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Börsentelegramm

Agrarmärkte setzen Schwäche fort

von , am
08.07.2014

Das USDA hat die Lagerbestände für Mais nach unten korrigiert. © AZP-Worldwide/Fotolia
Das lange Wochenende in den USA fand gestern ein jähes Ende. Die neue Woche wurde mit aggressiver Wiederaufnahme der Abwärtstrends begonnen und die Preise tiefer geschickt.
 
Regenfälle übers Wochenende verbesserten die Ertragsaussichten für die Sommerungen im Mittleren Westen der USA. Bohne und Mais gerieten am CBoT unter Druck. Die schwächste Komponente war aber der Weizen, der am CBoT wegen Erntedruck und Exportkonkurrenz nicht die kleinste Chance hatte, sich nach oben zu orientieren.

Sojabohne fällt weiter

Die neuerntige Novemberbohne verlor gestern 6 ¼ cts/bu und settelte bei 11,27 ¾ US$/bu. Die pflanzenbaulichen Bedingungen im Mittleren Westen der USA gestalten sich nach wie vor als äußerst vorteilhaft. Angesichts dieser Umstände findet sich derzeit kaum jemand, der bereit ist, große Longpositionen aufzubauen und entsprechend Kaufdruck auszuüben. Fallende Preise sind das Resultat.
 
Die wöchentlichen US-Exportinspektionen in Sachen Bohne von 347 tsd Tonnen wurden vom Markt zur Kenntnis genommen und als irrelevant eingestuft. Nachbörslich bonitierte das USDA die US-Bohnenbestände zu 72% mit gut bis exzellent. Das lag exakt auf Vorwochenniveau. Mittlerweile sind 98% der Saat aufgelaufen und 24% befinden sich in der Blüte.
 
Informa Economics bezifferte in der letzten Woche die US-Bohnenernte mit 3,7 Mrd. Scheffel, das sind 100,7 mio Tonnen. Insgesamt wurde die Ernte etwa 3 mio Tonnen aufwärts korrigiert. Informa Economics legte seiner Schätzung einen Durchschnittsertrag von 44,5 Scheffel/Acre zugrunde. Der Deutsche Bauernverband bezifferte in seiner jüngsten Schätzung vom 07.07.2014 die deutsche Rapsernte mit 5,7 mio to. Mit dieser Zahl bestätigte der Verband die letzte Prognose. Im letzten Jahr konnte man die gleiche Erntemenge einfahren, allerdings lag damals die Fläche über den 1,4 mio Hektar, die die Landwirte in 2013 ernten werden.
 
In Europa gehen wir wohl einer sehr guten Rapsernte entgegen, die sogar das Potential hat, einen neuen Rekord zu markieren. Die Schätzungen variieren von 21,0 bis etwa 22,5 mio to. Dennoch gibt es auch neue kritische Stimmen, die im Umfeld guter Ölsaatenversorgung auf die preisoptimistischen Faktoren hinweisen.
 
Die intensiven Regenfälle in Kanada könnten zumindest in den Provinzen Saskatchewan und Manitoba zu reduzierter Aussaatfläche führen. Insbesondere für Saskatchewan dürfte sich dies kaum mehr verhindern lassen. In Südaustralien sei zudem das Beet Western Yellow Virus aufgetreten, das das Potential besitzt, Erträge zu dezimieren. Bislang sind die Informationen hierüber nur sehr vage und lassen keine Prognosen zu.
 
An der Matif verlor der Novembertermin 4,75 €/mto und settelte bei 337,- €/to.

Weizen unter den Rädern

Der Septemberweizen am CBoT verlor gestern 21 cts/bu und settelte bei 5,58 ½ US$/bu. Es gab nichts Neues zu vermelden, was die Situation umso bedrohlicher macht, denn in Abwesenheit neuer Argumente müssen es die alten Faktoren gewesen sein, die den Markt gestern derart stark unter Druck gesetzt haben. Ein Mischmasch aus Erntedruck und internationaler Exportkonkurrenz nahm dem Chicagoer Handel jedwede Kursphantasie. So blieb der Abwärtstrend intakt, der nach wie vor auf der Suche nach seinem Boden ist. Die wöchentlichen Exportinspektionen lagen mit 417 tsd Tonnen innerhalb der Markterwartungsspanne.
 
Nachbörslich ließ das USDA wissen, dass 57% des US-Winterweizens geerntet sind und 70% des Sommerweizens gut bis exzellent auf dem Acker stehen (unverändert zur Vorwoche). Aufgrund der exzessiven Regenfälle in Osteuropa wird erwartet, dass Bulgarien und Rumänien Qualitätseinbußen in ihren Weizenernten haben. Trotzdem sollen die Mengen an Qualitätsweizen der beiden Länder denjenigen des letzten Jahres in nichts nachstehen, sodass mit keinen Einbußen im Exportpotential zu rechnen ist.
 
Letzte Woche hatte die FAO ihre jüngste Prognose hinsichtlich der neuen Getreideernte veröffentlicht. Weltweit sieht man die Gesamtgetreideernte bei 2,498 Mrd. Tonnen. Mit dieser Zahl wurde die vorherige Prognose um 18 mio Tonnen nach oben korrigiert.
 
In der letzten Woche hat das neue landwirtschaftliche Wirtschaftsjahr begonnen. Auch in den Statistiken dreht man alles auf Anfang und beginnt wieder bei null. Zum Auftakt der neuen europäischen Exportkampagne vergab die Brüsseler Kommission für 21 tsd Tonnen Weizen- und für 54 tsd Tonnen Gerstenexportlizenzen.
 
Die Ukraine hat im abgelaufenen Wirtschaftsjahr insgesamt 32,4 mio Tonnen Getreide im internationalen Markt untergebracht. Hiervon entfielen 9,4 mio to auf Weizen, 20,1 mio to auf Mais und 2,5 mio Tonnen auf Gerste.
 
Der deutsche Bauernverband schätzte die Winterweizenernte Deutschlands gestern auf 25,0 mio Tonnen und hob damit die letzte Prognose von 24,6 mio to leicht an. An der Matif standen sie Preis ob des internationalen Umfeldes unter Druck und setzten ihren Abwärtstrend weiter fort. Der November verlor weitere 2,- € und schloss bei 182,50 €/mto.

Mais verliert

Der neuerntige Dezembertermin am CBoT verlor gestern 8 cts/bu und settelte bei 4,07 ¼ US$/bu. Die guten Bedingungen im Mittleren Westen der USA drückten nicht nur auf die Bohne, sondern auch stark auf die Maispreise. Dem hatten die Bullen nichts entgegen zu setzten und zogen mit eingeklemmten Schwanz davon. Mit 1,08 mio Tonnen lagen wenigstens die wöchentlichen Exportinspektionen über den Erwartungen, aber zum Gegenschlag konnten die Bullen damit nicht ausholen.
 
Nachbörslich bonitierte das USDA 75% der aller Maisbestände in den USA mit gut bis exzellent. Das lag auf dem Niveau der Vorwoche und stellte keine Veränderung dar. Informa Economics sah die neue US-Maisernte bei 13,731 Mrd Scheffel, was eine kleine Abwärtskorrektur darstellte. Zuvor ging man im Hause Informa von 13,766 Mrd Scheffel. Der durchschnittliche Ertrag wurde mit 165 Scheffel/Acre angegeben.
 
Zu Beginn des neuen Getreidewirtschaftsjahres vergab die Brüsseler Kommission für 132 tsd Tonnen Maisimportlizenzen. Zu Wochenauftakt starteten die Vereinigten Arabischen Emirate einen Tender über 30 tsd Tonnen Futtergerste, 100 tsd Tonnen Mais und 15 tsd Tonnen Sojaschrot.

Eurex: Kartoffel gibt Verluste an

Nachdem die Kartoffelpreise am Freitag unter starkem Druck gestanden hatten, gab es zu Wochenauftakt Zugewinne zu verzeichnen. Im Sitzungsverlauf an der EUREX schmolzen diese aber wieder dahin. Bei einem Umsatz von 158 Kontrakten schloss man mit 10,80 €/dt auf Vortagesniveau. Seit letzter Woche sind die ersten Frühkartoffeln deutscher Herkunft in den Handel gekommen, ließ der Deutsche Bauernverband im Rahmen einer Pressemitteilung wissen. Besonders auf den niedersächsischen Böden um Hannover herum sei der frühe Erdapfel gerodet worden.
 
Im tierischen Bereich konnte das Julischwein einen Kontrakt Umsatz bei 1,730 €/kg erzielen. Das Ferkel konnte sich dieser Entwicklung nicht anschließen und blieb umsatzlos. Im weißen Sortiment gab es beim Magermilchpulver und beim Butterkontrakt Handelsaktivität zu beobachten. Die Termine September bis Dezember wurden mit je 10 Kontrakten gehandelt. Das Preisniveau betrug 3550,- €/to. Damit erzielte man grüne Vorzeichen auf alle Termine, die zwischen 25,- und 50,- €/to rangierten. Das Magermilchpulver wechselte bei 2775,- €/to seinen Besitzer.

DAX unter Druck

In Frankfurt hat das Deutsche Börsenbarometer gestern im späten Handel 103,01 Punkte eingebüßt und bei 9906,07 Zählern geschlossen.




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