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Börsentelegramm

Agrarmärkte: Tiefs in Gefahr!

von , am
27.08.2014

Nationale Importverbote von GVO-Futter- und Lebensmitteln wird es vermutlich nicht geben. © landpixel
Auch am Dienstag wurde sämtliche Hoffungen auf ein preisliches Erstarken im Agrarbereich zunichte gemacht. Die Bären präsentierten sich quicklebendig und in Kampfeslaune. Schnell hatten sie das Ruder an sich gerissen und dem Handelstag ihren Stempel aufgedrückt. Das Ergebnis waren fallende Kurse in Chicago, die das ohnehin bereits schwache Agrarumfeld weiter belasteten.
 
Zu vorgerückter Handelsstunde setzte schließlich doch noch etwas Kaufdruck ein, der die Kurse wieder anhob. Die alten Tiefs der Getreidemärkte hatten noch einmal gehalten! Das kann die Bohne seit Montag nicht mehr von sich behaupten.

Sojabohne mit später Erholung

Nach dem Durchbruch durch die Unterstützung, der in der Bohne bereits am Montag stattgefunden hatte, setzte sich gestern die charttechnische Schwäche weiter fort. Es wurden recht früh neue Tiefs markiert. Nach wie vor sind die exzellenten Ertragsaussichten in den USA der Dreh- und Angelpunkt der Preisbildung in Chicago, sodass die Bohne aus ihrem preislichen Tiefdruckgebiet nicht heraus kommt. Es mag versöhnlich stimmen, dass es am Sitzungsende eine kleine Rallye gegeben hat, die den Markt von seinen Tiefpunkten wegbewegen konnte, aber unterm Strich müssen wir festhalten, dass der Abwärtstrend intakt geblieben ist.
 
Ob wir hier ein Tief markieren können, muss die Zukunft zeigen. Zweifel hieran sind gerechtfertigt, denn die Ernte steht in den USA ja noch bevor. Es ist ohne weiteres denkbar, dass gute Druschergebnisse den Markt noch weiter unter Druck setzen werden. Ansonsten war der Dienstag still. Die Nachrichtenlage blieb glanzlos. Man wiederholte hier und da die altbekannten Dinge, konnte aber die Erkenntnisse nicht vermehren.
 
An der Matif konnte man die 320,-€-Marke verteidigen. Es drohte zwar ein Durchbruch, aber man hielt stand. Am Ende legte der Novembertermin 2,75 € zu und settelte bei 324,25 €/mto.

Weizen kann sich wieder erholen

Weizen holte die Verluste des Tages wieder auf und settelte im Dezember am CBoT ¼ ct/bu fester. Der Schlusskurs lag bei 5,55 ¾ US$/bu. Interessanterweise gab es gestern keine USA-bezogenen Nachrichten auf die an dieser Stelle einzugehen wäre. Wir können uns also ohne Umschweife den internationalen Entwicklungen widmen. Die Algerier setzten gestern ein offizielles Schreiben an alle Marktbeteiligten ab, in dem sie darüber informierten, dass zukünftig keine Weizenschiffe verschiedener Herkünfte akzeptiert werden. Man möchte herkunftsreine Ware angedient bekommen, die nur einen einzigen Ursprungsort aufweist. Infolge der Qualitätsprobleme in Frankreich befürchtet man, dass die von Frankreich importierten Qualitätsweizenpartien zum Aufmischen der Exportware dienen. Diesem Vorgehen erteilte man gestern in Algier eine deutliche Absage. Ob es dennoch versucht werden wird, den Algerien Mischpartien unterzujubeln, müssen wir abwarten. Wundern würde es sicherlich nicht.
 
Aus dem fernen Osten kam die Kunde, dass die Japaner ab Oktober die Weizenabgabepreise für die Mühlenindustrie um 0,4% senken wird. Eine Verschiebung des Preisbildungsrahmens in dieser Größenordnung ließ den Markt kalt. Um diese Nachricht kümmerte man sich überhaupt nicht. Gegen 16:00 Uhr hatte man am Nil seine Einkaufstender abgeschlossen und vermeldete den Kauf von insgesamt 175 tsd Tonnen Weizen. Hiervon stammen 115 tsd Tonnen aus Russland und 60 tsd to aus Rumänien.
 
Das ukrainische Landwirtschaftsministerium verkündete den praktischen Abschluss der Weizenernte im Land. Man habe 99% des Weizens geerntet, wobei es eine Menge von 24,4 mio to gegeben habe. Gleichzeitig legte man eine Flächenschätzung fürs neue Jahr vor. Die Weizenanbaufläche in 2015 soll 6,2 mio Hektar betragen (6,1 mio ha in 2014) An der Matif sah die Entwicklung ganz ähnlich aus. Zuerst ging´s bergab, dann konnte man sich wieder etwas erholen. Am Ende hatte der November 0,75 € verloren und bei 172,75 gesettelt. Zu guter Letzt wollen wir noch auf die kontroverse Diskussion um das Treffen zwischen Putin und Poroschenko hinweisen. Wie man die Zusammenkunft der beiden Staatsmänner zu deuten hat und welche Auswirkungen es auf die Agrarmärkte haben wird, mag jeder selbst für sich entscheiden. Fakt ist, dass man derartigen Dingen nicht mit marktwirtschaftlichem Denken zuleibe rücken kann, da der Modus Operandi der Politik alles ist, nur nicht Marktwirtschaftlichkeit.

Mais in trübsinniger Stimmung

Der Dezembermais am CBoT hat gestern 3 ¼ cst/bu verloren und bei 3,64 ½ US$/bu geschlossen. Der noch einmal verbesserte Saatenstand in den USA hat Preisdruck an der Börse ausgelöst. Obwohl das Crop Rating des USDA´s nur 1% Zuwachs in der „Gut-bis-Exzellent“-Kategorie auswies, war es Anlass genug, den Markt unter Druck zu bringen. Es war aber wahrscheinlich nicht das eine Prozent, sondern vielmehr das Nachdenken über die Gesamtsituation, die das bärische Resultat zuwege brachte. Mit 73% gut bis exzellent hat man den besten Saatenstand seit fast 20 Jahren auf dem Acker und sieht einer sehr guten Ernte entgegen. Da gab´s für die Bullen nichts zu holen.
 
An der Matif gab es mit 151,- €/mto ein neues Kontrakttief im November.

Eurex-Kartoffel ohne Chance

Die gestrige Preisperformance war bereits äußerst fragwürdig und ließ ein ungutes Gefühl zurück. Der Dienstag bestätigte diesen Eindruck, denn die Kartoffelpreise sanken stärker ab. Gegen Ende des Handels wurden sie sogar derart heftig durchgereicht, dass die Marke von 7,- €/dt verloren ging. Bei einem Gesamtmarktumsatz von 150 Kontrakten musste der Apriltermin 2015 0,50€/dt abgeben. Der Schlusskurs lag bei 6,90 €/dt. Das lässt Schlimmeres befürchten, zumal vom Kassamarkt keine entgegen gesetzten Signale kommen. Der Markt ist im Bärenmodus. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Schwein und Ferkel ließen die Ohren hängen und gaben keinen Grunzer von sich. Im weißen Sortiment konnten wenigstens Butter und Magermilchpulver einige Umsätze verzeichnen. Die Preise waren beim Pulver abschlägig und in der Butter gemischt. Vorne legte man zu und hinten ging´s weiter bergab.

Zucker zeigt Erholungstendenzen, mehr nicht

Der internationale Zuckermarkt blieb am zweiten Handelstag der Woche ruhig. Man erholte sich in Form einer Rückschnapprallye von den heftigen Verlusten des Vortages. Allerdings gelang es nicht, einen echten richtungsweisenden Impuls nach Norden zu setzten; dazu war die Rückschnapprallye zu schwach ausgeprägt. Am Ende blieb ein Plus von 35 Punkten übrig.

DAX fest

  Ja, die Hoffnung, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt! Und es war jene Hoffnung, die gestern dem DAX weiteren Aufwind bescherte. Die Investoren hofften nämlich auf die EZB und ihre weitere extrem lockere Geldpolitik. Das trieb die Kurse weiter nach oben, wenngleich die Preiszuwächse deutlich an Dynamik verloren haben. Der DAX legte 78 Punkte zu und schloss bei 9588,15 Zählern.
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