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Börsentelegramm

Agrarmärkte überwiegend im Minus

von , am
17.12.2014

Bis auf Weizen waren gestern alle Agrarwaren im Minus

© landpixel
 
Bis auf Weizen waren gestern alle Agrarwaren im Minus. Am CBoT musste die Bohne ihre Aufwärtsambitionen endgültig begraben und einräumen, dass ein Preis oberhalb des 10,50 US$-Levels zu hoch ist. Beim Mais wurden nach den ordentlichen Zugewinnen der letzten Zeit Gewinne mitgenommen, sodass auch hier Preisdruck entstand. Im Weizen stützten die Spekulationen über Russland die Preise. Spät am gestrigen Abend ließ man dann die Katze aus dem Sack.
 
Sojabohne: Schrot erweist sich als Belastungsfaktor
Die Januarbohne verlor am zweiten Handelstag der Woche weitere 16 cts/bu und schloss bei 10,23 ½ US$/bu. Der entscheidende Faktor für die Sojabohne waren die fallenden Schrotkurse. Die Südamerikaner sind in der Lage, den USA Konkurrenz auf dem internationalen Markt zu machen, sodass man einen leichten Rückgang der US-Exporttätigkeit konstatieren muss. Das gefiel dem Markt an der Chicagoer Börse überhaupt nicht, und man trennte sich von Longpositionen im Schrot.
 
Die Sojabohne ist aufgrund der exzellenten US-Ernte und den außergewöhnlich guten Bedingungen, die derzeit in Südamerika herrschen, Kandidatin Nummer eins, die alten Tiefs zu testen. Dass dies bislang nicht geschah, ist einzig und allein der stützenden Wirkung des Sojaschrotes zu verdanken gewesen. Wenn diese Stütze nun weg brechen sollte, dann wird die Bohne weiter in Richtung Süden marschieren. Bullische Wetterargumente aus Südamerika werden derzeit keine geliefert, die in der Lage wären, den Einfluss fallender Schrotpreise abzuwehren.
 
Die Bohne ist heute Morgen erneut in den roten Zahlen und lässt sich von der Meldung von gestern Abend nicht mehr im mindesten beeindrucken. Die Rapsnotierungen an der Matif waren rückläufig. Die 200-Tagelienie hat es nicht geschafft, sich als ernst zu nehmende Unterstützung zu etablieren. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass charttechnisch das zerronnen ist, war vorher gewonnen war. Der Februar schloss bei 344,- €. Ein Minus von 4,-€.
 
Weizen schließt weit von seinen Hochs weg
Der Märzweizen legte gestern 3 ¼ cts/bu zu und schloss bei 6,21 US$/bu glatt. Die Tageshochs hatten deutlich über dem Schlusskurs gelegen, man war aber nicht imstande, diese auch über die Ziellinie zu retten. Der Hauptgrund für die Zugewinne war nach wie vor die Unsicherheit über den weiteren Fortgang der russischen Exporte. Der abstürzende Rubel (siehe unten) hat eine geldseitige Preisauftriebsrate in Russland hervorgebracht, die die Regierung zum Handeln zwingt. Um weitere Preissteigerungen bei Grundnahrungsmitteln zu verhindern, hat man nun für einige Länder die Tür zum russischen Weizenmarkt geschlossen.
 
Weiterhin erlaubt, sind Exporte nach Ägypten, in die Türkei und nach Armenien. Obwohl derzeit noch Unklarheit über Einzelheiten herrscht, darf man wohl sagen, dass der Rest vor unüberwindbare administrative Hindernisse gestellt wurde. Wir müssen befürchten bzw. dürfen hoffen, dass bereits in Russland gekaufte Ware ihren Weg nicht mehr über die Landesgrenze finden wird.
 
Wie viel Ware neu eingekauft werden muss, und wie viel Nachfrage sich auf die EU richten wird, ist fraglich und muss abgewartet werden. Die internationalen Handelshäuser dürften hierüber besser im Bilde sein als sämtliche Nachrichtenagenturen zusammen. Vielleicht ist das gar nicht mehr viel Menge, denn der Markt hat gestern in Chicago recht schwach geschlossen und ist heute morgen in der Nachtsitzung erneut in den roten Zahlen. An der Matif ging´s deutlich nach oben. Der Märztermin legte 4,- € drauf und schloss bei 195,75 €.
 
Mais dreht ins Minus
Der Märzmais am CBoT büßte gestern 2 ½ cts/bu ein und settelte bei 4,06 US$/bu. Die Maisnotierungen in Übersee konnten sich nicht an die Vorgaben der festen Weizenpreise klammern. Gewinnmitnahmen belasteten den Markt und zwangen die Preise ins negative Terrain. Auf der Habenseite darf aber verbucht werden, dass der Markt imstande war, die Marke von 4,- $/bu zu halten. Dieses Level hatte man jüngst erobert und den dort liegenden Widerstand beseitigt. Der Markt vermittelt den Eindruck, als wolle er den Bären diese Marke nicht kampflos zurückgeben.
 
Unterstützt wurden die gestrigen Gewinnmitnahmen am CBoT durch einen schwächeren Kassamarkt in den USA. Die Farmer haben nämlich vernünftigerweise den Preisaufschwung zur Vermarktung genutzt. Zahlreiche Firmen und Terminals meldeten heftiges Abgabeinteresse aus der Landwirtschaft. Im internationalen Markt starteten die Südkoreaner einen ihrer wöchentlichen Tender. Diesmal standen 280 tsd Tonnen Mais optionaler Herkunft auf Platz eins der Liste der Begehrlichkeiten. An der Matif legte man nach und trieb den Preis in Richtung 170,- €-Marke. Der Junitermin verzeichnete hier auch sein Hoch. Der Schlusskurs lag mit 169,25 € jedoch etwas darunter..

Zucker verliert an Süße
Die Zuckerpreise sind gestern deutlicher eingebrochen als man erwartet hatte. In New York hat der Märztermin den Durchbruch durch die Marke von 15 cts/Pfund bestätigt. Man verlor weitere 25 Punkte und schloss bei 14,71 cts/Pfund. Der abstürzende Ölpreis dürfte einen der Hauptgründe darstellen, denn der Rest an preispessimistischen Nachrichten, die aus dem Zucker selbst kamen, war bereits bekannt. Es bleibt nicht mehr als an dieser Stelle festzuhalten, dass der Abwärtstrend voll intakt ist.
 
Eurex: Kartoffel ohne Leben
Die Kartoffel an der Eurex rührt sich im Kern nicht vom Fleck. Die Preisschwankungen der letzten Zeit hatten reinen Alibicharakter und vermochten die gegenwärtige Lage nicht zu verändern. Gestern legte die Kartoffel im Apriltermin 0,10 €/dt zu und schloss bei 4,80 €/dt. Der Gesamtumsatz betrug lediglich 59 Kontrakte, und am Kassamarkt herrschte die bekannte Stille. Der Schweinebereich blieb seiner umsatzlosen Tradition treu. Die Milchprodukte brachten auch nicht viel mehr zustande. Wenigstens konnte die Butter mit 15 Kontrakten glänzen. Hier schloss der Maitermin 2015 bei 2800,- €/Tonne.
 
Robert Theis @hjkiefer.de>
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