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Börsentelegramm

Agrarmärkte verlieren zu Wochenauftakt

von , am
04.11.2014

Die Sojabohne verliert leicht und settelte bei 10,34 ¾ US$/bu. © Mühlhausen/landpixel
Die Agrarmärkte starteten die neue Woche mit Verlusten. Am CBoT war es der Sojasektor, der am meisten verlor. Der Mais folgte. Hier kamen aber eigene Ursachen hinzu, die den Preis belasteten. Einzig der Weizen war in der Lage, Zugewinne zu verzeichnen. Exporthoffnungen und charttechnische Gründe gaben den Ausschlag.

Sojabohne im Rückwärtsgang

Die Januarbohne büsste gestern 13 ¼ ein und schloss beí 10,29 ¼ US$/bu. Die Situation beim Sojaschrot würde sich aufgrund stärkeren Warenflusses innerhalb der USA entspannen, sodass alsbald mit größeren Mengen zu rechnen sei, die an den Markt gelangen. Das war die preisbestimmende Nachricht des Tages. Zwar konnte die Bohne mit einem Rekord bei den Exportinspektionen auftrumpfen, aber Sojaschrot hielt die Zügel in der Hand. In der vergangenen Woche betrugen die Exportinspektionen der USA sage und schreibe 2,77 mio Tonnen. Der Markt hatte "lediglich" mit maximal 2,1 mio to gerechnet.
 
Nachbörslich ließ das USDA wissen, dass 83 % aller US-Bohnen mittlerweile geerntet seien. Das entsprach einem Erntefortschritt um 13 % zur Vorwoche. Damit liegt man nun auf Höhe der langjährigen Normwerte. Im Norden Brasiliens (Mato Grosso) konnte man die Sojabohnenaussaat bis zum 1.11.2014 um etwa 20 % vorantreiben. Nunmehr sind über 40 % der Saat im Boden. Man konnte zwar gute Aussaatfortschritte verbuchen, aber im Vergleich zum letzten Jahr liegt man immer noch weit zurück. Seinerzeit waren bereits über 70 % im Boden. Der Internationale Getreiderat reduzierte wegen des trockenen Starts der Kampagne seinen Produktionsausblick für Brasilien von 94 auf 91 mio Tonnen.
 
Der Internationale Getreiderat (IGC) bemerkte in der letzten Woche, dass er die Rapsfläche Europas um 4% auf 6,5 mio Hektar fallen sieht. Das ist nicht neu. Ähnlich lautende Einschätzungen haben bereits zuhauf die Nachrichtenticker erreicht. Zuletzt waren es Erdfloh und Kohlfliege, die Anpassungen notwendig gemacht hatten. In der Ukraine rechnet der IGC mit einer um 9 % geringeren Fläche. Dortzulande erreiche man noch eine Rapsanbaufläche von 860 tsd Hektar. Die Rapsnotierungen an der Matif waren ebenfalls rückläufig. Der Februartermin verlor 3,25 € und settelte bei 341 €. Damit bleibt die Erkenntnis, dass die europäischen Rapspreise an der Matif nicht in der Lage waren, die charttechnisch extrem wichtige Marke des 200-Tageschnittes zu erobern. Wenn der Druck auf Soja anhält, müssen wir uns auf rasch nachgebende Rapspreise einstellen.

Weizen: US-Dollar belastet

Der Dezembertermin am CBoT legte gestern 6 ¼ US$/bu zu und settelte bei 5,38 US$/bu. Der Markt scheint sich nunmehr oberhalb des 50-Tage-EMA´s etabliert zu haben, was die Charttechniker optimistisch stimmt. Flankiert wurde die technische Entwicklung von Exportphantasien. Man hofft in den USA, wenigstens seinen Qualitätsweizen an den Mann bringen zu können. Die globale Versorgungslage lässt beim Quali-Weizen am ehesten US-Exporte zu. Dass die weltweite Nachfrage weiterhin ungebrochen hoch ist, sieht man an Ägypten. Die Ägypter lagen am Wochenende nicht auf der faulen Haut, sondern schauten sich im internationalen Markt nach Weizen um. Schließlich kaufte man 60 tsd Tonnen Weizen französischer Herkunft für Dezemberlieferung. Wieder einmal verrät uns der Lieferzeitraum, dass es um die Deckung der Ägypter nicht so gut bestellt ist, wie man uns weismachen möchte.
 
Nachbörslich ließ das USDA wissen, dass nunmehr 90 % des US-Winterweizens im Bett liegen. 59 % aller Bestände stehen gut bis exzellent. Es gibt also derzeit keinen Anlass, an Ungemach zu glauben. Allerdings liegt der Winter noch vor uns. Israel suchte zu Wochenauftakt Futtergetreide und schrieb 25 tsd Tonnen Futterweizen aus. Die Situation in Russland schient sich eher zu verschlimmern als zu verbessern. Der Saatenstand des Wintergetreides wird als schlecht bezeichnet. Hinzu kommt eine Landeswährung, die an den internationalen Devisenmärkten unter Druck steht. Ein schwacher Rubel verteuert aber die Importe notwendiger Betriebsmittel, wenn es im nächsten Frühjahr darum gehen sollte, die ausgewinterten Flächen mit Sommergetreide nachzubestellen.
 
Im benachbarten Kasachstan hat das Ministerium die bislang getätigten Getreideexporte der laufenden Kampagne mit 2,18 mio Tonnen veranschlagt. Im letzten Jahr lag dieser Wert noch bei 2,58 mio Tonnen. Die Ernte ist nunmehr zu über 90 % eingebracht. An der Matif neigten die Notierungen zur Festigkeit. Das lag wohl am Ägyptentender, der nach Frankreich ging. Der Januar legte 1,25 € zu und settelte bei 172,25 €.

Mais leicht unter Druck

Die Maisernte liegt in diesem Jahr rund 14 Prozent unter der des Vorjahres. © Glaser/fotolia.com
Der Dezembertermin am CBoT verlor gestern 2 ½ cts/bu und settelte bei 3,73 ¾ US$/bu. Die fallenden Sojakurse belasteten auch den Mais. Neben der Fremdbestimmung war es aber der eigene Erntedruck, der die Preise drückte. Man spürte die gesamte letzte Woche über, dass die US-Farmer sehr gute Fortschritte machen würden. Diese Entwicklung warf ihren Schatten über das Wochenende hinweg auf die gestrige Sitzung. Dass USDA bestätigte dann auch nachbörslich das, was jeder wusste. Nunmehr sind 65 % des Maises geerntet. Damit liegt man zwar immer noch hinter den Normwerten zurück, aber man hat aufholen können. Das zählte.
 
Die wöchentlichen Exportinspektionen lagen mit 425,9 tsd to unter den Markterwartungen. Die Statistikbehörde Indonesiens bezifferte die Maisproduktion des Landes auf 19,13 mio Tonnen und lag damit etwas über den privaten Schätzern. Diese bezifferten die Maisproduktion des Landes mit 18,55 mio Tonnen. Im internationalen Markt suchten die Israelis neben den 25 tsd to Futterweizen auch 145 tsd Tonnen Mais und 20 tsd Tonnen Sorghum. Einzelheiten wurden noch nicht bekannt. Auf die Herkunft der Ware hat man sich in Tel Aviv nicht festgelegt. Der Januartermin musste an der Matif die Marke von 150 € abgeben. Schlusskurs: 1479,50 €/mto.

Eurex: Kartoffel versinkt in Bedeutungslosigkeit

Die anhaftende Erde an den Knollen bringt Verunreinigungen ins Lager. © Mühlhausen/landpixel
Das war wieder einmal nichts! Zu Beginn der neuen Handelswoche schaffte die Veredelungskartoffel gerade einmal 26 Kontrakte Umsatz. Diese entfielen auf den Apriltermin 2015. Der Preis bewegte sich hierbei kaum. Ein Zugewinn von 0,10 €/dt und ein Schlusskurs von 5,60 €/dt blieben am Ende auf dem Kursbrett stehen. Der Kassamarkt gab keine Impulse von sich, die der Börse hätten unter die Arme greifen können. Der Rest des Handels war nicht erwähnenswert.

Zucker schwach und ohne Süße

Die indischen Zuckerexporte sollen im laufenden Wirtschaftsjahr (Beginn 01.10.14) bis zu 1,5 mio Tonnen erreichen. Die Regierung hat bereits im letzten Jahr Maßnahmen ergriffen, die Bestände im Land durch Exportbeihilfen abzubauen. Die üppigen Bestände haben im Land des zweitgrößten Zuckerproduzenten Löcher in die Kassen der Industrie gefressen, und selbst ein Export von 2,1 mio to im vergangenen Jahr konnte nicht die gewünschte Entspannung bringen. Nun versucht man erneut sein Glück und subventioniert ein weiteres Mal den Export. Wir werden sehen, ob es zu nennenswerten Preiseffekten in Indien kommen wird. Der Märztermin in New York verlor die 16 cts-Marke und settelte bei 15,93 cts/Pfund.

DAX startet schwach in die Woche

Das deutsche Aktienbarometer verlor zu Wochenauftakt 75,17 Punkte und schloss bei 9251,70 Zählern. Man muss kein Genie sein, um zu erkennen, dass die Notenbanken ihre Politik weltweit abgestimmt haben. Kaum beendet die FED ihr Schrottpapieraufkaufprogramm, schaltet die Bank of Japan die Notenpressen drei Gänge höher. In der vergangenen Woche kündigte man im Land der aufgehenden Sonne an, die Anleihenkäufe weiter aufstocken zu wollen. Der Yen rauschte daraufhin in die Tiefe und die Aktienmärkte in Tokyo sausten nach oben. Die näheren Gründe hierfür ergeben sich natürlich aus dem Gelddrucken (Vermehren und Verteilen der Geldmenge).
 
Der ehemalige Chef der us-amerikanischen Notenbank, Alan Greenspan, hat in der letzten Woche eingeräumt, dass sämtliche Schrottpapieraufkaufprogramme der FED (Quantative Easing) ohne realwirtschaftlichen Effekt geblieben sind. Nicht dass uns das eine neue Erkenntnis wäre, denn schließlich vertreten wir seit unzähligen Jahren die gleiche Meinung, aber es ist schon bemerkenswert, wenn jetzt sogar die Notenbanker selbst zu zweifeln beginnen, ob ihr veranstalteter Mumpitz zielführend war/ist! Ihren fadenscheinigen Erklärungen geht die öffentliche Wirkungsfähigkeit verloren. Das ist eine hervorragende Entwicklung!
 
Als sich Alan Greenspan noch nicht an den Staats- und Bankenapparat verkauft hatte, schrieb er einen vielbeachteten Artikel über den Goldstandard. Zwar brachte dieser sachlich nichts Neues, aber er verwendete klare Worte, die sich wiederzugeben lohnen. Wir zitieren: "Ohne Goldstandard gibt es keine Möglichkeit, Ersparnisse vor der Enteignung durch Inflation zu schützen. Es gibt dann kein sicheres Wertaufbewahrungsmittel mehr. Wenn es das gäbe, müsste die Regierung seinen Besitz für illegal erklären, wie es ja im Falle von Gold auch gemacht wurde (Goldbesitz war in Amerika bis 1976 für Privatleute verboten, Anm. d. Ü.). Wenn z. B. jedermann sich entscheiden würde, all seine Bankguthaben in Silber, Kupfer oder ein anderes Gut zu tauschen und sich danach weigern würde, Schecks als Zahlung für Güter zu akzeptieren, würden Bankguthaben ihre Kaufkraft verlieren und Regierungsschulden würden kein Anspruch auf Güter mehr darstellen. Die Finanzpolitik des Wohlfahrtsstaates macht es erforderlich, dass es für Vermögensbesitzer keine Möglichkeit gibt, sich zu schützen.
Dies ist das schäbige Geheimnis, dass hinter der Verteufelung des Goldes durch die Vertreter des Wohlfahrtsstaates steht. Staatsverschuldung ist einfach ein Mechanismus für die "versteckte" Enteignung von Vermögen. Gold verhindert diesen heimtückischen Prozess. Es beschützt Eigentumsrechte. Wenn man das einmal verstanden hat, ist es nicht mehr schwer zu verstehen, warum die Befürworter des Wohlfahrtsstaates gegen den Goldstandard sind".
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