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Börsentelegramm

Agrarmärkte tendenziell rot gefärbt

von , am
10.06.2014

Nach dem USDA-Report starteten die euopäischen Weizenpreise mit 179 Euro je Tonne in die neue Woche. © Leonhardo Franko/fotolia
Die neue Woche ging mit kräftigen Abschlägen los. Am CBoT mussten Mais, Weizen und Bohne Abschläge hinnehmen. Wobei sich die Bohne hat am eigenen Schopfe aus dem Morast ziehen und im positiven Bereich schließen können. Weizen und Mais schlossen im negativen Terrain.

Sojabohne mit neuerntigen Zugewinnen

Die Julibohne verlor gestern ½ cts/bu und settelte bei 14,57 US$/bu glatt. Die neuerntige Novemberbohne schaffte ein Plus von 4 ¼ cts/bu und settelte bei 12,24 US$/bu glatt. Der Markt kam unter Druck als die Chinesen verlautbaren ließen, die Einfuhr von DDG aus den USA wegen eines nicht erlaubten Genstranges zu stoppen. Hierdurch geriet Sojaschrot ins Trudeln, was mittelbar auch die Bohne belastete. Das Routinegeschäft Chinas von 117 tsd Tonnen Sojabohnen (neuerntig) aus den USA konnte dem nicht entgegen setzen. Die wöchentlichen Exportinspektionen der USA lagen im Falle der Bohne bei 123,1 tsd Tonnen.
 
Die weit wichtigeren Daten kamen aber nachbörslich an den Markt, denn am Abend bonitierte das USDA den Saatenstand in den USA. 87% der Bohnen sind nunmehr gesät (+9% zur Vorwoche und deutlich über dem Fünfjahresschnitt von 81%). Hiervon befinden sich 74 in gutem bis exzellentem Zustand. Mit anderen Worten, es herrschen nahezu perfekte Startbedingungen, um das Rennen um die Marke einer Produktionsmenge von 100 mio Tonnen zu gewinnen. Das verzerrte Preisbild, das sich seit letzten Donnerstag zwischen alter und neuer Ernte etabliert hat und nicht so recht zu den Fundamentaldaten passen will, hat seine Ursache im „Goldman-Roll“. Bei furchtbar elendigen Umsätzen von nur 781 Kontrakten (alle Handelsmonate) schloss der Augusttermin an der Matif bei 344,50 €. Das war ein Plus von 0,25 €/mto.

Weizen mit Abschlägen

Der Juliweizen verlor gestern am CBoT 5 ½ cts/bu und settelte bei 6,14 US$/bu glatt. Der Markt startete im Nachthandel zwar mit freundlichen Zugewinnen, die sich aber alsbald in Luft auflösen sollten. Die Preisabschläge im Mais wirkten auf die Weizenpreisfindung verderblich und machten dort jeden Versuch, Gewinne zu erzielen, zunichte. Am Ende musste beim Schreiben des Schlusskurses der Rotstift gezückt werden.
 
Trotzdem gab es fundamental wichtige Dinge zu hören. Die schwachen Ertragsmeldungen aus den USA setzten sich fort und beschränken sich mittlerweile nicht mehr nur auf bedeutungslose Frühdruschgebiete. Inwieweit sich hieraus eine Notwendigkeit ergibt, das us-amerikanische Ertragsniveau zu senken, muss abgewartet werden. Das USDA gehört üblicherweise zu den letzten, die derartige Abwärtskorrekturen vornehmen, sodass nicht unbedingt davon auszugehen ist, dass wir bereits am Mittwoch (Termin des nächsten WASDE-Berichts) eine Anpassung nach unten sehen werden.
 
Übers Wochenende gab es in den südlichen Plains der USA teilweise sehr heftige Niederschlagsaktivität, die den Mähdreschern ein Stoppschild vor die Haspel setzte. Fast überall kamen die Druscharbeiten zum Stillstand. Ab heute beruhigt sich aber die Wetterlage und das Abtrocknen kann beginnen. In der zweiten Wochenhälfte rechnet man mit dem Fortsetzen der Ernte. Die wöchentlichen Exportinspektionen lagen beim Weizen bei 518,8 tsd Tonnen. Das war neutral zu bewerten, sodass man keine Kursstütze an die Hand bekam, um den Preisverfall zu stoppen.
 
Nachbörslich rückte das USDA mit seinen wöchentlichen Bonitierungen raus. Im Falle des Winterweizens sind nunmehr 9% geerntet (5% in der Vorwoche). 30% des Bestandes präsentieren sich gut bis exzellent (unverändert zur Vorwoche) und 44% befinden sich in mangelhaftem Zustand (ebenfalls unverändert zur Vorwoche). Das Bild im Sommerweizen präsentiert sich substanziell besser als das des Winterweizens. Hier stehen 71% gut bis exzellent auf dem Acker. Die Aussaat ist so gut wie abgeschlossen. Die zu trockenen Bedingungen in Russland haben sich in den letzten beiden Wochen mehr und mehr ins Bewusstsein des Marktes gegraben.
 
Die Thematik wird aber weiterhin zwiespältig beurteilt, denn ein nicht unerheblicher Teil der Beobachter weist darauf hin, dass sich die Bodenfeuchtereserven zu Beginn der Kampagne in einem exzellenten Zustand präsentiert haben, der bis heute einiges an Niederschlagsdefiziten abfedern kann. In den letzten 8 Wochen hat es insbesondere in Südrussland nur etwa 1/3 des normalen Niederschlags gegeben. Entsprechend angespannt zeigt sich der Markt hinsichtlich zu erwartender Ertragseinbußen. Dieser potentiell bullische Einflussfaktor wird aber durch den sehr guten Saatenstand in der Ukraine und eine sehr früh erwartete Weizenernte in Europa weitestgehend entschärft, sodass er zum jetzigen Zeitpunkt in der Preisbildung nicht stark genug ist, um eine entscheidende Wirkung zu entfalten.
 
An der Matif startete man wie ein Rennpferd nach Öffnung der Startklappen. Nach zwei Schritten verließ die Marktteilnehmer aber der Mut und man machte kehrt. An seiner 200-Tagelinie bei 193,75 € abgeprallt, gab es in der Folge nur noch eine Richtung: nach unten. Am Ende des Tages hatte man an der Matif 2,25 €/mto eingebüßt und bei 190,75 €/mto geschlossen.

Mais im Idealzustand

Der Freitag hatte bei den Bullen noch Hoffnung auf bessere Zeiten ausgelöst, der Montag trat die Hornträger aber wieder in den Staub zurück. Der Julitermin am CBoT verlor 6 ¾ cts/bu und settelte bei 451,75 US$/bu. Der einzige Trost, der den Bullen bleibt, ist der Abstand zum Tagestief bei 4,45 ½ US$/bu, denn man konnte doch deutlich über diesem mageren Niveau schließen.
 
Die Maisnotierungen standen am CBoT zu Wochenauftakt unter Druck. Die Witterungsbedingungen im Mittleren Westen gelten als nahezu ideal und belasten die Preisfindung in Chicago. Hier und da tauchten vereinzelte Stimmen auf, die meinten, es wäre örtlich bereits zu trocken, sodass man die Temperaturen in den nächsten Tagen im Auge haben müsse. In manchen Teilen des Mittleren Westens sind überdurchschnittlich hohe Temperaturen vorhergesagt, die kritisch beäugt werden. Die wöchentlichen Exportinspektionen der USA lagen im Falle von Mais bei üppigen 1,147 mio Tonnen. Der Markt richtete seinen Blick aber in den Mittleren Westen und erwartete bärische Crop Ratings vom USDA, die nachbörslich veröffentlicht werden sollten. Das war dann auch der Fall.
 
Das USDA bonitierte 75% der us-amerikanischen Maisbestände mit gut bis exzellent. Das war zwar 1% weniger als in der Vorwoche, aber immernoch überwältigend positiv. Dass die Aussaat abgeschlossen ist und nunmehr 92% aufgelaufen sind, bedarf wohl keiner Erwähnung. An der Matif verlor der Junitermin 1,- € und settelte bei 181,50 €/mto.

Eurex: Kartoffel mit spätem Absturz

Man konnte vom Pfingstmontag nicht erwarten, dass er Umsatzrekorde hervorbringen würde. Aber das Kartoffelvolumen von immerhin 73 Kontrakten konnte sich sehen lassen. In der letzten Woche hatten wir auf Bodenbildungsaktivität hingewiesen, die im Veredelungskartoffelmarkt stattfinden. Diese sind nach wie vor am Werk, allerdings erhielten sie gestern einen Dämpfer, denn zu Handelsende wurde die Kartoffel in einer ohnehin schwachen Sitzung durchgereicht und schloss bei vergleichsweise schwachen 11,70 €/dt. Die tierischen Produkte blieben insgesamt ungehandelt. Weder im Schweinebereich noch im Milchsegment zeigte der Markt Interesse.

Zucker nach Durchbruch im Rückschnappmodus

Die internationalen Zuckernotierungen waren zum Ende der letzten Woche unter stärkeren Druck geraten. In New York konnten die Notierungen die 17,-cts-Marke nicht mehr halten und schlossen am Donnerstag und Freitag deutlich darunter. Zum Wochenauftakt machte sich aber leichte Kaufkraft bemerkbar. Aus fundamentalem Blickwinkel gab es neben der modernisierten Verarbeitungsanlage in Indonesien nur die Zahlen aus dem Reich der Mitte zu vermelden. Die chinesischen Zuckerhersteller haben die Kampagne 2013/14 abgeschlossen. Mit insgesamt 13,32 mio Tonnen konnte man ca. 2% mehr Zucker als in der vorangegangenen Kampagne herstellen. Dennoch klagt die Branche über gesunkene Verkaufszahlen. Der Julitermin in New York schloss mit 16,98 cts/Pfund unterhalb der 17,- cts-Marke.

DAX erobert die 10.000

Überseeische Zugewinne aus den USA verhalfen dem DAX auf dem Frankfurter Parkett zu einem kleinen positiven Vorzeichen zu Handelsbeginn. Der Pfingstmontag zeichnete sich aber insgesamt durch eine feiertagsbedingte Handelsruhe aus, die von zurückhaltenden Umsatzvolumina geprägt war. Nichtsdestoweniger bewegte sich der DAX nicht vom Fleck. Der Blick blieb fest auf die Marke von 10.000 Punkten gerichtet, obwohl es eine durchwachsene Nachrichtenlage gab. Einerseits stiegen die Ausfuhren Chinas überraschend stark an, womit niemand gerechnet hatte, andererseits aber fiel das Investorenvertrauen auf ein frisches Sechsmonatstief. Damit hatte auch niemand gerechnet. Unterm Strich fehlte einfach der klare Impuls nach oben oder nach unten; also trat man auf der Stelle.
 
Der DAX schloss gestern bei 10008,63 Punkten schließen zu lassen.



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