Login
Börsentelegramm

Agrarmärkte: USA melden sich zurück!

von , am
03.09.2014

© Gina Sanders/fotolia.de
Sojabohne im Plus
 
Die Novemberbohne schaffte gestern ein Plus von 7 ¾ Cents je Bushel (cts/bu) und settelte bei 10,32 ¼ US Dollar/bu. Nach dem langen Feiertagswochenende war die wohlgemut, sodass die benachbarten Verluste in den Getreidemärkten abgeschüttelt werden konnten. Das hatte man hauptsächlich den strammen Kassamarktnotierungen in den USA zu verdanken, die trotz hervorragender Druschergebnisse im Süden Festigkeit signalisierten. Wenn sich diese Druschergebnisse im nordwärts gerichteten Verlauf der weiteren Ernte entsprechend der Vorteilhaftigkeit der Anbauregionen steigern lassen, wird die US-Bohnenernte außergewöhnlich gut ausfallen. (Das Wort "sensationell" wollen wir uns für den Maiskommentar aufheben.)
 
Die Firma FC Stone rückte gestern mit einer Prognose heraus, die wie folgt in Zahlen gefasst wurde: US-Bohnenernte 4 Milliarden (Mrd) bu bei einem Ertrag von 47,6 bu/Acre. (USDA: 3,816 Mrd. bu bei 45,4 bu/Acre Durchschnittsertrag). Mit anderen Worten, FC Stone hat sich der hochgradig seriösen Firma Lanworth angeschlossen, die mit ihrer sehr guten Schätzung bereits weit über den USDA-Zahlen liegt. Die wöchentlichen Exportinspektionen lagen bei der Bohne bei 37,3 tsd Tonnen. Von Bedeutung waren aber weniger die Exportinspektionen als vielmehr die Crop Ratings des USDA's, die nachbörslich an den Markt kamen. Das USDA sah den Anteil gut bis exzellent auf dem Acker stehender Bohnen bei 72 Prozent (%). Das waren 2 % mehr als in der Vorwoche. Das gute Wetter hat hier eine entsprechende Wirkung gezeigt.
 
Das brasilianische Agrarministerium bezifferte die Ausfuhren an Sojabohnen im abgelaufenen Monat August mit 4,12 Millionen Tonnen (mio to). Das war deutlich weniger als die 6,04 mio to im Juli und weniger als die 5,38 mio to im August 2013. Von der Rapsfront erfuhren wir Kunde aus Kanada. Sowohl die kanadische Weizen- als auch die kanadische Rapsernte sind derzeit im witterungsbedingten Hintertreffen. Regenfälle haben in weiten Teilen der Anbauzonen sämtliche Ernteambitionen zunichte gemacht. Angesichts der Entwicklung wird bereits über spätere Qualitätseinbußen philosophiert, weil ungünstigstenfalls früher Frosteinbruch seinen Tribut einfordern könnte. Wir werden diese Entwicklung im Auge behalten müssen. An der Matif machten die steigenden Sojanotierungen in Chicago unseren Rapspreisen Feuer unterm Hintern. Zeitweise rasten die Preise um über 3,- Euro nach oben um sogleich wieder zusammen zu brechen. Am Ende drehte der Markt erneut und forderte seine zwischenzeitlichen Gewinne zurück. Der Novembertermin schaffte schließlich ein Plus von 3,- Euro und settelte bei 326,50 Euro/mto.

Weizen setzte Schwäche fort

Der Dezemberweizen büßte gestern 8 cts/bu ein und schloss bei 5,55 US Dollar/bu. Wer gehofft hatte, dass der Weizen in Übersee nach dem langen Feiertagswochenende eine kleine Trendwende hinlegen könnte, wurde gestern vorerst unter heftigem Quietschen ausgebremst. Am CBoT kannten die Kurse nur eine Richtung, nämlich die nach unten. Als Gründe für den Preisverfall wurden technische Ursachen sowie die Exportgeschwindigkeit der Schwarzmeerregion genannt. Beides hat sicherlich seine Berechtigung. Nachbörslich rückte das USDA mit seinen Zahlen heraus, die über die wöchentlichen US-Exportinspektionen von 773 Tausend (tsd) Tonnen Weizen hinaus gingen. Nunmehr sind in den USA 38 % der Sommerweizenbestände abgeerntet. Vom Rest stehen 63 % gut bis exzellent auf dem Acker. Damit hat man binnen einer Woche die Ernte 11 % voran getrieben.
 
Die Ukraine hat ihre Getreideernte nun zu 66 % für abgeschlossen erklärt. Man habe bislang 35,6 mio to an Getreide eingefahren, wovon 24,4 mio to auf Weizen entfielen. Da die Maisernte in de Ukraine eben erst begonnen hat, kann logischerweise den Maisanteil an der Gesamtgetreideernte noch nicht sonderlich hoch sein. Das Reich der Mitte hat in seiner vom Staat initiierten Auktion fast die Hälfte der offerierten 300 tsd Tonnen an den Mann bringen können. Die Information ist allerdings nicht dazu geeignet, eine sichere Schlussfolgerung über den Zustand des chinesischen Weizenmarktes zu machen. An der Matif handelte man auf beiden Seiten des Marktes. Mit viel Müh und Not war das gegenwärtige Preisniveau zu halten. Auf dessen Wichtigkeit haben wir bereits gestern aufmerksam gemacht. Der November hatte ein Miniminus von 0,25 Euro zu verkraften und schloss bei 173,50 Euro/mto.

Mais einfach nur bärisch

Der Dezembermais verlor gestern 2 ¼ cts/bu und settelte bei 3,63 ¾ US Dollar/bu. Im derzeitigen Nachthandel schlagen bereits weitere Verluste von 2 cts/bu zu Buche. Sollte sich diese Tendenz weiter fortsetzen, droht ein ernster Test der Tiefs, in deren unmittelbarer Nähe man sich befindet. Die Maisernte in den USA ist zwar in Gang gekommen, aber es liegen noch keine wirklich belastbaren und repräsentativen Druschergebnisse vor, die es erlauben würden, eine Gesamternteprognose zu wagen. Dennoch werden aus dem Süden der USA aus allen Himmelsrichtungen Erträge gemeldet, die für die dortigen Regionen schier unglaublich sind. Von überall her hört man Rekordergebnisse! Hier ist tatsächlich das Wort "sensationell" erlaubt! Dieser Entwicklung Rechnung tragend, hat FC Stone neben seiner US-Bohnenschätzung auch seine Zahlen für Mais verbessert. Man sieht nun die US-Maisernte bei 14,595 Mrd. Scheffel (bushels). Der Durchschnittsertrag soll 174,1 bu/Acre betragen.
 
Zum Vergleich, das USDA sieht die US-Ernte noch bei 14,03 Mrd. Scheffel bei 167,4 bu/Acre Durchschnittsertrag. Die wöchentlichen US-Exportinspektionen betrugen 873,1 tsd Tonnen. Nachbörslich verbesserte das USDA auch die Saatenstandsbonitierung beim Mais. Nun sollen 74% aller US-Maisbestände gut bis exzellent auf dem Acker stehen. In der Vorwoche waren das noch 73%. Die Jordanier starteten gestern einen Tender über 100 tsd Tonnen Futtergerste optionaler Herkunft. Höchstwahrscheinlich wird hier ein Schwarzmeerursprung das Rennen machen. An der Matif hatten die Maisnotierungen eine leicht negative Tendenz. Die 150,- € wurden aber gehalten.

Eurex: Kartoffel gibt sich nicht geschlagen

Die Kartoffel hat uns gestern gezeigt, dass sie nicht willens ist, sich kampflos mit der 6,- Euro/dt-Marke anzufreunden. Wahrscheinlich wirken hier die nassen Zustände auf den Äckern, die vielerorts derzeit noch eine frühe Rodung verhindern. Das Wetter soll jedoch die kommenden Tage besser werden, sodass sich die Rodeaussichten entsprechend verbessern werden. Bei einem Gesamtmarktumsatz von genau 100 Kontrakten war der Apriltermin 2015 imstande, 0,40 Euro je Dezitonne (dt) zu zulegen und bei 6,70 Euro/dt zu schließen. Mit anderen Worten, die jüngst so geprügelten Bullen erhielten Streicheleinheiten, die sie so lange entbehren mussten.
 
Das Mastschwein blieb umsatzlos, aber das Ferkel war tatsächlich imstande, einen Kontrakt Umsatz zu verbuchen. Auf dem Dezembertermin 2014 wurde ein Kontrakt bei 48,- Euro/Stck. gehandelt. Das war ein Minus von 1,- Euro. Im weißen Sortiment sah man schwarz. Die Milchprodukte wurden zwar nicht sehr rege gehandelt, kamen aber dennoch deutlich unter Verkaufdruck. Das Milchpulver verlor auf verschiedenen Terminen, wobei der Verlust von 138,- Euro im Januartermin hervorragte. Hier schloss man bei mageren 2100,- Euro. Die Butter behielt bei 20 lots Umsatz ein preisliches Unverändert bei.

Zucker: Bangkok reduziert Quote

Aus Thailand kam gestern die Nachricht, dass de Regierung in Bangkok die Zuckerquote für den eigenen Markt um 100 tsd Tonnen gekürzt habe. Der Eigenverbrauch sei zu optimistisch bewertet worden, weshalb man die Quote von 2,5 auf 2,4 mio Tonnen zurückschraubte. Durch die getroffene Maßnahme kann der weltweit zweitgrößte Zuckerexporteur mehr Ware für die Ausfuhr freimachen. Der internationale Zuckermarkt kümmerte sich nicht die Bohne um diese Nachricht und verharrte erst einmal regungslos auf der Stelle. Gegen Ende kam doch noch etwas Musik in den Handel, und der Markt orientierte sich nach oben. Der Oktobertermin in New York legte 37 Punkte zu und settelte bei 15,86 cts/Pfund.

DAX schnuppert weiter Morgenluft

Das verbrecherische Gequatsche Mario Draghis, alsbald gesetzwidrige Anleiheaufkäufe der europäischen Südstaaten zu tätigen, zeigt am Aktienmarkt weiter Wirkung. Die bevorstehende EZB-Sitzung löst Hoffungen aus, dass die EZB den Weg der FED nachzeichnet und mit direkten Anleihekäufen beginnt. Wir brauchen nicht zu hoffen, dass Jens Weidmann als Vertreter der Deutschen Bundesbank im EZB-Direktorium Widerstand leisten wird, denn er hat mit seinen Äußerungen der letzten Monate den Rest deutscher Stabilitätskultur aufgegeben und dadurch indirekt seinen Segen gegeben.
 
Mario Draghi hätte in Jackson Hole in seiner Rede keine quantitativen Lockerungen in Europa angekündigt, wenn er nicht die heimliche Einverständniserklärung der Bundesregierung gehabt hätte. Dass gegen die ins Auge gefassten geldpolitischen Maßnahmen ein Grundsatzverfahren anhängig ist, dessen Entscheidung vom Bundesverfassungsgericht an den EUGH weitergegeben wurde, ist unerheblich. Weder die Notenbank noch die Gerichte sind in der EU, die man lächerlicherweise als das "größte Friedens- und Freiheitsprojekt in der europäischen Geschichte" zu bezeichnen pflegt, unabhängig. Die Gerichtsbarkeiten sind längst gleichgeschaltet und fungieren bestenfalls noch als Dienstleistungserbringer für die Mächtigen. In Wahrheit ist die EU nichts anderes mehr als eine Bürokratendiktatur! Noch nie war man weiter vom Gründungsgedanken entfernt als in diesem Moment.
 
Von der widerlichen Gelddruckerei, die bislang überhaupt keinen realwirtschaftliche Wirkung gezeigt hat, sondern nur die Preise an den Börsen (Aktien- und Anleihekurse) aufbläst, verspricht man sich natürlich weiteren Kursauftrieb. Wenn tatsächlich immer noch jemand am Irrglauben festhält, dass Geldrucken die Voraussetzung für Wohlstandsentstehung sei, so möge er sich doch einmal folgende Frage vorlegen: Wie konnte es geschehen, dass Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg mit seiner restriktiven Geldpolitik bei der Deutschen Mark den rasantesten wirtschaftlichen Aufschwung auf der Welt hinlegte?
 
Der DAX eroberte schließlich mit einem Schlusskurs von 9507,02 Zählern die 9500er-Marke zurück. Der Zuwachs betrug knappe 30 Punkte.

Auch interessant