Login
Börsentelegramm

Agrarmärkte uneinheitlich

von , am
23.12.2014

Die Agrarmärkte wiesen gestern keine gemeinsame Linie auf.

An der CBoT haben sich für den Weizen alle Gewinne der Vortage wieder in Luft aufgelöst. © landpixel
 
Die Agrarmärkte wiesen gestern keine gemeinsame Linie auf. Ein Indiz dafür, dass man von äußeren Einflüssen verschont blieb und sich auf sich selbst konzentrieren konnte. An der Chicagoer Börse büßte Weizen ein. Gewinnmitnahmen waren hierfür die Ursache. Die Sojabohne und der Mais konnten aufgrund guter Exportzahlen die entgegen gesetzte Richtung einschlagen. Die Zugewinne hielten sich aber in überschaubaren Grenzen.
 
Sojabohne profitiert von üppigen Exporten
Die Märzbohne legte gestern 6 cts/bu zu und settelte bei 10,44 ½ US$/bu. Das Märzschrot schaffte ein Plus von 4,10 US$/shttn und schloss bei 356,10 US$. Es gab für die Bohne zuerst keinen Grund, sich nach oben zu orientieren, sodass ihre anfängliche Tendenz abwärts gerichtet war. Als die wöchentlichen Exportinspektionen der USA in Höhe von 2,234 mio Tonnen gemeldet wurden, drehte sie ins Plus. Diese Exporte lagen über den Erwartungen und deutlich oberhalb der letztwöchigen 1,88 mio to. Flankiert wurden die Zugewinne noch durch feste Schrotnotierungen. Die Sojaölpreise spielten indes nicht mit. Hier gab es Abschläge zu verdauen.
 
In Südamerika wollen sich die exzellenten Witterungsbedingungen nicht zum schlechteren drehen. Nach Brasilien bekamen nun auch die Argentinier guten Regen. Die pflanzenbauliche Lage in Südamerika kann bzw. muss weiterhin als hervorragend beschrieben werden. Zudem beendeten die Arbeiter im Hafen von Rosario (Argentinien) übers Wochenende ihren Streik, sodass die Verladung der physischen Ware ungehindert weitergehen kann. Die Rapsnotierungen an der Matif neigten in ähnlichem Umfang zur Festigkeit. Im Februar legte man 1,25 €/mto zu und schloss bei 350,50 €/mto.
 
Weizen kann Gewinne nicht halten
Die Märznotierungen des CBoT-Weizens büßten gestern 6 ½ cts/bu ein und settelten bei 6,24 ¾ $/bu. Die Russen kündigten gestern Vormittag an, Exportzölle für Getreide zu erheben. Damit bekommt die bislang diffuse Absicht der Russen, Getreide im eigenen Land zu halten, eine messerscharfe Kontur. Man kündigte seitens der Regierung an, binnen 24 h einen Exportzoll auf Getreide in Kraft setzen zu wollen. Diesbezüglich herrschte rasch Einigkeit zwischen Agrarministerium und Ministerpräsidenten. Mit Bekanntwerden dieser Nachricht drehten die globalen Weizennotierungen ins Plus. Das Geschäft über 300 tsd to übers Wochenende hatte zuvor bereits die Matif unterstützt.
 
Die wöchentlichen Exportinspektionen der USA lagen bei 442,0 tsd Tonnen und fielen damit unspektakulär aus. Dies war nicht dazu geeignet, den bullischen russischen Nachrichten weiteren Nachdruck zu verleihen. Da die Anschlusskäufe ausblieben, drehte der überseeische Markt schließlich ins Minus. Die hiesigen Preise folgten erst einmal mit angezogener Handbremse in Richtung Süden. Dies sollte sich aber später wieder umkehren. AgroConsult bezifferte die kumulierten ukrainischen Weizenexporte in der laufenden Kampagne mit 9 mio to. Damit liegt man etwa zweieinhalb Prozent hinter dem vorangegangen Zyklus zurück.
 
Die Ausfuhrbeschränkungen Russlands sollten aber sowohl den europäischen als auch den ukrainischen Export fördern. Wie bereits im gestrigen Börsentelegramm berichtet haben sich die Ägypter übers Wochenende insgesamt 300 tsd Tonnen Weizen gesichert (240 tsd to aus Frankreich und 60 tsd to aus Russland). Am Nil vertrat man im Zuge des Weizentenders die Meinung, dass man nunmehr bis Ende April versorgt sei. Hierzu mag sich jeder seine eigenen Gedanken machen. Der Märztermin schloss in Paris bei exakt 200,- €. Das war ein Plus von 2,75 €/mto.
 
Mais erreicht 5-Monatshoch
Der Märztermin am CBoT schaffte gestern einen Zugewinn von 1 ¼ cts/bu und settelte bei 4,11 ¾ $. Die wöchentlichen Exportinspektionen der USA lagen bei 790,4 tsd Tonnen und lagen in dieser Höhe über den Erwartungen. Zusätzlich meldeten US-Exporteure gestern den Verkauf von 166,6 tsd Tonnen Mais aus der laufenden Saison an eine nicht näher spezifizierte Destination. Das war ausreichend, um dem Mais genügend Stärke zu verleihen, den sinkenden Weizenpreise Paroli bieten zu können.
 
Die Zulassung der Chinesen der umstrittenen Gensorte Viptera Agrisure nährt darüber hinaus die Hoffnung auf weitere starke US-Maisexporte in Richtung China. Da die Chinesen von nichts genug haben, ist diese Hoffnung mehr als berechtigt. Gestern trafen Zahlen aus Südafrika auf den Maismarkt. Am Kap bezifferte man die Maisbestände zum Zeitpunkt Ende November mit 5,665 mio Tonnen. Ein Monat zuvor betrugen diese ausweislich noch 6,482 mio Tonnen. Die Exporte bis Ende November bezifferten die Südafrikaner auf 1,778 mio Tonnen. An der Matif legten die Maisnotierungen zu und schlossen im Juni bei 168,50 €. Mit diesem Zugewinn rückt die Marke von 170,- € wieder in Sichtweite.
 
Eurex: Kartoffel enttäuscht auf ganzer Linie
Die Veredelungskartoffel an der Eurex begann die neue Woche so wie sie die alte beendete. Mit nur wenigen Umsätzen von 49 Kontrakten verharrte sie auf ihrem gegenwärtigen Billigniveau. Unterm Strich fiel der Apriltermin 2015 um weitere 0,10 €/dt und settelte damit auf seinem bisherigen Kontraktlaufzeittief. Das grunzende Marktsegment blieb bedauerlicherweise zum wiederholten Male ohne Umsatz. Dafür glänzten die Milch bzw. ihre Produkte. Die Butter schaffte im Februartermin immerhin 5 Kontrakte Umsatz. Der Preis betrug 2800,- €/to. Das stellte einen Zuwachs von 12,- € dar.
 
Südkoreaner setzen Geflügelimporte aus
Die Vogelgrippe ist in den verschiedensten Gebieten auf der Welt ausgebrochen. Japan, Deutschland und eine ganze Reihe anderer Orte haben mittlerweile Ausbrüche gemeldet. Bislang ließen sich die Infektionsherde räumlich gut begrenzen, sodass derzeit keine Indizien für einen großflächigen Ausbruch vorliegen. Dennoch ist den Südkoreanern die Lage zu unsicher. Deshalb beschloss man, die Geflügeleinfuhr aus den USA auszusetzen. Schließlich hat man bereits die Maul- und Klauenseuche im Land und möchte weiteres Ungemach verhindern. In Saudi Arabien ist nachrichtlich eine ähnliche Erkrankung unter den Kamelen ausgebrochen. Über den Umfang des Ausbruchs sind aber bislang keine näheren Informationen verfügbar. Saudi Arabien ist ein bedeutender Gerstenimporteur.
 
DAX behauptet Plus
Das deutsche Aktienbarometer verfiel gestern in vorweihnachtliche Stimmung. Die guten Vorgaben aus Übersee verschafften dem DAX ausreichend Kaufinteresse, um die 10000-Punktemarke wieder in Sichtweite rücken zu lassen. Hierzu musste man aber zuerst die 9900-Punktemarke erobern. Streckenweise gelang dies auch, jedoch schien man sich über diesem Niveau nicht richtig wohlzufühlen. Es hatte den Anschein, als hätte der Markt sich die Verpflichtung auferlegt, mit einem Durchstoß durch die 9900 auch sofort die 10000 anzugreifen. Dazu fehlte aber gestern der Mut und so entschloss man sich zum Teilrückzug. Am Ende blieb aber ein Plus von 78,8 Punkten übrig. Der Index schloss bei 9865,76 Zählern
 
Währungen: Ein Abschlussgedanke
Die Sanktionen seitens der EU gegen Russland haben im Verbund mit den stark fallenden Rohölpreisen seit Sommer dieses Jahres der russischen Wirtschaft und damit dem Rubel übel zugesetzt. Zu Beginn der vorangegangenen Woche erreichten die Turbulenzen ihren vorläufigen Höhepunkt, als die russische Zentralbank die Leitzinsen auf 17% anhob und der Rubel eine seiner wildesten Achterbahnfahrten überhaupt hinlegte. Gegen des US$ erreichte die russische Währung ein neues Allzeittief. Das war angesichts der Dramatik des Kursverfalls nicht verwunderlich. Aber der US$ verzeichnete gleichzeitig Abschläge gegen eine ganze Reihe anderer Währungen. Er geriet gegen den Japanischen Yen, den Schweizer Franken und gegen den Euro unter Druck.
 
Was hat das zu bedeuten? Hätten wir vor einem Jahr diese Turbulenzen an den internationalen Devisenmärkten gesehen, wäre der US$ die erste Wahl gewesen und alles hätte nur noch ihn eingekauft, um sich vor Risiken zu schützen. Daneben hatte auch das us-amerikanische Schatzamt Probleme, seine Staatspapiere im Markt unterzubringen. Das Interesse an der Auktion der Schuldtitel hielt sich in überschaubaren Grenzen. Es muss sich also etwas getan haben, das das internationale Verhalten im Kern verändert hat! Der US$ thront nicht mehr als absolutistischer Herrscher im Reich der internationalen Währungen. Auch er hat viele Zacken seiner Krone eingebüßt. Andernfalls hätten wir im Zuge der Rubelturbulenzen ganz andere Entwicklungen sehen müssen.
 
Ist es endlich soweit? Bekommt der US$ endlich das, was er verdient, nämlich internationale Missachtung an allen Fronten? Es sieht jedenfalls ganz danach aus, als vollzöge sich im internationalen Umfeld nunmehr eine kopernikanische Wende in der Wahrnehmung und Bewertung von Währungen. Es wird im kommenden Jahr besonders wichtig werden, diese Entwicklungen nicht aus den Augen zu verlieren, denn sie können rasch in die Rahmenbedingungen der Agrarmärkte eingreifen und die Politik in blinden Aktionismus verfallen lassen.
 
Robert Theis

Auch interessant