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Börsentelegramm

Agrarmärkte seitwärts

von , am
28.08.2014

Während der Weizen für die neue Ernte gesät wird, stellt sich die Frage nach den Preisen. © Mühlhausen/landpixel
Die globalen Agrarmärkte arbeiteten sich gestern seitwärts vor. Die preislichen Veränderungen waren bis auf wenige Ausnahmen zu vernachlässigen. In Chicago gab es volatilitätsbedingte Preisverschiebungen, die den Weizen leicht ins Plus zogen, Mais und Bohne aber tendenziell belasteten.
 
Im Kern blieben die Märkte aber unverändert.

Sojabohne im Minus

Die Novemberbohne verlor gestern 5 cts/bu und settelte bei 10,23 US$/bu. Aus den USA wird berichtet, dass in einigen Anbauregionen das Sudden Death Syndrome (SDS) aufgetaucht sei und den betroffenen Sojapflanzen den Garaus gemacht hätte. Das Ausmaß des Phänomens sei aber nicht bedrohlich und bewege sich derzeit in einer Größenordnung, die als normal einzustufen sei. Angesichts des Preisverhaltens an der Chicagoer Börse darf man dieser Einschätzung wohl Glauben schenken.
 
Ansonsten gab es keine marktbewegenden Nachrichten zu verdauen. Der Handel blieb insgesamt ruhig und tendenziell stets unter Druck. Der Hamburger Branchendienst Oil World sieht die globale Ölsaatenernte 2014/15 bei insgesamt 507,2 mio Tonnen. Das waren 2,2 mio to mehr als in der Vormonatsschätzung und etwa 18 mio to mehr als im letzten Produktionszyklus 2013/14. Die Bestände sah man bei 99,6 mio Tonnen, was einen Zuwachs von 18% bedeutete. Allein die Sojabohne vereinigt 306,7 mio to der Gesamtproduktionsmenge auf sich, was deutlich über den knapp 285 mio to aus 2013/14 liegt.
 
Der für die derzeitige Preisbildung so wichtige US-Bohnenausstoß wurde mit 103,85 mio to in Anschlag gebracht. Damit bewegt man sich in Hamburg auf der Linie des us-amerikanischen Agrarministeriums, das in seinem Augustreport diese Menge in gleicher Höhe auswies.
 
Was die Rapssaat anbelangt, so geht man in Hamburg von eine globalen Produktion von 68,7 mio to aus. Das Vorjahresergebnis von 69,7 mio to würde damit knapp verfehlt werden. Die Rapsproduktion in Kanada prognostizierte man mit 14,4 mio to (13,9 mio to sagt die kanadische Statistikbehörde). Im Vergleich zum letzten rekordverdächtigen Jahr stellt das ein Minus von etwa 20% dar. Die EU-Rapsernte bezifferte man mit 23,45 mio to (21,25 mio to im letzten Jahr).
 
An der Matif konnte der Novembertermin ansteigen und bei 325,75 € setteln. Das war ein Plus von 1,50 €. Mit dem gestrigen Schlusskurs hat der Markt zum ersten Mal seit dem 29. Juli über dem 20-Tage-EMA geschlossen. Das ist eine freundliche charttechnische Entwicklung, die es weiter zu beobachten gilt, denn es könnte ein rascher Angriff auf den 50-Tage-EMA stattfinden. Dieser liegt derzeit bei 332,- €/mto (Novembertermin).

Weizen infolge Shortcoverings etwas fester

Der Dezemberweizen am CBoT legte gestern 7 ½ cts/bu zu und schloss bei 5,61 ¼ US$/bu. Es gab keine Nachrichten, die für den gestrigen Handel in den USA wirklich Relevanz gehabt hätten. In Abwesenheit neuer Einflüsse erinnerte man sich wohl daran, dass man derzeit recht nahe am Tief notiert und fühlte die Zeit reif, in geringem Umfange Gewinne aus den Shortpositionen mitzunehmen. Infolgedessen stieg der Markt leicht an, konnte dabei aber keinen Hering vom Teller ziehen. Die Aufwärtsdynamik blieb nur sehr schwach ausgeprägt.
 
Als wären die Zahlen des russischen Agrarministeriums nicht schon bärisch genug gewesen. Die Getreideunion Russlands legte gestern eine Schätzung vor, die die Zahlen des Ministeriums noch in den Schatten stellte. Man bezifferte die russische Getreideproduktion im laufenden Jahr mit 104 mio to. Das waren noch einmal 4 mio to mehr als das AgMin zu Wochenauftakt schätzte. Die Getreideunion ging sogar soweit zu behaupten, dass die diesjährige Ernte unter Umständen den bisherigen Produktionsrekord aus dem Jahre 2008/09 einstellen bzw. übertrumpfen könne. Seinerzeit ernteten die Russen 108 mio Tonnen. Bei den Exporten schloss man sich dem Ministerium an und veranschlagte diese ebenfalls mit 30 mio Tonnen. Weizenmäßig befinden wir uns also weiterhin im Reich des russischen Bären.
 
Die Mühlenindustrie Taiwans hatte diese Woche Kaufinteresse bekundet und entsprechende Mengen ausgeschrieben. Die Kaufbemühungen wurden gestern ergebnislos abgebrochen. Man konnte sich wohl mit dem Preisniveau der vorgelegten Offerten nicht anfreunden und tätigte keinen Abschluss. Nachdem die Südafrikaner diese Wochen Zahlen bzgl. ihrer Maisernte veröffentlicht haben, wurde gestern der Weizen statistisch in Angriff genommen. Die diesjährige Weizenproduktion veranschlagte man am Kap mit 1,78 mio to, was leicht unterhalb der Vorjahresproduktion von 1,87 mio to lag. Der Novemberweizen an der Matif legte gestern ein Schippchen drauf und schloss bei 173,50 €/mto.

Mais seitwärts

Das Plus von einem halben Cent/Scheffel im Dezembermais ist vernachlässigbar. Der Markt schloss bei praktisch unveränderten 3,65 US$/bu. Die Nachrichten aus den USA sind es nicht wert, wiedergegeben zu werden. Die Motivation derartige Dinge zu veröffentlichen, war nur das Geltungsbedürfnis der Nachrichtenagenturen. Man täte besser daran, sich derartiger Spielchen zu enthalten, um seinen seriösen Ruf zu wahren. Jedem hergelaufenen Blödmann ein Mikrofon vor den Mund halten und dann ohne selbst nachzudenken, den sinnentleerten Unfug über seinen Ticker zu schicken, dient nicht der Sache. Medienzirkus hin, Medienzirkus her. Der US-Maismarkt steht vor einer großen Ernte und befindet sich in preislich abwartender Haltung! Das ist der innere Kern der Sache und weiter nichts.
 
Im internationalen Markt mochten die Taiwanesen ihren Weizentender ergebnislos verstreichen lassen haben, was sie aber nicht davon abhielt, eine weitere Ausschreibung für Mais zu starten. Man interessierte sich für 60 tsd Tonnen Mais südamerikanischer Herkunft. Vorzugsweise brasilianische Ware. Bis zum Abend lagen noch keine Ergebnisse diese Kaufbemühungen vor. An der Matif gilt das gleiche, die Maisnotierungen bewegen sich auf niedrigem Niveau seitwärts.

Eurex: Kartoffel schwappt hin und her

  Die Kartoffelpreise befanden sich gestern auf beiden Seiten der Nulllinie. Mal notierte man im Minus und mal im Plus. Schließlich setzte sich die abschlägige Tendenz durch, und die Kartoffel wurde im negativen Terrain sesshaft. Bei einem Umsatz von insgesamt 155 Kontrakten büßte der Apriltermin 2015 0,20 €/dt ein und settelte beim Tagestief von 6,70 €/dt. Damit ist der erneute Durchbruch durch die Marke von 7,- €/dt charttechnisch bestätigt. Wir müssen deshalb weitere Verluste befürchten. Die allgemeine Lage auf dem Kassamarkt bietet derzeit keinerlei Halt. Die alte Ware wird verramscht, und bei der neuerntigen ist man seitens der industriellen Verarbeiter nicht willens, aggressiv in den Markt zu gehen. Hier wartet man auf die frühen Rodeergebnisse.
 
Der Schweinesektor war leider ein weiteres Mal ohne Leben. Mastsau und Ferkel hielten ihre Klauen still. Im weißen Sortiment kam es bei der Butter zu Umsätzen. Der Handel konzentrierte sich in den beiden Frontterminen. Das Preisniveau driftete hierbei stark auseinander.

Zucker scheitert an eigener Kühnheit

Die Erholungstendenz vom Dienstag schien keine Eintagsfliege zu sein. Die Zuckernotierungen in New York bauten ihre Festigkeit gestern weiter aus und übersprangen den 10-Tagedurchschnitt. Ein positiv denkender Beobachter wird hierin bereits das erste zaghafte Anzeichen einer Bodenbildung erblicken wollen. Dann aber machte der Markt auf den Fuße kehrt und wurde heftig abverkauft. Am Ende musste man ein Minus von 13 Punkten hinnehmen. Schlusskurs Oktober: 15,58 cts/Pfund.

DAX konsolidiert

Er hat lange gezögert, unser DAX, bevor er sich für die rote Seite des Marktes entschied. Nach den beiden vorangegangenen sehr starken Handelstagen schaltete man in Frankfurt gestern in den Konsolidierungsmodus und nahm Druck vom Kessel. Am Ende prangten ein Minus von 18,44 Punkten und ein Schlussstand von 9569,71 Zählern an der Kurstafel.
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