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Börsentelegramm

Agrarmärkte im Tiefenrausch

von , am
25.06.2014

Nach dem USDA-Report starteten die euopäischen Weizenpreise mit 179 Euro je Tonne in die neue Woche. © Leonhardo Franko/fotolia
Die neuerntige Novemberbohne verlor gestern 8 ¼ Cents je Bushel (cts/bu) und settelte bei 12,24 ¾ US Dollar/bu. Die Geschichte des gestrigen Handels ist schnell erzählt. In Abwesenheit neuer Einflussfaktoren kaute man das bereits Bekannte wider und stellte fest, dass aufgrund des guten Saatenstandes im Mittleren Westen eher bärisch als bullisch zu sein hatte. Es etablierte sich eine leicht abschlägige Tendenz, zumal man im agrarischen Bereich von fallenden Kursen umzingelt war. Es fand sich niemand, der den Mut aufgebracht hätte, sich mit ordentlichen Engagements gegen den Trend zu stemmen. Das Ergebnis waren sinkende Notierungen.
 
Der USDA-Report am kommenden Montag wird neben der Anbauflächenverteilung zwischen Mais und Bohne auch mit den Quartalsbeständen aufwarten. Bei der Bohne erwartet man mit 378 mio Scheffel den knappsten Endbestand zum 1. Juni seit dem Jahre 1977. Der Report am Montag steht in der Tradition die Märkte durchaus in Bewegung setzen zu können, sodass wir ihm den nötigen Respekt entgegen bringen sollten.
 
An der internationalen Rapsfront gab es uneinheitliche Entwicklungen zu sehen. In Kanada erlebte man einen volatilen Tag. Die Preise schwappten vom Negativen ins Positive und wieder zurück. Am Ende blieb hier ein kleines Plus übrig. An der Pariser Matif sah das anders aus. Hier bestand zu keinem Zeitpunkt die berechtigte Hoffung, ins Plus drehen zu können. Es blieb den Marktteilnehmern nichts anderes übrig, als es sich im abschlägigen Bereich bequem zu machen. Der Novembertermin verlor 0,75 Euro und schloss bei 352,75 Euro/mto. Der einzige Trost, der bleibt, ist die Tatsache, dass man mit dem eben genannten Schlusskurs dicht am Tageshoch hat schließen können.

Weizen: Tal der Tränen noch nicht durchschritten

Der Julitermin am CBoT verlor gestern 9 ½ cts/bu und settelte bei 5,70 ½/bu. Damit ist es nun offiziell: die Bodenbildungsaktivitäten waren nicht nachhaltig und fanden ein jähes Ende. Mit dem Durchbruch durch die 5,80 US Dollar/bu im Julitermin schlägt der Abwärtstrend ein neues Kapitel auf, dessen Ende nicht absehbar ist. Das alte Tief liegt bei 5,60 und wir müssen befürchten, dass auch dieses noch getestet werden wird. Möglicherweise können die Zahlen am Montag für einen fundamental stärkeren Hintergrund sorgen, der den Trend zum Halten bringt.
 
Gestern war jedwede Hoffnung hierauf unberechtigt. Die USA stecken einerseits in Ernteaktivitäten und spüren Druck auf dem Kassamarkt, auch wenn die berichteten Erträge nicht das Gelbe vom Ei darstellen. Andererseits sieht man sich nachfrageseitig einer starken internationalen Konkurrenz gegenüber, die einen regelmäßig bei Ausschreibungen auszustechen imstande ist. In diesem Umfeld wollen die Bären ihren Thron nicht kampflos preisgeben. Dass die Brasilianer wie angekündigt 1 mio Tonnen Weizen zollfrei aus Nicht-Mercusor-Staaten ins Land lassen wollen, ist nur ein geringer Trost. Obwohl man davon ausgehen kann, dass die USA diese Mengen liefern werden.
 
Im internationalen Geschehen wurde von den Exporteuren die übliche Laufkundschaft mit marktüblichen Mengen bedient. Einzelne Geschäfte herauszugreifen, wäre ohne Belang. Allenfalls sind die 200 tsd Tonnen Durumweizen erwähnenswert, die sich Algerien in die Bücher nahm, denn neben Kanada und Mexiko könnte durchaus auch Frankreich als Herkunftsland in Frage kommen. An der Matif war das gleiche Bild zu sehen. Die Kurse purzelten hinab. Der neuerntige Novembertermin verlor 2,- € und schloss bei 186,50 €/mto. Damit sitzt man auf seinem alten Zwischentief auf. Das nächste Ziel der Bären dürften die 185,- € sein, bevor der Blick starr in Richtung 181,- €/mto geht.

Mais tendiert abwärts

Der Dezembermais am CBoT verlor gestern 1 ½ cts/bu und settelte bei 4,40 ½ US$/bu. Zuerst hatte man Erholungsbedarf vom Kursrutsch des Vortages und orientierte sich nach oben. Angesichts des fragilen Umfeldes mit teilweise dramatisch fallenden Agrarpreisen musste man aber die Befürchtung haben, dass es auch beim Mais bergab gehen würde. So war es dann auch. Die Verluste konnte man aber in engen Grenzen halten, was den Bullen gefrommt haben dürfte. Wie bei der Bohne bereitet man sich derzeit auch im Mais auf den Bericht am kommenden Montag vor. Die Händler möchten nicht mit allzu großen Positionen auf der falschen Seite des Marktes erwischt werden und passen ihre Engagements an.
 
Welche Auswirkungen diese Aktivität noch haben wird, wer weiß? International geschah nicht viel. Taiwan zeigte sich kaufinteressiert für 20 tsd Tonnen US-Mais. Ein entsprechender Tender wurde aufgelegt. An der Matif verlor der Novembertermin 1,25 €/mto und settelte bei 174,50 €/mto.

Eurex: Kartoffel bärisch

An der Eurex setzte sich gestern der am Montag eingeläutete Preisverfall in der Veredelungskartoffel weiter fort. Der Apriltermin 2015 büßte bei einem Gesamtmarktvolumen von 170 Kontrakten 0,60 Euro/dt ein und settelte bei 11,50 Euro/dt.

China: Datenlage hellt sich auf

Der HSBC Flash China Manufacturing PMI (Einkaufsmanagerindex) hat im Monat Juni die 50 Punktemarke überschritten. Im Mai lag der Index mit 49,4 unter diesem Niveau. Damit liegt der Index das erste Mal seit Dezember letzten Jahres wieder oberhalb der 50-Punktemarke. Das staatliche Ministimulusprogramm wird als Grund für die Entwicklung genannt. Diese Auffassung kann man teilen, muss man aber nicht. Einigung in Sicht? Frankreichs größtes Bankhaus, BNP Paribas, und das US-Justizministerium nähern sich im Streit um die Verletzung von Sanktionen gegen den Iran an. Die USA bezichtigen das Bankhaus, entgegen verhängter Sanktionen mit dem Iran weiterhin Geschäfte gemacht zu haben. Das US-Ministerium hat wohl eine Strafe in Höhe von 8 - 9 Milliarden (Mrd.) US-Dollar im Sinn, was eine rekordhohe Strafe für ein derartiges Vergehen wäre. Die Schiebereien von BNP Paribas sollen einen Umfang von etwa 30 Mrd. US Dollar ausgemacht haben, sodass die "rekordhohe Strafe" von 9 Mrd. wieder etwa relativiert wird.

DAX & Co.

Wir hatten zu Jahresbeginn an dieser Stelle auf den Modus Operandi hingewiesen, mit dem die einzelnen staatlichen und halbstaatlichen Stellen ihre Wirtschaftsprognosen veröffentlichen. Am Anfang steht grundsätzlich eine politisch gewollte, viel zu optimistische Einschätzung über die wirtschaftliche Entwicklung. Im Jahresverlauf wird dann mit ernster Trauermiene verkündet, dass man die Lage etwas zu optimistisch eingeschätzt habe und demzufolge Abwärtskorrekturen notwendig sind. Nach einer ganzen Serie von Abwärtskorrekturen steht am Ende meist ein lächerlicher Zuwachs, der nichts anderes widerspiegelt als das aggressive Geldmengenwachstum. Von realwirtschaftlichem Wachstum ist man nach wie vor meilenweit entfernt.
 
Eine derartige Trauermiene setzen gestern die Vertreter des Ifo-Instituts auf als sie ihren Geschäftsklimaindex veröffentlichten. Dieser fiel den zweiten Monat in Folge und erreichte nun 109,7 Punkte. Das ist der tiefste Stand des Jahres. Geschäftsklima sei aber nicht gleich Konjunktur, kommentierten die Analysten und hielten an ihren Prognosen fest. Es wird wohl noch etwas dauern bis man auch hier der Vernunft etwas zugänglicher wird und auf die Euphoriebremse tritt. Der DAX schaffte schließlich ein Plus von 17,16 Punkten und settelte bei 9.938,08 Punkten.

Dubai: Aktienmarkt unter Druck

Es scheint fast so, als wären Immobilien weltweit ein Hochrisikogeschäft geworden. Der Aktienmarkt in Dubai verlor gestern 6,7 Prozent (%) und verzeichnete damit seinen größten Verlust seit fast einem Jahr. Der größte Immobilienkonzern, Arabtec, hatte bekannt gegen, sich von Personal trennen zu wollen, was man als Warnsignal einer anstehenden Korrektur im Bereich der Immobilien wertete. Der Index hat in zwei Monaten 25% verloren, nachdem er 250% in den beiden Vorjahren zulegte.



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