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Börsentelegramm

Agrarmärkte setzen Abwärtstrends beschleunigt fort

von , am
23.09.2014

Die globalen Agrarmärkte nahmen zu Wochenauftakt ihre Abwärtstrends wieder auf und beschleunigten die Talfahrt. Am CBoT konnte Weizen zwar im Frontmonat etwas zulegen, aber Mais und vor allem die Bohne rauschten weiter in die Tiefe.

Die Brasilianer sollen dieses Jahr mit 111 Mio. t eine Rekordsojaernte einfahren. © landpixel
Die Art und Weise wie die Märkte in den letzten Handelstagen gefallen sind, erinnert an Edgar Allen Poes Meistererzählung "Der Untergang des Hauses Usher". Um genau zu sein, an den Moment, wo die lebendig begrabene Lady Madeline Usher in blutüberströmten Totengewand durch die ebenhölzerne Tür tritt und im letzten Todeskampf auf ihren Bruder Roderick stürzt, der vor Schrecken stirbt.

Sojabohne und Raps im freien Fall

Die Novemberbohne verlor gestern 19 cts/bu und schloss bei 9,38 US$/bu. Die Sojabohne musste an der Marke von 9,60 US$/bu eine Entscheidung treffen. Das hat sie getan, und es fiel ihr nicht schwer. Sie durchbrach dieses Level und stieß danach sogleich auf die nächste Flutwelle technischer Verkäufe, die den Preis weiter drückten. Dass im Markt eine extrem bärische Stimmung herrschte und man befürchten müsste, dass es weiter bergab geht, konnte man am zuvor weiter gestiegenen Open Interest sehen.
 
Es wurde sich eben nicht von den gewinnträchtigen Shortpositionen verabschiedet, sondern diese wurden noch weiter ausgebaut. In diesem Umfeld kann sich die Stimmung nicht zum Bullischen gedreht haben, das ist ein Ding der Unmöglichkeit.
 
Die wöchentlichen Exportinspektionen der USA lagen bei 467 tsd Tonnen und bewegten sich damit über den Erwartungen. Nachbörslich rückte das USDA mit den neuen Crop Ratings heraus. Die Bohne steht zu 71% gut bis exzellent (-1% zur Vorwoche). Zu 3% sind die Bestände geerntet. Informa Economics hat die neue us-amerikanische Sojabohnenernte mit 3,857 Mrd. Scheffel prognostiziert. Der Durchschnittsertrag wurde mit 46,5 Scheffel/Acre angegeben, und die Fläche betrage 82,9 mio geerntete Acres. Für Flächenprognosen hinsichtlich des nächsten Jahres ist es eigentlich noch zu früh, aber Informa wagte dennoch eine erste Einschätzung und sieht die US-Bohnenfläche in 2015 auf 87,7 mio Acres anwachsen. Das wäre ein Flächenzuwachs um 5,8%.
 
Die Rapsnotierungen hatten bereits die letzte Woche schwach beendet und kamen ob der neuen Verluste weiter unter Druck. Nachdem man bereits am Freitag knapp 5,-€/mto verloren und im November unter der Marke von 320,- €/mto geschlossen hatte, gingen gestern in Paris noch einmal 8,- €/mto flöten. Es scheint so, als würde der Raps, der lange Zeit die Preismarke von 320,- €/to hat verteidigen können, mit wenigen Hauruck-Schritten das Versäumte nachholen und der Bohne nach unten folgen. Erschwerend kam der Brand in einer Ölmühle in Neuss hinzu, der Befürchtungen auslöste, die Rapsnachfrage könne sich aufgrund dessen verlangsamen.
 
Einer Unternehmensstellungnahme zu Folge befindet man sich derzeit dabei, den genauen Schaden festzustellen. Zwischenzeitlich muss die Verarbeitung aus Sicherheitsgründen still stehen. Der Novembertermin schloss bei 310,50 €/mto.

Weizen kann sich stabilisieren…aber nur am CBoT

Der Dezembertermin am CBoT legte gestern 2 ¼ cts/bu zu und settelte bei 4,76 ½ US$/bu. Die Situation am CBoT galt als überverkauft, also in einem Zustand, der sich dadurch kennzeichnet, dass es kurzfristig keine neuen Verkäufer mehr gibt. Infolgedessen hat sich kurzfristiges und vorsichtiges Kaufinteresse gezeigt, das die Kurse gestern stabilisieren konnte. Das war der Kern des Handels am Chicago Board of Trade. Mehr gibt es nicht zu sagen.
 
Nachbörslich ließ das USDA wissen, dass 25% der neuen US-Winterweizensaat ihren Weg in den Boden gefunden haben. Zudem haben sich die Aussaatbedingungen verbessert. Beim US-Sommerweizen ist die Ernte nun zu 86% abgeschlossen. Man hatte hier einen Wert von 89% erwartet. Am Wochenende kauften die Ägypter 55 tsd Tonnen Weizen aus den USA, aber die Meldung konnte kaum auf bullische Art im Markt widerhallen, weil alles vor der großen US-Maisernte erzittert.
 
Im internationalen Geschäft haben sich die Israelis gezeigt und 35 tsd Tonnen Futterweizen optionaler Herkunft aufgeschrieben. Das Moskauer Forschungsinstitut für Agrarmarktkonjunktur (IKAR) bezifferte gestern die bislang getätigten Getreideexporte Russlands auf 9,9 mio to. Hiervon entfielen 8,6 mio to auf Weizen. Insgesamt liegt man mit den Exporten 26% über Vorjahresniveau. Allerdings äußerte sich IKAR auch skeptisch hinsichtlich der nahen Zukunft, denn kurzfristig sei der Inlandspreis höher als das Exportniveau, sodass die Exportgeschwindigkeit wohl nicht beibehalten werden könne. Informa Economics hatte Ende letzter Woche seine jüngsten Prognosen hinsichtlich der US-Weizenernte vorgelegt.
 
Man lag sowohl in der Gesamternteschätzung als auch in Einzelschätzungen leicht über dem USDA. Wir wollen und müssen die Zahlen im einzelnen nicht wiedergeben, aber angesichts der Zahlen von Informa besteht seitens des USDA´s sicherlich noch Anpassungsbedarf nach oben. Das wäre das letzte, was die Weizenpreise in Übersee vertragen könnten. Der relativ starke US$ belastet die Exporte, und die Erntemengen steigen noch weiter an. Das argentinische Agrarministerium 2014/15 sieht die Weizenfläche des Landes bei 4,5 mio Hektar. Das zuletzt bessere Wetter rechtfertige die Annahme einer höhern Fläche. Die Getreidebörse in Rosario weist die Fläche noch mit 4,36 mio Hektar aus und die Börse in Buenos Aires mit 4,1 mio to.
 
Welche Flächenangabe man auch immer als die richtige ansehen möchte, wir kommen um die Erkenntnis einer deutlichen Erholung im Vergleich zum letzten Jahr nicht herum. Die Matif war ein Schlachtfeld! Nach den heftigen Verlusten der Vortage griff gestern die blanke Panik um sich, die die Marke von 150,- €/mto im November zu Fall brachte. Der Schlusskurs von 151,25 kann angesichts der Verluste nicht wirklich versöhnen.

Mais markiert schon wieder neues Vierjahrestief

Der Dezembertermin hat gestern 1 ½ cts/bu verloren und schloss am CBoT bei 3,30 ¼ US$/bu. Die Bedingungen im Mittleren Westen der USA werden als sehr freundlich für die Ernte angesehen, sodass die Bullen gestern aus dieser Richtung den Wind aus den Segeln genommen bekommen haben. Man fürchtet die erwartet große US-Ernte, und es gibt derzeit niemanden mehr, der Manns genug ist, ins fallende Messer zu greifen, um Longpositionen aufzubauen.
 
Die wöchentlichen Exportinspektionen lagen zu Wochenauftakt bei 1,018 mio Tonnen und damit über den Erwartungen. In der Preisbildung konnten die strammen Exporte jedoch nichts bewirken. Nachbörslich bonitierte das USDA die US-Maisbestände zu 74% mit gut bis exzellent. Das lag exakt auf Vorwochenniveau. Israel hat neben den 35 tsd Tonnen Futterweizen noch 70 tsd Tonnen Mais eingekauft. Auch hier gab es keine Informationen um die Herkunft zu lesen.
 
In Tel Aviv hüllte man sich diesbezüglich in Schweigen. Informa Economics bezifferte in seiner jüngsten Prognose die US-Maisernte mit 14,024 Mrd. Scheffel. Der Durchschnittsertrag betrage 171,8 bu/acre und die Erntefläche gab man mit 81,6 mio Acres an. Auch beim Mais wagte Informa eine Prognose für 2015 und sieht die US-Maisfläche auf 87,3 mio Acres anwachsen. Das wäre ein Flächenzuwachs um fast 7%. Angesichts dieser Schätzungen stellt sich die Frage, wie man in den USA diese Flächenzuwächse bewerkstelligen will. Das ginge wohl nur, unter Rückgriff auf Grenzstandortflächen. In diesem Falle wären wir aber sofort mit sinkenden Durchschnittserträgen konfrontiert. Angesichts der fallenden Maispreise in Europa hat sich die EU überlegt, die Importzölle zu erhöhen. Der Zoll soll sich fast verdoppeln, von 5,32 €/to auf nun 10,44 €/to. Das hielt die Preise an der Matif aber nicht davon ab, in die apokalyptische Auslösungsphase einzutreten. Der November büßte satte 2,75 € ein und settelte bei 134,25 €/mto.

Eurex: Kartoffel auf alten Tief!

Der Preishüpfer der Kartoffel in Richtung 7,- €/dt war nur von kurzer Dauer. Das war angesichts der Situation auf dem Kassamarkt auch zu befürchten. Die Versorgungslage ist ausgezeichnet, und die neue Ernte wird mindestens gut erwartet. Es kann also nicht überraschen, dass die Preise bereits letzten Donnerstag kehrt machten und wieder nach Süden marschierten.
 
Bei einem Gesamtmarktumsatz von 117 Kontrakten fiel der Apriltermin 2015 auf 6,0 €/dt. Das war ein Minus von 0,40 €/dt. Der Markt droht hier mit einem Durchbruch durch die Unterstützung.
 
Der Schweinebereich blieb zu Wochenauftakt leider ohne Umsatz.
 
Das weiße Sortiment sah nicht wesentlich besser aus. Magermilchpulver schaffte lediglich einige wenige Kontrakte bei nahezu unverändertem Preisniveau, Molkepulver blieb gänzlich ungehandelt und die Butter ebenso.

China: Wirtschaftlicher Trend zeigt steil bergab

Die Chinesische Zentralbank (PBoC) hat kürzlich 500 Mrd. Yuan (über 80 Mrd. US$) in die größten Banken des Landes gepumpt. Die wirtschaftlichen Probleme sind unübersehbar geworden und lassen sich nicht mehr kaschieren. Die Liquiditätsspritze sollte der schwächer als erwarteten, wirtschaftlichen Entwicklung wieder auf die Beine helfen. Mal abgesehen davon, dass es ein sinnloses Unterfangen ist, sieht sich die kommunistische Partei (die Notenbank gehört der Partei), offenbar unter Zugzwang gesetzt, sonst würde sie diese Maßnahmen nicht ergreifen.
 
Gleichzeitig wissen die Chinesen aber um die Gefährlichkeit der Maßnahme, denn der Grat auf dem man wandelt ist schmal und geldseitig induzierter Preissteigerungsdruck zeigt sich in China rasch in den Teuerungsraten für Nahrungsmittel. Wir hatten bereits dann und wann von der schwächelnden Datenlage in China berichtet. Letzte Woche Donnerstag kam eine negativ beeindruckende Zahl heraus. Die Wohnimmobilien sind in 68 von 70 beobachteten Städten im Monat August gefallen. Das ist eine nahtlose Weiterführung des desaströsen Trends. Noch größere Konjunkturhilfen lehnen die Chinesen zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber ab.

Zuckerpreise mit neuem Tief

Auch der Abwärtstrend im Zucker präsentierte sich gestern ungebrochen. In New York schloss der Märzterminkontrakt bei 15,64 cts/Pfund.
 
DAX im Minus
 
Die Unwilligkeit Chinas, mit noch mehr Finanzspritzen ihren kranken Wirtschaftspatienten zu dopen, löste hierzulande Enttäuschung aus. Wenngleich die EZB in Person von Mario Draghi von "Unkonventionellem" redete, um die Eurozone auf Trab zu bringen, war der DAX gestern außerstande, in die Gewinnzone zu marschieren. Am Ende der gestrigen Sitzung hatte das deutsche Aktienbarometer etwa 50 Punkte eingebüßt und bei ca. 9750 Zählern geschlossen. Was Draghi mit seinen unkonventionellen Maßnahmen meint, dürfte uns kein Rätsel mehr sein. Es geht einfach nur um weiteres Gelddrucken, indem man Schrottpapiere aufkauft.      
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