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Börsentelegramm

Agrarmärkte setzen Schwäche fort

von , am
20.08.2014

Eine Aussage lassen die Wettermodelle der verschiedenen Anbieter aber zweifelsfrei zu. Es gibt derzeit keinen Grund, auf einen späten Wettermarkt für die Bohne zu hoffen. Ein solcher kann mit den vorhergesagten Regenfällen allemal abgewendet werden.
Fast alle Agrarmärkte wurden am Dienstag weiter zur Ader gelassen. Das Messer der Bären schnitt in die Hauptschlagader, sodass sich ein roter Strahl in die Blutauffangwanne ergoss. Die größte Menge zapften die Bullen den Kaffeenotierungen ab. Fast 3,5% ging´s hier bergab. Daneben verloren Zucker, Kakao, Rind- und Schweinefleisch.
 
Am CBoT zeigte sich die Bohne wieder schwach, Mais konnte zu Handelsende seine Blutung stoppen und schloss leicht im Plus. Weizen war die grün gefärbte Ausnahme. Wo auch immer die Bären das Skalpell ansetzten, er wollte einfach kein Blut lassen. Am Ende stand ein Plus, das den Markt von seinen Tiefs wieder etwas wegbewegte.

Sojabohne im Minus

Die Novemberbohne verlor gestern 2 ¾ cts/bu und settelte bei 10,52 ¾ US$/bu. Der Handel in den USA blieb ruhig und frei von neuen Einflussfaktoren. Das gibt uns Gelegenheit einen kurzen Blick auf den langfristigen Witterungsausblick zu werfen. Der längerfristige Witterungsausblick in den USA stellt sich momentan nicht bedrohlich dar. Ob es überall ausreichend Regenfälle geben wird, um an die Spitzenerträge heranzukommen, mag einmal dahin gestellt sein. Eine Aussage lassen die Wettermodelle der verschiedenen Anbieter aber zweifelsfrei zu. Es gibt derzeit keinen Grund, auf einen späten Wettermarkt für die Bohne zu hoffen. Ein solcher kann mit den vorhergesagten Regenfällen allemal abgewendet werden.
 
Ansonsten harrte man weiterer Ergebnisse der Pro Farmer Crop Tour, die derzeit durch den Mittleren Westen der USA führt. Insgesamt betrachtet bieten die Bohnen ein gutes Bild, was die Anzahl der Schoten anbelangt. Teilweise sogar ein sehr gutes Bild. Dennoch gibt es Gegenden über die man sich enttäuscht geäußert hat. Wahrscheinlich wird erst der Mähdrusch die Ertragswahrheit ans Licht bringen.
 
Der Deutsche Bauernverband hob sich mit seiner gestrigen Schätzung von den Zahlen von Strategie Grains und Oil World deutlich ab. Der Verband legte beim Raps eine produzentenfreundliche Prognose von 5,8 mio to vor und verbesserte damit seine Sicht auf die Dinge um 100 tsd to nach oben. Die Marke von 6,0 mio Tonnen war der Verband nicht bereit zu überschreiten. An der Matif verlor der November weitere 2,- € und settelte bei 319,50 €/mto. Wenn wir hier nicht bald zum Stillstand kommen, droht eine weitere Unterstützung zu brechen.

Peru beendet Fangsaison

Peru hat seine kürzlich um zwei Wochen verlängerte Fangsaison nun beendet. Der Andenstaat hatte vor der Fangverlängerung bereits 150 tsd Tonnen unverkauftes Fischmehl auf Lager. Mit den zusätzlichen an Land gezogenen Mengen werden die Bestände noch weiter ansteigen. In den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres hat Peru im Monat ca. 90 tsd Tonnen Fischmehl an den Mann gebracht, sodass man glauben könnte, die noch vorhandenen Vorräte seien binnen anderthalb Monaten aufgezehrt. Dem wird aber höchstwahrscheinlich nicht so sein. Einerseits sind die Nachfrager relativ gut gedeckt und andererseits ist der Markt kein stetiger, sondern lebt von plötzlichen „Kaufattacken“. In naher Zukunft wird dem Markt nur wenig Potential eingeräumt, in großen Mengen plötzlich nachgefragt zu werden.

Weizen ist bullische Ausnahme

Die Weizennotierungen am CBoT legten gestern entgegen dem allgemeinen Trend im Agrarbereich zu. Der Dezembertermin packte 5 ¼ cts/bu drauf und settelte bei 5,59 US$/bu glatt. Damit konnte das bärische Szenario eines charttechnischen Durchbruchs durch die alten Tiefs noch einmal abgewendet werden. Allerdings ist es nicht gelungen, bedeutungsvolle Schlüsselwiderstände nach oben hin zu durchstoßen, sodass der Markt in einer grundsätzlich sehr labilen Situation zurück geblieben ist. Im internationalen Geschäft bedienten die üblichen Verdächtigen normale Laufkundschaft. Ein Geschäft größeren Ausmaßes, das unsere Aufmerksamkeit verdient, war nicht darunter.
 
Der Deutsche Bauernverband schätzte die deutsche Winterweizenernte gestern auf 26,2 mio Tonnen und hob damit seine letzte Prognose von 24,6 etwas deutlicher an. Die guten Ertragsmeldungen, die man wochenlang landauf landab zu hören bekam, konnte man nicht ignorieren. Eine entsprechende Anpassung war die logische Folge. Nun mag man sich darüber streiten, ob das richtig ist oder nicht. Jedenfalls wurde auch vom DBV eine größere Aufwärtskorrektur vorgenommen.
 
An der Matif setzte sich ebenfalls eine leicht positive Tendenz durch. Der November legte 0,75 €/to zu und settelte bei 172,50 €/mto. Die Abwärtsbewegung ist erst einmal zum Halten gekommen, so scheint es jedenfalls. Fallende internationale Maispreise dürften derzeit die größte Gefahr für weiteres Ungemach sein, denn n den USA deuten sich auf der Crop Tour sehr gute Maiserträge an.

Mais rettet ein Plus

Der Dezembermais konnte gestern aus den Gewinnen des Weizens Honig saugen und seinerseits Festigkeit an den Tag legen. Zugegeben, mit 1 ½ cts/bu fiel das Plus nicht sonderlich groß aus, aber immerhin konnte die anfängliche Schwächetendenz abgefangen und umgekehrt. Der Dezembertermin schloss bei 3,72 ¼ cts/bu. Der zentrale Punkt, auf den derzeit alles blickt sind die Pro Farmer Crop Tour Ergebnisse. Nunmehr liegen Ertragsschätzungen für zwei weitere US-Bundesstaaten vor. Für Indiana erwartet man einen rekordhohen Maisertrag von 185,03 Scheffel/Acre. Im letzten Jahr ging man von 167,38 aus. Für Nebraska geht man von 163,77 Scheffel/Acre aus, was ebenfalls deutlich über dem letzten Jahr von 154,93 Scheffel/Acre läge. Alles in allem deutet sich eine riesige US-Maisernte an, was die USDA-Einschätzung der letzten Woche als zu konservativ erscheinen lässt.
 
An der Matif blieb der Mais bei etwas festerer Tendenz so gut wie unverändert.

Eurex hat schwachen Handelstag

An der Eurex war der Kartoffel kein Leben einzuhauchen. Bei einem Umsatz von nur 82 Kontrakten trat der Preis auf der Stelle. Am Ende verlor der Apriltermin 0,10 € und settelte bei 7,0 €/dt glatt. Die Situation auf dem Kassamarkt ist alterntig desaströs geworden, denn die nicht kontrahierten Restmengen werden von den Bauern teilweise verschenkt, um sie einfach nur noch ohne Entsorgungskosten loszuwerden. Die belgische Frittenindustrie zeigt sich aber generös und ist bereit, die nicht unter Kontrakt stehenden Mengen aufzunehmen…für umsonst natürlich. Bezahlt wird nichts mehr. Wer noch einen alten Kartoffeldämpfer von vor 50 Jahren besitzt, kann wenigstens noch Schweinekartoffeln brühen, um die Restmengen über den Tiermagen zu verwerten.
 
Der schweinische Marktbereich konnte leider überhaupt keinen Umsatz verbuchen, und im weißen Sortiment war es die allein die Butter, die wenigstens 7 Kontrakte Umsatz verbuchen konnte. Hierbei stiegen die Preise wenigstens etwas an. Der Dezember legte 62,-€ zu und schloss bei 2980,- €/to.

Zucker bricht altes Tief

Zucker ist die letzten vier Wochen nicht besonders süß zu den Bullen gewesen, denn die Preise befinden sich klar im Abwärtstrend. Es hatte sich am Montag bereits angekündigt; gestern ist der Durchbruch durch das alte Tief charttechnisch bestätigt worden. Der Oktobertermin in New York verlor weiter an Boden und trat in eine beschleunigte Abwärtsphase ein. Der Termin verlor 0,22 cts/Pund und settelte bei 15,46 cts/Pfund. Der Abwärtstrend ist damit voll intakt!
 
Der Tag begann in Frankfurt freundlich. Das deutsche Aktienbarometer DAX nahm den Faden des Vortages wieder auf und baute seine Erholungstendenz weiter aus.
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