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Börsentelegramm

Agrarmärkte starten positiv in die neue Woche

von , am
28.07.2014

Insbesondere die Bohne am CBoT konnte zu Wochenauftakt eine sehr positive Performance hinlegen. Sie stieg zweistellig an und verlieh dadurch den Mais- und Weizennotierungen ebenfalls Unterstützung.

© Rainer Sturm
Andere agrarische Märkte landeten teilweise auf dem Bauch, aber die Verluste hatten insgesamt keine nennenswerte Größenordnung erreicht.
 
Sojabohne wetterbedingt im Plus
 
Die Novemberbohne schaffte gestern ein Plus von 23 ¾ cts/bu und settelte bei 11,06 ¾ US$/bu. Die Niederschläge im Topproduktionsstaat Iowa waren am Wochenende nicht ergiebig, und so befürchtete man, dass die guten Ertragsprognosen nicht zu realisieren sein würden. Die Börse in Chicago reagierte entsprechend und stieg an. Die einzelnen Trockenheitsnester im Mittleren Westen der USA sind noch nicht bedrohlich, aber die Börse ist willens, eine sofortige Risikoprämie einzupreisen.
 
Das ist auch vollkommen gerechtfertigt, denn wir alle wissen, wie eng die US-Bohnenbilanz unabhängig von ihrer Angebotsseite wieder werden wird. Die Nachfrage ist und bleibt enorm hoch, und die USA haben eine schlagkräftige Logistik, die im Falle eines Falles wieder Löcher stopfen muss, die an anderer Stelle gerissen werden.
 
Die wöchentlichen Exportinspektionen lagen mit 112,3 tsd Tonnen über den Erwartungen und untermauern das eben Gesagte. Darüber hinaus kauften die Chinesen 420 tsd Tonnen Sojabohnen aus den USA. Des Weiteren buchten sie 66 tsd Tonnen aus einer nicht näher spezifizierten Herkunft. Es ist aber anzunehmen, dass auch diese Ware aus den USA kommt und ihren Weg ins Reich der Mitte finden wird.
 
China bleibt Bohnenkäufer Nummer eins! Nachbörslich veröffentlichte das USDA seine Bestandsbonituren und sah die Bohne zu 71% in guten bis exzellentem Zustand (-2% zur Vorwoche). 76% der Pflanzen befinden sich im Blühstadium und 38% haben damit begonnen, Schoten auszubilden. An der Matif hat der Raps im Novembertermin 4,50 €/mto zugelegt und bei 332,- €/mto geschlossen.

Weizen mit Miniverlust

Der Septemberweizen verlor zu Wochenauftakt 2 ½ cts/bu und settelte bei 5,35 US$/bu. In den USA gab´s nix Neues, das zu kommentieren wäre. Man plapperte die wahrgenommene gute Globalversorgung vor sich her und schaute auf die Ertragslage in Europa. Die Franzosen dürften bislang etwa 50% ihres Weizens geerntet haben und zeigen sich hinsichtlich der Qualitäten enttäuscht.
 
Derartige Dinge stehen auch in den USA unter Beobachtung und wirken auf die Preisbildung. Insbesondere am Kansas City Board of Trade, denn hier wird der US-Mahlweizen gehandelt, der den Großteil der Exporte der USA ausmacht. Man erhofft sich, den Europäern Marktanteile abspenstig machen zu können. Nachbörslich ließ das USDA wissen, dass 83 des US-Winterweizens geerntet sind.
 
Der Sommerweizen steht wie in der Vorwoche immer noch zu 70% gut bis exzellent auf den Feldern. Die russische Weizenernte wurde seitens IKAR nach oben korrigiert. Nunmehr würden die Russen eine Ernte von 57,5 Mio. Tonnen einfahren; zuvor lag IKAR noch bei 56,3 Mio. to. In Australien sieht NAB die kommende Weizenernte um knapp 4% reduziert. Im internationalen Geschäft betrat Taiwan zu Wochenbeginn die Bühne und kaufte 84,8 tsd Tonnen Weizen un-amerikanischer Herkunft. Daneben buchte Nigeria über 100 tsd Tonnen, die ebenfalls aus den USA stammten. Die Qualitätsprobleme in Frankreich scheinen sich auf Deutschland auszudehnen.
 
Das nasse Wetter schadet insbesondere dem ins Lager gegangenen Weizen. Teilweise wird bereits vom Auskeimen der Körner am Halm berichtet. Damit sind die Fallzahlen in den betroffenen Regionen dahin. Welche Ausmaße die Schädigungen bei uns annehmen werden, müssen wir abwarten. Einige Gegenden im Westen (entlang des Rheins) sind flächendeckend betroffen. An der Matif verlor der Novembertermin 1,50 €/mto und settelte bei 178,25 €/mto.

Mais von Bohne inspiriert

Der Dezembermais legte gestern 4 ½ cts/bu zu und settelte bei 3,76 ¾ US$/bu. Die stramme Bohne und das Gerede über die vereinzelt zu trockenen Bedingungen im Mittleren Westen halfen auch den Maisnotierungen auf die Sprünge. Ob und in welcher Größenordnung man Ertragseinbußen befürchten muss, steht in den Sternen. Das hielt Reuters aber nicht davon eine Ertragserwartungserhebung durchzuführen, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten möchten.
 
Eine Reuters-Umfrage bzgl. der zu erwartenden Maiserträge in den USA förderte zwar Bäurisches, aber nichts Überraschendes zutage. Ein Durchschnitt der Befragten bezifferte den durchschnittlichen Maisertrag der USA bei 170,48 Scheffel/Acre. Das USDA ging in seinem letzten Report (WASDE) von 165,3 Scheffel/Acre aus. Dem außerordentlich guten Saatenstand in den USA trugen die Befragten Rechnung und hoben ihre Ertragserwartungen entsprechend an. Zum jetzigen Zeitpunkt dürfte die Reuters-Umfrage deutlich näher an der Realität liegen als das USDA.
 
Die optimistischsten Erwartungen liegen sogar über 180 Scheffel/Acre. Nachbörslich kam das USDA und bonitierte 75% des US-Maises mit gut bis exzellent (-1%). Die Chinesen machen jetzt ernst. Das Reich der Mitte verlangt von den USA neben Mais nun auch für Trockenschlempe aus der Ethanolherstellung ein Zertifikat, das die Genstammfreiheit von MIR162 ausweist. Hierauf ist das USDA nicht vorbereitet und wird nicht sofort ein entsprechendes Zertifizierungssystem aus dem Boden stampfen können. Die Schiffe, die sich mit Trockenschlempe beladen bereits auf dem Weg nach China befinden, werden höchstwahrscheinlich umdestiniert werden. Angesichts der neuen Lage sind die Preise für DDG in den USA am Fallen und die Bauernverbände empfehlen daher den Farmern, Ware zu vermarkten.
 
Im internationalen Geschehen startete Taiwan einen Tender über 60 tsd Tonnen Mais. Die Ware soll im September bzw. im Oktober zur Andienung kommen. An der Matif gewann der November 1,-€/to.

Eurex: Kartoffel schnappt nach Luft

An der Eurex konnte die Kartoffel an die Oberfläche schwimmen und Luft holen. Nach den heftigen Verlusten der vorherigen Handelstage wurde die neue Woche mit Zugewinnen eröffnet. Der Apriltermin 2015 legte bei einem Gesamtmarktumsatz von 158 Kontrakten 0,40 €/dt zu schloss bei 7,80 €/dt. Der Kassamarkt blieb insgesamt ruhig, dennoch beobachtet man die Niederschläge.
 
Im tierischen Bereich konnte das vordere Augustschwein 4 Kontrakte Umsatz ausweisen. Der Preis schwankte hierbei zwischen 1,720 und 1,730 €/kg. Der Settlement lag bei 1,727 €/kg. Am Ferkelkontrakt zeigte niemand Interesse, er blieb ungehandelt. Die Ehre des weißen Sortiments konnte die Butter retten. Im vorderen Julitermin kam es zu 10 Kontrakten Umsatz. Der Preis betrug 3475,-€/to. Das war ein Minus von 13,-€/to.

DAX: Konjunkturangst greift um sich

In Frankfurt fürchten die Anleger einen Einbruch der Konjunktur. Angesichts der Russland-Ukraine-Krise und der von der EU angedrohten Sanktionen purzeln die Kurse in Moskau. Internationale Investoren ziehen sich aus Russland zurück, der Rubel rollt nach unten. Aber auch bei uns werden negative Auswirkungen befürchtet, und man zieht in Teilen sein Geld vom Kapitalmarkt ab. Der DAX verlor rund 46 Punkte und settelte knapp unter 9600 Zählern.
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