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Börsentelegramm

Agrarmärkte uneinheitlich

von , am
09.10.2014

Die Firma Lanworth bezifferte die neue us-amerikanische Maisernte mit 14,647 Mrd. Scheffel. © H.D.Volz/Fotolia.com
Die globalen Agrarmärkte verhielten sich im Hinblick auf den morgigen USDA-Reports uneinheitlich. Am Freitag erwarten wir den Oktoberreport (WASDE) des USDA´s. Im Vorfeld der Prognosen weisen die Vorabschätzungen des Marktes eine weite Streuung auf.
 
Zwischen der besten und der schlechtesten US-Endbestandsschätzung klaffen große Lücken. Das ist darauf zurückzuführen, dass zum momentanen Zeitpunkt die zugrunde liegenden Durchschnittserträge für Mais und Bohne in den USA ebenso weit streuen. Es kursieren die unterschiedlichsten Ertragsannahmen, weil derzeit noch keine wirklich belastbaren und flächendeckenden Ertragsmeldungen vorliegen.

Sojabohne verliert

Die Novemberbohne büßte gestern 6 ¼ cts/bu ein und settelte bei 9,34 ½ US$/bu. Die Shortcoveringrallye in der Bohne zeigte gestern erste zarte Anzeichen abkühlender Leidenschaft. Die große US-Ernte rückte wieder ins Zentrum der Preisbildung und stach die Bullen aus, sodass sich eine abwärtsgerichtete Tagestendenz etablierte. Die Firma Lanworth legte gestern ihre jüngsten Schätzungen auch bzgl. der neuen US-Bohnenernte vor. Man bezifferte diese mit 3,947 Mrd. Scheffel bei einem Durchschnittsertrag von 47,9 Scheffel/Acre. Zuvor hatte Lanworth die neue US-Bohne noch mit 3,88 Mrd. Scheffel und einem Durchschnittsertrag von 47,1 Scheffel/Acre auf dem Zettel. Die Rapsnotierungen gerieten gestern plötzlich unter Druck und verloren 4,- €. Am Ende des Tages stand im November noch ein Minus von 2,75 € und Schlusskurs von 328,- €/mto.
 
Argentinien: Regierung will Farmer zum verkaufen zwingen!
 
Wir hatten an dieser Stelle in der Vergangenheit die Situation in Argentinien hinsichtlich der Verkaufsunwilligkeit der Farmer eindringlich beschrieben und auf die Gründe hingewiesen. Wir müssen dies im einzelnen nicht wiederholen. Wichtig ist, dass die Erwartung einer Unzahl von Marktkommentatoren, dass Argentinien infolge des schwachen Peso nun umso mehr Sojabohnen exportieren würde, von uns richtig widerlegt wurde. Nunmehr hat die Regierung in Argentinien Bereitschaft signalisiert, weitere drastische Schritte einleiten zu wollen, um die Situation in eine wunschgemäße Richtung lenken. Das gemeinsame Merkmal der angedachten Maßnahmen ist staatlicher Zwang. Damit ist man drauf und dran, das Ende der sozialistischen Interventionsspirale zu erreichen. Die Regierung hat wissen lassen, dass die spekulativen Manöver der lagerhaltenden Landwirte nicht nur für das Land schädlich seien, sondern auch für die Farmer selbst. Es ist nachvollziehbar, dass sich die Regierung unzufrieden zeigt, denn es entgehen ihr Einnahmen aus Zöllen und Abgaben. Aus Sicht der Farmer ist das sture Festhalten an der Ware selbstverständlich der richtige und einzig vernünftige Weg, um sich vor der galoppierenden Teuerung zu schützen. Es geschieht im Kern nichts anderes, als dass man den Warenbesitz dem Besitz von stark an Kaufkraft verlierenden Geldes vorzieht.
 
Nun aber greift man staatlicherseits in die Eigentumsrechte der Landwirte ein, und zwingt die diese, den Tausch Ware gegen Geld zu vollziehen. Selbstverständlich kommt es der argentinischen Regierung nicht einmal im Traume in den Sinn, die Situation mit einer Hartwährungspolitik zu lösen. Dann nämlich verkauften die Landwirte automatisch. Es ist nicht zu erwarten, dass seitens der Landwirtschaft die Regierungsmaßnahmen hingenommen werden, sondern dass sich Protest und Widerstand regt.
 
Weizen erhält Festigkeit
 
Der Dezemberweizen am CBoT legte gestern 1 ¾ cts/bu zu und settelte bei 5,08 US$/bu. Anders als in der Bohne setzte sich hier das Shortcovering weiter fort, und die Notierungen konnten ihre Festigkeit weiter ausbauen. Damit ist der Kern gestrigen Handels auch schon beschrieben. Im internationalen Handel machten die Südkoreaner von sich reden. Man buchte gleich eine ganze Latte von Weizenpartien unterschiedlicher Herkünfte. Im einzelnen kaufte man 25,6 tsd Tonnen Weizen aus den USA, 26,2 tsd Tonnen aus Kanada und 81 tsd Tonnen aus Australien. Alle Partien sollen im nächsten Jahr zur Andienung kommen.
 
Das Moskauer Forschungsinstitut für Agrarmarktkonjunktur (IKAR) passte gestern seine Prognose der russischen Weizenproduktion an. Aufgrund von schlechter Witterung sei es zu Ernteverzögerungen gekommen, die höchstwahrscheinlich nicht mehr in vollem Umfang aufgeholt werden könnten. Unter den veränderten Umständen sei die Menge von 60 mio to nicht mehr aufrecht zu halten. Man zwackte deshalb 1,5 mio to ab und landete nach Adam Riese bei 58,5 mio Tonnen.
 
AgriMer sieht die französischen Weizenendbestände der laufenden Kampagne 2013/14 bei 4,4 mio Tonnen. Damit hat man in Paris 500 tsd Tonnen zur letzten Endbestandsprognose hinzuaddiert. Im Vergleich zum letzten Jahr stellen die 4,4 mio to einen Zuwachs von 88% dar. Mit anderen Worten, die französischen Weizenversorgungsbilanz erfährt eine spürbare Entspannung, allerdings auf niedrigem Niveau. An der Matif verlor der Novembertermin 2,50 € und schloss bei 160,25 €/mto.
 
Mais fester
 
Der Dezembertermin am CBoT legte 3 cts/bu zu und settelte bei 3,43 ½ US$/bu. Auch hier waren es Shortcoveringaktivitäten, die den Notierungen zu weiterer Festigkeit verhalfen. Man will nicht mit allzu großem Risiko dem morgigen Bericht entgegen gehen und traf entsprechende Vorkehrungen. Damit hat die Sache ihr Ende; eine Handelssitzung ohne große Pointe. Die Firma Lanworth bezifferte die neue us-amerikanische Maisernte mit 14,647 Mrd. Scheffel. Dieser Schätzung liegt ein Durchschnittsertrag von 175,5 Scheffel/Acre zu Grunde. Unterm Strich stellt die neue Prognose von Lanworth keine nennenswerte Verschiebung zur alten Einschätzung dar. Seinerzeit ging man von 14,596 Mrd. und einem Durchschnittsertrag von bei einem Durchschnittsertrag von 174,9 Scheffel/acre aus.
 
Beim Mais sieht AgriMer die Endbestände Frankreichs bei 3,7 mio Tonnen. Im letzten Monat hatte man noch 3,9 mio to ausgewiesen. Offenbar hat sich manch Landwirt angesichts der extrem desolaten Preissituation dazu entschieden, seinen Mais von einer Bioenergieanlage weg häckseln zu lassen. Das trifft in verstärktem Maße übrigens auch auf Deutschland zu. Immer mehr Felder verschwinden vor dem Körnermaisdrusch in den Stahlmäulern der Häcksler. Bei der Gerste geht AgriMer von einem Endbestand von 1,6 mio to aus. Im Vormonat bezifferte man diesen noch mit 1,5 mio to. Im Vergleich zum Vorjahr baut sich damit der Endbestand an Gerste in Frankreich um fast 50% auf. An der Matif schlug der Versuch, im November die 145,- €-Marke zu erobern fehl. Der Markt prallte heftig ab und schlug wieder bei 140,- €/mto auf. Der Schlusskurs betrug 140,75 €/mto
 
Eurex: Kartoffel kann die 6,- €-Marke nicht mehr halten
 
Die Kartoffel an der Eurex musste gestern bei einem Gesamtmarktumsatz von 108 Kontrakten Federn lassen. Die Verluste sind umso bedeutender, als dass die Marke von 6,- € im Apriltermin 2015 nicht mehr zu halten war. Das Minus betrug 0,20 €/dt, demzufolge lag der Schlusskurs bei nur 5,80 €/dt. Dieser magere Preis stellte ein neues Kontrakttief dar, sodass wir einmal mehr festzuhalten haben, dass der Abwärtstrend intakt ist. Da nimmt es nicht wunder, dass die Stimmung auf dem Kassamarkt weiterhin als grämlich trüb zu bezeichnen ist. Schwein, Ferkel und weißes Sortiment konnten keine Umsatztätigkeit verbuchen.
 
Zuckerpreise orientieren sich abwärts
 
Die internationalen Zuckerpreise waren gestern leicht rückläufig. Man ist tags zuvor in New York an einer wichtigen charttechnischen Marke gescheitert, sodass man skeptisch und misstrauisch wurde. Die Bullen warteten erst einmal ab, ob sich einer aus ihren Reihen fände, der nach vorn prescht. Das war nicht der Fall und so blieb man geduldig in abwartender Haltung zurück. Hinsichtlich des Kassamarktes gab es wenigstens eine Meldung zu lesen, die sich wiederzugeben lohnt. Russland, Weißrussland und Kasachstan sind gemeinsam dahingehend übereingekommen, den Importzoll für Zucker von derzeit 203 auf dann 240 US$/to anzuheben. Die Maßnahme greift ab Oktober. Initiator dieser Geschichte war übrigens die russische Vereinigung der Zuckerhersteller.
 
Russen und Chinesen treffen sich
 
In dieser Woche treffen sich Russen und Chinesen, um die Lage für mögliche Exportgeschäfte zu sondieren. Man erwartet insgesamt über 200 Teilnehmer aus beiden Ländern. Mit von der Partie sind Händler, Regierungsabgeordnete und Zollbeamte. Man möchte gemeinsame Standards festlegen, um den grenzüberschreitenden Güterverkehr zu vereinfachen. Derartige Unterhandlungen drehen sich selbstverständlich auch um Agrarprodukte. Wir werden sehen, ob die Nachrichtenagenturen etwas Konkretes über den Inhalt der Gespräche herauszufinden imstande sind.
 
DAX unter 9000 Punkten
 
Das deutsche Aktienbarometer DAX fiel gestern zum erstenmal seit Monaten unter die Marke von 9000 Punkten. Die weltweiten Konjunktursorgen belasteten die Finanzmärkte. Gestern abend konnte zwar der Dow Jones gegensteuern, aber der DAX hatte da bereits ca. 91 Punkte eingebüßt und bei 8995,33 Zählern geschlossen.
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