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Börsentelegramm

Agrarmärkte tief gespalten

von , am
09.01.2014

In der letzten Woche konnte der Weizen an den euopäischen Märkten zulegen. © Mühlhausen/landpixel
Durch die internationalen Agrarmärkte verlief gestern ein tiefer preislicher Riss. Die Getreide- und Ölsaatenmärkte kamen im Vorfeld des morgigen USDA-Reports deutlich unter Druck. Weizen durchbrach am CBoT die wichtige Marke von 6,- US$/Scheffel. Mais und Bohne präsentierten sich ähnlich schwach.
 
Auf der anderen Seite stiegen vor allem die Kaffee- und Kakaonotierungen an. Fleischmärkte legten ebenfalls leicht zu. Rohöl verlor in New York.

Bohne ohne Überzeugungskraft

Die Märzbohne verlor gestern 6 ¾ cts/bu und settelte bei 12,69 ¼ US$/Scheffel. Die Sitzung war gelähmt wegen der Erwartungshaltung im Hinblick auf Freitag. Man eröffnete etwas im Minus und schwankte hin und her, ohne dass man hätte einen Nagel einschlagen können.
 
Die Chinesen kauften gestern weitere 115 tsd Tonnen US-Sojabohnen aus der laufenden Kampagne und machen damit genau dort weiter, wo man im letzten Jahr aufgehört hat.
 
Für den morgigen WASDE-Report (Word Agricultural Supply and Demand Estimates) des USDA's erwartet der Markt die US-Bohnenernte 2013 bei 3,279 Mrd. Scheffel bei einem Durchschnittsertrag von 43,3 Scheffel/acre auf 75,749 mio geernteter acres. Die Endbestände der USA der laufenden Kampagne 2013/14 werden bei 149 miobus erwartet, was eine marginale Abwärtskorrektur von 150 miobus bedeuten würde. Neben den üblichen Monatszahlen kommen aber auch noch die Quartalsbestände der USA zum 1. Dezember 2013 heraus, die in Sachen Bohne bei 2,161 Mrd. Scheffel erwartet werden. Die weltweiten Bohnenendbestände 2013/14 werden bei 71,53 mio Tonnen erwartet, was eine Aufwärtskorrektur von den im letzten Monat heraus gehaltenen 70,62 mio Tonnen darstellen würde.
 
Die Ernten in Südamerika hat der Markt folgendermaßen auf dem Zettel. Die Argentinier würden 55,2 mio to und die Brasilianer 89 mio to produzieren. Beides wären leichte Aufwärtskorrekturen zur Dezemberschätzung. In Argentinien dürfte man mittlerweile etwa 95% der geplanten Bohnen ins Saatbett gelegt haben.
 
An der Matif setzte sich der vorgestern begonnene Preisverfall weiter fort. Wir hatten hier auf die sehr labile Situation beim Raps hingewiesen, sodass uns die erneuten Verluste nicht verwundern. Der vordere Februartermin verlor satte 6,- €/mto und settelte bei 356,50 €/Tonne. Unnötig zu erwähnen, dass es sich hierbei wieder um ein neues Tief der laufenden Abwärtsbewegung handelt.

Weizen im Rückwärtsgang

Der Märzweizen büßte gestern 13 ¾ cts/bu ein und settelte bei 5,88 ¾ US$/bu. Die anfänglichen Preiszuwächse lösten sich sehr schnell in Schall und Rauch auf, und der Markt entschied sich klar für die rückwärts gewandte Seite. Die Verluste schwollen schließlich immer weiter an, sodass unterm Strich die 6,- USD/Scheffel-Marke krachend an die Bären verloren ging. Wir kommen nicht umhin, ein drittes Mal in dieser Woche festzustellen, dass die us-amerikanischen Weizenmärkte sich eben nicht haben preislich für die Kältewelle "erwärmen" können. So leid es den Bullen auch tun mag. Das Thema, das in aller Munde ist, ist aus landwirtschaftlicher Sicht kein Thema! Und ab heute steigen die Temperaturen in den USA wieder an.
 
Im internationalen Marktgeschehen zeigten sich sowohl der Irak als auch Bangladesh kauflustig und starteten jeweils Kauftender in Höhe von 50 tsd Tonnen. Der Oman kaufte gestern noch 40 tsd Tonnen indischen Weizen, was aber nichts Aufregendes darstellte und nur der Vollständigkeit wegen an dieser Stelle Erwähnung findet.
 
Interessanter waren da schon die Einschätzungen von AgroConsult, die sich offensichtlich für nichts mehr zu schade sind. Nach dem Motto "der frühe Vogel fängt den Wurm" veröffentlichte man gestern seine Einschätzungen über die neue ukrainische Ernte in 2014. Mal ganz davon abgesehen, dass die Sommerkulturen noch in Form von Saatgut abgesackt in Lägern liegen und sich infolgedessen überhaupt keine Aussage über sie machen lässt, kann den Winterkulturen auf dem Acker durchaus auch noch einiges Ungemach zustoßen, denn noch haben wir den Winter nicht hinter uns!!! Aber dessen ungeachtet bezifferte AgroConsult gestern die neue ukrainische Getreideernte mit 60,09 mio Tonnen, was etwa 6% über den 56,6 mio to aus 2013 liegt. Die Weizenmenge sehen die Analysten von AgroConsult bei 21,6 mio to, die Gerstenernte bei 8,6 mio to und die Maisproduktion bei 27,5 mio to. Das ist insgesamt sehr optimistisch und unterstellt wohl einen nahezu optimalen Kampagnenverlauf. Zum jetzigen Zeitpunkt sind derartige Einschätzungen aber nur von mittelmäßigem Interesse.
 
Für den morgigen USDA-Report erwartet der Markt weltweite Weizenendbestände der laufenden Kampagne 2013/14 von 182,57 mio to, was in etwa auf dem Level der Vormonatsschätzung läge. Die US-Endbestände sieht der Markt gem. der im Vorfeld von Reuters erhobenen Daten bei 557 miobus und damit unterhalb der Dezemberschätzung von 575 miobus. Die Quartalsbestände der USA zum 1. Dezember 2013 erwartet man bei 1,4 Mrd. Scheffel. Die Bestände zum 1. September 2013 lagen bei 1,855 Mrd. Scheffel und am 1. Dezember 2012 wies das USDA 1,671 Mrd. Scheffel aus. Wenn der Erwartungswert erreicht würde, käme es wenigstens zwischenzeitlich zu einer Entspannung der ohnehin vergleichsweise komfortablen US-Weizenversorgungsbilanz.
 
Die Pariser Weizennotierungen konnten sich tapfer gegen die allgemein schmelzenden Preise wehren, wenngleich Verluste schließlich unvermeidbar waren. Der Märztermin verlor 2,25 €/mto und settelte bei 199,50 €/mto. Damit ist die 200,-er-Marke an die Bären zurück gegeben. Momentan herrscht im Markt ein Heidenrespekt vor dem morgigen USDA-Report. Dieser Respekt ist berechtigt.
 
Die EU legte gestern noch die Exportzahlen für die letzten beiden Wochen des alten Jahres vor, um die statistischen Bücher für das Kalenderjahr schließen zu können. 998 tsd Tonnen wurden kontrahiert, was das bisherige Gesamtvolumen der laufenden Kampagne auf 14,4 mio to hat anschwellen lassen. Im letzten Jahr betrugen die EU-Weizenexporte zu diesem Zeitpunkt lediglich 9,7 mio to.

Mais knickt ein

Der Märztermin am CBoT verlor 9 cts/bu, und der Settlement lag bei 4,17 US$/bu glatt. Der Maismarkt eröffnete seine gestrige Sitzung auf Vortagesschlussniveau und driftete recht früh gemeinsam mit Weizen Richtung Süden. Am Ende standen neue Kontrakttiefs, die den Bullen das Blut in den Adern gefrieren ließen. Wesentliche Neuigkeiten gab es keine zu verdauen. Einer Einschätzung von JCI zufolge, würden die chinesischen Maisimporte in der laufenden Kampagne 2013/14 nur 4,4 anstelle von 6,6 mio Tonnen betragen. Die Querelen um die mit nicht zugelassenen genstämmigen Sorten durchsetzten Partien aus den USA würden unterm Strich dazu führen, dass insgesamt weniger vom Reich der Mitte eingeführt werde. Diese Meinung mag auf den ersten Blick nachvollziehbar sein, andererseits haben die Chinesen Einfuhrbedarf, und es sollte doch sehr verwundern, wenn sie diesem nicht nachkämen.
 
Für den morgen erscheinenden WASDE-Report des USDA's sieht der Markt die US-Maisernte in 2013 bei 14,066 Mrd. Scheffel bei einem durchschnittlichen Ertrag von 161,2 Scheffel/acre auf insgesamt 87,174 mio acres abgeernteter Fläche. Das wären allesamt Aufwärtskorrekturen. Die Quartalsbestände zum 1. Dezember sieht der Markt bei 10,79 Mrd. Scheffel, was deutlich oberhalb der 8,033 Mrd. Scheffel zum 1. Dezember 2012 läge. Da wir in 2012 aber signifikante Ertragseinbrüche infolge der US-Trockenheit hatten, ist eine Erholung der Bestände in diesem Ausmaß aber nichts Ungewöhnliches. Die US-Endbestände an Mais der laufenden Kampagne 2013/14 werden übrigens bei 1,861 Mrd. Scheffel erwartet. In der Schätzung aus dem letzten Monat lagen diese noch bei 1,792 Mrd. Scheffel. Die weltweiten Endbestände 2013/14 an Mais erwartet man bei 182,57 mio Tonnen, was einer ganz leichten Abwärtskorrektur von 182,78 mio Tonnen im Dezember gleichkäme.
 
Argentinien hat der Markt mit einer Maisproduktionsmenge von 25,2 mio to auf dem Zettel. Bislang sind in Argentinien etwa 80% des geplanten Maises ausgesät. Die Brasilianer antizipiert man mit einer Maisproduktionsmenge von gar 69,958 mio Tonnen.
 
Auch die Maisnotierungen in Paris mussten sich der Schwäche beugen und gaben in den ersten beiden Monaten jeweils 2,25 €/mto nach. Der Schlusskurs im Juni lag bei 174,75 €/mto.

Kartoffel kann konsolidieren

Bei niedrigeren Umsatzvolumina konnte die Veredelungskartoffel die Verluste des Vortages gestern wettmachen. Der Apriltermin 2014 wurde 97 Mal umgesetzt und fand nach einem Plus von 0,20 €/dt seinen Schlusskurs bei 16,40 €/dt. Vom Kassamarkt kamen keine Nachrichten von Bedeutung. Es herrscht eine Pattsituation zwischen Käufern und potentiellen Abgebern. Jede Seite wähnt sich in der stärkeren Position. Wir werden sehen, wer zuerst zuckt!
 
Im Mastschweinbereich konnten drei verschiedene Fälligkeiten jeweils einmal umgesetzt werden, wobei keine wesentlichen Preisveränderungen zu registrieren waren. Im weißen Sortiment schaffte es die Butter, sechs Kontrakte Umsatz auf den Februartermin zu generieren. Der Schlusskurs lag hierbei 50 €/to höher als am Vortag bei 3850 €/Tonne.

DAX umkreist die 9500-Punktemarke

Eine flotte Sohle war das wohl nicht, was der DAX da gestern aufs Parkett legte. Zur Nachmittagsstunde notierte er, die Marke von 9500 Punkten umkreisend, etwas schwächer als am Vortag. Man getraute sich nicht, Selbstbewusstsein aufzubauen und eine klare Richtung einzuschlagen, weil wieder einmal "überragend wichtige" Wirtschaftsdaten aus den USA erwartet wurden. Was könnte anderes gemeint sein, als die Arbeitslosenzahlen und das Sitzungsprotokoll der US-Notenbank FED? Ein anderes Mal mehr dazu. Unterm Strich war man in Frankfurt aber eher der Abgeberseite zugetan, was besonders im Bereich der Versorger zu Buche schlug. Das Papier der RWE beispielsweise verlor mit seinen ca. 2,5% deutlich mehr als der Index und legte die Richtung des Sektors insgesamt fest. Am Ende des Handelstages hatte man in Frankfurt 8,36 Punkte eingebüßt und schloss bei 9497,84 Zählern.
 
International war interessant, dass Goldman Sachs von Investments in den Schwellenländern warnte. Es ist sicherlich schwer, derartige Statements einzuordnen, jedoch wird man den Verdacht nicht los, dass versucht wird, die Kapitalflucht aus den Schwellenländern anzuheizen, um indirekt dem US$ eine Art mittelbare Stärke anzuschminken. Der US$ würde von derartigen Entwicklungen makulatorisch profitieren, obwohl er durch die FED massivst inflationiert wird. Bleibt abzuwarten, wie sich die Schwellenländer verhalten werden, wenn internationales Kapital en gros abfließt und die Inflation anzieht. Man könnte nämlich zum Gegenschlag ausholen und die Unmengen us-amerikanischer Staatsanleihen auf den Markt werfen.
 
In diesem Jahr werden einige Würfel an den Finanzmärkten fallen, denn die nicht vorhandene Tragfähigkeit (insbesondere die der Bondrenditen) ist zu offenkundig, als dass man sein Unwesen noch einmal 12 Monate prolongieren könnte. In den heimischen Nachrichten war man für derartige Dinge aber traditionsgemäß so taub wie blind.
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