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Börsentelegramm

Agrarmärkte weisen rote Zahlen auf

von , am
21.05.2014

© Mühlhausen/landpixel
Bis auf wenige Ausnahmen mussten gestern die Agrarpreise in roten Zahlen an die Kursbretter geschrieben werden. In Chicago waren die Weizennotierungen außerstande, die positive Entwicklung des Vortages weiter auszubauen. Am Ende schlugen Verluste zu Buche, die die Eintracht mit Mais herstellten, der ebenfalls nicht in der Lage war, sich der Abwärtstendenz zu entziehen. Die Preisabschläge der Bohne machten schließlich das Fiasko komplett.

Sojabohne dreht ins Minus

Die Julibohne verlor gestern 14 ¼ cts/bu und settelte bei 14,69 US$/bu. Bei der Bohne durfte man hinsichtlich des am Montagabend vom USDA gemeldeten Aussaatfortschrittes von 33% zufrieden sein. Der lange harte Winter in den USA zog keinen optimalen Kampagnenstart nach sich, aber die US-Farmer konnte in den folgenden Wochen das Beste daraus machen und ordentlich aufholen. Dennoch zeigte sich der Markt gestern mit dem Fortgang der Aussaat erst einmal nicht zufrieden.
 
Man hatte in der abgelaufenen Woche einfach mit mehr Zuwachs gerechnet, weil in der vorangegangenen Woche eine geradezu sensationelle Aufholjagd gestartet wurde. Dieses Tempo ließ aber nach, und die Händler in Chicago waren hierüber sofort bereit, weitere Positionen longseitig aufzubauen. Das Resultat waren weiter steigende Preise, die aber schließlich an der 15,- US$-Schwelle jäh ausgebremst wurden. Nachdem klar war, dass das Sojaschrot die 500,- US$/to-Marke nicht würde durchstoßen können, bröckelten auch die Preise in der Bohne ab. Das Abwärtsmomentum beschleunigte sich als Fondsgesellschaften dazu übergingen, ihre Bullspreads zwischen alter und neuer Ernte aufzulösen.
 
Die Chinesen auktionierten zu Wochenauftakt 243,5 tsd Tonnen aus der Staatsreserve in den heimischen Markt. Das waren 80,9% der angebotenen Menge. Daneben kauften sie 110 tsd Tonnen neuerntige Sojabohnen aus den USA, was ein tagesübliches Geschäft darstellte und infolgedessen keine neuen Erkenntnisse bringen konnte. Die Rapssaat an der Pariser Matif hatte sich schon zur Ruhe gelegt als die Bohne in Chicago mit zweistelligen Verlusten schloss. Infolgedessen blieb sie hiervon unberührt und konnte noch mit einem Plus von 1,25 € und einem Schlusskurskurs von 362,50 €/mto ihren Tag beenden (Novembertermin).

Weizen enttäuscht Bullen

Die Julinotierungen am CBoT schlossen gestern mit einem Minus von 6 ¼ cts/bu bei 6,69 ¼ US$/bu. Der Tag begann sehr freundlich, und man durfte die Hoffnung hegen, dass der Weizen die in der Nacht erzielten Anschlussgewinne würde halten und verteidigen können. Das war nicht der Fall! Der Markt gab sämtliche Zugewinne wieder her und drehte ins Minus, weil die Bullen zur Erkenntnis gezwungen wurden, dass der Widerstand vor der 6,90-US$-Marke zu stark ist, um ihn im Sturm zurückzuerobern.
 
Fundamental gestützt wurde diese Entwicklung durch die preislichen Ergebnisse eines Weizentenders des Iraks. Die billigste US-Offerte lag bei knapp unter 380 US$/Tonne. Die Russen waren aber imstande mit knapp 325,- US$/Tonne eine deutlich günstigere Offerte vorzulegen, die einmal mehr der Befürchtung Nahrung gab, dass der US-Weizen auf gegenwärtigem Niveau einfach zu teuer ist, um international konkurrenzfähig zu sein. Der einsetzende Verkaufdruck schwoll an als technisch motiviertes Abgabeinteresse hinzutrat und die Notierungen ins Negative drückte.
 
SovEcon kam mit seiner jüngsten Schätzung an den Markt und bezifferte die russische Getreideernte in 2014 mit 90 mio Tonnen (+ 2 mio to). Hiervon entfielen 50 mio Tonnen auf Weizen. Im Vergleich zum letzten Jahr stellen die 90 mio to allerdings einen Rückgang um ca. 2,5 mio to dar. Das russische Exportpotential veranschlagte SovEcon mit 24 mio Tonnen (hiervon Weizen 17,5 mio to). Obwohl man zum Vormonat 2 mio to draufpackte befindet man sich immer noch 1,6 mio to unter dem Vorjahreswert aus 2013. Der Libanon beendete seine Tenderbemühungen und kaufte 30 tsd Tonnen Weizen rumänischer Herkunft für Juniankunft. Ob hier schon neuerntige Ware geliefert werden wird…??? Sollten die Rumänen trotz ihres Exporttempos noch in der Lage sein, alterntigen Weizen zu liefern, sind das bestimmt die letzten Reste ihrer Bestände. Die Jordanier meldeten sich und bekundeten Kaufinteresse für 150 tsd Tonnen Mahlweizen optionaler Herkunft. Mit weiteren Einzelheiten hielt man sich zurück.
 
An der Matif schaffte man noch einen euphorischen Angriff auf die 200,- €/mto-Marke, da man von der schwachen Entwicklung am CBoT, die später einsetzten sollte, noch nichts ahnte. Ohne ein Wölkchen am Himmel ausmachen zu können, trieben die Kaufinteressierten die Notierungen zeitweise sogar über die 200,- €/mto-Marke. Mit einem Plus von 2,50 € und einem Settlement von 199,75 €/mto (Novembertermin) kann sich der gestrige Handelstag an der Matif sehen lassen.
 
Wir dürfen uns aber nichts vormachen, denn das, was wir gestern in Chicago zu Handelsschluss mit ansehen mussten, war aus Sicht der Bullen extrem enttäuschend und hat die positive Ausgangssituation des Chartbildes vom Montag vollständig zerstört! Es wird jetzt darauf ankommen, wie sich die Chicagoer Notierungen an der 200-Tagelinie verhalten, die derzeit bei 6,58 US$/bu liegt. Wenn diese zu Bruch geht und an die Bären fällt, bleiben den Bullen nur noch geordnete Rückzugsgefechte.

Mais weiter im Rückwärtsgang

Der Julimais am CBoT büßte gestern 3 ½ cts/bu ein und settelte bei 4,73 ¾ US$/bu. Im Maismarkt gab es praktisch das gleiche Bild zu beobachten wie beim Weizen. Zu Sitzungsende wurde man Opfer von heftigem Verkaufdruck, der die Preise böse in die Knie zwang. Der mittelfristige Abwärtstrend ist voll intakt, und die Preise haben am CBot das niedrigste Niveau seit Anfang März erreicht.
 
Die US-Aussaat brummt und hat ihre Rückständigkeit aufholen können. Darüber hinaus fehlen derzeit einfach die Kaufargumente, sodass sich die Fonds leicht tun zu verkaufen. Im Resultat fallen die Kurse. Die Südkoreaner schlossen gestern ihre Einkaufstenderbemühungen ab und kauften insgesamt 198 tsd Tonnen Mais südamerikanischer Herkunft für November-Dezemberlieferung. Ursprünglich hatte die Menge 210 tsd Tonnen betragen, aber mit 198 tsd to waren die Südkoreaner zufrieden.
 
An der Matif konnten die Novembernotierungen gerade noch ein Plüschen von 1,- € retten und bei 182,50 €/mto schließen. Trotzdem notiert man in äußerst sensiblem Preisgefilde, das keinerlei Unterstützung bieten kann, wenn neuer Verkaufdruck aufflammen sollte. Durch den schwachen Chicagoer Schlusskurs ist dieser aber so gut wie vorprogrammiert.

Kartoffel ohne Mut

Die Kartoffelnotierungen blieben gestern mutlos. Zwar schaffte man sowohl alt- als auch neuerntig ein Plus von 0,10 €/dt, aber bei einem Umsatz von 54 Kontrakten blieb der gesamte Handel substanzlos. Was festzuhalten bleibt, ist die Tatsache, dass im Apriltermin 2015 die Unterstützung von 12,0 €/dt gehalten hat. Der Markt schloss auf diesen Termin bei 12,10 €/dt. Dennoch verhielten sich die Notierungen ohne Überzeugung über diesem Niveau. Der Markt gehört weiterhin unter strengste Beobachtung, denn es droht ein ernstzunehmender Angriff auf die eben erwähnte Marke.Der Kassamarkt bestätigte die kraftlose Börsensitzung.
 
Das Schwein erreichte wieder einen Umsatz von 6 Kontrakten und settelte im Julitermin bei 1,720 €/kg. Das stellte ein Plus von 0,017 €/kg Schlachtgewicht dar. Das Ferkel war zu keinen Umsätzen bereit. Im weißen Sortiment ist die Butter nach wie vor das lebhafte Element. Gestern konnten immerhin 13 Kontrakte im Junitermin gehandelt werden, der schließlich bei 3425 €/Tonen schloss. Das Plus betrug damit 43,- €/Tonne

Zucker süßsauer

Es schien, als seien die Zuckernotierungen vollends eingeschlafen. In New York bewegte man sich fast überhaupt nicht vom Fleck. Die Nachrichtenlage war erneut sehr spärlich ausgeprägt. Noch nicht einmal die Analysten, sonst in ihrem Eifer kaum zu bremsen, ließen sich die Zunge lösen, um irgendeinen unbedeutenden Mumpitz zum besten zu geben. Dann aber setzte plötzlich auch im Zucker eine Verkaufswelle ein, die die Preise deutlicher unter Druck brachte. Der Julitermin verlor unterm Strich 0,19 cts/Pfund und schloss bei 17,58 cts/Pfund.

DAX stark

Der DAX zeigte am gestrigen Vormittag kaum Bewegungsfreude und verharrte bei leicht abschlägiger Tendenz auf der Stelle. Am Ende hatte man etwa 20 Punkte verloren und settelte bei 9639,08 Zählern. Ob die Starrheit des Daxes nun die einsetzende Totenstarre ist und man sich auf fallende Aktienmärkte einstellen muss, ist nicht zu beantworten. Die EZB wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Nullzinspolitik fahren und sich auch sonst spendabel zeigen, wenn es darum geht, dem Staat und den Finanzmärkten Geld in den Hintern zu blasen.



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