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Börsentelegramm

Agrarmärkte verarbeiten weiter den USDA-Bericht

von , am
02.07.2014

In Europa wurden 2014 auf rund 0,507 Millionen Hektar Sojabohnen angebaut © sima/Fotolia.com
Die Agrarmärkte waren gestern weiter damit beschäftigt, den USDA-Bericht zu verdauen. Dieser war bekanntermaßen in Bezug auf seine Bärigkeit aus einem einzigen vollkommenen Guß. Es darf also nicht wunder nehmen, dass es im Getreide- und Ölsaatenbereich des CBoT´s den zweiten Tag in Folge sinkende Preise zu sehen gab. Die Schnäppchenjäger, die meinten, man könne nach den großen Verlusten vom Montag nun mit Leichtigkeit am Tief einkaufen, mussten ihren Irrtum einsehen und sich wieder zurückziehen. So leicht wird es diese Marktsituation niemandem machen!

Sojabohne abschlägig

Die neuerntige Novemberbohne am CBoT verlor gestern weitere 6 ½ cts/bu und settelte bei 11,46 ½ US$/bu. Der Handel war selbstverständlich noch vom tags zuvor erschienenen USDA-Report bestimmt, der in heftigen Kursverlusten gemündet hatte. Man richtete seinen Blick nach unten und schaute, wo ob man ein hübsches Plätzchen einer preislichen Bodenbildung ausmachen konnte.
 
Die Notierungen gaben aber erst einmal weiter nach und erreichten ihren niedrigsten Stand seit Mitte Februar, bevor einsetzender Kaufdruck die Preise wieder moderat anheben konnte. Daneben gab es fundamental nicht viel zu hören und zu sehen. Die üblichen Nachrichten von untergeordneter Wichtigkeit huschten über die Nachrichtenticker, fanden aber niemandes Gehör. Dazu waren die Nachwehen bzw. das Nachbeben des USDA-Reports einfach zu stark.
 
Die Bestandsbonituren des USDA waren am Montagabend erneut äußerst vorteilhaft, sodass sich auch aus diesem Blickwinkel keine neue Sicht auf den Markt ergab. Die Bohne freut sich im Mittleren Westen ihres Daseins und wächst und gedeiht prächtig. Sie steht in sehr guter Verfassung auf dem Acker und an Wasser fehlt es ihr auch nicht. Beste Voraussetzungen um dicke Erträge abzuwerfen.
 
Die Rapsnotierungen an der Matif standen ebenfalls den zweiten Tag in Folge unter Druck und durchbrachen mit einem Spitzenverlust von etwa 5,- €/mto ihre Unterstützungslinien. Mit einer Rallye zum Sitzungsende hin konnte man das Schlimmste verhindern, aber um eine Minus von 3,50 € im November kam man nicht herum. Der Schlusskurs lag bei 345,- €/mto glatt.

Weizen hält Verluste in Grenzen

Der Dezemberkontrakt am CBoT verlor gestern 1 ½ cts/bu und settelte bei 5,95 ¾ US$/bu. Was den Handel in Übersee anbelangt, so gab es keine wesentlichen Einflüsse neuer Art zu vermelden. Da war sicherlich der USDA-Bericht von Montag, den man noch einmal überflog und in Bezug auf Weizen als nicht ganz so dramatisch bärisch bewertete, wie man ihn eingangs gehandelt hatte. Infolgedessen verzeichnete man auch keinen neuen Tiefs mehr, sondern konsolidierte in stabiler Seitenlage.
 
Im internationalen Umfeld gab es am Dienstag eine Fülle von Bewegung. Aus dem Reich des russischen Bären war zu vernehmen, dass die Druschaktivitäten wegen schlechtern Wetters regional eingestellt werden mussten. Insgesamt habe man bislang lediglich 2% der Getreideernte im Silo. In 2013 hatte man um diese Zeit des Jahres bereits 8,8 % geerntet.
 
Im internationalen Markt kam die Türkei zu einem Abschluss. Am Bosporus wurden 37 tsd Tonnen Mahlweizen und 39 tsd Tonnen Futtergerste eingekauft. Die Herkunftsländer wurden hierbei nicht abschließend spezifiziert, lediglich der Liefertermin Juli/August stand fest. Das größte Geschäft des Tages dürfte Ägypten gemacht haben. Die Pharaonen kauften insgesamt 240 tsd Tonnen Mahlweizen. Hiervon stammten 180 tsd Tonnen aus Rumänien und 60 tsd Tonnen aus Russland.
 
Am Abend traf noch die Meldung auf den Markt, dass in Rumänien die Maul- und Klauenseuche ausgerochen ist und die Russen augenblicklich ein Einfuhrverbot für Rindfleisch rumänischer Herkunft verhängt haben. Diese Meldung betrifft zwar nicht unmittelbar den Weizen, aber aufgrund ihrer Wichtigkeit muss sie schließlich an einer Stelle eingeschoben werden. Die Matif war weiter abschlägig und durchbrach die Linie von 185,- €/mto im Novembertermin. Am Ende schlug ein Verlust von 1,50 € zu Buche, der einen Schlusskurs von 184,25 €/to verlangte.

Mais im Minus

Der Dezemberkontrakt am CBoT verlor auf Schlusskursbasis einen halben Cent und schloss bei 4,23 US$/bu. Das Tagestief lag jedoch deutlich unter dem Schlusskurs. Ähnlich wie in Bohne und Weizen gab es auch beim Mais keine wesentlichen Neuigkeiten. Man schlürfte den Cocktail aus bärischem USDA-Bericht und guten Saatenstandsmeldungen. Das Resultat waren dann die weiter fallenden Notierungen in den USA. International gab es vereinzelte Meldungen, die man durchaus wiedergeben darf, ohne sich selbst oder den Leser zu langweilen.
 
In Südafrika hat man erfreulicherweise eine außerordentlich gute Maisernte eingefahren. Die beste seit den 1980er Jahren. Nun befindet man sich am Kap in der komfortablen Situation, größere Teile dieser Ernte exportieren zu können. Die südafrikanische Regierung steht offenbar kurz vor dem Abschluss einer Exportvereinbahrung mit China. Dass China trotz seiner heimischen Ernten ein besonderes Kapitel ist, bemerkten wir bereits gestern.) Die Italiener buchten gestern 70 tsd Tonnen Mais aus der Schwarzmeerregion. Die Ware soll im November angedient werden. Neben der Türkei kaufte auch Jordanien im internationalen Markt Gerste ein. Die Jordanier nahmen sich 50 tsd Tonnen Futtergerste optionaler Herkunft in die Bücher. An der Matif lieferte man ein Spiegelbild des Chicagoer Preisgebarens ab. Zuerst ging es hinunter und schließlich wieder hinauf. Am Ende stand im Junitermin ein vernachlässigbares Minus von 0,25 € und ein Schlusskurs von 168,- €/mto

Eurex: Kartoffel bleibt unter Druck

Bei einem Gesamtmarktumsatz von 119 Kontrakten hielt der Verkaufdruck in der Kartoffel auch am zweiten Tag der Woche weiter an. Der Apriltermin 2015 verlor gestern unterm Strich 0,30 €/dt und schloss bei 11,20 €/dt. Die Bullen waren weiterhin auf Magerkost gesetzt. Der Kassamarkt hatte nicht entgegen zu setzen und blieb einerseits leblos und andererseits schwach.
 
Der schweinische Bereich blieb ohne Umsatz. Dafür konnte aber das weiße Sortiment überzeugen. Das Magermilchpulver wurde im Oktober viermal bei 2835,- €/Tonne gehandelt. Der Butterkontrakt freute sich über je 20 lots Umsatz in den ersten drei Handelmonaten bei 3665,- €/Tonne. Und selbst das Molkepulver zeigte, dass noch Leben in ihm steckt. Im September bis November wurden je 5 Kontrakte bei 925,- €/mto gehandelt. Die preisliche Tendenz des weißen Sortiments war insgesamt aber etwas schwächer.

DAX fest

Das deutsche Aktienbarometer eroberte gestern nach einem Zugewinn von knapp 70 Zählern die Marke von 9900 Indexpunkten zurück. Man schloss in Frankfurt bei 9902,41.




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