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Börsentelegramm

Agrarmärkte: Sinkende Notierungen in Übersee

von , am
22.04.2014

© landpixel
Die USA starteten bereits gestern in die neue Handelswoche und legten ordentlich vor; allerdings in Richtung Süden. Am CBoT mussten Bohne, Mais und vor allem Weizen kräftige Abschläge verdauen. Regen in den Winterweizenregionen und verbesserte Aussaatbedingungen für die Sommerungen lösten eine Liquidierungswelle aus, deren Wogen heute an den Steilküsten der europäischen Märkte aufbranden werden.
 
Rohöl präsentierte sich preisstabil; Dow Jones ebenfalls fest; Dax legte am Donnerstag zu.

Sojabohne: Bessere Witterung wirkt preisbelastend

Die Maibohne verlor gestern 15 ¼ cts/bu und settelte bei 14,98 ¾ US$/bu. Besonders die neuerntigen Termine der Bohne kamen infolge verbesserter Aussaatbedingungen im Mittleren Westen der USA zu Wochenauftakt unter Druck. Der November 2014 hatte gestern in der Spitze zeitweise fast 30 cts/bu eingebüßt, bevor sich Bullen und Bären zu Handelsschluss auf ein Minus von etwa 16 cts/bu haben einigen können.
 
Aber nicht nur das Wetter in den USA war als preispessimistisch einzustufen, sondern auch die Witterung in Argentinien. Hier gab es deutlich verbesserte Erntebedingungen zu vermelden, die im Verbund mit den Geschehnissen in den USA ausreichen Grund für die Fonds darstellten, etwa 5000 Sojabohnenkontrakte in gestriger Sitzung zu verkaufen. Die wöchentlichen Exportzahlen der USA lagen letzte Woche bei knapp 420 tsd Tonnen und damit deutlich über den Erwartungen. Am Donnerstag, dem letzten Handelstag der abgelaufenen Woche, hatte das aber bereits nicht ausgereicht, der Bohne Aufwind zu geben. Summa summarum traf ein nicht bullischer Wochenausklang gestern auf einen bärischen Wochenauftakt, der Verluste in einer Größenordnung bescherte, die besonders in den neuerntigen Handelsmonaten trendgefährdend einzustufen sind.
 
In Paris schloss der Augusttermin am Donnerstag letzter Woche nach einem Minus von 2,- €/mto bei 372,75 €/mto.

Weizen: Notierungen nehmen beschleunigte Talfahrt auf!

Mit einem Minus von etwa 3,3% hatten die Chicagoer Weizennotierungen gestern das dickste Tagesminus seit über einem Jahr hinzunehmen. Der alterntige Maitermin verlor 23 cts/bu und settelte bei 6,68 ¼ US$/bu. Es hat übers Wochenende Niederschläge in den US-Plains gegeben, jedoch sind diese hinter den Hoffungen und Erwartungen zurückgeblieben, sodass hierin nicht der einzige Grund für die fallenden Notierungen gelegen haben kann.
 
Im Zuge der sinkenden Preise machte sich rasch technisch motiviertes Verkaufinteresse breit, in dessen Verlauf die Fonds etwa 7000 Kontrakte Weizen abgestoßen haben sollen. Wichtige Unterstützungslinien zweiter Ordnung wurden zu Fall gebracht, und die Preise purzelten solange südwärts, bis die Hauptunterstützungen einschritten und den Fall bremsten. In der abgelaufenen Woche haben die Amerikaner knapp 800 tsd Tonnen Weizen exportiert, was sehr deutlich über den Erwartungen von 250 tsd to gelegen hatte und infolgedessen einen bullischen Charakter besaß. Die Exportinspektionen zu Wochenauftakt lagen jedoch nur bei 495 tsd to und damit unter den Erwartungen, die von 500 tsd bis 700 tsd Tonnen rangierten.
 
Nachbörslich veröffentlichte das USDA die neuen Bestandsbonituren und veranschlagte 34% des US-Winterweizens mit gut bis exzellent. Der Wert liegt auf Vorwochenniveau und ein Prozent unterhalb der Bonitierung zum Vorjahreszeitpunkt. 33% stehen in mangelhaftem Zustand auf den Äckern. Der Sommerweizen hat zu 10% seinen Weg ins Saatbett gefunden, was ein Plus von4% zur Vorwoche darstellt. Der Fünfjahresschnitt liegt allerdings bei 19%. Die Firma Tallage hat vergangenen Donnerstag ihren neuen Getreidestrategiebericht veröffentlicht und die europäische Weizenernte 2014/15 auf 137,2 mio Tonnen geschätzt. Im letzten Monat waren dies zwar noch 500 tsd to mehr, aber mit der ausgewiesenen Zahl liegt man immernoch 2% über Vorjahresniveau.
 
In der alten Versorgungsbilanz hat man insoweit Vernunft angenommen, als dass man eingesehen hat, dass die Notwendigkeit besteht, die europäischen Exporte aufgrund der Verschiffungsgeschwindigkeit nach oben zu korrigieren. Tallage hob seine Exporterwartungen um 1,2 mio to auf 26,8 mio to an, was aber auch noch etwas zu konservativ sein dürfte. Die neuerntigen Exporte der Kampagne 2014/15 bezifferte man mit 22,9 mio to. Auf dem Kassamarkt konnte man ein verändertes Prämienniveau für neuerntige Ware feststellen. Die Gebote für den ex Ernte-Termin lagen frei Gosse für Standard-B-Qualität in Westfalen bei ca. -15,-€/mto und damit absolut bei etwas über 190,- €. Das hörte sich doch schon ganz anders an als die sturen -30,- €, die man erst kürzlich noch landauf landab zu hören bekam.
 
In Paris settelte der Novembertermin bei unveränderten 207,25 €/mto. Die nächste untergeordnete Unterstützung liegt bei 204,25 € und die nächste Hauptunterstützung bei 202,50 €/mto.

Mais im Sog fallender Weizenpreise

Der Maitermin verlor gestern in Chicago 6 ¼ cts/bu und settelte bei 488, ½ US$/bu. Die milden Temperaturen über das Osterwochenende konnten seitens der US-Farmer zur Aussaat genutzt werden. Bislang sind 6% der geplanten Maisfläche eingesät, was einen Zuwachs zu letzten Woche von 3% bedeutet. Im langjährigen Mittel ist die diesjährige Aussaat jedoch immernoch infolge des extrem kalten Winters verzögert, denn der Fünfjahresschnitt liegt bei 14%. Nichtsdestoweniger wurden die verbesserten Bedingungen im Mittleren Westen als bärisch empfunden und drückten im Verbund rasch sinkenden Weizennotierungen die Maispreise. Die US-Exportzahlen lagen in der abgelaufenen Woche beim Mais bei 795 tsd Tonnen und damit innerhalb der Markterwartung. Die Exportinspektionen zu Wochenauftakt trafen in Höhe von 1,6 mio Tonnen auf den Markt und waren eher bullischer Natur, weil sie über den Erwartungen lagen. Insgesamt aber wohl zu wenig, um der bärischen Stimmung von gestern etwas Substanzielles entgegen zu setzen.
 
Strategie Grains sieht die 2014/15er Gerstenernte in Europa bei 55,9 mio to, was im Vorjahresvergleich einen um 6% niedrigeren Output bedeutete. In Paris behielt der Novembertermin sein derzeitiges Preisniveau bei und schloss bei 192,75 €/mto.

Kartoffel: Zweiter 'Dead Cat Bounce' perfekt!

Die Preisabschläge im alterntigen Junitermintermin 2014 in Höhe von 0,40 €/dt haben unsere Vermutung eines weiteren Dead Cat Bounces bestätigt. Bei einem terminübergreifenden Gesamtmarktumsatz von 159 Kontrakten durchbrach der Markt die 11,- €/dt-Marke und geriet in beschleunigtes Abwärtsmomentum, das erst bei 10,70 €/dt zum Halten kam. Der neuerntige Apriltermin 2015 zeigte ebenfalls Schwäche und settelte bei 14,00 €/dt (-0,20 €/dt).
 
Im Mastschweinebereich wurde der Julitermin zweimal bei 1,700 €/kg Schlachtgewicht gehandelt. Erfreulicherweise konnte das Ferkel im vorderen Apriltermin 2014 mit einem Kontrakt nachziehen. Dieser wurde bei 56,- €/Stck. gehandelt. Im weißen Sortiment schmolz die Julibutter bei einem Umsatz von sechs Kontrakten etwas dahin, als sie am Preis von 3325,- €/Tonne ihren Besitzer wechselte.

DAX dreht ins Plus

Am Donnerstag letzter Woche konnte der Deutsche Aktienindex DAX nach verhaltenem Start ins Plus drehen. Die Unternehmensdaten von Goldman Sachs und Morgan Stanley waren verhalten optimistisch interpretiert worden und konnten im Verbund mit den US-Arbeitsmarktdaten für ein positives Umfeld sorgen. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe waren in der Vorwoche etwas weniger stark als befürchtet angestiegen, sodass man sich auch an diesen Strohhalm klammerte. Am Ende legte der DAX 91,89 Punkte zu und schloss bei 9409,71 Zählern.




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