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Börsentelegramm

Agrarmärkte: USDA-Report dominiert das Geschehen

von , am
11.02.2014

© landpixel
Im Großen und Ganzen hat das USDA in seinem Februarreport die Zahlen der Januarschätzung reproduzieren würde, das war weitgehend zu erwarten. Dennoch gab es untergeordnete Anpassungen, die im ersten Augenblick Volatilität auslösten.
 
Am Ende legten Weizen am CBoT etwas zu, Bohne und Mais hatten Verluste zu verkraften. Rohöl trat auf der Stelle, und der DAX gab in Frankfurt leicht nach.

Bohne im Minus

Die Märzbohne büßte gestern 6 cts/bu ein und settelte bei 13,25 ½ US$/bu. Das USDA hatte gestern die globalen Endbestände an Sojabohnen der laufenden Kampagne auf 73,01 mio Tonnen geschätzt, was leicht oberhalb der Erwartung von 72,67 mio Tonnen lag.
 
Die us-amerikanischen Endbestände beließ man bei 150 mio Scheffel. Hier hatte der Markt eine weitere Verknappung erwartet, sodass unterm Strich eine leicht bärische Neuordnung der Situation entstand, die vom Markt mit unbedeutenden Abschlägen quittiert wurde.
 
Die brasilianische Ernte bezifferten die Ministerialstatistiker auf 90 mio to und die argentinische auf 54 mio to. Die erste Zahl lag über den Erwartungen, die zweite unterhalb. Insgesamt neutralisierten sie sich in ihrer Wirkung gegenseitig.
 
Für die Situation in der Sojabohne ist neben dem Zahlenwerk des USDA´s eine Sache von entscheidender Bedeutung. Nämlich, dass das Sojaschrot am CBoT seine Preisniveaus gehalten hat. Das ist die Voraussetzung für die Bohne, ihre Stärke zu halten.
 
Die Rapsnotierungen gaben gestern infolge der schwächeren Bohnenperformance nach und büßten im Maitermin 2,25 €/mto ein, um bei 374,- €/mto glatt zu setteln.

Argentinien: Banken bekommen Auflagen!

Wir hatten kürzlich an dieser Stelle einen kurzen Kommentar über die Situation in Argentinien im Lichte der kollabierenden Landeswährung abgegeben und darauf hingewiesen, dass eine schwächere werdende Währung nicht zu steigenden Importen führen werde, weil die Farmer ihren eisernen Griff um die Ware noch verstärken würden, anstatt mehr an den Handel zu liefern. Inhaltlich anders lautenden Kommentierungen, die derzeit bedenkenlos en masse publiziert werden, musste einfach widersprochen werden, weil die Autoren nicht in der Lage waren, Ursache und Wirkung logisch zusammenzuschließen.
 
Am Ende unseres kleinen Kommentars stand zusätzlich noch der Hinweis, dass man nicht wissen könne, ob der argentinische Staat etwaige Zwangsmaßnahmen einleiten würde, um mit Gewalt im Marktgetriebe einzugreifen. Kaum hatten wir es ausgesprochen, war es auch gleich soweit. Allerdings betreffen die Eingriffe des argentinischen Staates aus der letzten Woche nicht die Seite einer konkreten Ware wie Sojabohne oder Weizen, sondern erst einmal die Währung.
 
Die argentinischen Banken sind nämlich dazu gezwungen worden, bis Mai straffere Quoten in Bezug auf ihre Fremdwährungsanteile in ihren Bilanzen umzusetzen. Mit anderen Worten, die Fremdwährung bzw. die in Fremdwährungen denominierten Aktiva werden verkauft und die eigene Währung in die Bilanz genommen. Das mag den Verfall des argentinischen Pesos temporär etwas abbremsen, ändert aber im Kern nichts an den desolaten Konsequenzen einer jahrelang verfehlten Währungspolitik.
 
Die eingeleiteten Maßnahmen werden erst einmal dazu führen, dass die ohnehin verrotteten Bankbilanzen nun völlig in den kadavrösen Auflösungszustand übergehen. Wenn der argentinische Farmer in Reaktion auf die Staatsmaßnahmen etwas zu verkaufen hat, dann sind das zuerst einmal die Aktien der Banken und nicht seine Agrargüter.
 
Zu wirklich nennenswerten Verkäufen seitens der Gauchos dürfte es also erst mit der neuen Ernte kommen, denn für diese muss er sicherlich partiell in seinen Lägern Platz schaffen.

Weizen legt zu

Der Märzkontrakt schloss gestern am CBoT bei 5,84 ¾ US$/bu. Das war ein Plus von 7 ¼ cts/bu. Das USDA nahm die globalen Weizenendbestände der laufenden Kampagne von 185,4 auf nun 183,73 mio Tonnen zurück, was keine große Sache darstellte.
 
Die Anpassung, die man für die USA vornahm, hatte schon mehr Gewicht, denn die Vorräte zu Kampagnenende sollen jetzt 558 mio Scheffel betragen. Im letzten Monat wies man noch 608 mio Schefffel aus. Der Markt ging zwar von einer Reduktion aus, aber nicht in diesem Ausmaß.
 
Die Reaktion am CBoT war bullisch. Aufgrund logistischer Probleme beim nördlichen Nachbarn Kanada und eines reduzierten Exportpotentials Argentiniens sah man die Notwendigkeit, die erwähnte Anpassung vorzunehmen. Die australische Weizenernte bezifferte man mit 26,5 mio to, wobei das Exportpotential der Aussies 19,5 mio to betragen würde. Der Iran eröffnete seine neue Woche mit einem recht großen Einkaufsgeschäft von 400 – 600 tsd Tonnen Weizen.
 
Die Mengen sollen aus Russland sowie aus Deutschland stammen und im Zeitraum von März bis Mai 2014 verschifft werden. Angesichts dieser immer wieder getätigten Geschäfte gibt es derzeit keinen Grund, Bedenken gegen unsere Exportziele anzumelden. Das scheint auch das USDA erkannt zu haben und hob in seinem gestrigen Report die Exporte der EU um weitere 1,5 mio to auf nun 27,5 mio to an.
 
In Paris konnten die Zahlen des USDA´s zwischenzeitlich für eine Schrecksekunde so etwas wie Euphorie auslösen und der Markt drehte fast zwei Euro ins Plus. Allerdings wurden die Zugewinne wieder hergegeben, und der Märztermin kam über einen unveränderten Schlusskurs von 194,75 €/mto nicht hinaus.

Mais unentschlossen

Der Märztermin am CBoT verlor gestern 1 ½ cts/bu und settelte bei 4,43 US$/bu glatt. Das USDA reduzierte den globalen Maisendbestand von 160,23 mio to auf nun 157,3 mio to, was ebenfalls unter den Erwartungen von 159,6 mio to lag. Den Brasilianern traut das Ministerium 70 mio to Produktion zu und den Argentiniern 24 mio to, was beides oberhalb der Markterwartung lag und deshalb einen bärischen Anklang besaß. Man konnte infolgedessen nur mit angezogener Handbremse den steigenden Weizennotierungen folgen.
 
Der Abgesandte des us-amerikanischen Landwirtschaftsministeriums in China sieht die Maisbestände des Reichs der Mitte infolge einer Rekordernte in 2013 nun ebenfalls in rekordverdächtiger Höhe. Gleichzeitig bezifferte er die indischen Maisausfuhren in der laufenden Kampagne mit 3,2 mio Tonnen, was etwa um ein Drittel geringer ist als im letzten Zyklus. Die hohen Inlandspreise infolge gestiegener Nachfrage aus der Stärke- und Geflügelindustrie auf dem indischen Subkontinent verhinderten ein höheres Maß an Ausfuhren, bemerkte der Ministerialbeamte.
 
An der Matif ging es recht gesittet zu, ohne dass man die ein oder andere Marktseite überschwänglich feierte oder beweinte. Der Junitermin schloss bei unveränderten 178,- €/mto.

Kartoffel schwach

Der Industrieerdapfel an der Eurex eröffnete seine neue Handelswoche mit einer abschlägigen Tendenz. Bei sehr mager ausgefallenen Umsätzen von insgesamt 89 Kontrakten war es der Kartoffel nicht möglich, innere Stärke zu generieren. Sie driftete 0,40 €/dt südwärts und schloss bei 12,50 €/dt. Alle anderen agrarischen Eurexmärkte wiesen leider keinerlei Umsatztätigkeit auf.

Zucker: Fundamentale Bärigkeit erneut bestätigt

Internationale Marktbeobachter äußerten sich zur Zuckerkampagne 2014/15 erneut einschlägig bärisch. Der zu erwartende Angebotsüberhang beliefe sich auf 2,1 mio Tonnen. Im Vergleich zum letzten Zyklus würde sich die Überschussmenge damit zwar reduzieren, aber man wäre immer noch massiv überversorgt.
 
Die staatlichen Stützungsmaßnahmen sowie die fallenden Schwellenlandwährungen verhinderten einen Abbau des Zuckerüberschusses, ließ die McGraw Hill Financial Inc. mit Sitz in Lausanne (Schweiz) wissen. In London verlor der Maitermin des Weißzuckerkontraktes 2,50 US$/to und schloss bei 434,- $/to.

Dax verunsichert

Da haben es die Schweizer doch tatsächlich gewagt, sich im Zuge einer Volksabstimmung gegen eine ungehinderte Zuwanderung auszusprechen! In Brüssel zeigte man sich empört ob soviel Demokratie und hielt mit Beschimpfungen und Flüchen gegen die Eidgenossenschaft nicht hinter dem Berg.
 
Offenbar befürchtet man in der Brüsseler Bürokratendiktatur, dass das Schweizer Beispiel Schule machen könne und damit die "Europäische Wertegemeinschaft" gefährdet würde. Hierzu sei erst einmal angemerkt, dass die EU nicht die Quelle von Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit ist, sondern eine vor Fäulnis stinkende Kloake, worin genau diese Werte ertränkt werden. Eine Kritik an einem demokratischen Wahrergebnis ist immer auch eine Kritik an der Demokratie selbst.
 
Neben dem Schweizerischen Wahlergebnis sorgte noch die heute stattfindende halbjährliche Anhörung des Notenbankchefs vor dem US-Kongress. Die Anhörung wird gleichzeitig der erste Auftritt der kürzlich vereidigten Janet Yellen sein, die keinen anderen Ruf hat, als den einer ultralockeren Gelddruckerin. Etwas anders können sich die USA bei dieser Gigantoverschuldung auch gar nicht leisten. Am Ende des Handelstages hatte der DAX 12,06 Punkte eingebüßt und bei 9289,86 Zählern geschlossen.        
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