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Börsentelegramm

Agrarmärkte tief gespalten

von , am
01.12.2014

Der Freitag war einerseits vom voran gegangenen Thanksgiving-Feiertag in den USA geprägt, sodass die Handelsvolumina in Übersee eher unterdurchschnittlich waren. Andererseits gab es aber deutliche Preisverschiebungen.

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© Torbz/fotolia.de
 
Der Freitag war einerseits vom voran gegangenen Thanksgiving-Feiertag in den USA geprägt, sodass die Handelsvolumina in Übersee eher unterdurchschnittlich waren. Andererseits gab es aber deutliche Preisverschiebungen. Am CBoT setzte die Bohne massiv zurück, und der Mais folgte. Im Weizenpit gab es aber ebensogroße Zugewinne. Neuigkeiten aus Russland trieben hier die Kurse.
 
Sojabohne unter Druck
Die Januarbohne verlor 33 ¾ cts/bu und settelte bei 10,14 US$/bu glatt. Am Donnerstag der letzten Woche kam es zu einem internationalen Kurssturz bei Rohöl. Die Entscheidung der OPEC, die Förderquoten nicht zu senken und der weltweit zurück gehende Verbrauch sorgten für erdrutschartige Verluste. Am Freitag letzter Woche setzte sich diese Tendenz fort. Der Ausverkauf bei Rohöl belastete neben vielen anderen Märkten auch die Pflanzenöle und damit auch den Sojakomplex. Am Freitag wurde die Bohne anfangs noch durch starke Schrotkurse gestützt. Diese drehten aber im Tagesverlauf und feuerten danach in Richtung Bohne. In der Folge stürzten die Preise ab. Nachlassende Sojaschrotpreise auf dem us-amerikanischen Kassamarkt lieferten hierfür den entscheidenden Abwärtsimpuls. Heute morgen setzte sich der Preisverfall weiter fort. Die Rapsnotierungen an der Matif handelten auf beiden Seiten, schlossen aber im Minus. Der Februar gab am Ende 0,75 € nach und settelte bei 337,- €.
 
Weizen: Russland stützt die Preise
Der Dezemberweizen am CBoT legte am Freitag 17 ¼ cts/bu zu und settelte bei 5,80 US$/bu. Die Stimmung im Weizenmarkt hatte sich in den vergangenen Wochen bereits deutlich aufgehellt, und die Preise reagierten entsprechend. Am Freitag waren Meldungen aus Russland zu vernehmen, wonach man die Qualitätsstandards für Exporte zu verschärfen gedenke. Das könnte zu sinkenden Exporten aus Russland führen, spekulierte man und kaufte Weizen. Steigende Preise waren die Folge. Ob die Russen tatsächlich hergehen werden und ihr Exportpotential einschränken, muss abgewartet werden. Es klingt aber unglaubwürdig! Der internationale Getreiderat legte vergangenen Donnerstag seine jüngsten Schätzungen vor und korrigierte die weltweite Weizenernte 2014/15 um 1 mio Tonnen nach unten. Nunmehr sehen die Londoner Experten die globale Produktion bei 717 mio Tonnen, was aber immer noch eine Rekordernte darstellt. Gleichzeitig stufte man die Endbestände der laufenden Kampagne aber um 1 mio to auf nun 150 mio to nach oben. Daneben wagte man sich noch an eine Flächenprognose des nächsten Produktionszyklus´. In 2015/16 soll es einen Flächenzuwachs um 1% geben. Damit ist der flächenmäßige Grundstein für eine weitere Rekordernte gelegt.
 
SovEcon meldete sich nun zum wiederholten Male zu Wort und beklagte den Saatenstand des russischen Wintergetreides. Infolge ungünstiger Witterungsbedingungen könne die Getreideernte des Landes in 2015/16 gut und gerne auf 86 mio Tonnen sinken. In der letzten Kampagne 2014/15 hatte das russische Riesenreich noch 104 mio Tonnen Getreide in die Scheunen verbringen können. Das wenig winterliche Wetter in Europa beschert uns eine gute Entwicklung der Bestände. Allerdings könnte diese mittlerweile zu üppig sein, sodass man bei ungünstigem Witterungsverlauf leichter Auswinterungen zum Opfer fallen könnte. Ein derartiger Hinweis ist sicherlich gerechtfertigt, aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht mehr als eine eingebildete Sorge.
 
Die EU vergab in der letzten Woche Weizenexportlizenzen in Höhe von 518 tsd Tonnen. Damit liegt das nunmehr verkaufte Gesamtweizenvolumen der laufenden Kampagne bei 12,0 mio Tonnen. Im Vergleich zur letzten Rekordexportkampagne stehen wir in nichts nach, sondern sind drauf und dran diese noch zu toppen. Denn im letzten Zyklus hatten wir zu diesem Zeitpunkt „nur“ 11,2 mio Tonnen verkauft. Die Exportparitäten wie z.B. Hamburg strecken ihre kauflustigen Hände bis weit in Regionen aus, die keine traditionellen Hafenplatzzulieferer darstellen. Vor diesem Hintergrund ist der preisliche Aufschwung und der Durchstoß durch die Marke von 180,- € (Januar) sicherlich nicht unberechtigt, denn es gibt internationale Kundschaft, die Preise zahlt, die diese Kalkulationen möglich machen. Die Kurse an der Matif waren ähnlich geladen und stiegen und stiegen stark an. Der Januartermin stieg 3,75 €/mto an und settelte bei 184,25 €/mto.
 
Asien kauft australischen Weizen
Südostasiatische Mühlen haben in der vorangegangenen Woche insgesamt 200 tsd Tonnen Weizen aus Australien eingekauft. Derartige Meldungen dürfen uns nicht mehr überraschen, denn die Verbrauchszahlen in Asien und Südostasien steigen seit vielen Jahren stetig an. Ein Großteil dieser Ware muss importiert werden, und wegen der räumlichen Nähe drängen sich die Australier hierfür förmlich auf. Die Chinesen kaufen nicht nur Weizen, sondern vor allem auch Veredelungsprodukte wie Rind- und Lammfleisch aus Australien. Wenn die Australier ihre exportfähigen Überschussmengen in Asien unterbringen, dann kann diese Ware an anderer Stelle nicht mehr in Konkurrenz treten. Die Australier waren viele Jahre ein Hauptkonkurrent in den Mittleren Osten hinein, der nicht nur uns in Europa das Leben beim Weizen regelmäßig schwer machte. Das hat sich aber geändert. Heute ist die australische Ware quasi auf Asien abonniert.
 
Mais im Minus
Der Dezembermais büßte am Freitag 1 ¼ cts/bu ein und settelte bei 3,77 US$/bu. Die Maisnotierungen waren hin und hergerissen von sinkenden Bohnenpreisen und stark steigenden Weizenpreisen. Am Ende blieb man nahezu unverändert mit leicht negativem Einschlag. Die USA vermeldeten am Freitag ein neues Exportgeschäft von knapp 110 tsd Tonnen Mais an Costa Rica. Der internationale Getreiderat legte vergangenen Donnerstag seine jüngste Schätzung vor und korrigierte die globale Maisernte 2014/15 um 2 mio to auf nun 982 mio to nach oben. Die weltweiten Vorräte stiegen von 194 auf nun 195 mio Tonnen an. Insgesamt nahm man mit diesen neuen Zahlen keine wesentlichen Veränderungen vor. Das Zahlenwerk blieb in seinen Grundaussagen unverändert.
 
Die Türkei brüskierte mit dem Gerede ihres Ministerpräsidenten nicht nur den Westen, sondern startete auch noch Tender für landwirtschaftliche Waren. Neben 27,5 tsd Tonnen Durumweizen suchte man noch 100 tsd Tonnen Futtergerste. Die EU vergab in der letzten Woche neben den oben erwähnten Weizenexportlizenzen auch welche für Gerste. Diese erreichten eine wöchentliche Höhe von 275 tsd Tonnen. Unterm Strich sind damit 3,9 mio Tonnen Gerste exportiert. Im letzten Jahr betrug dieser kumulierte Wert 4,6 mio to. Bei Gerste liegen wir in Europa also hinter dem Exporttempo des letzten Jahres zurück. Die Maispreise an der Matif stabilisieren sich über der Marke von 150,- €/mto.
 
Eurex: Die Milch macht´s!
Die Kartoffel spazierte lange Zeit mit gesenktem Haupte durch ihren Markt, als wolle sie sich ein hübsches Plätzchen zum Sterben suchen. Bei ca. 5,50 €/dt scheint sie dieses nun auch gefunden zu haben. Gestern setzte der Markt bei einem Gesamtumsatz von 45 Kontrakten wieder zurück. Der Apriltermin 2015 büßte 0,20 €/dt ein und settelte bei 5,40. Der Kassamarkt kämpft weiterhin mit Qualitätsproblemen und entbehrt vielerorts Geldkurse. Alles erscheint irgendwie zerbrochen.
 
Zum Wochenausklang trumpfte das Schweinesegment auf. Die Mastsau wurde auf gleich zwei Terminen insgesamt dreimal gehandelt. Im April 2015 wurden zwei Kontrakte bei 1,345 €/kg umgesetzt. Das war ein Minus von 2,5%. Das Ferkel konnte nicht nachlegen und verharrte umsatzlos auf der Stelle.
 
Im weißen Sortiment riss das Magermilchpulver das Zepter an sich. Bei steigenden Kursen wurden der Juli und der Oktober 2015 durchaus aktiv gehandelt. Insgesamt kamen 135 Kontrakte zusammen. Das Preisplus betrug im Juli mit 212 €/Tonne weit über 10%. Schlusskurs: 2075,-€/Tonne. Das Molkenpulver wurde im März fünfmal bei 740,-€/to gehandelt. Ein Minus von 3,-€/Tonne. Schließlich legte auch noch die Butter nach und schaffte Umsätze.
 
DAX
Das deutsche Aktienbarometer legte am Freitag eine Verschnaufpause ein. Nach der rasanten Rallye, die sich über viele Tage hinzog, war der Markt für einen Rücksetzer überfällig. Kurzfristig sehen viele Kommentatoren den jüngsten Aufwärtstrend als heißgelaufen an. Trotzdem sprang am Ende ein Miniplus von knapp 6 Punkten heraus, das den Index auf 9980,85 Punkte trieb.
 
Robert Theis  // H.J Kiefer GmbH
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