schwäche nicht los

von , am
10.09.2014

In Europa wurden 2014 auf rund 0,507 Millionen Hektar Sojabohnen angebaut © sima/Fotolia.com
Die globalen Agrarmärkte setzten gestern ihre Schwächephase weiter fort. Einerseits erwartet man am Donnerstag Ertragsanpassungen in den USA durch das USDA und andererseits hat sich die Frostgefahr für den Mittleren Westen in den USA deutlich verringert bzw. sind vollkommen gewichen.
 
Das war zuviel für einen bärischen Markt, der sich verzweifelt an die Hoffnung auf Frost geklammert hatte. Die Preise setzten ihre Abwärtstendenz weiter fort. In bester Tradition wird in den letzten Jahren eine Fülle von Schätzungen vor dem monatlichen USDA-Bericht veröffentlicht. Gestern gab es sowohl von offizieller als auch von privater Seite Einiges zu lesen und zu hören. Das Wichtigste ist in den einzelnen Sektionen wiedergegeben.

Sojabohne wieder einstellig!

Nun ist es passiert, die Bohne notiert wieder einstellig vor dem Komma! Der Novemberkontrakt verlor gestern am CBoT 15 ¾ cts/bu und settelte bei 9,93 US$/bu glatt. Heute morgen geht es in den USA sogar weiter bergab und es hat zumindest jetzt den Anschein, als wolle die Bohne keinen Blick zurück werfen. Die geschwundene Frostgefahr im Mittleren Westen, der Erntebeginn und der Respekt vor dem WASDE-Bericht des USDA´s am Donnerstag vergifteten gestern die Atmosphäre und zwangen die Kurse tiefer. Momentan will sich niemand mehr auf dem falschen Fuß bzw. auf der Longseite des Marktes erwischen lassen. Also wird verkauft!
 
Die Statistikabteilung des brasilianischen Agrarministeriums (Conab) bezifferte die Sojabohnenproduktion der Kampagne 2013/14 mit 86,12 mio Tonnen und nahm damit eine Aufwärtskorrektur von 85,66 mio to aus dem Vormonat vor. Zur neuen Kampagne 2014/15 äußerte man sich am Zuckerhut gestern nicht. Hier liegen aber bereits private Schätzungen vor, die wir in früheren Ausgaben des Börsentelegramms vorgestellt hatten.
 
Der Raps an der Matif zeigt sich weiterhin äußerst resistent gegen die bärischen Anfeindungen der Bohne. Gestern verlor man trotz des charttechnischen Großereignisses in Übersee nur moderate 0,75 €/mto und schloss bei 324,- €/mto.

Weizen weiterhin nahe der Tiefs

Am CBoT verlor der Dezembertermin gestern 5 ½ cts/bu und schloss bei 5,29 US$/bu. Im Handelsverlauf markierte man sogar ein neues Kontrakttief. Belastend wirkten sich vor allem die bärischen Erwartungen hinsichtlich des USDA-Berichts aus. Man erwartet auf der Welt weiter steigende Weizenbestände. Bevor diese Katze nicht aus dem Sack ist, wird der Markt keine neue Hoffnung auf steigende Kurse schöpfen können.
 
Im internationalen Markt wurde der Abschluss der Geschäfte aus Israel gemeldet. Die Israelis buchten 50 tsd Tonnen Futterweizen. Die Herkunft war wahrscheinlich die Ukraine. Die russische Getreideernte ist nunmehr zu 64% abgeschlossen, und 81,6 mio to haben ihren Weg in die Silos gefunden. Das bestätigt die guten Schätzungen, die uns in den letzten Wochen fortwährend ans Ohr getragen wurden. Im letzten Jahr hatten die Russen auch nicht schlecht geerntet, aber zu diesem Zeitpunkt nur 67,4 mio to Getreide eingebracht. Dieses Jahr werden alle Rekorde gesprengt. Im übrigen wurde berichtet, dass man Bartergeschäfte (Ware gegen Ware ohne dazwischen geschalteten Geldtransfer) mit dem Iran in Höhe von 1 bis 2 mio Tonnen getätigt hat. Einzelheiten erfuhr man keine, aber es drehte sich wohl um den Austausch von Weizen gegen Öl.
 
Das französische Landwirtschaftsministerium verbesserte gestern seine Ernteeinschätzung. Unser linksrheinischer Nachbar hat der jüngsten Prognose zufolge 37,5 mio Tonnen Weizen geerntet. Das war eine Aufwärtskorrektur um 200 tsd Tonnen. Conab veranschlagte die Weizenernte 2013/14 Brasiliens mit 7,67 mio to und verbesserte damit die Zahl aus dem Vormonat um 170 tsd Tonnen. An der Matif verlor der November 1,- € und settelte bei 169,25 €/mto.

Mais macht neues Tief

Der Dezemberkontrakt am CBoT büßte gestern weitere 4 cts/bu ein und schloss bei 3,44 ½ US$/bu. Das war auf Schlusskursebene betrachtet ein neues Kontrakttief! Die Gründe sind altbekannt. Wir erwarten eine traumhafte Maisernte in den USA, dem das USDA in seinem morgigen Report Rechnung tragen sollte. Der Maismarkt ist fundamental bärisch und befindet sich charttechnisch weiterhin im Abwärtstrend. Da beisst die Maus keinen Faden ab!
 
Die Israelis buchten nicht nur Futterweizen, sondern auch Mais. Insgesamt soll man in Tel Aviv 80 tsd Tonnen aufgeschrieben haben, wobei der Herkunftsverdacht erneut auf die Ukraine fiel. Die französische Körnermaisernte 2014 wird in Paris (franz. AgMin) bei 16 mio to gesehen. Wie beim Weizen stellte auch diese Zahl eine Aufwärtskorrektur dar. Beim Mais bewegte sich diese sogar auf dem Niveau von 900 tsd Tonnen. In 2013 hatten die Franzosen noch 9% weniger geerntet. Conab schätzte neben der brasilianischen Weizen- und Sojaernte auch die Maisernte 2013/14. Man verbesserte die Produktionsmenge um knappe 1,5 mio to auf nun 79,91 mio Tonnen. An der Matif kollabierten die Notierungen. Der November verlor 3,- € und schloss bei 144,75 €/mto.

China lockert Trockenheitswarnstufen

In den chinesischen Provinzen Hubei, Henan und Shaanxi hat die chinesische Regierung aufgrund von Regenfällen ihre Lageeinschätzungen verändert und die Trockenheitswarnstufen zurück genommen. Besonders in der Provinz Henan haben die 200 mm Niederschlag in den letzten 10 Tagen die Lage entscheidend zum besseren gewendet. Zuvor beklagte man die schlimmste Trockenheit in den letzten 63 Jahren. Weitere Provinzen konnten von den Regenfällen ebenfalls profitieren, aber nicht alle. Im Südosten der inneren Mongolei und im Zentrum von Liaoning, sowie weiter südwärts ist es derzeit viel zu trocken. Hier werden dringend Niederschläge benötigt.

Chinas Immobilienmarkt im Crashmodus

Wir haben alle noch in Erinnerung wie der Crash auf dem amerikanischen Häusermarkt die Finanzkrise ausgelöst hat und die Welt ins globale Chaos stürzte. Staaten und Zentralbanken schafften etablierte Rechtsnormen ab und schalten ganze Parlamente aus, um die Banken zu retten. Das gleiche droht sich nun im Reich der Mitte zu wiederholen, denn der chinesische Immobilienmarkt ist quasi am Ende der Fahnenstange angekommen und kontrahiert landesweit. Die Kommentatoren sind sich selten so einig gewesen wie jetzt, wenn es darum geht, die offiziellen Statistiken als Märchenbuch zu verdammen.
 
Im vergangenen Monat sind in 64 von beobachteten 70 Städten in China die Immobilienpreise gefallen. Dabei wurde der größte Preisrückgang seit Beginn der Aufzeichnungen registriert. Fast alle Städte sind derzeit panisch darum bemüht, die Restriktionen, was den Immobilienerwerb anbelangt zu beseitigen, um die Preise zu stützen. Bislang war alles vergeblich, die Preise sanken durchschnittlich um über 16% im Vergleich zum Vorjahr.

Eurex: Kartoffel im Minus

Die Kartoffelnotierungen an der Eurex haben sich fest unterhalb der 7,- €/dt-Marke etabliert und drohen die nächste Unterstützung bei 6,- €/dt zu gefährden. Bei deutlich angezogenen Umsätzen von 103 Kontrakten verlor der Apriltermin 2015 weitere 0,20 €/dt und settelte bei 6,20 €/dt.
 
Das Schwein und das Ferkel schafften es erneut nicht, sich zu Wort zu melden und blieben umsatzlos im Stall stehen. Im weißen Sortiment gab es ebenfalls nichts zu holen. Was für eine Entäuschung!

Zuckerpreise unter Druck

Die Konkurrenz, die sich Thailand und Brasilien auf dem Weltmarkt machen, wirkt zerstörerisch auf den Preis. Der physische Markt ist weltweit in sehr guter Versorgung und die Exportambitionen der beiden genannten Länder sorgen insbesondere auf den vorderen Terminen für Preisdruck. An der New Yorker Börse ist Zucker unter die Marke von 15 cts/Pfund gefallen, und man befürchtet wegen der Wettbewerbsintensität weiteren Preisverfall. In New York schloss der Oktobertermin bei 14,88 cts/Pfund. Das Tief des Tages lag aber noch deutlich weiter unten.

DAX verliert halbes Prozent

Das Einbrechen der Evotec-Aktie und der Lufthansa-Pilotenstreik haben gestern die Anleger verschreckt. Der Dax büßte knappe 50 Punkte ein und settelte bei 9710,70 Zäh  
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