Login
Börsentelegramm

Agrarmärkte vielstimmig

von , am
25.02.2014

Weizen und Bohne waren gestern im Plus. © hapo/landpixel
Das Jahr 2014 präsentiert sich bislang ausgesprochen freundlich für die Rohstoffmärkte. Mit dem Jahres- stellte sich auch vielerorts ein Trendwechsel ein, und eine ganze Fülle von Märkten konnte sich seitdem nordwärts orientieren. Das kam auch vielen Agrarmärkten zugute.
 
Zucker konnte hiervon ebenso profitieren wie die Getreidemärkte. Gestern führten Zucker und Kaffee die Gewinnerliste an. Weizen und Bohne waren ebenfalls im Plus. Mais war abschlägig. Edelmetalle und Rohöl kletterten weiter an. Aktien starteten bullisch in die neue Woche.

Bohne: Schrot weiter Pacemaker

Die weiterhin festen Sojaschrotnotierungen verhinderten gestern eine preisliche Abdrift der Bohne, die im Maitermin noch einmal 14 ¾ cts/bu draufpackte und bei 13,75 US$/bu schloss. Solange das Schrot als preistragende Säule im Sojakomplex fungiert, wird die Bohne trotz aller bärischen Argumente aus Südamerika keine wesentliche Trendumkehr verzeichnen können.
 
Kurioserweise war es gestern nicht die Anwesenheit von Nachrichten, die die Atmosphäre weiter "verbullischten", sondern deren Abwesenheit. Man wartet nämlich tagtäglich, dass die Chinesen weitere Partien in den USA stornieren, um sie in Südamerika zu buchen. Das geschah aber wieder nicht, und die Bullen gewannen Oberwasser. Die wöchentlichen Exportinspektionen der USA lagen bei 46,7 mio Scheffel. Das argentinische Landwirtschaftsministerium bezifferte die Sojabohnenfläche in der laufenden Kampagne mit 20,3 mio Hektar und reduzierte damit die vorangegangene um 500 tsd Hektar. Die Maisfläche des Landes In Höhe von 5,7 mio Hektar wurde nicht mehr adjustiert sondern beibehalten.
 
Der Raps kam gestern wie ein wilder Stier aus dem Wochenende und ging auf die 400,-€-Marke los wie auf das rote Tuch. Das Hoch lag bei 398,- €/to (Maitermin), bevor die Bären die Offensive der Hornträger abschmettern konnten. Am frühen Nachmittag waren sämtliche Zugewinne verbraucht, und der Markt driftete ins Minus. Unterm Strich gingen dem Maitermin 2,- €/mto verloren. Schluss: 390,-€.

Weizen zieht in Übersee an

Der Maitermin am CBoT schraubte sich gestern zweistellig in die Höhe und legte 11 ½ cts/bu zu. Der Schlusskurs befand sich bei 6,38 US$/bu. Am CBoT gab es keine wesentlichen Inputs zu verdauen. Zu Beginn tendierte man aufgrund der Entwicklung in der Ukraine zur Schwäche, weil man mehr Exportkonkurrenz für die eigene Ware befürchtete. Der Preisdruck war aber nicht von Dauer, und man entschied sich recht rasch, sich der eigenen Unwägbarkeiten zu erinnern (Crop Ratings). Steigende Kurse waren die Folge. Die 6,- US$/Scheffel-Marke konnte weiter zementiert werden, obwohl Exportinspektionen in Höhe von 15,7 mio Scheffel kein Ruhmesblatt darstellten.
 
Man muss sich wohl nicht besonders wundern, dass es in Ägypten Korruptionsvorwürfe gegen den staatlichen Rohstoffeinkäufer GASC gibt, denn staatliche Stellen sind nun einmal keine marktgeborenen Kompartimente des Wirtschaftslebens und deshalb hochgradig anfällig für nicht wirtschaftliche bzw. politische Vorgehensweisen. Inwieweit sich die Vorwürfe bestätigen bzw. welche Folgen diese haben werden, ist nur sehr schwer einzuschätzen. Wahrscheinlich wird man den ein oder anderen politisch unhaltbar gewordenen Amtsträger austauschen und durch einen weniger schmutzbehafteten ersetzen. Es sollen Unregelmäßigkeiten beim Import von Reis vorgekommen sein, die nun einer genaueren Untersuchung übergeben werden sollen.
 
Sachrelevant für den Markt und die Preisbildung sind unterm Strich aber nicht die Korruptionsvorwürfe, auch wenn sie sich auf den Weizenmarkt ausdehnen sollten, sondern erst einmal die kürzlich durch Kredite aus Saudi-Arabien wiederhergestellte Zahlungsfähigkeit der Pharaonen…auch wenn die Regierung Ägyptens gestern Nachmittag geschlossen ihren Rücktritt eingereicht hat.
 
Die Inder haben zu Wochenauftakt einen Exporttender gestartet, in dessen Verlauf sie den höchsten Geldkurs bei knapp 275,- US$/Tonne erhalten haben. Das entspricht etwa einem Preis von 200,-€/mto und bezieht sich auf frei Schiff Westküste des Subkontinents. Damit liegen auch die Preise auf der anderen Seite der Welt auf Niveaus, die eher für strukturelle Festigkeit sprechen als für substanziell fallende Notierungen.
 
An der Matif gab es gestern allerdings keinen Blumentopf zu gewinnen. In Paris zeigten sich die Notierungen von den zuerst fallenden Kursen in Übersee beeindruckt und sanken tendenziell ab. In dieser Atmosphäre war nicht an einen Angriff auf die 200,- €-Marke zu denken, obwohl man diese Marke niemals aus den Augen ließ. Gegen 17:30 Uhr unserer Zeit drehte Chicago ins Plus und für einen Moment hatte man den Eindruck, es könnte noch etwas gehen. Aber leider gelang den Bullen kein später Streich mehr. Versöhnlich ist das leichte Plus von 0,25 €/mto im Märztermin, der bei 198,50 €/mto settelte.

Mais sät Zwietracht

Der Mais verdarb mit seinem Minus ein einheitlich bullisches Schlusskursbild in Chicago. Der Maitermin büßte 1 ¼ cts/bu ein und settelte bei 4,57 ¾ USD/bu. Auch im Mais spielten die Entwicklungen in der Ukraine eine preisbeeinflussende Rolle, denn eine rasche politische Lösung dürfte einer Normalisierung der Umstände äußerst zuträglich sein. Ukrainische Maisexporte größeren Umfangs könnten sicherlich bei dem Amerikanern für etwas Unmut sorgen, obwohl die ukrainische Maisexportkonkurrenz fester Bestandteil internationalen Handels geworden ist.
 
Die Exportinspektionen der USA lagen bei 31,2 mio Scheffel und damit im Rahmen der Erwartungen. Es mehren sich die Stimmen, die die jüngsten Schätzungen des USDA´s bzgl. der Flächen in den Sommerungen Bohne und Mais in Zweifel ziehen. Das USDA hatte ja eine recht üppige Flächenverschiebung von Mais zur Bohne prognostiziert. Ende März kommen die Ergebnisse der ersten Umfrage unter den Farmern heraus, sodass wir uns bis dahin gedulden sollten.
 
Gemäß den veröffentlichten Daten der chinesischen Zollbehörde betrugen die Maiseinfuhren im Januar des laufenden Jahres 650,9 tsd Tonnen. Im Vormonat hatte man mit 821,1 tsd Tonnen noch leicht darüber gelegen. Zurückzuführen sei dies auf den immer noch schwelenden Streit um die nicht zugelassenen Genstämme aus den USA. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, dass noch 1,5 mio Tonnen US-Mais aufgrund der ungeklärten Gen-Thematik nicht zur Verschiffung gekommen sind. Mit neuen Kontraktabschlüssen hielte man sich ebenfalls sehr zurück.
 
An der Matif büßte der Junitermin gestern 1,50 € ein und schloss bei 178,50 €/mto.

Kartoffel im Plus

Nach den bitteren Tagen verlustreichen Handels konnte sich die Kartoffel an der Eurex wieder etwas fangen. Bereits ausgangs letzter Woche wiesen die Notierungen an der Eurex eine festere Tendenz auf, die sich bis in den momentanen Wochenauftakt fortpflanzen konnte. Vom Kassamarkt gab es keine wesentlichen Impulse. In Rotterdam waren etwas niedrigere Preise für Exportware aufgerufen, sodass man nicht unbedingt den Verdacht haben muss, dass man sich international um die letzten freien Partien europäischer Herkunft zankt. Bei einem Gesamtumsatz von 184 Kontrakten baute die Kartoffel ihren Vorsprung oberhalb der 11,- €/dt-Marke um 0,40 €/dt weiter aus und schloss bei 11,80 €/dt.
 
Das Mastschwein ging leer aus. Nicht so beim Ferkel, hier konnte auf gleich drei Terminen Umsatz verzeichnet werden. Im März, April und Mai kamen insgesamt 4 Kontrakte zusammen, die bei 53,- bzw. 52,- €/Stck. ihren Besitzer wechselten. Auf den gleichen Terminen meldete sich auch das Milchpulver zurück bzw. gab ein Lebenszeichen von sich. Man schaffte insgesamt 9 Kontrakte Umsatz. Das gehandelte Preisniveau lag hier zwischen 3180 und 3250 €/Tonne.

Zucker stößt auf technische Anschlusskäufe

Thailand, der zweitgrößte Zuckerexporteur, würde im laufenden Jahr infolge einer sehr guten Ernte und verstärktem Importinteresse im asiatischen Raum, einen neuen Exportrekord erzielen. Das Sugar Board schätzte die Exporte Thailands auf 9 mio Tonnen, was noch einmal oberhalb der 8,5 mio to aus dem vorangegangen Jahr läge. Zuletzt hatte sich der Zuckerpreis von seinen Tiefstständen etwas erholen können, da es in Brasilien infolge zu trockener und in Indien infolge zu nasser Bedingungen Ertragseinbußen geben wird.
 
Gestern setzte sich der freundliche Trend weiter fort. Der Maitermin des Londoner Weißzuckerkontraktes kletterte 11,40 US$/to empor und schloss bei 477,30 US$/Tonne.

Dax dreht spät ins Plus

 Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Februar den vierten Monat in Folge an und erklomm mit 111,3 Punkten ein Zweieinhalbjahreshoch und machte damit die fragile Lage in einer Fülle von Schwellenländern teilweise vergessen. "Die deutsche Wirtschaft behauptet sich in einer wechselhaften Großwetterlage", kommentierte der Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn zur vorliegenden Situation. Der Dax in Frankfurt konnte aus dem positiven Geschäftsklimaindex keine wesentlichen Mengen Honig saugen. Es ging mal etwas vorwärts, es ging mal etwas zurück, ohne dass man hätte eine überzeugende Richtung einschlagen können.
 
Auffällig waren die Verluste in den Volkswagen Vorzugsaktie, die mit fast 7% abverkauft wurde. Insbesondere der Geschäftsausblick für das laufende Jahr stieß den Investoren sauer auf. Man hatte sich mehr erhofft und zeigte sich dementsprechend enttäuscht. Erst am späten Nachmittag, als sich in den USA ein positiver Wochenauftakt einzustellen vermochte, gelang es unserem Leitindex, Morgenluft zu schnuppern. Mit einem Plus von 51,99 Punkten settelte der DAX bei 9708,94 Zählern.
Auch interessant