Login
Börsentelegramm

Agrarmärkte starten im grünen Bereich

von , am
30.09.2014

Die neue Woche wurde von den globalen Agrarmärkten mit grün wehenden Fahnen begrüßt.

Die Maisernte liegt in diesem Jahr rund 14 Prozent unter der des Vorjahres. © Glaser/fotolia.com
Die neue Woche wurde von den globalen Agrarmärkten mit grün wehenden Fahnen begrüßt. Nach der Weltuntergangsstimmung, die die letzten Monate beherrschte, war man empfänglich für preisoptimistische Nachrichten. Am CBoT konnten Bohne, Mais und Weizen etwas zulegen. Auf dieses Signal reagierte eine Vielzahl anderer Märkte, die ihrerseits positiv notierten. Heute Abend veröffentlicht das USDA seinen Quartalsbestandsbericht zum 1. September. Es werden die Bestände von Weizen, Bohne und Mais zum genannten Stichtag beziffert.
 
Zusätzlich gießt man die US-Weizenernte noch einmal neu in Zahlen. Der Bericht kann zwar gefährlich werden und auf die Preisfindung stark einwirken, aber die Sprengkraft des Berichts von Ende Juni wird er noch nicht einmal in Ansätzen besitzen.
 
Bei Bohne und Mais spielen die Endbestände im nächsten WASDE-Bericht des USDA´s (erscheint am 10.10.2014) ohnehin die weitaus wichtigere Rolle. Beim Weizen könnte hingegen die Datenlage noch einmal etwas stärker verrückt werden.
 
Sojabohne: Sojaöl zieht die Bohne hoch
 
Die Novemberbohne hat gestern 12 ¼ cts/bu zugelegt und bei 9,22 ½ US$/bu geschlossen. Zu Beginn der Sitzung drohte die Bohne damit, die Marke von 9,- US$/bu glatt testen zu wollen. Hierzu kam es aber nicht, weil die Bullen Unterstützung von Seiten des Sojaöls erhielten. Die als zu trocken wahrgenommenen Bedingungen in Malaysia und Indonesien könnten sich negativ auf die Palmölproduktion auswirken. Das war ausreichend, um den Chicagoer Sojaölpreisen einen kleinen Schub zu verpassen, der eine magnetische Wirkung auf die Bohne hatte.
 
Bei der Bohne selbst standen die Bedingungen in den USA im Fokus des Geschehens. Die US-Ernte ist angelaufen, und man diskutierte über den Verlauf des Erntefortschritts. Dieser wurde nachbörslich vom USDA mit 10% veranschlagt. Erwartet hatte an etwas mehr, nämlich 11%. Trotzdem darf man behaupten, dass die Ernte derzeit noch voll im Soll liegt. Die nicht geernteten Bohnenbestände wurden vom USDA mit 72% als gut bis exzellent bewertet. Das war 1% mehr als in der Vorwoche. Die Bohnenaussaat in Brasilien und Argentinien schreitet schneller voran als im letzten Jahr. Das hat die Analysten von Mistry dazu veranlasst, von einer größeren Bohnenfläche auszugehen.
 
Die Farmer würden aufgrund des guten Vorankommens und angesichts der weltweiten Maispreise eher zur Bohne tendieren. Das ginge zu Lasten der Maisfläche, betonte Mistry. Hinsichtlich des indischen Pflanzenölimports divergieren die Meinungen. Die einen sehen die Importe des indischen Subkontinents in 2014/15 auf 12,1 mio to ansteigen (+0,50 mio to zu 2013/14). Andere Analysten verweisen völlig zu Recht auf die eigene indische Sojabohnenernte von über 10 mio Tonnen und entsprechender Sojaölproduktion. Die Monsunregenfälle waren gut und haben die Bohne gedeihen lassen. Infolgedessen rechne man eher mit einer Stagnation des Pflanzenölimports auf den derzeit hohen Niveaus. Die Chinesen haben das Genehmigungsverfahren für den Import einer gentechnisch veränderten Sojabohnensorte gestoppt. Bei der Begründung dieses Schrittes berief man sich auf mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz von gentechnisch veränderten Lebensmitteln in China.
 
Angesichts der sich entspannenden Lage in den weltweiten Sojaversorgungsbilanzen kann sich das Reich der Mitte derzeit Schritte solcher Art erlauben, aber sobald sich die Bilanzen wieder verknappen sollten, wird man die momentanen Maßnahmen ganz schnell vergessen haben und importieren, was überhaupt nur logistisch machbar ist. AgroConsult hat in seiner jüngsten Prognose die neue brasilianische Sojaernte 2014/15 von 95,1 auf 94,8 mio Tonnen herabgesetzt. Anpassungen in dieser Größenordnung und zu diesem Zeitpunkt sind aber für die Preisbildung vollkommen bedeutungslos.
 
Die Rapsnotierungen an der Matif legten 2,- €/mto im November zu und settelten bei 317,50 €/to.
 
Weizen bleibt fundamental unverändert
 
Der Dezembertermin am CBoT packte 7 ¾ cts/bu drauf, um bei 4,82 US$/bu zu schließen. In Chicago würgt man seit Wochen die gleichen halbverdauten Nachrichtenreste hoch, um sie zum gefühlt hundertsten Male wiederzukäuen. Die gute weltweite Versorgungslage lastet wie ein schwerer Stein auf der Preisbildung, den man nicht abschütteln könne. Zudem verhindert ein relativ starker US$ einen reibungslosen Abverkauf der Exportware.
 
Wie in der Einleitung bereits angeklungen ist, könnte es im Weizen eine Verschiebung der US-Datenlage geben, die den Markt noch einmal zu einem nachhaltigen Echo zwingt. Die Fonds haben sich in der vergangenen Woche noch einmal über 11,5 tsd Kontrakte nettoshort ins Boot geladen, was einerseits die bärische Grundhaltung des Marktes noch einmal bestätigt. Andererseits liegt in dieser Position auch eine Menge kurzfristiges Aufwärtspotential verborgen.
 
Sollten die Fonds Anlass bekommen, diese zurückzukaufen, dürften wir gute Chancen auf eine echte Shortcoveringrallye haben. Einen solchen Anlass könnte der heutige Report liefern, wenngleich dies nicht sonderlich wahrscheinlich ist. Aber man weiß ja nie! Nachbörslich ließ das USDA wissen, dass man in den USA 94% des Sommerweizens geerntet habe und dass die neue Winterweizenaussaat zu 43% abgeschlossen sei. Beide Zahlen befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu den jeweiligen Erwartungswerten des Marktes.
 
Im internationalen Marktgeschehen meldeten sich zu Wochenauftakt gleich eine ganze Reihe interessierter Käufer zu Wort. Taiwan legte einen Tender über 80 tsd Tonnen Weizen auf, den man gerne aus den USA einkaufen möchte. Der Oman ist hinsichtlich seiner Herkunftswünsche flexibler geblieben und ließ den Ursprung für seinen 60 tsd Tonnen-Kaufwunsch offen. Die Türkei stand in nichts nach und bekundete Kaufinteresse für 200 tsd Tonnen Mahlweizen. Liefertermin ist Jahresende. Matif: Novembertermin + 1,75€, Schlusskurs: 153,75 €/mto.
 
Mais im Plus
 
Der Dezembertermin am CBoT legte gestern 3 cts/bu zu und schloss bei 3,26 US$/bu glatt. Auch hier sind preislichen Bestimmungsgründe unverändert geblieben. Der gute Saatenstand des Mais in den USA wirkt nach wie vor bärisch, und ein fester US$ bremst die Exporttätigkeit der USA. Die Maispreise in den USA liegen derzeit unter den Produktionskosten und bereiten allen Erzeugern Kopfzerbrechen. Der Trend ist nach wie vor abwärts gerichtet, und die US-Ernte kommt erst noch so richtig in Fahrt, sodass wir weiteren Preisverfall nicht ausschließen dürfen. Die momentane Situation drängt geradezu zur Fragestellung hin, was überhaupt dazu in der Lage wäre, die Preise zum Stehen zu bringen. Außer einem totalen Erntestillstand in den USA dürfte es momentan keinen weiteren Einflussfaktor geben. Da die Bedingungen im Mittleren Westen für die erste Wochenhälfte hervorragend sind und nur kleinere Unterbrechungen in der zweiten zu befürchten sind, deutet derzeit nichts auf eine witterungsbedingte Preisunterstützung des Maispreises am CBoT hin.
 
Die Maispreise der Ukraine sind angesichts des gedrückten Weltmarktniveaus und der eigenen voranschreitenden Ernte unter Druck geraten. In der letzten Woche büßten sie etwa 10,- US$/Tonne ein (fob Schwarzmeerhafen). Die Getreideernte der Ukraine ist derzeit zu 75% abgeschlossen, sodass wir davon ausgehen müssen, dass das Gros des Mais´ noch auf dem Acker steht. Die restlichen 25% dürften vollständig auf den Mais entfallen. ADM Germany (ehemals Töpfer) veranschlagte die EU-Maisernte 2014/15 in der letzten Woche mit 70,46 mio to. In der letzten Kampagne haben wir in Europa nur 64,48 mio Tonnen vom Acker geholt. Also auch hier tritt eine signifikante Erholung ein, die die Schwemme an Futtergetreide in der EU noch verstärkt.
 
An der Matif konnte man sich nach dem brutalen Ausverkauf der Vorwoche wieder etwas fangen. Gestern legte man zu und griff die Marke von 140,- € an. Es reichte aber nicht aus, diese zurückzuerobern. Der Novembertermin legte 1,25€ zu und schloss bei 138,50.
 
Eurex: Kartoffel seitwärts
 
Die Kartoffel schob sich zu Wochenbeginn seitwärts. Bei einem verhaltenen Umsatz von 128 Kontrakten gab es so gut wie keine Preisveränderungen zu bestaunen. Der Apriltermin 2015 behielt sein Preisniveau bei und schloss erneut bei 6,- €/dt glatt. Was den Kassamarkt anbelangt, so ist die Kartoffelrodung vielerorts abgeschlossen.
 
Der Rest dürfte im Verlaufe dieser und spätestens nächster Woche an die Erdoberfläche befördert werden. Die außergewöhnlich gute Ertragslage muss nicht noch einmal erwähnt werden. Die Kassamarktpreise sind auf vorderen Terminen geradezu jämmerlich, sodass man die Ware derzeit sowohl an die Biogasanlage abgibt als auch zur Maissilage mit dazu gibt, um wenigstens etwas Bares in die Kasse gespült zu bekommen. Schwein und Ferkel blieben ungehandelt. Im weißen Sortiment sah es bis kurz vor Handelsschluss noch ähnlich trübe aus. Insgesamt hatten wir einen ganz müden Wochenauftakt!
 
DAX bleibt missgestimmt
 
Die politische Lage in Hongkong bremste das globale Börsengeschehen etwas aus. In der ehemaligen britischen Kronkolonie hat sich eine Demokratisierungswelle unter der Bevölkerung breit gemacht. Den chinesischen Machthabern ist diese Entwicklung natürlich ein Dorn im Auge, und diese reagieren mit entsprechender Gewalt. Es deutet sich hier keine rasche friedliche Lösung an, sodass das Ende dieses Faktors wohl von der Durchhaltebereitschaft der Demonstranten abhängt. Die ökonomische Datenlage lässt nirgendwo auf der Welt Optimismus zu. Es bleibt den Börsianern also nichts weiter übrig, als ihre Erwartungshorizont hinsichtlich der Gelddruckprogramme der Notenbanken immer weiter vorzurücken.
 
Bislang haben die Notenbanken auch immer wieder Zucker in die Hintern der Finanzbörsen geblasen, um die notwendigen Wertberichtigungen zu vermeiden. Kein Zustand währt ewig, die Notenbank ist die Herrin über die Zinsen. Das ist und bleibt der Markt. Der DAX schaffte es auch zu Handelsende nicht mehr auf die Beine und büßte knapp 70 Punkte ein. Der Schlusskurs lag bei 9422,91 Zählern.
Auch interessant