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Börsentelegramm

Agrarmärkte: Waterloo geht weiter

von , am
16.07.2014

Gute Witterungsbedingungen in den US-Anbaugebieten sorgen für sinkende Weizenpreise. © Rico Kammerer/aboutpixel.de
Die hier in Betrachtung stehenden Agrarmärkte erlebten gestern einen weiteren Tag schwerer Verluste. Am CBoT verloren die Bohne, Mais und Weizen weiter an Boden. Der einzige Trost der blieb, war der Umstand, dass man nicht auf Tagestief schließen musste, sondern zum Ende der Sitzung hin, Kaufinteresse in den Markt kam, das die Notierungen wieder anhob. Dennoch blieben teils rote Vorzeichen am Kursbrett stehen.

Sojabohne seitwärts

Die Novemberbohne konnte die Tagesverluste aufholen und exakt auf dem Vortagesniveau von 10,86 ¼ US$/bu schließen. Nach dem preislichen Absturz der letzten 14 Tage wird der Markt gegenwärtig als überverkauft wahrgenommen, was kurzfristig orientierte Händler dazu veranlasste, Kaufpositionen einzugehen. Mit welchem Durchhaltevermögen sie vorzugehen bereit sind, wird sich zeigen, sobald der Markt an die erste Widerstandsmarke drückt. Dann wird man sehen, ob Gewinne mitgenommen werden oder ob man weiter zu kaufen bereit ist.
 
Der us-amerikanische Ölmühlenverband (NOPA) veröffentlichte gestern seine Verarbeitungszahlen für den Monat Juni 2014. Die US-Verarbeiter schlugen 118,718 mio Scheffel Sojabohnen zu Schrot und Öl. Im Vorfeld hatte der Markt mit etwas größerer Verarbeitung gerechnet, sodass man in den NOPA-Zahlen einen tendenziell bärischen Einfluss erblicken muss. Im vorletzten Monat hatte man in den USA sogar 128,8 mio Scheffel verarbeitet. Damit konnte der Juni nicht konkurrieren. Die US-Bestände an Sojaöl wurden mit 1,847 Mrd. Pfund beziffert. Die Sojaschrotexporte betrugen im betrachteten Zeitraum 388,1 tsd Tonnen.
 
An der Matif setzte sich der Preiskollaps auf Raten weiter fort. Der ideale Saatenstand der US-Bohnen sorgt für Preisdruck in Chicago und liefert uns einen bärischen Außenfaktor und keinen bullischen. Angesichts einer rekordhoch prognostizierten EU-Rapsernte geraten die Notierungen in Paris auch aus innerem Anlass unter Druck. Diese Kombination hat sich als hochgradig preisverderblich erwiesen. Gestern schlugen zeitweise Verluste von 5,- €/mto zu Buche bevor aufkeimendes Kaufinteresse die Kurse wieder anhob. Unterm Strich blieben moderate Einbußen in Höhe von etwa 1,50 – 2,50 €/mto übrig. Der vordere August schloss bei 330,- glatt.

Weizen holt Verluste auf

Der Septemberweizen am CBoT schloss nach deutlichen Tagesverlusten ebenfalls auf Vortagesniveau. Man konnte das verloren gegangene Terrain zurückerobern und bei 5,38 ½ US$/bu schließen. In den USA gab es keine Neuigkeiten zu vernehmen. Die Winterweizenernte schreitet voran und die Sommerweizenbestände wachsen und gedeihen. Alles wie gehabt.
 
Die australischen Wetterspezialisten veränderten ihre Prognose hinsichtlich ihrer El Nino Erwartung. Nach wie vor erwartet man in Down Under das Wetterphänomen innerhalb der nächsten fünf Monate. Allerdings könnte die Intensität weniger stark ausgeprägt sein als man eingangs seiner Prognosen annahm. Infolgedessen wären auch die zu erwartenden Ertragseinbußen bei der Weizenproduktion geringer. Das USDA schätzte in seinem letzten Report eine australische Weizenmenge 2014/15 von 26,0 mio Tonnen, was 500 tsd to über seiner Junischätzung lag.
 
Die Russen haben mittlerweile ihre Ernte insoweit vorangetrieben, dass 11% der gesamten Getreideernte eingefahren werden konnten. In absoluten Zahlen seien das 17,9 mio to. Im letzten Jahr konnte man bereits zu diesem Zeitpunkt 22,1 mio to ernten. Zwischenzeitliche Regenfälle hatten die russische Ernte zum Halten gebracht. Das ist aber derzeit kein Thema mehr, und die Mähdrescher fahren. Es waren auch die Russen, die gestern die billigste Offerte gegen das Kaufgesuch aus dem Irak richteten. Der Irak tendert für mindestens 50 tsd Tonnen Mahlweizen, und Russland war imstande für 308,58 US$/Tonne (ca. 227,- €) auf CIF-Basis (Fracht- und Versicherungskosten zu Lasten des Verkäufers) zu offerieren.
 
Nach dem Durchbruch durch die 180,-er-Marke setzten die Notierungen an der Matif ihren Preisverfall weiter fort. Gestern verlor der Weizen 1,75 € und settelte bei 177,- €/mto.

Mais verzeichnet Vierjahrestief

Die Maisnotierungen am CBoT fielen in der gestrigen Sitzung stellenweise auf ein neues Vierjahrestief. Der Dezembertermin büßte 6 ¾ cts/bu ein und schloss bei 3,81 ¾ US$/bu. Die gegenwärtigen Maispreise stimmen die US-Farmer nicht zufrieden. Neuerntig herrscht allgemeine Verkaufszurückhaltung, sodass manch Marktbeobachter erwartet, dass Nachfrager langsam aber sicher dazu übergehen könnten zu kaufen. Für unseren Geschmack ist zuviel Unsicherheit und Unwägbarkeit in diesem Statement, sodass wir nicht näher darauf eingehen sollten. Die Zukunft wir zeigen, was davon zu halten ist. Was festzuhalten bleibt, ist die unumstößliche Tatsache, dass auch gestern der Verkaufdruck höher als der Kaufdruck war. Der Novembermais verlor 0,75 € und settelt ein Paris bei 161,75 €/mto.

Eurex: Kartoffel stimmt in den Bärenchor ein

Bei einem Gesamtumsatz von 175 Kontrakten wurde die Kartoffel gestern preislich geschält. Der Apriltermin 2015 verlor 0,60 €/dt und schloss bei 9,30 €/dt. Der Handel war insgesamt unspektakulär, aber die schwächeren Notierungen wurden durch preisdämpfende Signale vom Kassamarkt bestätigt. Die verarbeitende Industrie befindet sich angesichts der Ertragsaussichten nicht in Zugzwang und schaut gelassen in die Zukunft. Das Wetter spielt mit und verheißt eine mindestens ordentliche Ernte.
 
Der porkine Bereich schaffte keinen Umsatz, aber im weißen Sortiment war das anders. Hier konnte das Magermilchpulver im Dezember und Januar Umsätze generieren. Der Januar wurde immerhin zwanzigmal bei 2720,- €/to gehandelt. Das war ein dickes Plus von 120,-€ oder 4,6%. Der Butterkontrakt schaffte auf zwei Terminen (Oktober und November) insgesamt 80 Kontrakte Umsatz. Hierbei wurde das Preisniveau aber kaum verändert. Die Schlusskurse lagen um die 3478,- €/Tonne.

Zucker unverändert

Die internationalen Zuckernotierungen blieben gestern nahezu unverändert. In New York settelte der Markt bei etwa 17,25 cts/Pfund. Fundamental gab es keine bedeutenden Neuigkeiten zu hören oder zu sehen.

DAX verliert 63 Punkte und schließt bei 9719 Zählern

Das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung legte gestern Zahlen vor, die vom Markt negativ aufgenommen wurde. Die Mannheimer Experten hatten ihren ZEW-Index 2,7 Punkte niedriger bei 27,1 Zählern herausgehalten. Bankbeschäftigte Volkswirte hatten maximal mit einem Rückgang auf 28,2 Punkte gerechnet. An der Börse wurde man zwar nicht von der Angst gepackt, aber der Optimismus des Vortages ging flöten und fand keine Fortsetzung.
 
In der Folge trat der DAX auf der Stelle und wartete bis in den späten Nachmittag auf die USA. Vielleicht könnte man aus einer positiven Wall Street noch späten Honig saugen, spekulierte man auf dem Parkett in Frankfurt.

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