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Börsentelegramm

Agrarmärkte uneinheitlich

von , am
26.08.2014

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© Torbz/fotolia.de
Da haben sich die Sojabohnenpreise wochenlang gegen einen Durchbruch durch die Marke von 10,40 gewehrt, aber nun ist es passiert. Gestern büßte der Novembertermin am CBoT 14 ¾ Cent je Bushel (cts/bu) ein und settelte bei 10,28 ¾ US Dollar/bu. Die guten Ertragsaussichten in den USA befeuern die saisonale Schwäche in der Bohne. Es gibt momentan keinen Strohhalm, an den man sich klammern könnte. Ein Hinweis auf spätere starke Nachfrage ist zur Zeit völlig vergebens, weil der Markt hierfür nicht zugänglich ist. Man handelt das, was ist und nicht das, was sein wird. Jeder Versuch, sich diesem Trend entgegen zu stellen, wäre blanker Selbstmord. Man muss akzeptieren, dass der Urteilshorizont des Marktes zu dieser Zeit extrem kurz ist, und versuchen, das für sich auszunutzen. Deshalb werden für in den nächsten Wochen in der Landwirtsausgabe des Börsentelegramms nicht die Sojabohne, sondern das Sojaschrot im Fokus haben. Wir verfolgen hierbei die Absicht, für Vieh haltende einen günstigen Zeitpunkt für längerfristige Sojaschrotkontrakte zu finden.
 
Mit nur 144,1 Tausend (tsd) Tonnen lagen die wöchentlichen Exportinspektionen auf einem enttäuschenden Niveau. Dass man aber am Ende der Kampagne wegen Mangels an Ware nicht mehr viel würde exportieren können, sollte niemanden überraschen. Streng genommen kann man hierin auch einen sehr bullischen Faktor erblicken, denn er stellt das Abbild der extremen alterntigen Knappheit dar. Das Problem ist aber, dass die preisliche Messe der alterntigen Bohne gelesen ist und nur noch wenige Kassamarktprofis unterwegs sind. Nachbörslich legte das USDA noch die Crop Ratings vor und bonitierte 70 Prozent (%) aller US-Bohnenbestände mit gut bis exzellent. Das war 1 % weniger als in der Vorwoche. Raps gab gestern seinen Widerstand gegen fallende Sojakurse auf und orientierte sich ebenfalls nach unten. Der November verlor 3,50 Euro/mto. Der Schlusskurs lag bei 321,50 Euro/mto.

Weizen gibt klein bei

Der Dezemberweizen am CBoT büßte gestern 4 ¼ cts/bu ein und settelte bei 5,55 ½ US$/bu. Russische Panzerwagen haben gestern Morgen die Grenze zur Ukraine hin überschritten, was die Weizennotierungen nach oben brachte. Die Sensibilität des Weizenmarktes diesen Entwicklungen gegenüber ist gerechtfertigt. In der Schwarzmeerregion liegen die derzeit wichtigsten Lieferanten für den weltweiten Weizenmarkt. Das gegenwärtig als niedrig empfundene Preisniveau basiert vollumfänglich auf der Annahme, dass die dortigen sehr guten Weizenernten auch in entsprechenden Mengen auf den Markt kommen. Andernfalls läge eine sofortige Knappheitssituation vor, und die europäische Ware würde augenblicklich in den Fokus der internationalen Nachfrage rücken. Am späten Nachmittag entspannte sich die Lage wieder.
 
An der Matif kam Druck auf, der durch fallende Preise aus Übersee bestätigt wurde. Die wöchentlichen US-Exportinspektionen lagen im Weizen bei 558,1 tsd Tonnen, was nicht genug war, um sich dem Abwärtstrend entgegen zu stemmen. Mittlerweile ist der US-Sommerweizen zu knapp einem Drittel geerntet. Die Bonitierung veranschlagte das USDA mit 66 % gut bis exzellent, was 2 % unterhalb der Vorwoche lag. Alles in allem keine wirklich relevanten Veränderungen.
 
MARS veranschlagte den durchschnittlichen europäischen Weizenertrag auf 5,85 Tonnen je Hektar (to/ha). Zuvor ging man in Brüssel noch von 5,80 to/ha aus. Im internationalen Geschehen gab es neben den politischen Spannungen in der Ukraine nicht viel zu sehen. Erst am Abend meldeten sich die Ägypter zu Wort und starteten Einkaufstender über mindestens 120 tsd Tonnen Weizen. Die erlaubten Herkünfte sind breit gefächert, sodass praktisch jeder zum Zuge kommen könnte. Der billigste wird wohl das Rennen machen. An der Matif schmolzen die hübschen Zugewinne wieder dahin, und der Markt driftete südwärts. Im November blieb schließlich ein kleines Minus von 0,25 Euro/mto stehen. Schlusskurs: 173,50 Euro/mto.

Mais hält Ertragsaussichten nicht stand

Am CBoT verlor der Dezembermais gestern 4 ½ cts/bu und settelte bei 3,67 ¾ US Dollar/bu. Die guten Ertragsaussichten der USA lasten nach wie vor auf dem Markt und spielen in der Preisbildung die erste Geige. Da halfen auch keine Exportnachrichten. Die Amerikaner vermeldeten zu Wochenauftakt recht gutes Exportgeschäft. Man verkaufte 120 tsd Tonnen Mais nach Kolumbien und 113,7 tsd Tonnen nach Costa Rica. Besonders die Kolumbianer sind nun zum wiederholten Male in relativ kurzer Zeit als Käufer guter Maismengen aufgefallen. Darüber hinaus berichtete das USDA von wöchentlichen US-Exportinspektionen in Höhe von 1,09 mio Tonnen. Das war zwar ganz hübsch anzusehen, aber auch nicht wirklich bullisch, sodass die Meldung in der Preisbildung wirkungslos verpuffte.
 
Aus Südafrika kamen ebenfalls Zahlen. Die Maisbestände Ende Juli beliefen sich auf 8,55 mio Tonnen und die Exporte bis zu diesem Zeitpunkt bezifferte man mit 837,7 tsd Tonnen. Insgesamt stellten diese Zahlen keinen preisbildnerischen Einfluss dar. Sie wurden vom Markt zur Kenntnis genommen, um anschließend geistig geknickt, gelocht und abgeheftet zu werden. Als der Markt seine Pforten in Übersee bereits geschlossen hatte, kam das USDA noch mit den Crop Ratings heraus und bonitierte 73 % alles US-Maisbestände mit gut bis exzellent. Das war ein Plus von einem Prozent zur Vorwoche. Mit andern Worten, der pflanzenbauliche Zustand der Bestände ist weiterhin grandios und verheißt "verdammt gute" Erträge. Das meteorologische Analyseinstitut der europäischen Kommission (MARS) hat gestern eine Ertragsschätzung veröffentlicht. Man sieht die europäischen Maiserträge bei guten 7,53 to/ha. Das wären satte 11,8 % mehr als in 2013 und 11,1 % über dem fünfjährigen Durchschnitt.
 
Die üppige europäische Maisernte soll die ohnehin komfortable Weltmaisbilanz weiter füllen und demzufolge für Preisdruck sorgen. So zumindest die Einlassung der Brüsseler Schätzer. Gleichzeitig sieht man aber der ukrainischen Körnermaisernte weniger optimistisch entgegen, denn die Erträge wurden hier nur mit 5,67 to/ha veranschlagt. Das wäre ein Minus von über 11% zum Vorjahr. Die Trockenperiode nach der Blüte und zu Beginn der Kornfüllphase habe die Abwärtskorrektur nötig gemacht, hieß es aus Brüssel. An der Matif verlor der November 0,75 Euro und settelte bei 152,-Euro/mto.

Eurex-Kartoffel zeigt guten Willen, überzeugt aber nicht

Die Kartoffelnotierungen an der Eurex waren bereits am Freitag der letzen Woche leicht angestiegen. Gestern legten sie nach und starteten sehr freundlich in die neue Woche. Nach dem Eröffnungskurssprung kam aber nichts mehr nach und so trudelte man mit halber Kraft dahin. Bei einem relativ mageren Volumen von 87 Kontrakten schaffte der Apriltermin 2015 gerade noch ein Plus von 0,10 Euro und settelte bei 7,40 Euro/dt. Abgesehen von einem kurzen Durchbruch von vor zwei Wochen dürfen wir festhalten, dass die Marke von 7,- Euro/dt bislang gehalten hat.
 
Im tierischen Segment gab es weder Schweinereien noch Ferkeleien zu beobachten. Beide Märkte blieben ohne Umsatz. Wäre die Butter nicht gewesen, hätte das weiße Segment das gleiche Schicksal ereilt. Der vordere Augusttermin schaffte aber 12 Kontrakte und settelte bei 3.180,- Euro/to.

Zucker: Indonesien passt Prognose an

Indonesien hat seine Zuckerproduktion für das laufende Jahr nach unten korrigiert. Ging man zuerst noch von 2,5 Millionen (mio) Tonnen Weißzucker aus, lag die neue Schätzung gestern nur noch bei 2,3 mio Tonnen. Entsprechend größer sollen nun die Importe ausfallen. In der Statistik werden diese mit 2,9 mio Tonnen ausgewiesen. An der New Yorker Börse stürzten die Notierungen gestern erneut ab und markierten ein neues Tief für den Abwärtstrend. Der Oktobertermin verlor 28 Punkte und settelte bei 15,36 cts/Pfund.

DAX fest

Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist zu Wochenauftakt zum vierten Mal in Folge gesunken und hat einmal mehr eine Diskussion darüber ausgelöst, was für die Börse denn nun von wirklicher Relevanz ist. Einerseits sieht man die schlechte wirtschaftliche Lage in Europa, die dank der Sanktionen gegen Russland nun auch auf Deutschland überspringt, andererseits war da die Rede Mario Draghis beim Notenbankertreffen in den USA. Hier sprach der Falschmünzer Draghi von der Aufgabe des Sparkurses in Europa und weiterer Stimulation der Wirtschaft in Südeuropa. Italien ist vollständig bankrott, Griechenland sowieso und in Frankreich platzt die Regierung wegen eines Richtungsstreits der Politik. Es steht zu befürchten, dass alsbald in Brüssel der totale Verschuldungskrieg ausgerufen wird, um Europa zu "retten". Wenn sich Deutschland hiervon nicht bald unabhängig erklärt und entsprechende Maßnahmen ergreift, gehen wir alle unter.
 
Die Börse hat´s jedenfalls erst einmal gefreut, denn Draghi hat weitere hunderte von Milliarden in Aussicht gestellt, die hübsch in die Privatschatullen der staatsnahen Zirkel fließen werden. Eine wirtschaftliche Erholung ist die letzten sechs Jahre ausgeblieben und wird auch weiterhin ausbleiben. Das Gerede hierüber ist nur dummes propagandistisches Geschwätz. Die sogenannten Wirtschaftswissenschaftler, die in diesen Narrenchor einstimmen, sollten öffentlich wegen groben Verstoßes gegen den gesunden Menschenverstand gehängt werden. Der DAX war von der Gelddruckorgie mehr angetan als von sämtlichen miesen Wirtschaftsdaten. Infolgedessen marschierte er nach oben. Die einzige Ausnahme stellte die Lufthansaaktie dar, denn ein Pilotenstreik belastet die Ertragsaussichten. 170 Punkte ging´s rauf und der Index schloss bei 9510,14 Zählern.

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