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Börsentelegramm

Agrarmärkte verhalten sich ruhig

von , am
18.02.2014

© Werkbild Bayer
Ende letzter Woche wurden Gerüchte laut, die sich um eine etwaige Implementierung einer Sojaexportsteuer in Brasilien drehten. Vermutlich wurde das Gerücht gezielt gestreut, um der US-Ware am CBoT preislichen Auftrieb zu geben. Angesichts einer rekordhohen Sojabohnenernte in Brasilien, die tatsächlich an die 95 Millionen (Mio.) Tonnen (to) heranreichen könnte, wäre ein derartiger Schritt nicht der vorliegenden Situation angepasst, zumal es darum geht, möglichst viele Marktanteile im Chinageschäft an sich zu reißen.
 
Zuletzt hatte das brasilianische Landwirtschaftsministerium die Sojaernte des Landes auf 90 Mio. Tonnen geschätzt. Andere Beobachter schätzen die Ernte trotz örtlich zu trockener Bedingungen noch mit maximal 95 Mio. to ein. AgroConsult hat allerdings seine Prognose den regionalen Besonderheiten angepasst und die Gesamternte Brasiliens auf 90,8 Mio to herunter genommen (zuvor: 91,6 Mio to). Diesem Beispiel folgte zu Wochenauftakt auch AgRural, die ihre Prognose von 88,8 auf 87 Mio to ermäßigten. Beim südlichen Nachbarn Argentinien erwartet die Börse in Buenos Aires eine Sojabohnenernte im laufenden Zyklus von 53 Mio. to (im letzten Jahr 48,5 Mio. to).
 
An der Matif gab es gestern wegen des Feiertages in Übersee keinen "Einpeitscher", der unsere Bullen hätte eine weitere Runde in der Arena drehen lassen können. Mangels Orientierung blieben die Umsätze recht verhalten, aber die Kurse wiesen eine leicht aufwärts gerichtete Tendenz auf. Zu Handelsschluss dann zogen die Bullen doch an und setzten sich in einer kleinen Stampede nordwärts in Bewegung. Am Ende des Tages schlugen satte 5,25 Euro  zu Buche und der alterntige Maitermin schloss bei 388,25 Euro. Offensichtlich gibt es ausreichend Marktteilnehmer, die sehr gut über die internationalen logistischen Engpässe informiert sind und weiter kauften. Damit bleibt der Aufwärtstrend intakt!

Weizen lässt an der Matif Federn

Letzte Woche Freitag haben die Weizenkurse an der Chicagoer Börse im Märztermin lange mit der Marke von 6,- US-Dollar je Bushel (bu) gerungen. Es ist im Handelsverlauf nicht gelungen, diese bedeutende Marke zu erobern und auf Schlusskursbasis zu verteidigen. Angesichts dieser Entwicklung fehlte es unseren Weizennotierungen an der Matif an Überzeugung, die 200,- Euro je Tonne-Marke, welche sich in unmittelbarer Griffweite befindet, anzugreifen. In dem Moment, wo man in den USA vorne die 6,- US-Dollar/bu erfolgreich anzugreifen imstande ist, wird sicherlich auch die Matif einen vielversprechenden Angriff auf die 200,-er Marke unternehmen können.
 
Das französische Agrarministerium hat letzte Woche eine Saatenstandsbonitierung veröffentlicht, der man wenigstens ein kleines Maß an Aufmerksamkeit gewidmet haben sollte. Bei unserem linksrheinischen Nachbarn stünden derzeit 75 Prozent (%) aller Weizenbestände gut bis exzellent auf dem Acker, was noch einmal deutlich oberhalb des letztjährigen Wertes von 66 % liegt. Infolge des milden Winters hätten sich die Bestände gut entwickelt, sodass man bisher keinerlei Befürchtungen bzgl. Auswinterungen haben müsse. Bei Wintergerste sieht es ähnlich gut aus. Hier sieht man 74 % aller Bestände in gutem bis exzellentem Zustand auf den französischen Äckern stehen. Im letzten Jahr waren das "lediglich" 67 %. Die gute pflanzenbauliche Verfassung der Saaten ist angesichts des milden Winters keine Überraschung und dürfte sich von unseriger in Deutschland nicht wesentlich unterscheiden. Zu bemerken bleibt jedoch, dass die fehlende Winterhärte als direkte Folge der milden Temperaturen eine Gefahr darstellt, falls es doch noch einmal einen späten Wintereinbruch geben sollte.
 
Aufgrund gelockerter Sanktionen mit dem Iran erwarten europäische Händler, dass im laufenden Monat etwa 195 Tausend (tsd) Tonnen Weizen deutschen Ursprungs seinen Weg in das Land finden werden. An der Matif gab der vordere Märztermin 0,25 Euro nach und settelte bei 198,25 Euro/mto.

Mais legt in Paris zu

Die Akademie für Agrarwissenschaften in Peking sah sich veranlasst, darauf hinzuweisen, dass sich China in eine strukturell unterschüssige Versorgungssituation bei Mais hinein manövriere. In der Folge werde man dauerhaft auf regelmäßige Importe angewiesen sein, um die grundsätzliche Humanversorgung sicherstellen zu können. Hält man sich das Marktverhalten innerhalb Chinas der letzten Jahre vor Augen, ist diese Erkenntnis nicht neu und sollte unseren Stammlesern bereits bestens bekannt sein, siehe: http://www.hjkiefer.de/fileadmin/user_upload/Presse/Z_Zeitenwende.pdf
 
Die Börse in Buenos Aires veröffentlicht regelmäßig Prognosen über die zu erwartende Produktion in Argentinien. Die jüngste Einschätzung der Getreidebörse sah die argentinische Maisernte 2013/14 bei 23,5 Mio Tonnen, was durchaus deutlich unterhalb der letztjährigen von 27 Mio to liegt. Die Maisernte beim nördlichen Nachbarn Brasilien beliefe sich laut Aussage des zuständigen Ministeriums auf 75,5 Mio to. Insgesamt stehen also in Südamerika nach wie vor exzellente Mais- und Sojaernten auf dem Halm. An der Matif reichte es im Märztermin für ein Plus in Höhe von 1,- Euro/mto. Schlusskurs: 173,25 Euro/mto.

Kartoffel preislich frittiert

Nachdem die Kartoffel bereits am Freitag die 12,- Euro/dt-Marke durchbrochen hatte, ging es am gestrigen Tage schon wieder bergab. Der Markt bestätigte durch ein erneutes Minus von 0,60 Euro/dt im Apriltermin 2014 seinen Abwärtstrend; der Schlusskurs befand sich nach einem Umsatz von insgesamt 350 Kontrakten bei 11,10 Euro/dt. Das war ein Minus von über 5 %. Unglücklicherweise konnte weder im Schweine- noch im Milchbereich weiteren Umsatz generieren.

Dax verharrt auf der Stelle

Die Finanzbörsen litten wohl am stärksten unter den fehlenden Vorgaben aus Übersee, sodass sich der DAX auf dem Frankfurter Parkett kaum zu bewegen traute. Die positiven Analystenkommentare überwogen aber den gestrigen Tag, und viele Kommentatoren sahen die 10.000-Punktemarke bereits als so gut wie gefallen an. Möglicherweise ist dies sogar richtig, aber alles positive Gefasel schafft nicht die Tatsache aus der Welt, dass die Aktienmarktrallye eine reine Liquiditätsrallye der Notenbanken ist und nicht den geringsten Bezug zu realwirtschaftlichen Entwicklungen aufweist.
 
Dies gilt im besonderen Maße für den Dow Jones in den USA, wo so gut wie überhaupt keine produktive Wertschöpfung mehr stattfindet. Die Außenhandelsbilanz der Vereinigten Staaten, die einstens in allen Bereichen wirtschaftlich führend waren und jedwede Art Hightech-Produkte in die Welt liefern konnten, liest sich heutzutage wie diejenige eines Drittweltlandes. Agrarprodukte verkauft man noch im großen Stil…und Waffen. Zu mehr ist man nicht mehr fähig.
 
Nur wenige Kommentatoren weisen in ihren Berichten auf die jüngst sprunghaft angestiegene Selbstmordrate unter Bankern hin, die einen bedrohlichen Schatten voraus wirft. Allerdings gibt es einen unter den wenigen, der die Frage aufzuwerfen gewagt hat, ob es sich überhaupt um Selbstmorde handelt, denn unter den toten Bankern befänden sich auffällig viele, die Quellcodes für Handelssysteme bei Fremdwährungen, Zinsen und Edelmetallen schrieben. In Frankfurt gab man schließlich 5,64 Punkte nach und schloss bei 9.656,76 Zählern.


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