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Börsentelegramm

Agrarmärkte mit verlängertem Sonntag

von , am
02.09.2014

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© Torbz/fotolia.de
Die Bohne legte eine Handelspause ein, weil man in den USA den Labor Day feierte. Die Verluste beim Raps gegen Handelsende am Freitag vergangener Woche steckten den hiesigen Marktteilnehmern noch in den Knochen. Die Matif eröffnete schwach und verlor binnen weniger Minuten über 2,- Euro/mto bevor man sich wieder fangen konnte. An steigende Notierungen war allerdings nicht zu denken, weil wir immer noch im Umfeld fallender Pflanzenölnotierungen stecken. Der folgende Chart zeigt die Palmölpreisentwicklung über die letzten zwölf Monate. Besondere Dynamik hat der Abwärtstrend in den letzten drei Wochen aufgenommen.
 
Die Rapsölpreise in Rotterdam konnten sich dieser Entwicklung weitestgehend entziehen und notierten recht stabil zwischen 630,- und 640,- Euro je Tonne (to). Wenn man diese relative Festigkeit beibehalten kann, stehen die Chancen gut, dass Raps die 320,- Euro/mto verteidigen kann. Sollten die Rapsölnotierungen aber fallen, wäre die Hoffnung auf feste Rapspreise während der US-Bohnenernte vergebens. Wir würden nicht den Hauch einer Chance haben, die Rapspreise zu verteidigen, wenn uns im Umfeld fallender Rapsölpreise weiter sinkende Sojapreise heimsuchten. An der Matif wurde größtenteils im roten Bereich gehandelt. Gegen Ende der Sitzung zeigte sich der Markt aber von seiner besseren Seite und hievte sich am eigenen Schopfe nach oben. Der Novembertermin hatte schließlich nur noch ein geringes Minus von 0,25 Euro/mto zu beklagen und settelte bei 323,50 Euro/mto. Die Umsatztätigkeit blieb mit 3479 Kontrakten über alle Handelstermine hinweg zurückhaltend.

Weizen: Matif bleibt schwach gestimmt

Die russischen Weizenexporte brummen, und die Preise im Land haben sich infolgedessen befestigen können. Im Monat August betrugen die Getreideausfuhren des Landes 4,5 mio Tonnen, wovon 4,2 Millionen (mio) to auf Weizen entfielen. Zum Teil mögen die strammen Exporte auf das Konto des schwachen Rubels gehen, aber diese aggressive Ausfuhrpolitik Russlands ist nichts Ungewöhnliches und war zu erwarten. Die Russen machen seit Jahren nach der Ernte das internationale Geschäft, sodass sich niemand hierüber überrascht zeigen sollte. Die Getreideernte Russlands soll nun zu 56 Prozent (%) eingefahren sein, wobei man insgesamt 47,3 mio Tonnen geerntet hat. Im letzten Jahr konnte man bei gleichem Druschfortschritt lediglich 39,5 mio to sein Eigen nennen.
 
Die Israelis meldeten sich mit einer Ausschreibung über 25 Tausend (tsd) Tonnen Futterweizen zu Wort. Der Tender ist bis heute morgen noch nicht abgeschlossen. Die Matif neigte trotz aller Orientierungslosigkeit wegen der Abwesenheit der Amerikaner zur Minusseite hin. Der November verlor einen halben Euro und schloss bei 173,75 Euro/mto. Aus charttechnischem Blickwinkel befinden wir uns mit gestrigem Schlusskurs an äußerst sensibler Stelle. Aus Sicht der Bullen gilt es, dieses Niveau mit aller Macht zu verteidigen, weil bei einem Durchbruch durch das momentane Niveau einem Durchgereichtwerden zur 170,- Euro-Marke nichts mehr im Wege stünde. Das wäre dann ein Test der alten Tiefs.

Mais: Warten auf die Ernte

Neben den 25 Tausend (tsd) Tonnen Weizen suchten die Israelis noch 80 tsd Tonnen Mais. Auch dieser Tender befindet sich noch in der Schwebe, sodass keine Informationen über das Preisniveau vorliegen. Der Maismarkt wird weiterhin in Ehrfurcht vor der zu erwartenden großen US-Ernte verharren. Heute Morgen befinden sich die Chicagoer Notierungen leicht im Minus. An der Matif hatte man nichts zu bestaunen. Der Novembertermin wies eine extrem enge Handelsspanne auf und settelte schließlich bei 151,75 Euro. Das war plusminus Null zum Vortag.

Eurex: Kartoffel auf dem Weg zu 6,- Euro/dt

Die Kartoffel selbst mag Stärke beinhalten, aber ihr Preis tut dies bald nicht mehr. Zu Wochenbeginn nahm die Kartoffel den Faden dort auf, wo sie ihn am Freitag abgelegt hatte und gab weiter nach. Nachdem man schwach eröffnete ließ man weiter stark nach und näherte sich bedrohlich der Marke von 6,- Euro/dt an. Bei einem Gesamtmarktumsatz von 137 Kontrakten verlor der Apriltermin 2015 weitere 0,20 Euro/dt und schloss bei 6,30 Euro/dt. Der Kassamarkt sendete keine bullischen Signale. Butz und Butzchen blieben leider gänzlich ohne Umsatz. Im weißen Sortiment trumpfte das Magermilchpulver mit einem einzigen Kontrakt auf, der im September 2014 bei 2.160 Euro/to seinen Besitzer wechselte. Summa summarum erlebten wir gestern einen sehr umsatzschwachen Handelstag an der Eurex.

Zucker: Fonds reduzieren Shorts

Die Fonds haben ihre Nettoshortposition im Weißzuckerkontrakt an der Londoner Börse in der letzten Woche reduziert. Die Teilnehmergruppe kaufte unterm Strich 1.778 Kontrakte zurück und hielt gem. des jüngsten CFTC-Berichts eine Shortposition von 5.365 Kontrakten.

DAX seitwärts

Nicht nur den Agrarmärkten fehlte der internationale Angelpunkt, sondern auch dem DAX in Frankfurt. Aufgrund fehlender Vorgaben konnte er keine klare Richtung einschlagen. Der Handel blieb bei müden Umsätzen ruhig. Die asiatischen Märkte hatten zwar in der Nacht eine leicht positive Performance abgeliefert, aber das war unterm Strich zu wenig, um dem Frankfurter Parkett Flügel zu verleihen. So stolperte man seitwärts weiter vor. Am Ende blieben ein Plus von knapp neun Punkten und ein Schlussstand des Indexes bei 9479,03 Zählern übrig.

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