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Börsentelegramm

Agrarmärkte starten verhalten in die neue Woche

von , am
24.06.2014

In der letzten Woche konnte der Weizen an den euopäischen Märkten zulegen. © Mühlhausen/landpixel
Die neue Woche wurde von den Agrarmärkten mit Zurückhaltung und Vorsicht begrüßt. Am CBoT konnte nur die Bohne etwas steigen, Mais und Weizen drehten früh ins Minus und hatten später keine Chance mehr, den roten Bereich zu verlassen. Die Verluste im Mais schwollen auf 2% an.
 
Im außeragrarischen Umfeld fielen die Kursverluste im Rohöl auf. Zuerst jagte der Markt in die Höhe, wurde aber jäh ausgebremst und dreht schließlich ins Negative.

Sojabohne schafft ein Plus

Die Julisojabohne am CBoT legte gestern 6 ½ cts/bu zu und settelte bei 14,25 ¼ US$/bu. Insgesamt war es eine unspektakuläre Sitzung in Chicago. Während der Handelszeit vermisste man die maßgebliche Einflussgröße der Saatenstandsbonitur des USDA´s. Diese kommen stets an Montagen erst nach der Börsensitzung heraus.
 
Also verfiel man in abwartende Haltung und philosophierte über mögliche Flächenverschiebungen im Report zum 30. Juni. Man tauschte Meinungen aus, ohne sich groß im Markt zu engagieren. Am Abend war es dann soweit, das USDA veröffentlichte seine neusten Zahlen. Laut USDA stehen 72% aller US-Bohnenbestände immernoch gut bis exzellent auf dem Acker. Das war zwar ein Minus von 1% zur Vorwoche, aber man hatte mit mehr Abschlag gerechnet, weil in der vergangenen Woche Starkregen im Mittleren Westen gefallen war.
 
Diese Befürchtung bestätigte sich nicht! Wir hatten an dieser Stelle bereits letzte Woche festgehalten, dass zuviel Regen fast nie ein Problem darstellt. Es sei denn, sie wachsen sich zu Überflutungen aus. Alles andere kann man recht gut unter Kontrolle behalten. Fazit: Die neuerntige Bohne wächst und gedeiht prächtig im Mittleren Westen. Die wöchentlichen Exportinspektionen lagen gem. USDA gestern bei 61,8 tsd Tonnen und damit auf einem Niveau, das keinen Bullen hinterm Ofen hervor locken konnte. Für diejenigen Leser, die sich für den Juli-Novemberspread der Bohne interessieren sei gesagt, dass wir gestern erneut ein erstaunlich hohes Volumen von 20734 Kontrakten hatten. Am Freitag ist der erste Liefertermin auf die Julibohne am CBoT, sodass sich die nicht andienungswilligen Positionshalter aus dem Kontrakt zurückziehen müssen.
 
Der europäische Landhandelsverband Coceral bezifferte in der letzten Woche die europäische Rapsernte in 2014 mit 22,8 mio Tonnen. Das war ein Plus von 1,7 mio to zur letzten Schätzung. Im letzten Jahr ernteten wir in Europa „nur“ 20,6 mio to. Als der Rapspreis frech geworden, bekam er sofort eins auf die Mütze. Gestern schickte sich der Augusttermin an, seinen 50-Tage-Durchschnitt zu beschnuppern und anzugreifen. Das ließen sich die Bären nicht gefallen und lösten augenblicklich Verkaufdruck aus, der den Preis in die Knie zwang. Der August verlor schließlich unterm Strich 2,75 €/mto und settelte bei 350,50 €/mto.

Weizen unter Druck

Der Juliweizen verlor gestern am CBoT exakt 5 cts/bu und settelte bei 5,80 US$/bu glatt. In den USA sind die Ernteaktivitäten im Mittleren Westen übers abgelaufene Wochenende streckenweise zum Erliegen gekommen. Der Regen in den Plains kommt zu spät, um die Erträge zu verbessern, aber rechtzeitig, um die Mähdrescher zu stoppen. Die wöchentlichen Exportinspektionen lagen beim US-Weizen bei 581,4 tsd Tonnen. Das war zwar über den Erwartungen und damit tendenziell bullisch, konnte aber keinen wesentlichen Marktimpuls setzen, weil die großen internationalen Tender (Ägypten und Saudi Arabien) höchstwahrscheinlich ohne die Beteiligung von US-Ware über die Bühne gegangen sind. Die internationale Konkurrenz wird als zu intensiv wahrgenommen, als dass man in den USA bereit wäre, unangebrachte Exportphantasie zu entwickeln.
 
Nachbörslich erwartete man auch im Weizen die neusten Zahlen des USDA´s. Diese kamen dann auch und sahen den US-Winterweizen zu 33% geerntet (letzte Woche 16%). In der Bonitierung hat sich fast nichts verändert. 30% sind nach wie vor mit gut bis exzellent bewertet worden und zu 44% stehen die Bestände in mangelhaftem Zustand auf dem Acker (+1% zur Vorwoche).
 
Übers abgelaufene Wochenende haben die Ägypter einen Weizentender gestartet und abgeschlossen. Das Land am Nil kaufte insgesamt 180 tsd Tonnen Weizen, 60 tsd to auf Russland und 120 tsd Tonnen aus Rumänien. Das Preisniveau lag bei etwa 185,- €/to fob. Der Tender ließ auch Weizen mit 13,5% Feuchtigkeit zu, aber die französische Ware war offenkundig zu teuer und wurde seitens der Ägypter mit Missachtung bestraft. Pakistan lud sich 55 tsd Tonnen Weizen auf den Buckel. Auch hier war die Herkunft die Schwarzmeerregion. In der letzten Woche hat die Nachrichtenagentur Reuters eine interessante Umfrage hinsichtlich der Weizenproduktion im Schwarzmeerraum durchgeführt. Die Befragten rechneten im Durchschnitt mit einer Gesamtweizenproduktion von 88 mio Tonnen in Russland, in der Ukraine und in Kasachstan. Damit läge man exakt auf Vorjahresniveau. Allerdings bewertete man das Exportpotential mit 35 mio to etwas geringer als im letzten Zyklus.
 
Coceral schätzte die europäische Weizenernte 2014/15 auf 141,9 mio Tonnen und revidierte damit seine vorherige Prognose um 6 mio to nach oben. Im letzten Jahr hatten wir 136,3 mio to geerntet. Die EU vergab in der letzten Woche Weizenexportlizenzen in Höhe von 348 tsd Tonnen, was die aufsummierten Gesamtexporte auf 27,5 mio Tonnen gebracht hat. An der Matif blieb alles beim alten. Der November legte marginale 0,25 € zu und settelte bei 188,50 €.

Mais macht auf dem Absatz kehrt

Der neuerntige Dezembertermin verlor gestern am CBoT 10 ¼ cts/bu und settelte bei 4,42 US$/bu. Mit diesen Verlusten ist die Hoffnung auf eine Bodenbildung zwar noch nicht ganz dahin, aber man bekam einen gehörigen Dämpfer. Zu Beginn in der Nachtsitzung hatte es gar nicht schlecht ausgesehen, da man den 20-Tage-Durchschnitt aufs Korn genommen hatte und sich anschickte, diesen anzugreifen. Die Bären wehrten diesen Angriff mit Leichtigkeit ab und sorgten in der Folge für ein immer dicker werdendes rotes Vorzeichen.
 
Das USDA sah nach der Sitzung noch 74% aller US-Maisbestände in gutem bis exzellentem Zustand. Das war ein Minus von 2% zur Vorwoche. Wie in der Bohne hat man auch im Mais unterschwellig mit größeren Abschlägen in der Saatenstandsbonitur gerechnet. Und wie in der Bohne bestätigten sich diese Befürchtungen auch für den Mais nicht. Die wöchentlichen Exportinspektionen der USA lagen bei ordentlichen 987,9 tsd Tonnen, was aber die schwache Tendenz nicht umkehren konnte.
 
Der europäische Landhandelsverband Coceral bezifferte in seiner letzten Schätzung die europäische Körnermaisernte in 2014/15 auf 64,6 mio Tonnen. Damit verbesserte man sich um 900 tsd Tonnen. Im letzten Jahr ernteten wir in Europa 63,2 mio to Körnermais. Was die Gerste betrifft, so prognostizierte Coceral eine Menge von 55,9 mio to für die Kampagne 2014/15. Das stellte zwar eine Verbesserung zur letzten Schätzung von 600 tsd Tonnen dar, lag aber immernoch deutlich unter den 59,4 mio to aus 2013. Geringere Aussaatflächen machten sich hier bemerkbar.
 
An der Matif bot sich ein identisches Preisbild zu Chicago. Zuerst ging es wie eine Fontaine hinauf und dann wieder hinunter. Im Novembertermin schloss man nach einem Minus von 1,25 € bei 175,75 €.

Eurex: Kartoffel rollt talwärts

Der Wochenauftakt war für die Kartoffel an der Eurex bärisch. Bei einem Gesamtumsatz von 189 Kontrakten fiel der Markt im gestrigen Handelsverlauf unter die Marke von 12,- €/dt. Zu Handelsschluss konnte man sich aber etwas von den Tagestiefs wegbewegen und bei 12,1 €/dt schließen. Der Kassamarkt gab keine Impulse von sich und verharrte bei leicht abschlägiger Tendenz mehr oder weniger auf der Stelle. Im tierischen Bereich hielt man sich zurück. Weder bei den Schweinen noch in den Milchprodukten konnte man Umsatz erzielen. 

Lenkt Argentinien ein?

Im Streit um die bestehenden Verbindlichkeiten aus alten Staatsanleihen hatte Argentinien letzte Woche eine juristische Schlappe erlitten. US-Hedgefonds konnten letztinstanzlich erfolgreich ihre Forderungen vor Gericht durchsetzen. Die erste Reaktion der argentinischen Regierung war Ablehnung des Urteils. Nun scheint sich Argentinien zugänglicher zu zeigen, da sonst ein kompletter Staatsbankrott droht und damit eine Refinanzierung an den internationalen Kapitalmärkten stark gefährdet wäre. DAX & Co. zeigen sich beeindruckt
 
Die jüngsten Wirtschaftsdaten Frankreichs waren katastrophal. Das Markit-Institut veröffentlichte den Einkaufsmanagerindex, der deutlich unter dem Wert von 50 lag. Man hatte damit gerechnet, dass sich der Index bei 49,6, also knapp unter 50 stabilisieren könne. Stattdessen stürzte er auf saisonbereinigte 47,8 Punkte ab. Erst ein Wert von über 50 gilt als positiv, alles darunter signalisiert Schwäche und Pessimismus. Im Verbund mit der politischen Krise im Irak war das ausreichend, den deutschen Leitindex DAX südwärts zu schicken. Am Ende standen ein Minus von 66,32 Punkten und ein Indexstand von 9920,92 Zählern.




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