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Börsentelegramm

Agrarmärkte überraschungslos

von , am
12.02.2014

© Mühlhausen/landpixel
Der Dienstag hatte keine Überraschungen im agrarischen Marktsegment parat. Am CBoT legte die Bohne zu, ebenso der Weizen. Im benachbarten Maispit ging´s etwas bergab. Baumwolle trug den Tagessieg davon, und die rote Laterne trug einmal mehr der Zucker. Edelmetalle weisen seit einigen Tagen nach Norden, Rohöl trat gestern auf der Stelle. Finanzmärkte stramm!

Bohne im Plus

Die Märzbohne legte gestern 9 ¼ cts/bu zu und settelte bei 13,34 ¾ US$/bu. Der Handel war von Gerüchten getragen, die besagten, dass die Chinesen versuchten, 6 – 8 Cargos US-Ware zu stornieren, um sie andernorts einzukaufen. Das USDA berichtete aber einen Verkauf von 116 tsd Tonnen der neuen Ernte. Die wöchentlichen Exportinspektionen der USA lagen zu Wochenauftakt in der Bohne bei 1,552 mio Scheffel. Die Bohne blickte unterm Strich aber aufs Schrot und ließ sich nicht beirren. Man verteidigte sich erfolgreich gegen bärische Offensiven.
 
In Brasilien schreitet die Ernte der Sojabohnen unaufhaltbar voran. Celeres schätzte den Erntefortschritt auf 11,6%, was leicht oberhalb des 5-Jahresdurchschnitts von genau 11% liegt. Der Vermarktungsgrad betrüge 48%. Im letzten Jahr hatten die Brasilianer bereits 59% auf Papier verkauft. Conab sieht die brasilianische Bohnernte 2013/14 bei insgesamt 90,01 mio to und reduzierte damit seine letzte Schätzung von 90,33 mio to marginal nach unten. Die Australier schätzten ihre Rapsernte auf 3,548 mio Tonnen, was knapp oberhalb der letzten Einschätzung von 3,41 mio to lag.
 
In Kanada ist die Logistik infolge des extrem kalten Winters derart stark behindert, dass sich der Warenverkehr nur noch mit größten Schwierigkeiten auf Schiene und Strasse bewältigen lässt. Der kanadische Raps liegt im Land fest und drückt vor Ort das Preisniveau. Wir warten auf Importe, die entweder gar nicht kommen können oder sich derzeit noch auf Schiffen aus Australien befinden. Die derzeit zu niedrigen Importe haben an der Matif für entsprechende Preisreaktion gesorgt und auf dem Kassamarkt wenigstens auf FOB-Basis ein Prämienniveau provoziert, das man nur als traumhaft bezeichnen kann. An der Mosel sind zwischenzeitlich fast zweistellige Prämien bezahlt worden! Bedauerlicherweise ist auf Landwirtschaftsebene dieses Preisniveau nicht vollends durchgeschlagen, insbesondere dort nicht, wo man sich fernab eines bedeutenden Wasserverladeplatzes befindet.
 
Trotzdem sollte man als Landwirt die derzeit gestiegenen Preise genau unter Lupe behalten und sich von Lagerware trennen, sobald die Matif Signale von Schwäche zeigt, die den derzeit laufenden mittelfristigen Aufwärtstrend negieren. Noch ist dieser aber als intakt zu bezeichnen. Wie anfällig der gesamte Ölsaatenkomplex ist, zeigten gestern die Sojaschrotnotierungen als sie im Märztermin kurzzeitig die Marke von 440,- US$/sto durchbrachen. Im Nu drehte alles nach unten. Was unseren Raps anbelangt, so blieb gestriges Minus aber verschmerzbar. Der alterntige Maitermin verlor moderate 0,50 €/mto und settelte bei 373,50 €/mto.

Weizen fest

Der Märztermin am CBoT legte gestern 5 ½ cts/bu zu und schloss bei 5,90 ¼ US$/bu. Der Handel am CBoT war gestern unspektakulär. Offensichtlich zog man es aber vor, seine feste Tendenz der letzten Tage weiter fortzusetzen. Die wöchentlichen Exportinspektionen der USA lagen zu Wochenauftakt bei 446,2 mio Scheffel und besaßen damit einen durchaus bullischen Anklang.
 
Hatte das USDA am Montag im Rahmen seines monatlichen WASDE-Reports die australische Ernte noch mit 26,5 mio Tonnen beziffert, wussten es die Australier (ABARES) kurz darauf besser, denn sie bezifferten ihre Ernte gestern mit etwas mehr als 27 mio Tonnen. Im australischen Bundesstaat Western Australia sind derart gute Erträge vom Acker gekommen, dass man es rechtfertigen konnte, die Gesamternte des Landes anzuheben. Das Exportpotential Australiens dürfte damit auf etwa 20 mio Tonnen anschwellen. Vor dieser Menge brauchen wir in Europa aber keine Angst zu haben, denn sie wird zum Großteil im südostasiatischen Raum bleiben und keine nennenswerte Konkurrenz für unsere Absatzmärkte darstellen.
 
Die Brasilianer nahmen ihre Weizenernte gestern etwas herauf. Die jüngste Produktionszahl von Conab beträgt jetzt 5,8 mio to und liegt damit um 300 tsd to über der letzten Einschätzung. Nichtsdestoweniger bleibt Brasilien natürlich ein Weizenimporteur, das sich in Ermangelung ausreichender argentinischer Exportware verstärkt in den USA umschauen muss.
 
An der Matif herrschte die Emotionslosigkeit vor. Weder die Bullen noch die Bären waren aus der Reserve zu locken. Folglich blieb das Schlusskursniveau ohne wesentliche Veränderung, wenngleich sich eine aufwärts gerichtete Tendenz manifestierte. Der März legte 1,- €/mto zu und settelte bei 195,75 €/mto. Immerhin ist damit die 195,-er-Marke zurückerobert worden. Besser als nichts!

Chinesische Weizenproduktionszahlen aus 2013 zweifelhaft

Es ist abhängig von der statistischen Quelle, die man heranzieht, wie die Produktionszahlen in China aussehen. Besonders das Nationale Statistische Büro Chinas (NBS) steht im Verdacht, nichts weiter als die Propagandamaschinerie der Kommunistischen Partei zu sein. Hier wird die Weizenernte des letzten Jahres mit 131,9 mio Tonnen ausgewiesen (+1,5% zum Vorjahr). Sogar das USDA, selbst nicht frei von Verdächtigungen, mit seinen Zahlen Politik zu betreiben, wagt es in seiner Schätzung nicht, die 122 mio to für China zu überschreiten.
 
Nichtsdestotrotz klammert man sich im Reich der Mitte hartnäckig an die Behauptung, über 130 mio to geerntet zu haben. Seit der Ernte im letzten Jahr sind die Weizenpreise in China etwa 4% angestiegen. Die Mehlpreise sind demgegenüber weniger stark gestiegen, und die Nachfrage aus dem Futtermittelsektor ist klar rückläufig. Da stellt man sich doch die Frage, wie die Weizenpreise in China trotz einer angeblichen Rekordernte und gleichzeitig nachlassender Nachfrage ansteigen können, oder?

Mais unentschlossen

Der Märzmais am CBoT verlor gestern 1 ½ cts/bu und schloss bei 4,41 ½ US$/bu. Mais hatte offenbar nicht ausreichend Munition, um der positiven Vorgabe aus Richtung Weizen folgen zu können. Der Handel hofft entsprechend der USDA-Einschätzung auf anziehende Exporte, befürchtet aber, dass diese ausbleiben. Man will einfach handfeste Beweise angesichts der ungelösten Exportproblematik (GMO) mit China sehen.
 
Die wöchentlichen Exportinspektionen der USA beim Mais lagen am Montag bei 695,1 mio Scheffel, was als milde bullisch zu bezeichnen war. Conab bezifferte gestern die brasilianische Maisernte auf 75,47 mio to, unterhalb der letzten Prognose von 78,97 mio to. Das USDA hatte am Montag „nur“ 70 mio to ausgewiesen. An der Matif verlor der Märztermin 1,25 €/mto und schloss bei 173,50 €/mto.

Kartoffel wirkt weiter sauertöpfisch

Der Veredelungserdapfel an der Eurex verlor bei einem Gesamtumsatz von 86 Kontrakten im Märztermin weitere 0,10 €/dt und schloss bei 12,40 €/dt. Der Kassamarkt bestätigte die schwächere Tendenz. Das Mastschwein konnte im März bei 1,505 €/kg umgesetzt werden; Schluss: 1,508 €/kg. Im weißen Sortiment schaffte das Magermilchpulver 8 Kontrakte Umsatz. Hiervon entfielen 6 auf den Maitermin 2014, der mit einem Minus von 33,- €/to bei 3067,- €/to settelte. Die Butter konnte mit insgesamt 30 Kontrakten und gemischter Preistendenz auftrumpfen. Im März, April und Mai settelte man in gut nachbarschaftlicher Manier gemeinsam bei 3490,- €/to.

Zucker zwiespältig bewertet

Der tiefe Riss, der durch den Zuckermarkt geht und gestern Gegenstand einer Marktkommentierung bei Bloomberg war, ist nicht neu. Die einen sind auf den zweifelsohne bestehenden Angebotsüberhang fokussiert und sehen die internationalen Preise infolgedessen strukturell schwächer. Die anderen trauen wenigstens kurzfristig dem Zucker zu anzusteigen. Die zu trockenen Bedingungen im Zentrum Brasiliens werden nicht ohne Berechtigung von den Bullen als Argument ins Feld geführt. Allerdings soll es ab dem kommenden Wochenende größere Regenmengen in Brasilien geben. Eine Umfrage auf der internationalen Zuckerkonferenz von Kingsmann SA förderte kein eindeutiges Expertenergebnis zutage. Von den 28 Befragten waren 13 tendenziell bullisch, 12 tendenziell bärisch und 3 standen der Situation neutral gegenüber. Typisches Expertenumfrageergebnis! In London verlor der Weißzucker im Märztermin 0,10 $/to und schloss bei 438,80 $/to.

Dax von Janet Yellen angestachelt

Auch ohne die Rednerei von Janet Yellen gehört zu haben, war es gestern dem DAX möglich anzusteigen. Als die Uhr auf dem Frankfurter Parkett Zwölfe schlug und zum Mittagessen rief, hatte das deutsche Aktienbarometer bereits über 100 Zähler draufgepackt und die 9400er-Marke durchstoßen. Am Abend versprach dann die neue Notenbankchefin in ihrer Rede Kontinuität in der Geldpolitik, was zu erwarten war. Mehr als ein "Weiter so" fiel Janet Yellen nicht ein.
 
Man wird also in der FED mit neuem Personal an den alten Irrtümern festhalten und sein unvernünftiges Wesen weiter treiben. Wenigstens gab sie indirekt zu, dass sämtliche Gelddruckorgien zu keiner wesentlichen Erhöhung des Beschäftigungsgrades geführt haben. Wie auch? Das eine hat mit dem anderen ungefähr so viel zu tun wie eine Klospülung mit den metaphorischen Techniken in einer Parabel von Franz Kafka. Janet Yellen wird Ben Bernake sicherlich bald den Rang als GröGaZ (Größter Gelddrucker aller Zeiten) abgelaufen haben.
 
Entlang des Rheins regieren bald die Narren für wenige Tage das Geschehen, in den Notenbanken währt ihre Regentschaft nun schon 100 Jahre! Das hat zweifelsohne karnevaleske Züge. Am Ende des Handelstages obsiegten die vom naiven Optimismus narkotisierten Bullen, und der DAX schraubte sich 188,91 Punkte nach oben, um bei 9478,77 Zählern zu schließen.
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