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Börsentelegramm

Agrarmärkte mit teils deutlichen Verlusten

von , am
22.12.2014

Die globalen Agrarmärkte wiesen zum Wochenausklang ein geteiltes Schlusskursbild auf.

Nach dem USDA-Report starteten die euopäischen Weizenpreise mit 179 Euro je Tonne in die neue Woche. © Leonhardo Franko/fotolia
 
Die globalen Agrarmärkte wiesen zum Wochenausklang ein geteiltes Schlusskursbild auf. Die wenigen Gewinner konnten nur schwach zulegen. Demgegenüber standen zum Teil große Verluste auf Seiten der Verlierer. Der Weizen führte die Verliererliste an und gab am CBoT ca. 3,5% ab. Die Bohne und der Mais hatten ebenfalls einen Hang zur Schwäche und wiesen entsprechende Abschläge auf. Für alle Märkte gilt, dass die Weihnachtsfeiertage vor der Tür stehen und deshalb mit erratischen Schwankungen zu rechnen ist.
 
Sojabohne büßt ein
Die Januarbohne verlor am Freitag 4 ½ cts/bu und schloss bei 10,30 ½ US$/bu. Im Handelsverlauf waren die Preise deutlich tiefer, aber eine spät einsetzende Kaufwelle ließ den Preis ansteigen, sodass die Verluste in engen Grenzen gehalten werden konnten. Darüber hinaus gab es am Freitag keine Auffälligkeiten in der Handelssitzung an der Chicagoer Börse.
 
Der brasilianische Ölmühlenverband (Abiove) schätzte die neue Sojabohnenernte auf 91,9 mio Tonnen und verbesserte damit seine Prognose um 0,9 mio to. Zum Vergleich, das USDA hatte in seinem WASDE-Report vom Dezember die brasilianische Produktion noch mit 94 mio Tonnen veranschlagt. Angesichts der guten Bedingungen, die derzeit in Lateinamerika herrschen, gibt es keinen Grund an einer Produktionsmenge von deutlich über 90 mio to zu zweifeln.
 
Das argentinische Agrarministerium veranschlagte die Sojabohnenfläche im Land mit 20,2 mio Hektar. Im letzten Jahr lag die Anbaufläche mit 20,1 mio ha marginal darunter. Die Südkoreaner kauften am Ende der letzten Woche 80 tsd Tonnen Non-GMO-Sojabohnen ein. Man hatte eigentlich geplant, 180 tsd konventionelle Saat einzukaufen, aber man begnügte sich mit weniger als der Hälfte. Gründe für die Zurückhaltung wurden keine genannt.
 
Das statistische Bundesamt veröffentlichte am Freitag seine Flächeneinschätzungen für Deutschland. Die Winterrapsfläche für die Kampagne 2015/16 beträgt 1,309 mio Hektar. Im letzten Jahr konnte man noch mit 1,390 ha aufwarten. Die Fläche ist also um 81 tsd ha bzw. 5,8% kleiner als zuvor. An der Matif konnte man starke Schwankungen beobachten, aber am Ende stand ein moderates Minus von 0,25 € im Februartermin. Der Schlusskurs betrug hier 349,25 €/mto. Der Markt vermittelt den Eindruck, als wolle er die jüngst eroberte 200-Tagelinie nicht mehr hergeben.
 
Weizen im Bloff-Off-Topp-Modus
Der Märztermin am CBoT verlor am Freitag 23 cts/bu und settelte bei 6,32 ¼ US$/bu. Nach den rasanten Zugewinnen der letzten Tage, markierte der Freitag den ersten signifikanten Verlusttag und lässt im Chartbild ein klassisches Blow-Off-Top zurück. Hierbei rasen die Kurse in den letzten 48 h der Aufwärtsbewegung nach oben, um sofort wieder unter ihrem eigenen Preisgewicht zusammen zu brechen.
 
Heute Morgen sind die Kurse in Chicago erneut abschlägig und bestätigen diese Chartformation. Es wird nun darauf ankommen, ob die 200-Tagelinie gehalten werden kann oder nicht. Sollte dies gelingen, dann hätte der Weizenpreis das höhere Stockwerk trotzdem dauerhaft bezogen. Das Agrarministerium Argentiniens bezifferte die Weizenernte des Landes mit 13,2 mio Tonnen. Das stellt eine durchaus üppige Aufwärtskorrektur dar, denn zuvor hatte man die Produktion lediglich mit 12,0 mio Tonnen in der Statistik. Angesichts dieser Erntemenge darf man sich durchaus einmal die Frage stellen, ob die Argentinier auch den nordafrikanischen Markt bedienen könnten.
 
Vor wenigen Jahren kam im Spätherbst einmal die Meldung, dass sich die Ägypter im Zuge einer ihrer zahlreichen Ausschreibungen für Weizen argentinischer Herkunft entschieden hätten. In Reaktion hierauf sank damals die Matif sofort ab. Ähnliches könnte vielleicht auch in diesem Zyklus passieren, zumal die argentinische Regierung Repressionen gegen den eigenen Agrarsektor auf den Weg gebracht hat, um die Landwirte zur Vermarktung zu zwingen.
 
Das internationale Handelsgeschehen hatte sich am Freitag weitestgehend erschöpft. Die meisten Tender brachte man am Donnerstag zu einem erfolgreichen Abschluss. Die Algerier meldeten sich noch einmal zu Wort und ließen wissen, dass meine seine Tenderaktivität ohne Abschluss eingestellt habe. Hier hofft man offenbar auf weiter sinkende Kurse bevor man diese Woche einen neuen Versuch wagt. Dafür platzte am Samstag eine Meldung in den ruhenden Markt, die aufhorchen lässt.
 
Die Ägypter meldeten sich nämlich zu Wort und kündigten Kaufinteresse für Januarlieferung an. Dieses Verhalten Ägyptens zwingt und dazu, die Frage aufzuwerfen, ob man am Nil schon mehr über die russische Exportfähigkeit/ -willigkeit weiß. Die nahe Lieferzeitpunkt, praktisch die nächsten vier Wochen, ist ein sehr starkes Indiz dafür, dass man um die russischen Weizenlieferungen fürchtet.
 
Am Sonntagabend tickerten die Tenderergebnisse über die Kabel der Nachrichtenagenturen. Insgesamt buchten die Ägypter 300 tsd Tonnen. 240 tsd Tonnen kommen aus Frankreich und 60 tsd Tonnen waren russischen Ursprungs. Die EU vergab in der letzten Woche Weizenexportlizenzen in Höhe von 514 tsd to. Das brachte die bislang exportierte Gesamtmenge der EU auf 13,6 mio to. Wir sind mit diesen Zahlen erneut auf Rekordkurs. Ein Wegfall Russlands als Exporteur würde einen neuen Exportrekord der EU praktisch garantieren. Die folgende Grafik bildet die Exporttätigkeit der EU im Kampagnenverlauf ab.
 
Trotzdem waren die Notierungen am Freitag nicht imstande, die 200,- €-Marke zu verteidigen. Der Januartermin verlor 4,25 € und schloss bei 196,- €/mto glatt. Die folgenden Fälligkeiten hatten ebensogroßen Verluste zu verdauen. Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Matif das charttechnische Bild der überseeischen Vorgaben nachvollzog.
 
Die USA haben derzeit nicht die besten Karten im internationalen Handel, da ihre Preise zu hoch sind, um wirklich Konkurrenzfähigkeit zu sein. Nach Nordafrika sollten sie es derzeit bei diesem Weizenpreisniveau nicht schaffen. Hier ist Europa im Vorteil, weil man wesentlich niedrigere Frachtkosten zu kalkulieren hat. Umso unverständlicher ist der Kadavergehorsam, den die Matif den US-Notierungen entgegenbrachte. Aus fundamentalem Blickwinkel sind im Falle des Wegfalls Russlands von der Exportfront alle Voraussetzungen gegeben, um die Matifpreise von den US-Notierungen graduell zu entkoppeln.
 
Das statistische Bundesamt veranschlagte die gesamte neue Wintergetreidefläche in Deutschland mit 5,559 mio Hektar. Das entspricht einem Plus von 2,4% zum Vorjahr. Auf Winterweizen entfallen davon 3,246 mio Hektar. Im letzten Jahr hatten die deutschen Landwirte mit 3,157 mio Hektar noch 2,8% weniger Fläche dem Winterweizenanbau gewidmet.
 
Mais seitwärts
Der Märzmais verlor am CBoT ¾ ct/bu und settelte bei 4,10 ¾ US$/bu. Die Handelssitzung am Freitag war außerstande, uns einen tieferen Hinweis auf die Situation zu geben. Wahrscheinlich taten die Maispreise im Umfeld des verrückten Weizenmarktes das einzig Vernünftige: sie blieben quasi stehen. Im internationalen Marktgeschehen blieben die Südkoreaner erst leicht hinter ihren ursprünglichen Kaufambitionen zurück und buchten anstatt ihrer beabsichtigten 65 tsd to nur 60 tsd Tonnen. Die Ware soll im April des nächsten Jahres zur Andienung kommen.
 
Kurz danach meldete man aber einen weiteren Einkauf von 120 tsd to Mais. US-Exporteure veröffentlichten am Freitag zwei weitere Verkäufe. Einmal waren es die Japaner, die sich mit 135,6 tsd Tonnen die Taschen vollstopften und das andere Mal waren es die Mexikaner, die zuschlugen. Die Azteken schnappten sich 101,6 tsd to US-Mais. Beide Male handelte es sich um alterntige Ware. Wie das statistische Bundesamt hat wissen lassen, steigt der deutsche Wintergerstenanbau in der Kampagne 2015/16 um 3,5% auf 1,27 mio Hektar. Die Maispreise an der Matif waren klar abschlägig. Der Junitermin verlor 3,50 € und schloss bei 164,50 €/mto. Damit unterstreicht der Markt seine gegenwärtige Unfähigkeit, die Marke von 170,- € zu erobern.
 
Zucker: Brasilien kürzt Prognose
Die Brasilianer nahmen am Freitag ihre Zuckerrohrernte zurück. Die Gesamtproduktion an Zuckerrohr betrüge im Lande noch 642,1 mio to anstelle der 659,1 mio Tonnen. Entsprechend wurde die Zuckerproduktion ebenfalls revidiert. Diese veranschlagte man nun mit 36,4 mio to. Zuvor hatte man 38,3 mio Tonnen in der Statistik geführt. Die streckenweise zu trockenen Bedingungen hätten die zuvor getätigte Schätzung nicht mehr realisierbar gemacht. Die gelieferte Erklärung ist plausibel. Trotz der fundamental bullischen Nachrichten sank der Preis. Der Märztermin in New York verlor 5 Punkte und schloss bei 14,94 cts/Pfund.
 
Eurex-Kartoffel testet Tiefs
Was hätte man auch anderes erwarten können? Die Veredelungskartoffelpreise an der Eurex zeichneten sich auch am Freitag durch Schwäche aus. Der Aprilkontrakt teste seine bisherigen Tiefs bei 4,40 €/dt. Der Umsatz betrug über alle Handelsmonate hinweg 66 Kontrakte. Am Ende konnte der Apriltermin das Minus auf 0,10 €/dt begrenzen und bei 4,50 €/dt schließen. Der Markt verharrt in seiner preislichen Winterdepression. Im Schweinebereich mussten Ferkel und Mastschwein umsatzlos die Segel streichen. Das weiße Sortiment war auch nicht besser; ebenfalls ein umsatzloser Wochenabschluss.
 
Robert Theis
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