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Börsentelegramm

Agrarmärkte: Unterstützungen haben gehalten!

von , am
06.11.2014

Die Kassapreise beim Weizen sind aktuell (mit Ausnahme von E-Weizen) deutlich besser als im vorigen Jahr. © Mühlhausen/landpixel
Die Agrarmärkte waren gestern größtenteils schwach gestimmt. Nur wenige Waren schafften auf Schlusskursbasis ein Plus. Aus den vielen Preisnachlässen ragt aber ein wichtiger Faktor heraus. Die gestern an dieser Stelle angesprochenen charttechnischen Hauptunterstützungslinien haben gehalten!
 
Am CBoT rutschten die Kurse bis zu den sensiblen Marken ab, stießen hier aber auf Kaufinteresse, das weiteres Ungemach verhinderte. Insbesondere Mais und Bohne zeichneten sich durch stärkere Kehrtwenden aus. Weizen büßte ein und war außerstande, einem Minus aus dem Wege zu gehen. Zucker, die Frühstückswaren und Fleisch teilten das gleiche Schicksal.
 
Sojabohne dreht im entscheidenden Augenblick
 
Die Januarbohne legte gestern 9 ½ cts/bu zu und settelte bei 10,19 ¼ US$/bu. Gerade in dem Moment, in dem die Bohne Gefahr lief, ihre charttechnisch wichtigste Unterstützung zu brechen, machte sie auf der Stelle kehrt und orientierte sich nach oben. Hierbei erwies sich das Sojaschrot einmal mehr als Kursstütze. Daneben gab es keine wesentlichen Faktoren, die dem Markt fremd gewesen wären. Für die heutigen Exportzahlen erwartet man bis zu 1 mio to. Letzte Woche konnte man die Erwartung deutlich toppen. Ob dies auch dieses Mal gelingt, wer weiß? In jedem Fall würden starke Exportzahlen einen fundamentalen Hilfsmotor darstellen, die Marke von 10,- US$/bu zu verteidigen.
 
Der Raps hatte in Paris bereits seine Sitzung beendet und konnte dien positiven Handelsausgang der Bohne nicht mehr in eigene Preissteigerungen ummünzen. Gleichwohl schloss man ein gutes Stück von seinen Tagestiefstständen weg. Der Februar verlor 2,- € und schloss bei 334,- €
 
Weizen bleibt unter Druck
 
Der Dezemberweizen am CBoT verlor gestern 5 ¾ cts/bu und settelte bei 5,24 ¾ US$/bu. Weizen stand hauptsächlich wegen des relativ starken US$´s unter Druck, der den us-amerikanischen Außenhandel nachteilig beeinflusst. In diesem Umfeld ist es für die Amerikaner schwer, ihren Weizen an den Mann zu bringen. Aufgrund des schwachen Rubels liegen derzeit alle währungsbedingten Vorteile auf Seiten der Russen. Hier brummen die Exporte. Um den heimischen Markt bzw. dessen Produzenten zu schützen, hat sich Pakistan für einen Importzoll von 20% auf Weizen entschieden.
 
Die Ägypter sind offenbar noch nicht satt geworden, denn sie starteten weitere Einkaufstender für Weizen. Man ging im Markt davon aus, dass sich die neuen Kaufgesuche auch auf Ware europäischer Herkunft richteten. Angedient werden soll im Dezember dieses Jahres. Am Abend war es soweit, und die Ergebnisse der Ausschreibung wurden veröffentlicht. Insgesamt steckte sich das Land der Pyramiden weitere 235 tsd Tonnen Weizen ein. 55 tsd to kommen aus der Ukraine, und 180 tsd Tonnen werden von Frankreich geliefert. Damit bestätigten sich die Hoffnungen der Europäer. Die Japaner zogen in geringer Menge nach. Hier meldete man Interesse für 9,82 tsd Tonnen Weizen und 28,8 tsd Tonnen Futtergerste an. Einzelheiten wurde hierüber (noch) nicht bekannt gemacht.
 
An der Matif startete man schwach, aber man konnte sich frühzeitig fangen und eine leicht abschlägige Seitwärtstendenz einschlagen. Der Januartermin schloss bei unveränderten 171,75 €/to.
 
Mais fester, Technik hilft
 
Der Dezembermais am CBoT legte 5 ¾ cts/bu zu und settelte bei 3,70 ¼ US$/bu. Als Hauptgrund für die freundliche Preisentwicklung wurde weiteres Shortcovering genannt. Das Zurückkaufen von eingegangenen Verkaufpositionen soll den Markt in die Höhe gehoben haben. Das mag sein, ist aber für sich genommen nicht sonderlich aussagekräftig. Betrachtet man diesen Punkt aber vor dem Hintergrund der charttechnischen Situation, eröffnet sich eine neue Bedeutungstiefe. Da das Shortcovering nämlich oberhalb der gestern angesprochenen Unterstützungen stattfand, lässt sich mit Sicherheit sagen, dass diejenigen, die hier zurückgekauft haben, nicht damit rechnen, dass der Markt diese Unterstützung bricht. Andernfalls hätten sie sich nicht so verhalten! Der Markt erwartet für heute eine Erholung in den wöchentlichen Exportzahlen der USA. Diese hatten in der letzten Woche bei nur 490 tsd to.
 
Die preislichen Abschläge an der Matif sind zwar nicht zu leugnen, jedoch machte man sich auch hier daran, die Tagesverluste zum Gutteil wieder auszugleichen. Der vordere November war an seinem letzten Handelstag preislich nicht mehr zu retten. Er gab 3,25 € nach und settelte bei 136,75 €. Dieser Termin ist aber aufgrund seines Auslaufens nicht mehr marktrepräsentativ, sodass wir unseren Blick auf den Januartermin richten müssen. Hier betrug der Abschlag lediglich 1,- €. Man schloss bei 145,75
 
Eurex: Kartoffel mit Alibihandel
 
Für diese Art Handel hätte man die Börse nicht öffnen müssen. Die Kartoffel markiert derzeit einen unrühmlichen Höhepunkt nach dem anderen. Gestern betrug das Volumen nur magere 33 Kontrakte. Das Preisniveau bewegte sich hierbei überhaupt nicht. Das Tief des Tages lag im Apriltermin zwar bei 5,40 €/dt, aber auf Schlusskursbasis duplizierte man den Vortagesschluss von 5,50 €/dt. Der Kassamarkt läuft in den Bahnen der abzuwickelnden Vertragsware. Ergo gab es keine Impulse.
 
Im Bereich der Vierbeiner blieb es still. Weder das Mastschwein noch das Ferkel wechselten den Besitzer. Die Besitzverhältnisse in den offenen Kontrakten blieben gleich. Wenigstens konnte die Fettkomponente im weißen Sortiment die Ehre des Segments retten. Der Januartermin 2015 des Butterkontraktes schaffte am Preis 2970,- €/Tonne fünf Kontrakte Umsatz. Wenigstens etwas! Wenn man bedenkt, dass sich dabei der Preis auch um 2,- € nach oben bewegte, bleibt die Erkenntnis, dass Butter mehr kann als die Kartoffel.
 
Zucker ohne Kraft
 
Die Zuckernotierungen waren ein weiteres Mal ohne Kraft. Es ging erneut bergab. In New York schloss man bei 15,53 cts/Pfund und sitzt damit praktisch am alten Tief auf. Aus charttechnischem Blickwinkel sieht es nicht gut aus, sodass wir einen Durchbruch als wahrscheinlich ansehen müssen.
 
DAX auf Erholungskurs
 
Das deutsche Aktienbarometer hatte gestern keine Probleme mit dem Richtungsentscheid. Es ging von Beginn an bergauf. Das Plus schwoll auf 149 Punkte an, und des DAX schloss bei 9315 Zählern. Gute Geschäftsberichte von MDAX-Unternehmen lieferten die entscheidenden Argumente für den Aufwärtsschwung. In den USA zeichnete sich bei den Midterm-Elections ein Machtwechsel ab. Der US-Kongress ist zukünftig republikanisch dominiert. Die Wall Street zeigte sich ob der Niederlage der Demokraten hocherfreut und feierte das Wahldebakel Obamas. Der Dow Jones lag am Abend (22:05 Uhr MEZ) genau 100 Punkte im Plus.
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