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Börsentelegramm

Agrarmärkte in Übersee starten freundlich

von , am
19.02.2014

Der Raps konnte an der Matif 2,25 Euro zulegen auf 378,75 Euro je Tonne. © Mühlhausen/landpixel
Nachdem die Börsenwoche in den USA erst gestern eröffnete, konnten sich die Notierungen am CBoT in die Höhe schrauben. Weizen führte den Tross auf prozentualer Basis an, dicht gefolgt vom Sojasektor. Mais lief mit immerhin noch 1%igem Zugewinn hinterher.
 
Den glanzvollen Tagessieg aber trugen die Kaffeenotierungen davon, die fast 10% ansteigen konnten. Orangensaft und Kakao büßten leicht ein. Im energetischen Bereich zogen die Rohölnotierungen nach oben; Finanzmärkte waren eher schwach.

Bohne kommt bullisch aus dem Wochenende

Der Sojakomplex am CBoT war zum verspäteten US-Wochenauftakt vollumfänglich bullisch. Nicht nur die Bohne, sondern auch beide Produktkomponenten (Öl und Schrot) zeigten sich von ihrer freundlichen Seite. Die Bohne legte am Tagesende23 ½ cts/bu zu und settelte im März bei 13,61 $/bu. AgRural nahm seine Ertragserwartung für Brasilien etwas zurück und bezifferte diese nun auf 87 mio to (88,7 zuvor). Das USDA hatte in seinem letzten Report 90,0 mio to für Brasilien ausgewiesen.
 
Bislang sind keine weiteren Stornierungen seitens der Chinesen publik geworden, und in brasilianischen Häfen wird rege verladen, um den Weltmarkt (hauptsächlich China) zu beliefern. Dennoch ist es gelungen, den Fokus der Aufmerksamkeit für die Preisbildung der Bohne am CBoT auf die knappe alterntige Situation in den USA gerichtet zu halten. Man schert sich in Chicago derzeit wenig, um das internationale Sojaumfeld bzw. ist nur willens, sich die bullischen Komponenten heraus zu picken. Zuvorderst stehen hier die knallefesten Schrotnotierungen, die nun auch noch von steigenden Pflanzenölnotierungen flankiert werden, um gemeinschaftlich den Ausgangsrohstoff zu stützen.
 
Der US-Ölmühlenverband bezifferte die Bohnenverarbeitung im Januar auf 156,9 mio Scheffel, was unterhalb der Erwartung von 162,4 mio Scheffel lag. Diesem bärischen Einfluss wurde aber ein entsprechend bullischer gegenüber gestellt, denn die wöchentlichen Exportinspektionen lagen bei 1,47 mio to.
 
Die prekäre Situation in der Rapssaat hält an. Aufgrund logistischer Unmöglichkeiten in Kanada und stärkerer Konkurrenz um die australische Saat ist es derzeit nicht möglich, die Versorgungslücken ohne festere Preise zu stopfen. Wer Menge haben will, muss zahlen! Das war zum wiederholten Male Tenor im europäischen Rapsmarkt. Hier und da gab es Paritäten, die sich vom allgemeinen Festigkeitstrend abzukoppeln versuchten, mussten aber schließlich die Aussichtslosigkeit ihres Vorhabens einsehen und entsprechende Prämien berappen. Erst gegen Ende des Pariser Handelstages kamen die Rapsnotierungen an der Matif unter Druck und drehten ins Negative. Man schloss im Maitermin 1,- € schwächer bei 387,25 €/mto. Damit bleibt der Aufwärtstrend weiter intakt!

Weizen übernimmt das Zepter

In der gestrigen Sitzung am CBoT konnte der Weizen die Preisherrschaft an sich reißen und legte im Märztermin satte 13 ½ cts/bu zu. Der Schlusskurs lag bei 6,12 US$/bu glatt (Märzkontrakt). Damit ist die 6,- US$/bu-Marke wieder zurückerobert und ganz nebenbei handelte man für das Jahr 2014 auf dem bislang höchsten Niveau. Offensichtlich ist der ein oder andere Fond in den USA etwas von der Entwicklung überrascht worden und begrenzte durch Shortcovering sein Risiko im Weizen. Die wöchentlichen Exportinspektionnen beim Weizen lagen in den USA bei müden 266,5 tsd Tonnen. Im internationalen Markt wurde die übliche Laufkundschaft mit unspektakulären Mengen bedient. Kein Grund, uns an dieser Stelle aufhorchen zu lassen.
 
Der Matif war es gestern nicht mehr möglich die Chicagoer Zugewinne vollumfänglich einzupreisen, weil man bereits geschlossen hatte. Ohne den überseeischen Schlusskurs zu wissen, war man nicht willens und/oder fähig, im vorderen Märztermin die 200,-er Marke anzugreifen. Trotzdem legte man 0,75 €/mto zu und settelte bei genau 199,- €/mto.

Mais mit mühsamer Gefolgschaft

Die Maisnotierungen am CBoT waren gestern zwar nicht unbedingt eine Spaßbremse, aber doch die schwächste Komponente im pflanzlichen Agrarsegment. Der Märztermin legte 4 ¼ cts/bu zu und settelte bei 4,49 ½ cts/bu. Das Preisniveau wurde seitens der Landwirtschaft zum Optionshedging auf dem 4,40er Strikepreisniveau genutzt, um Protektion gegen den Flächenbericht Ende März zu haben. Die Fonds haben auf Nettobasis betrachtet, ihre ehemalige Shortposition eingedeckt und stehen nun mit einer kleinen Longposition im Markt.
 
Die Witterungsbedingungen an vielen Plätzen der Welt haben zu logistischen Engpässen geführt, die die Preise in den Zuschussgebieten anziehen lassen. Man bekommt einfach seine benötigten Mengen nicht aus dem Markt. Das gilt in abgeschwächtem Maße nun auch für den Mais. Die us-amerikanischen Exportinspektionen lagen bei 827,1 tsd Tonnen. Libyen tauchte im internationalen Marktgeschehen auf und steckte sich 30 tsd Tonnen Mais aus der Schwarzmeerregion ein. Angesichts der relativ geringen Menge von nur 30 tsd to ging die Nachricht sang- und klanglos im Markt unter, ohne das auch nur die Spur eines Preisimpulses gesetzt werden konnte.
 
An der Matif setzten die neuerntigen Maisnotierungen zu einem Freudensprung an, aber alterntig reichte es nur zu relativ geringen Zugewinnen im Junitermin. Ein Plus von 0,50 € (178,25 €).

Kartoffel mit Stabilisierungstendenz

Nach den üppigen Verlusten der letzten Handelstage konnte sich der Veredelungserdapfel an der Eurex gestern etwas fangen. Bei einem Umsatz von insgesamt 183 Kontrakten legte der vordere Apriltermin 2014 0,10 €/dt zu und settelte bei 11,20 €/dt. Der Junitermin schloss bei 13,0 €/dt. Vom Kassamarkt kommen gemischte Signale. Vereinzelt wurde von gedrosselter Verarbeitung gesprochen und Preise für Frittenware zurück genommen.
 
Andere Marktteilnehmer unterließen es nicht, darauf hinzuweisen, dass die Kampagne noch nicht beendet sei und die bislang nicht vertragsgebundene Ware nicht viel benötige, um noch einmal stark ansteigen zu können. Man hofft hier auf Exporte nach Osteuropa. Sollten diese auf den Markt treffen, so lautet der einhellige Tenor, wird es noch einmal richtig dicke Preise geben. Aber niemand wollte seine Hand dafür ins Feuer legen, dass zum Kampagnenabschluss noch einmal Exportinteresse aufflackert.
 
Das Mastschwein freute sich über drei Kontrakte Umsatz. Im April wurde einer bei 1,550 €/kg gehandelt und im Maitermin zwei bei 1,600 €/kg. Die juvenile Version des Mastschweins blieb umsatzlos.

Dax unverändert

In der Nacht war der Nikkei Index in Japan über 3% angestiegen, weil die japanische Notenbank (BoJ) ihre so verzweifelten wie vergebliche Versuche, die Wirtschaft des Landes auf Vordermann zu bringen, ein weiteres Mal intensivierte. Die Kreditvergabe an den Bankensektor wurde erneut voran getrieben. Die Nutznießer sind wie üblich die Anleger, die sich über weiteren Billiggeldfluss an die Börsen freuten und entsprechend reagierten. Die Liquiditätsparty ging weiter, und der Index verzeichnete den größten Tageszuwachs seit August letzten Jahres.
 
In Europa frohlockte man ob derartiger Steilvorlagen, getraute sich aber nicht, mit entsprechender Überzeugung in den deutschen Aktienmarkt hinein. Das Resultat war ein DAX, der noch am frühen Nachmittag um den Vortagesschlusskurs herumschlich. Der ZEW-Index, ein Indikator für die Stimmungslage in der Wirtschaft, ist im Februar überraschend 6 Punkte eingebrochen und steht nun bei 55,7 Punkten. Die viel zu optimistischen Prognosen, die uns Jahr für Jahr von politischer Seite zu Beginn eines jeden Jahres serviert werden, dürften alsbald von der Realität in die Knie gezwungen werden.
 
Kleinlaute Anpassungen seitens der Wirtschaftsforschungsinstitute für das laufende Jahr 2014 sind bereits vorprogrammiert. Am Ende des Tages stand ein winziges Plus von 3,02 Punkten im Dax, Schluss: 9659,78 Zähler.

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