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Börsentelegramm

Agrarmärkte tief zerrissen

von , am
13.03.2014

Ein sehr heterogenes Schlusskursbild leuchtete dem Betrachter nach gestriger Handelssitzung entgegen.

Mit Sommerweizen lassen sich oft sichere Backqualitäten erzielen, weil das Ertragspotenzial durch die kürzere Vegetationszeit begrenzt ist. © hapo/landpixel
Am CBoT übernahmen die Weizennotierungen ein weiteres Mal das Heft in die Hand und stiegen fast 4 % an. Die Bohne verlor in der Spitze über 40 cts/bu, konnte aber das massive Minus während der Sitzung graduell eindämmen. Mais folgte mit mehr als nur einer angezogenen Handbremse den Weizennotierungen.
 
Die Rohölpreise in New York sackten weiter ab und bestätigten den Durchbruch durch die 100,- US-Dollar/bu-Marke. Aktien präsentierten sich schwach.

Bohne: Bären legen nach

Der Schreck chinesischer Stornierungen muss den chronischen Bullen tief in die Glieder gefahren sein, denn die Bohne raste gestern auf kurvenreicher Strecke steil bergab. Am Ende konnte man das massive Minus aber graduell wettmachen und mit einem vergleichsweise "harmlosen" 26 cts/bu Abschlag im Maitermin schließen.
 
Der Schlusskurs lag bei 13,87 US-Dollar/bu glatt. Fondsgesellschaften sollen fast panisch über 10 tsd Kontrakte verkauft haben, was zu der zeitweisen Ausverkaufsstimmung, die unter dem Motto "Alles muss raus" gestanden zu haben schien, führte.
 
Die Strategie der Bullen, auf Dauer lieber unter einem schönen Schein zu leben, als sich einer harten kalkulatorischen Realität zu stellen, ging in den letzten Handelstagen klar nach hinten los. Die Armee der Sojabullen hat sicherlich viele Tote und Verletzte zu beklagen, sodass das Wundenlecken eine zeitlang anhalten dürfte. CONAB verbesserte nun gestern seine Zahlen für die brasilianische Bohnenkampagne. Die Produktionsmenge wurde auf 85,5 mio to geschätzt, was sich nahtlos in die lange Riege privater Schätzungen einreiht und deshalb keinerlei Sprengpotential beinhaltete.
 
Die Ernte in Brasilien soll übrigens zu 55% abgeschlossen sein. Angesichts der Verluste im internationalen Ölsaatenumfeld gab es für den Pariser Raps nur eine Richtung. Der alterntige Mai verlor 7,25 Euro und settelte bei 403,-, und der neuerntige Augusttermin war gezwungen einen Tribut von 5,25 Euro/to an die Bären zu zollen. Der Schlusskurs lag hier bei 366,50 Euro.

Weizen trägt den Sieg davon

Nach der erfolgreichen Eroberung der 200-Tagelinie gab es gestern nur wenig überraschendes Anschlussmomentum zu beobachten. Der Umfang der konsekutiven Gewinne hatte es mit 24 ¾ cts/bu allerdings in sich und hob den Schlusskurs des Maiweizens am CBoT auf 6,83 ¾ US-Dollar/bu.
 
Hier traten die Fonds als Käufer von etwa 8.000 Kontrakten auf. Der fundamentale Hintergrund der Weizenrallye ist wohl in einer Konferenz der us-amerikanischen Futterweizenindustrie in Florida zu finden, die zu dem Ergebnis kam, dass die neue US-SRW-Weizenernte wohl bei 437 mio Scheffel anzusiedeln sei. In 2013 hatte man in den USA noch 565 mio Scheffel geerntet.
 
Zu allem Überfluss ließ sich das ukrainische Agrarministerium dahingehend ein, dass der Großteil der geplanten Sommerweizenfläche auf der Halbinsel Krim infolge von Treibstoffmangel unbestellt bliebe. Das trieb zusätzlich unsere Kurse an der Matif. AgriMer, das französische Agrarministerium, erhöhte gestern die französischen Endbestände bei Weizen auf 3,2 mio Tonnen. Zuvor waren diese auf 2,85 mio Tonnen prognostiziert.
 
Im gleichen Atemzug wurde das Exportpotential über die EU-Grenzen hinweg um 100 tsd Tonnen auf nun 11,4 mio Tonnen reduziert. Die Ägypter haben sich hinsichtlich der jüngsten Querelen bzgl. der Qualitätsanforderungen ihrer Weizentender dahingehend eingelassen, als dass man am Nil recht zeitnah die Hemmnisse zu beseitigen trachten möchte.
 
Was das im einzelnen für die Marktfähigkeit für Weizen französischer (und europäischer) Herkunft bedeutet, müssen wir abwarten. Es sollte aber sehr verwundern, wenn die Pharaonen angesichts der instabilen Lage in der Ukraine nicht baldigst zu einem positiven Ergebnis kämen. Im internationalen Marktgeschehen gab es durchaus erwähnenswerte Dinge zu beobachten. Zum einen legten die Marokkaner ihren summarischen Importbericht der Vorwoche vor und meldeten den Kauf von insgesamt 400 tsd Tonnen Weizen.
 
Die Chinesen brachten knapp 60% ihrer staatlich auktionierten Weizenmenge von insgesamt 884 tsd Tonnen im heimischen Markt unter, und die Inder erhielten das beste Gebot für ihren 80 tsd Tonnen unfassenden Exporttender bei 282,1 US-Dollar/Tonne. An der Matif legten die alterntigen Notierungen im Mai 3,25 Euro/to zu und schlossen bei 213,50 Euro/mto.
 
Der neuerntige November schaffte ein Plus von 3,- Euro, um bei 204,- Euro aus dem Handel zu gehen.

Mais im Schlepptau des Weizens

Der Maiweizen am CBoT legte 5 ¼ cts/bu drauf und settelte bei 4,88 ½ US-Dollar/bu. Die Fonds kauften gestern etwa 3.000 Kontrakte im Mais, was hauptsächlich auf die Zugewinne beim Weizen zurückzuführen gewesen sein dürfte. Wirkliche fundamentale Neuigkeiten, die einen eigendynamischen Kaufdruck hätten auslösen können, gab es keine zu beobachten. Allenfalls ist erwähnenswert das die wöchentliche Ethanolherstellung in den USA hinter den Erwartungen zurückblieb.
 
CONAB revidierte seine Schätzung bzgl. der brasilianischen Maisproduktion von 75,5 auf nun 75,2 mio Tonnen, was analog zur Bohne keinen Aufreger darstellte. An der Matif legten die Junimaisnotierungen 2,50 Euro zu und schlossen bei 185,75 Euro/mto.

Kartoffel bleibt unentschlossen

Die Veredelungskartoffel an der Eurex konnte sich gestern zu nichts entschließen. Zwar eröffnete man in Frankfurt etwas höher und verzeichnete kleinere Anschlussgewinne, aber die Zugewinne schmolzen größtenteils wieder dahin, sodass am Ende des Tages die 13,80Euro/dt als Schlusskurs ausgewiesen wurden. Das war ein Plus von 0,10 Euro/dt. Der Gesamtmarktumsatz betrug übrigens 66 Kontrakte und blieb damit unterdurchschnittlich.
 
Im Mastschwein gab es in den ersten drei Handelsterminen März, April und Mai jeweils zwei Kontrakte Umsatz. Das Preisniveau bewegte sich hierbei bei 1,545 und 1,600 bzw. bei 1,650 Euro/kg. Das Ferkel schaute dem Treiben verdutzt zu, konnte aber selbst nichts ausrichten und blieb umsatzlos. Dem weißen Sortiment erging es ganz ähnlich; auch hier gab es leider keinen Umsatz.

DAX abschlägig

Das deutsche Aktienbarometer gab gestern von Beginn an nach und rumpelte talwärts. Zur Mittagsstunde stand immernoch ein Minus von über 100 Punkten. Die schwachen asiatischen Börsen warfen einen Schatten in Form eines Bären voraus aus dessen Umrissen sich der deutsche Markt nicht befreien konnte.
 
Die Sorge um die Krimkrise und der Einbruch der chinesischen Wirtschaft wurden auch gestern als Gründe für die leichteren Kurse angeführt. In China hat es jüngst Zahlungsausfallerklärungen seitens einiger Firmen auf ihre Unternehmensanleihen gegeben, was de facto einer Pleite gleichkommt. Nun befürchtet man ein Umsichgreifen des losgetretenen Prozesses. Es könnten noch eine Menge weiterer Firmen in einen sich verselbstständigenden Abschwung geraten und Insolvenz (direkt oder indirekt) anmelden müssen.
 
Die jüngsten Entwicklungen auf dem chinesischen Kreditmarkt (wir berichteten ohne Unterlass), die nun zutage treten, strahlen selbstverständlich auf die Realwirtschaft aus. Die Befürchtung eines chinesischen Abschwungs manifestiert sich auch in fallenden Wirtschaftsmetallnotierungen.
 
An der Londoner Metal Exchange geben beispielsweise die Kupferpreise seit Tagen massiv nach. Ob der Westen sich inhaltlich auf die Krimkrise stürzt, um einen "sachlichen Sündenbock" zu haben, falls es zu massiven wirtschaftlichen Einbrüchen kommt, mag dahin gestellt sein. Der DAX schloss jedenfalls mit einem Minus von 119,10 Punkten und schloss bei 9188,69 Zählern.    
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