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Börsentelegramm

Agrarmärkte: Warten auf den USDA-Report ... dann platzt die Bombe

von , am
01.07.2014

Mit Verlusten von 12 Cent liegt die Sojabohne wieder unter der wichtigen 10-Dollar-Marke. © hapo/landpixel
Die internationalen Agrarmärkte hatten gestern einen zähen Start. Am Abend (18:00 Uhr MEZ) erwartete man den USDA-Bericht (Anbaufläche und Quartalsbestände USA). Zuvor hatte fast niemand mehr Bedarf, seine Positionen anzupassen, weil dies bereits in der Vorwoche geschah.
 
Dann war es soweit, das USDA veröffentlichte seine Schätzungen, und in den Ohren der Bullen erschallten des jüngsten Tags Posaunen! Das gesamte Zahlenwerk war extrem bärisch und man musste lange suchen, um in den Zahlen wenigstens eine Spur eines bullischen Farbwechsels zu entdecken.
 
Entsprechend heftig waren die Kursabschläge am CBoT. Man mag entgegen halten, dass das Zahlenwerk in seiner Gesamtheit stellenweise bärischer gehandelt wurde als es die Summe seiner Teile tatsächlich war. Nichtsdestotrotz müssen wir die Kursabschläge als gegeben hinnehmen. Allein Kaffee und Schweinefleisch konnten leichte Zugewinne in Übersee erzielen. Angesichts der großen Verluste im Agrarsegment blieb dies aber nur ein schwacher Trost.

Sojabohne erlebt preisliche Kernschmelze

Die neuerntige Novemberbohne kam gestern mit 74 ½ cts/bu unter die Räder und schloss bei 11,53 US$/bu glatt. Das bestimmende Thema des Tages waren die Zahlen des US-LaWi-Ministeriums. Das USDA nahm die Sojabohne sowohl alterntig als auch neuerntig in die bärische Zange.
 
Hinsichtlich der alten Ernte erwartete der Markt einen Quartalsbestand zum 1. Juni von 378 mio Scheffel. Das USDA bezifferte diesen aber mit 405 mio Scheffel, was noch über dem oberen Ende der optimistischsten Erwartungshaltung lag. Im Vergleich zur neuen Ernte war diese Zahl aber vergleichsweise milde bärisch, denn die neue Fläche schätzte das USDA auf sage und schreibe 84,839 mio Acres. Hier hatte der Markt im optimistischsten Falle maximal mit 84,0 mio Acres gerechnet. Insbesondere die neuerntige Bohne reagierte entsprechend und sank dramatisch in die Tiefe.
 
Bei der preislichen Kernschmelze wurden sämtliche wichtigen Unterstützungslevels nicht nur durchbrochen, sondern förmlich pulverisiert. Im Chartbild ergab sich eine kopernikanische Wende, die eine grundlegende Neubewertung der Situation erforderlich macht. Mit dieser gigantischen Fläche an neuerntigen US-Bohnen müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn man in der Produktion die 100 mio Tonnen-Marke nicht weit hinter ließe. Zumal das USDA nachbörslich noch die Bewertung des Saatenstandes vornahm und 72% aller US-Bohnen mit gut bis exzellent bonitierte. Das lag auf Vorwochenniveau und verheißt weiterhin eine exzellente Ernte. Im letzten Jahr konnte man zu diesem Zeitpunkt „nur“ 67% der US-Bohnen mit dem Prädikat gut bis exzellent auszeichnen. 10% befinden sich derzeit bereits in der Blüte.
 
Das kanadische Statistikamt schätzte letzte Woche Freitag die neue Rapsfläche des Landes auf 20,2 mio Acres. Im letzten Jahr hatten die kanadischen Farmer nur 19,9 mio Acres mit Raps bestellt. Bislang sind die Bedingungen beim nördlichen Nachbarn der USA freundlich und verheißen einen gute Kampagne. Allerdings sei angemerkt, dass die Provinzen Manitoba und Saskatchewan exzessive Regenfälle gemeldet haben, die örtlich zu Überschwemmungen geführt haben. Man muss abwarten, wie intensiv sich dies auf das Produktionspotential auswirkt. Bislang liegen keine Schätzungen hierüber vor, sodass man hoffen darf, dass es sich „nur“ um regionale Phänomene handelt.
 
An der Matif büßten der August und der Novembertermin jeweils über 4,- €/mto ein und settelten bei 343,25 € bzw. bei 348,50 €. Mit diesen Verlusten setzte der Markt auf dem unteren Rand seiner derzeitigen Seitwärtshandelsspannen auf. Angesichts der Verluste in der Bohne waren das relativ moderate Verluste, die verschmerzbar sind. Aber wir müssen befürchten, dass diese Unterstützungen nicht halten werden, wenn die Bohne weiterhin negativ performt. Steht die Bohne weiter unter Druck und fällt die eigene Ernte darüber hinaus noch besser als erwartet aus, kann der Markt problemlos weitere 20,- €/mto verlieren. Diese Gefahr besteht aus charttechnischem Blickwinkel allemal, wenn gleich sich der Raps gestern nach Leibeskräften wehrte und sich gegen die Großoffensive der Bären mit Bravour verteidigte.

Weizen wird durch den Wolf gedreht

Der Julitermin am CBoT verlor gestern 18 ¾ cts/bu und settelte bei 5,65 ¼ US$/bu. In den Teilen der Plains der USA hatten Regenfälle die Ernteaktivität übers Wochenende zum Stillstand gebracht. Insbesondere in Westkansas und Nordoklahoma waren die Mähdrescher zum Halten gezwungen. In der ersten Hälfte der laufenden Woche wird sich hieran höchstwahrscheinlich nicht viel ändern. Erst in der zweiten Wochenhälfte soll sich die Situation verbessern. Dann ist auch wieder mit Druschaktivität zu rechnen.
 
Aber derartige Dinge wurden plötzlich bedeutungslos als das USDA seine Zahlen bekannt gab. Die Quartalsbestände zum 1. Juni veranschlagte das Ministerium mit knapp 590 mio Scheffel. Das lag mittig der Markterwartung und hatte wenn überhaupt nur einen milde bärischen Charakter. Die Anbauzahlen lagen aber insgesamt bei 56,474 mio Acres. Hier hatte der Markt lediglich mit 55,8 mio Acres gerechnet, sodass dies eine klar bärische Tendenz beinhaltete. Die große Gesamtweizenfläche hatte man übrigens einer überraschend großen Sommerweizenfläche in den USA zu verdanken. Allein diese Zahlen hätte man sicherlich noch verdauen können, aber da man sich von rasant fallenden Märkten umzingelt sah, drückten die Händler auch im Weizen auf den Verkaufsknof ... mit entsprechender preislicher Wirkung.
 
Das gesamte Agrarsegment am CBoT war plötzlich wie ein heißgelaufener Motor, und auf den in Glut geratenen Zylindern verdampfte auch der letzte Rest an Bulligkeit. Da spielte es keine Rolle mehr, dass der Weizen eher Opfer als Täter der schmelzenden Notierungen war. Als die Sitzung beendet war und man seine Hitzköpfigkeit kühlen konnte veröffentlichte das USDA die Crop Ratings.
 
Der US-Winterweizen ist mittlerweile zu 43% geerntet. Damit konnten die US-Farmer in der letzten Woche die Ernte um weitere 10% vorantreiben. Angesichts der durchwachsenen Wetterlage ist dies durchaus bemerkenswert. An der miserablen Bonitur der Bestände (Winterweizen) hat sich indes nichts geändert. Die Sommerweizenbestände präsentieren sich hingegen deutlich besser, denn hier stehen 70% in gutem bis exzellentem Zustand auf dem Acker (-1% zur Vorwoche).
 
Auf dem indischen Subkontinent zeigt man sich enttäuscht über die bisherigen Monsunregenfälle. Die Inder haben in den letzten vier Wochen nur 43% der sonst üblichen Niederschläge erhalten, sodass man Ertragseinbußen bei verschiedenen Früchten befürchten muss.
 
Am Freitag der letzten Woche hat das kanadische Statistikamt seine Flächenschätzung für das laufende Jahr heraus gegeben. Die Weichweizenfläche soll von 26,0 mio Acres in 2013 auf 24,1 mio Acres in 2014 sinken. Die Anbaufläche für Durumweizen wurde von 5,0 in 2013 auf 4,8 mio Acres in 2014 reduziert.
 
An der Matif konnten die Verluste mit 2,- €/mto im Novembertermin in überschaubaren Grenzen gehalten werden. Der Schlusskurs von 185,75 € hat darüber hinaus nicht die langfristige Unterstützung bei etwa 185,- €/mto gebrochen. Dieser positive Aspekt verdient es festgehalten zu werden.

Mais kracht runter und verliert fast 5%

Der Dezembermais am CBoT hatte gestern Verluste in Höhe von 23 ½ cts/bu zu verkraften und settelte bei 4,23 ½ US$/bu. Das USDA bezifferte in seinem Report die Maisbestände der USA zum 1. Juni mit 3,853 Mrd Scheffel. Hier hatte der Markt einen Wert um die 3,7 Mrd. Scheffel erwartet, sodass hier die Bären augenblicklich Oberhand gewinnen konnten. Die neuerntige Fläche lag mit 91,641 mio Acres zwar etwas unterhalb der durchschnittlichen Markterwartung von 91,725 mio Acres, aber der Markt war auf Bärigkeit getrimmt und gab schnell nach. Das Minus schwoll nicht zuletzt deshalb immer weiter an, weil man neben den höheren Beständen auch noch gute Crop Ratings erwartete.
 
Das USDA bonitierte schließlich 75% aller US-Maisbestände mit gut bis exzellent, was 1% über dem Vorwochenwert lag und die bärische Erwartung der Händler bestätigte. Westlich des Mississippis hatte es übers Wochenende in den Soja- und Maisanbaugebieten Regen gegeben. Die Mengen lassen sich aber nicht mehr als Starkregen bezeichnen, sondern als normaler Sommerregen. Ab heute soll sich für den Rest der Woche ein trockeneres Bild ergeben. Die Temperaturen sind leicht über normal. Unterm Strich herrschen also weiterhin sehr gute Bedingungen im Mittleren Westen.
 
Der Bericht des Internationalen Getreiderats aus der letzten Woche beinhaltete auch den Umstand, dass fast die Hälfte aller weltweiten Maisvorräte der Kampagne 2014/15 in China liegen sollen. Die Erntemenge des Reichs der Mitte veranschlagte man mit satten 220 mio Tonnen. Unterm Strich erwartet man aufgrund dieser Zahlen einen Rückgang der Import von 4,8 mio to auf 3,0 mio Tonnen.
 
An der Matif verlor der Novembertermin 1,50 € und schloss bei 171,75 €/mto.

Eurex: Kartoffel fängt stark an, lässt aber stark nach

Die Veredelungskartoffel an der Eurex eröffnete die neue Handelswoche mit Zugewinnen. Der Markt sprang nach einem Schlusskurs von 11,60 €/dt am Freitag auf 12,0 €/dt zu Handelsbeginn. Danach kannte der Markt aber fast nur noch eine Richtung, nämlich abwärts. Im weiteren Sitzungsverlauf konnte man dann aber das Schlimmste verhindern, und der Markt schloss mit einem verhältnismäßig geringen Minus von 0,10 €/dt bei 11,50 €/dt. Der Kassamarkt blieb insgesamt still, und die preislichen Signale lagen auf den bekannten Niveaus. Die gesamte Umsatztätigkeit blieb mit 125 Kontrakten auf durchschnittlichem Niveau.
 
Im tierischen Bereich konnte das Mastschwein insgesamt dreimal umgesetzt werden. Im Septembertermin kam es zu einem Kontrakt und im Oktobertermin 2014 zu zwei Kontrakten Umsatz. Der September wurde bei 1,740 und der Oktober bei 1,695 €/kg gehandelt. Im weißen Sortiment trumpften das Magermilchpulver und die Butter auf. Milchpulver legte 40 Kontrakte Umsatz aufs Parkett. Im vorderen Juli und August wurden hier je 20 Kontrakte bei 2875,- €/to gehandelt. In der Butter kam es zu Umsätzen auf den August, September und Oktober. Das Preisniveau lag bei 3700,- €/to bzw. knapp darunter.

DAX

Die Einzelhandelsumsätze in Deutschland fielen schlechter aus als erwartet. Diese Nachricht verhinderte, dass gute Stimmung aufkommen konnte. In der Folge blieben die Aktienindizes tendenziell schwach auf der Brust. Am Ende konnte man ein Plus von 17,9 Punkten erzielen, sodass der Index bei 9833,07 Zählern schloss. Der Dow Jones lag gestern Abend etwa 40 Punkte im Minus.




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