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Börsentelegramm

Agrarmärkte starten freundlich in die neue Woche

von , am
28.10.2014

© Mühlhausen/landpixel
Die globalen Agrarmärkte sind freundlich in die neue Woche gestartet. Am CBoT legten Bohne, Mais und Weizen deutlich zu. Die Sojabohne wurde von sehr festen Schrotnotierungen gestützt, der Mais profitierte preislich von den Ernteverzögerungen und die Weizenpreise ließen sich von den festen Maisnotierungen nach oben ziehen. Alle drei Märkte ringen derzeit um äußerst wichtige charttechnische Marken. Die Verluste von Freitag hatten die Bullen in die Bredouille gebracht, aber mit gestrigen Zugewinnen konnte das preispessimistische Szenario abgewendet werden.

Sojabohne profitiert vom Schrot


Die Novemberbohne legte gestern 26 cts/bu zu und settelte bei 10,04 ¼ US$/bu. Die Sojaschrotpreise setzten gestern ihren Aufwärtstrend fort und beflügelten die Bohne. Der Kassamarkt ist weiterhin schlecht versorgt, insbesondere auf vorderen Terminen. Deswegen hat sich die Preiskonfiguration der einzelnen Handelstermine für Sojaschrot am CBoT auch neuerntig gedreht. Nun notieren die vorderen Termine preislich höher als die hinteren. Man spricht von einem inversen Markt. Das hervorstechende Merkmal einer derartigen Preissituation sind die vorderen Aufgelder die der Markt bereit ist zu bezahlen. Das ist ein preisoptimistisches Zeichen. Leider gehen die Preise zu Lasten der Veredelungswirtschaft, die sich nun höheren Futterkosten gegenüber sieht.
 
Die wöchentlichen Exportinspektionen der USA lagen mit 2,195 mio Tonnen noch über der Maximalerwartung des Marktes. Diese betrug "nur" 2,0 mio Tonnen. Zusätzlich hatten USA frisches Exportgeschäft zu Wochenauftakt. 120 tsd Tonnen Sojabohnen wurden ins Reich der Mitte verkauft, und weitere 110,5 tsd Tonnen gingen an eine nicht näher bezeichnete Destination. Wir müssen aufgrund der exzellenten Exporttätigkeit der USA feststellen, dass die Nachfrageseite näher ans Zentrum der Preisbildung gerückt ist. Zuerst belastete die große Ernte in den USA das Geschehen, aber mittlerweile hat dieser Faktor den ärgsten Schrecken verloren. Die Nachfrageseite ringt nun um die preisliche Vorherrschaft am CBoT.
 
Ob das USDA in seinem Novemberreport die Ertragsprognosen für die USA noch einmal anpassen und damit der Angebotsseite noch ein letztes Mal Auftrieb geben wird, muss abgewartet werden. Nachbörslich bezifferte das USDA den Erntefortschritt der USA mit 70 Prozent (%). Damit konnte man die Ernte in der letzten Woche um 17 % vorantreiben. Der Fünfjahresschnitt liegt übrigens bei 76 %.
 
Bereits in der letzten Woche hatte das argentinische Agrarministerium die neue Sojabohnenfläche 2014/15 mit 20,3 mio Hektar veranschlagt. Im letzten Zyklus hatte diese Anbaufläche 19,8 mio Hektar betragen. Wir haben also in der Produktionsgleichung von Fläche und Ertrag wenigstens einen Faktor bereits erhöht. Das Problem mit Argentinien sind aber nicht die pflanzenbaulichen Unbilden, sondern diejenigen geldlicher Art.
 
Die schleichende Teuerung in Argentinien hat sich bereits vor Jahren in eine trabende entwickelt und darf heute ohne Weiteres als galloppierende Preisinflation bezeichnet werden. Das führte zu der extremen Verkaufszurückhaltung der Landwirte bei der Sojabohne. Der argentinische Staat hatte vor kurzem angekündigt, mit Zwangsmaßnahmen gegen dieses Verhalten vorgehen zu wollen.
 
An der Matif fielen die Kurse. Der Februartermin büßte 1,75 €/mto ein und schloss bei 331,25 €. Man musste zu Wochenauftakt den schwachen Schlusskurs der Bohne von Freitag nachträglich verarbeiten, sodass man im Minus endete. Es ist aber davon auszugehen, dass wir heute wieder ansteigen werden, weil wir in Chicago gestern sehr feste Kurse gesehen haben.

Weizen segelt im Windschatten fester Maispreise

Der Dezembertermin am CBoT legte gestern 5 cts/bu zu und settelte bei 5,23 ¼ US$/bu. Der wichtigsten Faktor waren die strammen Maispreise, die dem Weizen auf die Beine halfen. Im eigenen Lager gab es wenn überhaupt nur Bärisches zu sehen. Die wöchentlichen Exportinspektionen enttäuschten mit nur 212,5 tsd Tonnen ein weiteres Mal. Im Vorfeld hatte der Markt mit maximal 525 tsd Tonnen gerechnet. Daraus wurde aber nichts. Nachbörslich ließ das USDA wissen, dass nunmehr 84 % des neuen US-Winterweizens gesät sind. Das lag nur 1 % unter den Erwartungen, sodass man sagen kann, dass die Aussaat problemlos vonstatten geht. 67 % sind bereits aufgelaufen. Das liegt 5 % über dem langjährigen Durchschnitt. Das Agrarministerium der Ukraine hat den Erntefortschritt bis letzte Woche Freitag mit 88 % angegeben. Absolut betrachtet habe man nun 52,8 mio Tonnen Getreide eingefahren. Die Prognose über die zu erwartende Gesamtgetreideernte beträgt nach wie vor 64,4 mio Tonnen.
 
SovEcon ließ ebenfalls bereits in der vergangenen Woche eine Einschätzung verlautbaren, an der wir nicht wortlos vorübergehen möchten. Man sieht die nächste Getreideernte Russlands bei 90 mio Tonnen. Das wären etwa 15 mio to weniger als im Jahre 2014. Die Weizenernte wurde mit 50 mio to veranschlagt, also 9 mio to weniger als im Jahre 2014. Als Grund für die reduzierten Produktionsaussichten nannte SovEcon die mangelnde Bodenfeuchte im russischen Riesenreich.
 
Unter diesen Umständen sei mit entsprechendem Auswinterungsanteil zu rechnen. Die abgeschlossene Wintergetreideaussaat ist also im wahrsten Sinne des Wortes nicht überall auf fruchtbaren Boden gefallen. Wenn sich derartige Dinge bewahrheiten sollten, sei daran erinnert, dass die EU trotz aller guten Erträge in 2014 immer noch die knappste Weizenversorgungsbilanz aller Exporteure hat! Wenn im nächsten Jahr also die Schwarzmeerkonkurrenz weniger stark wäre, hätten wir exzellente Startbedingungen monetärer Art.
 
Der Referenztermin an der Börse für die neue Weizenernte 2015 ist der Dezember `15. Dieser notiert etwa 18 – 20 € über dem Novembertermin 2014 und nimmt die oben angesprochene Entwicklung bereits vorweg. Gestern schloss der Novembertermin in Paris mit einem Minus 0,75 € bei 165,- €/mto glatt.

Mais: Ernte zurück, Preise vor!

Der Dezembertermin am CBoT legte gestern 10 ½ cts/bu zu und settelte bei 3,63 US-$/bu. Die Verzögerungen in der US-Ernte trieben gestern die Kurse. Zusätzlich gestützt wurde diese Entwicklung von der charttechnischen Situation. Mit dem Durchstoß durch den 50-Tage-EMA zog man augenblicklich weitere Käufer an, die halfen, die Preise nach oben zu heben. Die wöchentlichen Exportinspektionen von 703 tsd Tonnen blieben hinter den Erwartungen zurück, aber der entscheidende Faktor war die US-Ernte. Der Markt sah diese etwa 20 % hinter den sonst üblichen Normwerten zurück. Am Abend bezifferte das USDA den Erntefortschritt mit 46 %. Das lag zwar 1 % über den Befürchtungen des Marktes, aber man liegt damit 19 % unter normal. Die US-Maisernte ist also weiterhin gehörig verzögert und heizt die Phantasie der Bullen an.
 
Die Maisfläche des Landes veranschlagte das argentinische Agrarministerium in der vergangenen Woche mit 5,5 mio Hektar. Das lag 100 tsd Hektar unter der vorangegangenen Prognose von 5,6 mio ha. An der Matif schob man sich oberhalb der 140er-Marke weiter seitwärts.

Eurex: Kartoffel segnet das zeitliche

Jetzt ist die Kartoffel endgültig eingegangen. Der Wochenauftakt des Nachtschattengewächses an der Eurex bestand gerade einmal aus mickrigen 11 Kontrakten Umsatz. Damit hat der Markt praktisch die Kartoffel zu Grabe getragen. Der preisliche Zugewinn von 0,10 €/dt war bedeutungslos. Der Apriltermin 2015 fand seinen Schlusskurs bei 5,50 €/dt. Der Schweinebereich wies weder beim Ferkel noch beim Mastschwein Umsätze auf. Im weißen Sortiment konnte wenigstens das Molkenpulver punkten.

Zucker stößt sauer auf

In Brasilien ist die alte Regierungschefin im Amt bestätigt worden. Ihre Herausforderin konnte den Urnengang nicht für sich entscheiden. Die alte und neue Regierungschefin Rousseff hat zwar am Abend des Wahlsieges eine vollkommen neue Politik angekündigt, aber wir wissen nur zu gut, was von derlei politischen Versprechungen zu halten ist. An der Börse gerieten die Aktien der brasilianischen Zucker- und Ethanolunternehmen unter heftigen Verkaufdruck. Die Herausforderin hatte angekündigt, im Falle ihres Wahlsieges die Bioenergien weiter massiv fördern zu wollen. Daraus dürfte nun nichts mehr werden, sodass die Einbrüche der Aktienkurse nicht wunder nehmen. Die Zuckerpreise selbst gerieten auch unter Druck. In New York verlor der März 35 Punkte und schloss bei 16,03 cts/Pfund. Das Tief des Tages lag sogar deutlich unter der 16 cts-Marke.

DAX nach positiver Eröffnung schwach

Der deutsche Aktienindex verlor gestern 85 Punkte und schloss bei 8902 Zählern. Die EZB hat die Geldinstitute Europas einem „Stresstest“ unterworfen. Ziel der Veranstaltung war es, einen Einblick in die bilanzielle Belastbarkeit der einzelnen Bank im Krisenfall zu bekommen. Die ganze Aktion ist von allen Seiten angreifbar. Erst einmal ist die EZB nicht unabhängig und hat keinen Wahrheits- und Klarheitsanspruch, was die wirkliche Lage in den Banken publik zu machen. Zum zweiten sind die Parameter des Stresstests in höchstem Maße fragwürdig gewesen und zum dritten ist ein Teilreservebankensystem wie wir es leider haben grundsätzlich pleite! Das ist eine systembedingte Notwendigkeit.
 
Wir vermuten, dass der ganze Zauber zur Beruhigung der Finanzmärkte veranstaltet wurde. Man wirft Nebelkerzen und Blendgranaten, um den nüchternen Blick auf den wahren Zustand der Wirtschaft einzutrüben. Dieser hat sich laut den jüngsten Daten des Ifo-Instituts erneut verschlechtert. Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts ist mit 1,5 Punkten auf 103,2 Punkte überraschend stark eingebrochen. „Die konjunkturellen Aussichten haben sich nochmals verschlechtert“, kommentierte der Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Professor Sinn hat am Wochenende beim Fernsehsender Phoenix übrigens ein interessantes Interview gegeben, das man sich durchaus einmal anschauen darf. 
 
Es sei aber angemerkt, dass Prof. Sinn kein Anhänger der Österreichischen Schule der Wirtschaftswissenschaften ist und seinen Schlussfolgerungen deshalb die letzte Konsequenz fehlt. Die Österreichische Schule ist derjenige Zweig der Ökonomie, der in den letzten 100 Jahren jede Krise perfekt vorhergesagt. Die „Österreicher“ sind als einzige imstande, ein lückenloses theoretisches Lehrmodell der Ökonomie aufzustellen, das nicht an der Realität scheitert.
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