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Börsentelegramm

Agrarmärkte übellaunig

von , am
03.06.2014

© Beuermann/landpixel
Die globalen Agrarmärkte starteten gestern auch die neue Woche übellaunig. Nur wenige Waren wie Baumwolle, Mastrind und Orangensaft konnten ein kleines Plus verzeichnen. Am CBoT gelang der alterntigen Bohne gerade noch ein Plus; der Rest war von roten Vorzeichen geprägt.
 
Weizen führte den Bärentross in Chicago an und belastete die anderen Märkte. Mit einem Verlust von 3% ging die rote Laterne an den Kaffee.

Sojabohne mit tiefem Spalt zwischen alter und neuer Ernte

Am CBoT konnten die alterntigen Julinotierungen gestern 7 ¼ cts/bu zulegen und bei 15 ½ US$/bu schließen. Der neuerntige Novembertermin musste Federn lassen. Hier schlug ein Minus von 4 cts/bu zu Buche und drückte den Schlusskurs auf 12,29 ¾ US$/bu. Der Grund für das zwiespältige Preisbild in Chicago ist bekannt. Die alterntige Bohne ist extrem knapp und neuerntig erwartet man eine Ernte von knapp 100 mio Tonnen.
 
Die Pflanzenölnotierungen befinden sich momentan weltweit unter Druck. Die Sojaölnotierungen am CBoT sind am Freitag mehr oder weniger abgestürzt. Das Schwächesignal kam aus dem Palmölmarkt, wo man mit steigenden Beständen rechnet. In Sachen Palmöl ist der Markt offenkundig nicht bereit, langfristige Überlegungen hinsichtlich der Biotreibstoffverwendung in Südostasien in Rechnung zu ziehen. Gestern hatten wir an dieser Stelle einen mittelfristigen Ausblick beschrieben, der eher für steigende, denn für fallende Notierungen spricht. Im allgemein schwach gestimmten Agrarumfeld fehlt momentan einfach der Mut, sich dem vorherrschenden Trend entgegen zu stemmen.
 
Nach Sitzungsende veröffentlichte das USDA seine Bestandsbonitierungen. Die Bohne ist laut den Zahlen des Ministeriums nun zu 78% abgeschlossen. Damit haben die US-Farmer in der abgelaufenen Woche die Bohnenaussaat um 19% voran getrieben. Der Fünfjahresdurchschnitt liegt hier bei 70%. Eine Bestandsbonitierung wurde noch nicht vorgenommen. Im internationalen Umfeld war der Einkauf von 45 tsd Tonnen Raps seitens Pakistans erwähnenswert. Die Pakistanis buchten die Menge aus der Schwarzmeerregion.
 
An der Matif blieb den Rapsnotierungen nichts anderes übrig, als sich weiter in Rückzugsgefechten aufzureiben. Sämtliche Handelsmonate verloren in der Spitze etwa 4,- €. Zum Sitzungsende hin, konnten die positiven Notierungen in der alterntigen Bohne den beiden Parisern Frontterminen helfen, sich von ihren Tagestiefs zu erholen. Im August fiel der Tagesverlust mit 2,50 €/mto deshalb relativ moderat aus. Der Markt fand hier seinen Schlusskurs bei 348,- €/mto glatt.

Weizen wird den Bärenpelz nicht los

Der Juliweizen verlor am CBoT gestern 6 ¾ cts/bu und settelte bei 6,20 ¾ US$/bu. Die schwachen Kurse zu Wochenauftakt wurden hauptsächlich auf die verbesserten Bedingungen in den USA zurückgeführt. Die schwachen Ertragsmeldungen aus den Frühdruschgebieten der US-Winterweizenstaaten Kansas und Oklahoma wurden vom Markt nicht zur Kenntnis genommen bzw. als harmlos eingestuft. Frühe schwache Erträge sind keine Seltenheit und repräsentieren nicht den zu erwartenden Durchschnittsertrag.
 
Nachbörslich bonitierte das USDA noch 30% der us-amerikanischen Winterweizenbestände mit gut bis exzellent. Das stellte keine Veränderung zur Vorwoche dar. 44% befänden sich weiterhin in mangelhaftem Zustand. Die Sommerweizenaussaat in den USA war bereits letzte Woche abgeschlossen.
 
Die pflanzenbauliche Entwicklung schreitet in Europa gut voran. Es sind kaum Klagen zu vernehmen. Hier und da mag es nicht ganz auskömmliche Regenfälle gegeben haben, aber unterm Strich sehen wir einer mindestens guten Ernte entgegen. Die Witterungsbedingungen in Russland verbessern sich ebenfalls, wobei man über das Ausmaß noch keine Auskunft geben kann. In den Wettervorhersagen deutet sich aber an, dass die gefährdeten Regionen eine spürbare Entspannung erfahren werden. Um das Wetter komplett zu machen, sei zu guter Letzt angemerkt, dass sich die Aussaatbedingungen in Kanada nahtlos in das freundliche Gesamtbild einfügen. Auch hier dürfte es vorerst keinerlei Probleme geben.
 
Im internationalen Geschäftsfeld gab es die eine oder andere Existenzmitteilung zu beobachten. Die Jordanier legten einen Tender für 100 tsd Tonnen Weizen und 100 tsd Tonnen Gerste auf. Pakistan kaufte 100 tsd Tonnen neuerntigen Weizen aus der Schwarzmeerregion. Das bedeutendste Geschäft wurde aber aus Algerien gemeldet, denn das nordafrikanische Land buchte 700 tsd Tonnen Mahlweizen optionaler Herkunft für August-September-Verschiffung. Ob hier europäische Ware zum Zuge kommen wird, muss abgewartet werden. Das Agrarministerium der Ukraine hat gestern die bislang getätigten Getreideexporte in der laufenden Kampagne mit 31,4 mio Tonnen beziffert. Damit liegen die Exporte insgesamt 43,2% über den Werten des Vorjahres. Für die neue Kampagne sieht man ähnlich optimistische Zahlen in den Statistiken, aber man ist abhängig von der politischen Entwicklung in der Ukraine. Es ist nicht gesagt, dass eine große Ernte automatisch zu großen Exporten führen wird, auch wenn der Markt die Präsidentschaftswahl in der Ukraine mit Erleichterung aufgenommen hat.
 
An der Matif trat das Befürchtete ein. Die Notierungen eröffneten den gestrigen Tag sehr schwach und gaben die Marke von 190,- €/mto preis. Im weiteren Handelsverlauf trat aber eine kleine Erholung ein, sodass der Novembertermin „nur“ ein Minus von 1,- €/mto zu verdauen hatte und bei 190,50 €/mto schließen konnte. Der Schlusskurs von über 190,- € lässt die Bullen nicht hoffnungslos zurück.

Mais taumelt

Der Julitermin am CBoT verlor gestern ½ cts/bu und settelte bei 4,65 ½ US$/bu. Die Maisaussaat in den USA ist so gut wie abgeschlossen und die derzeitigen Bedingungen sprechen für einen nahezu perfekten Start in die Wuchsperiode der Bestände. Nachbörslich hat das USDA den Fortschritt der Maisaussaat in den USA mit 95% angegeben. 80% der Saat sei landesweit aufgelaufen, und es befänden sich 76% der Bestände in gutem bzw. exzellentem Zustand. Das sind traumhafte Startbedingungen. Bereits letzte Woche hat das Deutsche Maiskomitee die Ergebnisse einer unter Landwirten durchgeführten Umfrage veröffentlicht. Der Umfrage zufolge haben die deutschen Bauern etwa 3,5% mehr Ackerfläche dem Maisanbau gewidmet als im letzten Jahr. Die Gesamtanbaufläche beträgt knappe 2,6 mio Hektar. Die Hälfte der Fläche würde der Silomaiserzeugung dienen.
 
An der Pariser Matif gab es in Sachen Mais keinen Blumentopf zu gewinnen. Die Notierungen befanden sich einmal mehr im Sinkflug. Der Novembertermin schaffte nach streckenweisen Verlusten von über 2,- € aber einen unveränderten Schlusskurs von 176,75 €/mto.

Eurex: Kartoffel mit Rückschnapprallye

An der Eurex war die Kartoffel nach ihren heftigen Kursverlusten in den vergangenen Wochen zum Auftakt dieser Woche positiv gestimmt. Bei einem Umsatz von 233 Kontrakten schaffte es der neuerntige Apriltermin 1,10 €/dt draufzupacken und bei 11,80 €/dt zu schließen. Das stellte eine bedeutende Rückschnapprallye dar und ist aus charttechnischem Blickwinkel ein klares Indiz einer strukturellen Bodenbildung. Wir wollen hoffen, dass wir weitere bestätigende Signale vom Markt erhalten.
 
Der Kassamarkt ließ sich von den steigenden Notierungen nicht beeindrucken; wenigstens nicht, was die alte Ernte anbelangt. In Rotterdam wurden nämlich gestern die Exportnotierungen für alterntige Ware um einen halben € zurück genommen. Die ausgewiesen Preisspanne rangierte noch zwischen 5,0 und 6,50 €/dt. Das Augustschwein konnte sich über einen Umsatz von zwei Kontrakten bei 1,750 €/kg freuen. Auf diesem Niveau lag auch der Schlusskurs. Das Ferkel wurde leider nicht gehandelt. Das Magermilchpulver wurde im Januartermin 2015 einmal bei 2800,- €/Tonne umgesetzt. Das stellte ein Minus von 45,- €/to dar. Die übrigen Milchprodukte blieben ungehandelt.

Zucker wackelt

Die internationalen Zuckernotierungen begannen ihre Handelswoche auf wackeligen Beinen. Es hatte zwar in der letzten Woche Erholungstendenzen gegeben, aber gestern musste man Abschläge verkraften. Das gewonnene Terrain ging zum großen Teil wieder verloren. Der Nachrichtenticker blieb unter dem Stichwort „Zucker“ größtenteils stumm, sodass sich keine fundamentalen Einflussfaktoren ausmachen ließen. Lediglich der Abbau von Longpositionen seitens der Fonds im New Yorker Markt verdient eine Erwähnung. Ob allein das den Händlern einen Schrecken eingejagt hat, mag dahin gestellt sein. Der Weißzuckerkontrakt in London verlor auf den Oktobertermin 3,0 US$/Tonne und settelte bei 475,50 US$/Tonne.

DAX steppt auf dem Parkett, rutscht aus und dreht zeitweise ins Minus

Auf dem Frankfurter Börsenparkett startete der DAX sehr freundlich in die neue Woche. Der allgemeinen Haussestimmung treu bleibend, schraubte sich das Börsenbarometer weiter nordwärts. Der Anlass für die Zugewinne war wohl im Reich der Mitte zu finden. Die Chinesen wiesen eine unerwartet hohe Produktionsaktivität für den letzten Monat aus. Hiermit hatte man nicht gerechnet. Im Umfeld weiterer Zinssenkungsphantasien fiel diese Nachricht auf fruchtbaren Boden, und man konnte in Frankfurt Zugewinne erzielen. Man darf sich aber von der einen Zahl nicht täuschen lassen, denn es gibt eine Unzahl Hinweise, dass sich die chinesische Wirtschaft im Kontraktionsprozess befindet.
 
Kurz vor der 10000-Punktemarke legte der DAX den Rückwärtsgang ein und machte kehrt. Eine schwache Wall Street Eröffnung belastete zeitweise die Frankfurter Investoren. Am Ende schaffte man aber dennoch ein kleines Plus von 6,85 Punkten. Der DAX schloss bei 9950,12 Zählern. Alle Augen sind in Frankfurt auf die EZB gerichtet, die am Donnerstag ihre Zinsentscheidungen bekannt geben wird. Im Vorfeld sprach man in EZB-Kreisen von Schrottpapieraufkäufen, um die maroden Banken zu entlasten.



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