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Börsentelegramm

Agrarmärkte: USDA-Bericht bärisch!

von , am
14.07.2014

Der Freitagshandel stand unter dem Zeichen des monatlichen WASDE-Reports und war dementsprechend abwartend und zurückhaltend. Dem Bericht sah man tendenziell bärisch entgegen.

Die Sojabohne erholte sich heute morgen wieder etwas von den starken Abschlägen am Montag. © hek
Die Frage, die sich stellte war aber, ob das USDA die Bärigkeit des Berichts am 30. Juni "nur" bestätigen würde oder ob weitere Bärigkeit hinzugefügt wurde. Um es vorwegzunehmen, das USDA trieb die Bullen weiter vor sich her und legte nach. Daraufhin stürzten die Märkte in Übersee weiter ab. Weizen war mit einem Verlust von über 4 % die schwächste Komponente im CBoT-Agrarkomplex. Danach folgten die Bohne mit fast 3 % Verlust und schließlich der Mais mit etwa 2,5 % Einbuße.

Sojabohne wird unter den Rädern weiter mitgeschleift

Die Novemberbohne verlor am Freitag 17 ½ cts/bu und settelte bei 10,75 ¾ US$/bu. Das USDA bezifferte die weltweiten Endbestände der Kampagne 2014/15 mit 85,31 mio Tonnen, was nicht wesentlich über der Erwartung von 84,79 mio to gelegen hatte. Ähnliches galt für die neuerntigen Endbestände der USA. Diese lagen mit 415 mio Scheffel knapp unter der Flüsterschätzung von 418 mio Scheffel.
 
Der Durchschnittsertrag wurde vom USDA nach wie vor mit 45,2 Scheffel/Acre veranschlagt. In den letzten Jahren startete man immer mit exzellenten Ertragserwartungen, die dann vom USDA peu a peu zurückgenommen werden mussten. Bislang präsentiert sich aber der Saatenstand in den USA derart gut, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt kein Anlass besteht, Zweifel anzumelden. Die argentinische Sojaernte ist mittlerweile fast vollends abgeschlossen. Die letzten spätreifen Bestände fallen in diesem Augenblick dem Mähdrescher zum Opfer. Das Ertragsniveau kann insgesamt nicht anders als mit gut bis sehr gut beschrieben werden.
 
Das USDA bezifferte in seinem Bericht die argentinische Ernte mit 54 mio to. Das lag ebenso auf Niveau der Vormonatsschätzung wie die 91 mio to in Brasilien. Als die Bohne durch den Wolf der Bären gedreht wurde, stürzten die Rapspreise einen Augenblick lang panikartig an Matif ab. Die Verluste summierten sich zeitweise auf 7,- Euro/to. Man konnte sich danach aber wieder etwas erholen, sodass der Verlust im Novembertermin mit 2,- Euro in versöhnlichen Grenzen gehalten werden konnte. Der Settlement lag bei 332,50 Euro/mto. 

Weizen: CBoT-Notierungen tragen die Bullen zu Grabe

Der Septembertermin verlor am Freitag 22 ½ cts/bu und settelte bei 5,25 ¾ US$/bu. Wer gehofft hatte, die Zahlen des USDAs würden in ihrer Ausprägung ein Friedensangebot oder gar eine Begnadigung für die arg gebeutelten Weizenbullen beinhalten, sah sich am Freitag bitter enttäuscht. Die Zahlen waren vielmehr eine Strafverschärfung und wirkten entsprechend. Die neuerntigen weltweiten Endbestände wurden mit 198,54 mio to ausgewiesen und lagen über der Erwartung. Das gleiche galt für die US-Endbestände.
 
Hier hatte der Markt mit 591 mio Scheffel gerechnet, aber das USDA bezifferte diesen mit 660 mio Scheffel. Für die Berechnung legte das USDA einen Ertrag von 43,1 Scheffel/Acre zu Grunde. Damit wurde der Ertrag trotz schwacher Druschergebnisse in den USA nicht abwärts sondern aufwärts korrigiert. Das war zuviel; ein derart hohes Maß an Bärigkeit konnten die Bullen nicht abwehren und ergriffen nach Bekanntgabe der Zahlen augenblicklich die Flucht.
 
Die argentinische Weizenaussaat ist verzögert. Regenfälle haben die Aussaattätigkeiten immer wieder ins Stocken gebracht, sodass der Gauchofarmer im Stop-and-Go-Modus unterwegs war. Aufgrund der Verzögerung hat man die Aussaatfläche bereits etwas zurück genommen (Getreidebörse in Rosario). Die Matif nahm trotz aller bärischen Einflüsse aus Übersee nicht Reißaus, sondern wehrte auch den stärksten Ansturm der Bären beim gegenwärtigen Unterstützungsniveau ab. Am Ende blieb ein moderater Verlust von 1,25 Euro/mto stehen, der einen Schlusskurs von 180,50 hervorbrachte. Wir dürfen aber nicht versäumen zu erwähnen, dass nachdem die Matif bereits geschlossen hatte die Notierungen in den USA weiter absanken. Für heute besteht also noch bärisches Nachholpotential, dem man mit Respekt begegnen sollte.
 
Dennoch stellt sich die Frage, ob die Matif in Bezug auf ihren Abwärtstrend den Punkt der Sättigung erreicht hat oder nicht. Liegen wir derzeit auf einem Niveau, das mit Mann und Maus verteidigt werden kann oder krachen wir noch ein weiteres Stockwerk tiefer? Die Matif scheint aufgrund der gesehenen Abwehrkraft eher dazu in der Lage zu sein, an Ort und Stelle einen Boden auszuformen als die US-Märkte.

Mais verliert die 4,- US$/bu-Marke aus den Augen

Der Dezembermais am CBoT verlor am Freitag 9 cts/bu und schloss bei 3,83 ½ US$/bu. Das USDA veranschlagte die globalen neuerntigen Endbestände bei Mais mit 188,05 mio to, was spürbar über den 184,53 mio to lag, die der Markt erwartet hatte. Für die USA schrieb das USDA einen Endbestand von 1,801 Mrd. Scheffel in die Bilanz.
 
Auch dieser Wert lag über den Erwartungen von 1,774 Mrd Scheffel und wirkte entsprechend preispessimistisch. Auch die Maisbestände befinden sich in außergewöhnlich guter Verfassung, sodass man befürchten muss, dass eine rasche Zurückeroberung der 4,- US$/bu-Marke außerhalb des derzeit Möglichen liegt. Die Maisnotierungen an der Matif büßten im November 2,25 € ein und schlossen bei 163,75 Euro/mto.

Eurex: Kartoffel bleibt schwach

Zum Ausklang der Woche konnte die Kartoffel an der Eurex keine Trendumkehr aufs Parkett legen. Das Gegenteil war der Fall, die Kartoffel zeigte sich weiter von ihrer schwachen Seite und verlor bei einem Gesamtmarktumsatz von 73 Kontrakten 0,20 Euro/dt. Der Apriltermin 2015 settelte bei 9,50 Euro/dt. Der Schweinebereich blieb ungehandelt. Im weißen Sortiment gab es geringen Umsatz bei Molkenpulver und Butter. Das Preisniveau wurde hierbei nicht wesentlich verschoben.

DAX tritt auf der Stelle

Das deutsche Aktienmarktbarometer trat am Freitag nach den deutlichen Verlusten der Vortage auf der Stelle. Die Schieflage einer Bank in Portugal brachte die ungelösten Probleme in der Euroschuldenkrise ins Bewusstsein der Teilnehmer zurück und jagte den Investoren gehörige Angst ein. Der Optimismus am Markt hätte Schaden genommen, kommentierte ein Bankanalyst. „Nun brauche es erst wieder gute Wirtschaftsdaten, um die Risse zu kitten“, führte er weiter aus. Es blieb am Ende ein Plus von 7,21 Punkten, das den DAX bei 9666,34 Punkten hat schließen lassen.     
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