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Börsentelegramm

Agrarmärkte weiter auf Tauchstation

von , am
10.07.2014

Der marktübergreifende Abwärtstrend hielt gestern im Agrarbereich weiter an. Die Rohölnotierungen haben ihre Hochs aus letztem Monat nicht halten können und fallen langsam aber stetig seit zwei Wochen.

Mit dem Verlust von 12 cts/bu und einem Settlement von 11,03 ¾ US$/bu testete die Bohne gestern die alten Tiefs, die man Ende Januar 2014 verzeichnete. © Mühlhausen/landpixel
Die Agrarmärkte verbrachten auch den gestrigen Tag im Bärenmodus. Die Chicagoer Getreide- und Ölsaatenmärkte traten ein weiteres Mal einträchtig den Weg in südliche Richtung an.
 
Die Mainotierungen legten mit ihrem Minus von etwa 1,5% den größten Verlust aufs Parkett gefolgt von Weizen und schließlich der Bohne. Orangensaft und Lebendrind konnten kleine Zugewinne erzielen, die jedoch aufgrund ihrer geringen Größenordnung vernachlässigt werden müssen. Rohöl war abschlägig, hielt aber das allgemeine Preisniveau.

Sojabohne testet Tiefs

Mit dem Verlust von 12 cts/bu und einem Settlement von 11,03 ¾ US$/bu testete die Bohne gestern die alten Tiefs, die man Ende Januar 2014 verzeichnete. Es ist wohl nicht notwendig, ein weiteres Mal zu erwähnen, dass die Aussicht auf eine große US-Ernte die treibende Kraft Richtung Süden war. Solange ein derart hervorragender Saatenstand existiert, wird es den Bullen kaum gelingen, ihre Bataillone zu sammeln, um die Bären zu besiegen.
 
Conab verbesserte die 2013/14er Sojaernte in Nachhinein etwas nach oben. Die Statistik weist nun eine Produktionsmenge von 86,27 mio to) aus (zuvor 86,05 mio to). Diese Anpassung war für den Markt bedeutungslos und wurde entsprechend behandelt. An der Matif gab´s Verluste. Der November büßte 4,- €/mto ein und schloss bei 335,0 €/mto. Damit bleibt der Abwärtstrend beim Matifraps intakt. Bislang liegt kein Zeichen der Bodenbildung vor.

Weizen weiter abwärts

Am CBoT verlor der Septembertermin 4, ¾ cts/bu und settelte bei 5,51 US$/bu glatt. In den USA werden die Weizennotierungen weiter von zwei Seiten in die Zange genommen. Einerseits ist die Winterweizenernte bei steigenden Erträgen in vollem Gange und andererseits präsentieren sich die Sommerweizenbestände von ihrer besten Seite. Der Saatenstand hinsichtlich des Sommerweizens war zwar gelegentlich in der Vergangenheit noch besser als jetzt, aber mit 70% exzellenten Bestandes kündigt sich eine sehr gute Sommerweizenernte in den USA an. Das ist im Umfeld sinkender Agrarpreise genug, um den Markt derzeit weiter zu drücken.
 
Mit gestrigem Handelstag wurde das alte Tief bei etwa 5,65 US$/bu (Septembertermin) strukturell gebrochen. Im internationalen Markt gab es einige Geschäftstätigkeiten zu beobachten, die wir erwähnen sollten. Die Ägypter bekundeten in der vorangegangenen Nacht bereits ihr Kaufinteresse an Weizen. Gestern befriedigte man am Nil seine Kauflust und orderte insgesamt 240 tsd Tonnen Weizen. Die Ware soll Ende August zur Andienung kommen und beschränkte sich herkunftsmäßig ausschließlich auf Rumänien. Diese Entwicklung zu einem derart frühen Zeitpunkt in der neuen Kampagne, macht es uns zur Pflicht festzustellen, dass die europäische Ware (aus Rumanien) internationale Konkurrenzfähigkeit besitzen muss. Andernfalls wäre sie nicht gekauft worden. Und wenn Rumänien bereits jetzt verkaufen kann, füllt sich die europäische Weizenversorgungsbilanz in der Exportspalte mit Startschuss der neuen Kampagne.
 
Damit liegen die Voraussetzungen für Optimismus hinsichtlich der angesprochenen Thematik vor. Ob der Markt aber direkt vor der Ernte für Faktoren der Nachfrageseite empfänglich ist, ist eine andere Frage. Derzeit starrt man nur auf die Angebotsseite und blendet in bester Tradition gute Argumente der Nachfrageseite erst einmal konsequent aus. Jordanien kaufte 100 tsd Tonnen Weizen für Lieferung zu Jahresende und schob im gleichen Atemzug einen weiteren Einkaufstender über noch mal dieselbe Menge nach. Algerien bekundete konkretes Kaufinteresse für 50 tsd to Durumweizen.
 
An der Matif gab man wieder etwas nach, konnte aber insgesamt gerade noch die gegenwärtigen Preisniveaus halten. Der November schloss nach einem Verlust von 1,50 € bei 181,75 €/mto. Mit diesem Schlusskurs ist das alte Tief in akute Gefahr geraten, und der Markt droht, dieses zu brechen.

Mais im freien Fall

Die Maisnotierungen befinden sich derzeit im freien Fall. Am CBoT wurde gestern mit einem Verlust von 7 cts/bu und einem Schlusskurs von 3,97 ½ US$/bu im Dezember die 4,- US$-Marke gebrochen. Damit ging eine Verteidigungslinie der Bullen verloren, der man deutlich mehr Widerstandspotential zugetraut hätte bzw. hat. Wie bei der Bohne sind es auch beim Mais die nahezu idealen pflanzenbaulichen Bedingungen im Mittleren Westen, die den Bullen derzeit Angst und Schrecken einjagen. Über Teilen Illinois´ und Iowas ist nach der Aussaat bzw. nach dem Auflaufen der Bestände etwa fünfmal mehr Regen niedergegangen als im Durchschnitt. Die Temperaturen sind daneben im idealen Bereich, sodass kein Zweifel am guten Saatenstand bestehen kann.
 
Seit dem 30. Juni wissen wir aus dem Flächenbericht, dass das USDA von einer Maisfläche in den USA ausgeht, die etwa um 4,4% unter derjenigen des letzten Jahres liegt. Diesen Faktor allein betrachtet, wird es schwer, den Preisverfall zu erklären. Dennoch muss es gute Gründe geben, die die Marktteilnehmer dazu veranlassen, den Markt mit dieser Brutalität abwärts zu prügeln.
 
Dieser Grund dürfte der folgende sein. Nicht wenige Stimmen, die man aus den USA vernehmen kann, gehen davon aus, dass die Anzahl der aufgelaufenen Pflanzen infolge der idealen Bedingungen über Normal liegt, sodass man gesamtbilanziell mit einem höheren Durchschnittsertrag pro Acre zu rechnen habe. Informa Economics veranschlagte in seiner letzten Schätzung einen Durchschnittsertrag von 165 bu/acre. Nun gibt es ernstzunehmende Kommentatoren, die aufgrund der eben genannten Dinge den Durchschnittsertrag bei über 180 bu/acre sehen. Wenn der nächste WASDE-Report (erscheint morgen) die Bullen mit einem derartigen Ertrag statistisch zu Boden schlägt, ist die totale Bärigkeit und die vollkommene preisliche Apokalypse in Richtung 3,- US$/bu denkbar. Der Novembertermin an der Matif büßte weiter ein und schloss bei 166,- €/mto.

Eurex: Kartoffel seitwärts

An der Eurex in Frankfurt hat es der Veredelungserdapfel geschafft, bei einem Umsatz von 170 Kontrakten einen kleinen Zugewinn von 0,10 €/dt zu verzeichnen. Der Apriltermin 2015 schloss bei 9,80 €/dt. Die Kassamarktpreise waren von Interessensvorstellungen geprägt, ohne dass Markttransaktionen in größerem Umfange getätigt wurden, die einen Marktpreis hätten entstehen lassen. Die flächendeckenden Regenfälle haben es der aufnehmenden Industrie erleichtert, sich erst einmal zurück zu lehnen, um „ den Gegner kommen zu lassen“.
 
Erfreulicherweise gab es im Schweinebereich ein Anwachsen der Umsatztätigkeit zu beobachten. Auf den beiden vorderen Terminen wurden insgesamt acht Kontrakte gehandelt, wobei das Preisniveau zwischen 1,700 und 1,730 €/kg schwankte. Das Ferkel konnte sich leider dieser Entwicklung nicht anschließen und blieb umsatzlos.
 
Im weißen Sortiment wurde ebenfalls gehandelt und über alle Kontrakte hinweg. Butter, Magermilchpulver und Molkenpulver fanden Käufer und Verkäufer. Auffällig war, dass sämtliche Komponenten der Milch preisliche Einbußen wegzustecken hatten.

DAX im Plus

Nach zwei verlustreichen Sitzungen war gestern Konsolidierung angesagt. Der DAX in Frankfurt konnte im Laufe des Handels 35,53 Punkte zulegen und bei einem Indexstand von 9808,20 Zählern den Tag beschließen. Die Quartalsberichtssaison steht an, und auf dem Parkett erwartet man in den nächsten zwei Wochen die Ergebnisse der Unternehmen.


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