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Börsentelegramm

Agrarmärkte setzen zurück

von , am
18.03.2014

Auch in Paris gaben die Weizennotierungen erst einmal wieder nach. © landpixel
Nach den kräftigen Zugewinnen der vergangenen Wochen wurde die neue Handelswoche mit preislichen Abschlägen begrüßt. Am CBoT litt der Sojakomplex unter wieder schwächeren Sojaölpreisen. Zwar gelang es gestern, ein Plus in Bohne und Schrot zu verzeichnen, aber die allgemein gedrückte Atmosphäre war deutlich spürbar.
 
Mais und Weizen gaben nach. Die Rohölnotierungen neigten zur Schwäche und die Aktienmärkte zur Stärke.

Bohne schafft kleines Plus

Die Maibohne gefährdete während gestriger Sitzung ihre 13,80$-Unterstützung, konnte aber schließlich ins Plus drehen und nach einem Zugewinn von 3 ¼ cts/bu bei 13,91 ¾ US$/bu schließen. Der Verband der us-amerikanischen Ölmühlenindustrie (NOPA) legte gestern seine Verarbeitungszahlen für den Monat Februar vor. Mit 141,6 mio Scheffel hatte man deutlich weniger Bohnen verarbeitet als noch im Vormonat (156,9 mio Scheffel), was zeitweise schlecht an der Börse ankam und für sinkende Notierungen sorgte. Das USDA meldete aber Exportinspektionen bei der Sojabohne von knapp 940 tsd Tonnen, was durchaus als bullisch zu interpretieren war und die schwache Verarbeitung auskonterte.
 
Die Chinesen sollen unterdessen daran arbeiten, Teile ihrer stornierten Ware in Brasilien zu günstigeren Preisen zurück zu kaufen. Wie weit dieses Ansinnen gediehen ist, wurde nicht bekannt. In Brasilien soll die Ernte nun zu knapp 60% abgeschlossen sein, obwohl die jüngsten Regenfälle zu Unterbrechungen der Druschaktivitäten geführt haben.
 
In Paris gab es Prügel. Die Rapsnotierungen rutschen ab und durchbrachen Unterstützungslinien, die aus Sicht der Bullen besser gehalten hätten. So verlor der alterntige Maitermin 5,75 € und settelte bei 396,75 €/mto und der neuerntige August 4,75 €, um bei 361,25 €/mto zu schließen. Bei 363,50 € lag eine extrem wichtige Unterstützung (Augusttermin). Wenn wir dieses Marke nicht umgehend zurückerobern, muss mit einem Durchmarsch der Bären in Richtung 355,- €/to gerechnet werden.

Weizen im Korrekturmodus

Der Maiweizen verlor gestern 12 ¾ cts/bu und settelte am CBoT bei 6,74 ½ US$/bu. Der Handel am CBoT und an den anderen US-Börsenplätzen für Weizen war von Beginn an negativ. Allerorten hatte man Abschläge zu verkraften. Der Fokus des Marktes lag einmal mehr auf der Situation in der Ukraine bzw. der Krim. SovEcon berichtete Ende letzter Woche von steigenden Weizenpreisen auf dem russischen Inlandsmarkt. Bereits die zweite Woche in Folge seien aufgrund der unsicheren politischen Lage langsam aber stetig steigende Preisniveaus zu beobachten.
 
Die internationale Nachfrage, die sich nicht vollkommen auf die Ukraine verlassen möchte, verlagert sich graduell nach Russland, um gegen eventuelle Lieferausfälle gewappnet zu sein. Allerdings haben die Russen kurzfristig die Getreideverladung im Hafen von Noworossijsk wegen stürmischen Wetters stoppen müssen. Ob sich hier hinter tatsächlich ausschließlich witterungsbedingte Gründe verbergen oder ob es in Teilen auch mit der politischen Großwetterlage zusammenhängt, mag einmal dahin gestellt sein. Die US-Exportinspektionen lagen zum Wochenauftakt bei ca. 497 tsd Tonnen, was keine nennenswerte Überraschung darstellte.
 
Auch in Paris gaben die Weizennotierungen erst einmal wieder nach. Der Novembertermin büßte 2,75 € ein und settelte bei 199,- €/mto. Der alterntige Maitermin verlor 3,75 und schloss bei 207,75 €.

Mais: Bären zu Wochenauftakt in Front

Am CBoT büßte der Maitermin 7 cts/bu ein und schloss bei 4,79 US$/bu. Im Maismarkt gab es keine besonderen fundamentalen Nachrichten von Bedeutung. Was die USA anbelangt, so sind nur die US-Exportinspektionen von 979,74 tsd Tonnen erwähnenswert. Insgesamt blieb den Händlern in Ermangelung eigener Nachrichten nichts anderes übrig, als auf die fallenden Weizennotierungen zu schauen und entsprechend zu reagieren. Bröckelnde Kurse auf breiter Front!
 
Anders das Bild in Osteuropa, denn neben den Weizenpreisen in Russland sind auch die russischen Maispreise angestiegen. Seit Mitte Februar haben diese 12% zugelegt. Auch in Sachen Mais wollen die internationalen Käufer nicht alle Eier in einen Korb (Ukraine) legen und buchen deshalb die benachbarte Herkunft. Sollte es tatsächlich zu Lieferausfällen aus der Ukraine kommen, stünde man nicht ganz nackig im Markt. Vielleicht wäre es überdies klug, Herkünfte zu buchen, die vollends unabhängig vom dortigen Krisenherd sind. Die Regenfälle in Brasilien mögen zwar den Bohnendrusch negativ beeinflussen, aber für die Nachfrucht Mais wirken sie sich derzeit sehr günstig aus, sodass man derzeit feststellen darf, dass die Optimisten mit ihren Produktionsprognosen näher an der Wahrheit liegen dürften als die Pessimisten.
 
An der Matif gab es im Einklang mit den sinkenden Weizenpreisen einen Rücksetzer im Mais zu beobachten. Der Junitermin büßte 2,50 € ein und settelte bei 184,25 €/mto.

Kartoffel: Schwacher Wochenauftakt!

Die Veredelungskartoffel an der Eurex startete schwach in die neue Handelswoche. Bei einem Gesamtmarktumsatz von 121 Kontrakten konnte der vordere Apriltermin die 13,- €/dt-Marke nicht mehr halten und landete nach einem 0,30 € bei einem Schlusskurs von 12,70 €/dt. Damit befindet sich der Kartoffelkontrakt in akuter Absturzgefahr. Sollte weitere Preisschwäche aufkommen, müsste man schlimmstenfalls mit einem Test des alten Tiefs bei 11,- €/dt rechnen. Das vordere Märzschwein wurde zweimal bei 1,580 €/kg ungesetzt und das Junischwein brachte es noch auf einen Kontrakt Umsatz bei 1,660 €/dt. Diesmal bekam das Mastschwein Unterstützung vom Ferkel, das im Apriltermin zweimal bei 58,- €/Stk. umgesetzt wurde. Im weißen Sortiment herrschte umsatzlose Katerstimmung.

Zucker: Regen in Brasilien!

Bereits am Freitag letzter Woche neigten die internationalen Zuckernotierungen deutlich zur Schwäche. In New York konnte der 200-Tagedurchschnitt den Preisverfall gerade noch einmal aufhalten. Ursächlich für den Preisdruck waren die Regenfälle in Brasilien, die in den ersten 10 Tagen des laufenden Monats mit fast 80mm sehr viel üppiger ausfielen als Ende Februar. Die Regenfälle sollten die Ertragssituation Brasiliens vor weiterem Ungemach retten bzw. für wieder steigende Prognosen sorgen, so die einhellige Meinung der Zuckermarktbeobachter. Die Fonds seien als Käufer weitestgehend weggefallen und agieren somit nicht mehr als Stütze des Aufschwungs. Von longseitiger Liquidation war allerdings auch (noch) keine Rede. In New York konnten die Zuckernotierungen im Maitermin gerade noch eben die 17 cts/Pfund-Marke verteidigen. Man schloss hier bei 17,05 cts/Pfund und damit direkt auf dem 50-Tage-EMA.

US-Staatsanleihen: Gläubiger liquidieren en masse

Aus den Daten des US-Schatzamtes geht hervor, dass sich die internationalen Gläubiger in einem bisher noch nie dagewesenen Maße aus US-Staatsanleihen zurück gezogen haben. In der ersten Märzwoche wurden international US-Schuldtitel von über 100 Mrd. US$ liquidiert. Hinter den Verkäufen wird hauptsächlich Russland vermutet, das hierdurch versucht haben soll, einerseits den Rubel zu stützen und andererseits ein „Habachtsignal“ nach Washington zu senden. Der bisherige Rekord hatte bei Ankündigung des Taperings durch die FED im Juni 2013 bei etwas über 32 Mrd. US$ gelegen.

DAX: Abtrünnigenreferendum auf der Krim bleibt ohne Folgen

Nachdem der Nikkei über Nacht die asiatische Handelswoche mit nur moderaten Verlusten einläutete, konnte sich das Deutsche Aktienbarometer DAX gestern etwas in die Höhe schrauben. Zur Mittagsstunde betrug das Plus etwa 60 Punkte, sodass man die 9100-Punktemarke durchstoßen konnte. Das Referendum auf der Halbinsel Krim war von den Börsen antizipiert worden, sodass der pro-russische Wahlausgang ohne wesentliche Folgen auf die westliche Börsenwelt blieb. Am Ende des Tages war die Marschrichtung des DAX klar aufwärts, und man legte 124,48 Punkte zu. Der Index schloss bei 9180,48 Zählern.


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