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Börsentelegramm

Agrarmärkte weitestgehend ohne Aufregung

von , am
26.02.2014

Am gestrigen Handelstag verlor Baumwolle am stärksten. © Manfred Rose/pixelio.de
Der gestrige Dienstag hatte nur wenig Aufregendes im Gepäck. In Übersee waren die Getreide- und Ölsaatenmärkte nur leichten Preisverschiebungen ausgesetzt. Baumwolle verlor am stärksten. Der lächelnde Sieger von gestern befand sich aber auf unserer Seite des Atlantiks. An der Frankfurter Eurex rasten die Kartoffelnotierungen infolge einer Meldung aus Holland gen Norden und legten fast 17% zu. In den außeragrarischen Märkten büßten Rohöl und Aktien moderat ein.

Bohne mit weiteren Zugewinnen

Der Aufwärtstrend im Sojaschrot ist intakt. Es wurden gestern erneut frische Hochs gemacht, die eine magnetische Anziehungskraft auf die Bohne selbst hatten. Die Bohne legte im Maitermin 12 ¼ cts/bu zu und schloss bei 13,87 ¼ US$/bu. In den momentanen Rahmenbedingungen des Sojakomplexes bedeutet festes Schrot eine feste Bohne. Da beisst die Maus keinen Faden ab!
 
Es gab gestern zeitweilig widersprüchliche Angaben hinsichtlich eines us-amerikanischen Exportgeschäfts. Es wurden 568 tsd Tonnen Bohnen verkauft, deren Destination zuerst nicht eindeutig war. Mal wurde der Bestimmungsort mit China und mal mit "unbekannt" angegeben. Da wir aber seit vielen Jahren ohnehin die Ansicht vertreten, dass fast all US-Bohnenexportpartien, die statistisch mit einem unbekannten Bestimmungsort deklariert sind, in China landen, ist für uns der kleingeistige Zank um diese Thematik bedeutungslos.
 
Die brasilianische Bohnenernte ist zu etwa einem Drittel abgeschlossen. In Südbrasilien haben die Erntearbeiten eben erst begonnen, aber die Ertragsmeldungen aus den dortigen Frühdruschgebieten stützen die Prognose eine Gesamternte von 89-91 mio Tonnen. Die jüngsten Regenfälle in Südamerika haben in Brasilien örtlich das Potential die Ernteaktivitäten zu unterbrechen, während sie in Argentinien den Pilzkrankheitsdruck zu steigern vermögen.
 
An der Pariser Matif neigten sich die Rapsnotierungen gen Süden. Zwar versuchte man zwischenzeitlich ein Aufbäumen, aber die in letzter Zeit schwer geschundenen Bären kämpften wie die Löwen, um wenigstens diesen Tagessieg einzufahren. Der vordere Maitermin büßte 0,25 €/mto ein und schloss bei 398,75 €/to.

Weizen wackelt, pendelt sich aber wieder ein

Der Maitermin schraubte sich in Chicago einen ct/bu höher und schloss bei 6,18 US$/bu glatt. Die nächste Kältewelle wälzt sich in den nächsten zehn Tagen durch die USA und hat in mancher Berichterstattung ein nicht statthaftes Maß an Aufmerksamkeit bekommen. Sicherlich wird´s kalt, aber nicht hauptsächlich in den Winterweizengebieten. Diesen Punkt sollte man nicht unterschlagen. Die Dakotas und Minnesota sind aber tatsächlich der Gefahr von Auswinterungen ausgeliefert.
 
Das ägyptische Finanzministerium hat gestern staatliche Garantien in Höhe von etwa 75 mio US$ gegeben, um Weizenimporte in Höhe von 240 tsd Tonnen "finanziell abzusichern". Die jüngsten Turbulenzen um die Korruptionsvorwürfe in der GASC und der Regierungsrücktritt haben offensichtlich unter den Weizenmarktlieferanten ein Maß an Unsicherheit und Vorsicht ausgelöst, das durchaus dazu geeignet ist, den physischen Warenfluss zu gefährden. Ob die gestrige Stornierung von 110 tsd Tonnen US-Weizen durch die Ägypter damit in Zusammenhang steht, kann nur gemutmaßt werden.
 
Die Schienenlogistik im Landesinneren von Kanada ist noch weit davon entfernt, im "Gleis der Gewohnheit" voran zu kommen. Nichtsdestotrotz können an manchen ozeannahen Umschlagplätzen die angelieferten Massen an Ware nicht zeitnah abgefertigt werden, was die Preise inklusive Prämien massiv hat sinken lassen. Das Agrarministerium plant offensichtlich Schritte, in die Logistik einzugreifen, um örtlich für Entlastung zu sorgen. Inwieweit derartige Schritte dazu geeignet sind, strukturell Abhilfe zu schaffen ist sehr fraglich. Die Wirkung dürfte vorerst über ein kurzfristiges Minimum nicht hinauskommen. Man wird letztlich warten müssen, bis alles wieder aufgetaut ist, bevor es wieder richtig flutscht. Auch wenn die Eisenbahnunternehmen kurzfristig mehr Transportraum im Getreidebereich zur Verfügung stellen wollen. Im asiatischen Raum wird immer mehr Getreide verbraucht. Diese Erkenntnis ist nicht neu und deutete sich in den letzten fünf Jahren klar an, sodass sie nicht im Verborgenen bleiben konnte.
 
Infolgedessen nimmt es nicht wunder, dass das bevölkerungsreichste Land im asiatischen Raum (China) mit stetig ansteigen Importen aufwartet. Im Januar lagen die Weizenimporte Chinas bei offiziell ausgewiesenen 725,9 tsd Tonnen, was mehr als 300% über den Januarimporten aus dem Jahre 2013 liegt. Wer glaubt, dass die Chinesen angesichts dieser Importzahlen einen Korrekturbedarf ihrer Statistik verspürten, irrt gewaltig. Sie beharren weiterhin auf fast 132 mio Tonnen in 2013. Dinge wie ein 36%iger Flächenrückgang bei Weizen vom Jahr 2012 auf 2013 in der Provinz Heiljongjang werden konsequent ausgeblendet. Die chinesischen Produktionsstatistiken sind bestenfalls eine Kollektion von Albernheiten und stellen die Quintessenz aller Absurdität dar.
 
Die Matifnotierungen erwiesen sich gestern als kleine uneinnehmbare Trutzburg der Bullen. Zwar stand man auf wackeligen Beinen und neigte den größten Teil der Handelssitzung zur Schwäche, aber die Bullen lagen in geringer preislicher Entfernung auf der Lauer und kauften, was sich ihnen bot. Am Ende des Tages bezogen die Bären Prügel und mussten das Feld räumen. Das ist insofern relevant, als dass die Notierungen an der Matif derzeit mit ihren 200-Tagelinien im Clinch liegen. Wenn es dem Maitermin gelingen sollte, dem Vorbild des technisch getriebenen Märztermins zu folgen und diese charttechnische Schlüsselmarke überzeugend zurück zu erobern, wäre ein bullisches Achtungszeichen gesetzt. Gestern blieb im Maitermin ein kleines Plus von 0,25 € übrig. Der Schlusskurs lag bei 196,25 €/mto.

Mais leicht aufschlägig

Der Maitermin am CBoT schloss gestern 3 ½ cts/bu fester bei 4,61 ¼ US$/bu. Trotz der zirkulierenden Gerüchte, dass die ukrainische Ware auf dem internationalen Markt konkurrenzfähiger würde und es in Argentinien ähnlich aussehe, bewegten sich die Notierungen in Übersee nach oben. Die us-amerikanischen Exporteure verabschieden sich vom Mais-Genstamm MIR 162. Gestern proklamierte ein weiterer international tätiger Händler, diese Ware aufgrund der Probleme in China nicht mehr abfertigen zu wollen. Damit wird der Kreis derer, die noch willens sind, mit MIR 162 umzugehen, bedrohlich klein. Aus dem Bundenstaat Texas wurde gemeldet, dass bereits 3% des neuerntigen Maises ins Saatbett gekommen sei. An der internationalen Geschäftsfront kauften die Südkoreaner 63 tsd Tonnen Mais. Ein marktübliches Geschäft, das man müde zur Kenntnis nahm. Mais an der Matif verlor der Junitermin 0,25 € und settelte bei 178,25 €/mto.

Kartoffel jagt nordwärts

Mit einer sehr deutlichen Erholungsrallye konnte gestern die Kartoffel an der Eurex aufwarten. Aufgeschreckt durch unbestätigte Gerüchte, dass die Holländer 500 tsd Tonnen alterntiger Kartoffeln weniger als angenommen auf Halde hätten, explodierten den Preis geradezu. Der Preisunterschied zwischen Börse und Kassamarkt konnte hierdurch neutralisiert werden. Die Kassapreise lagen geraume Zeit oberhalb der Börsennotierungen, und man fragte sich, von welcher Seite her ein alterntiger Anpassungsdruck kommen würde. Diese Frage ist gestern durch den Preisruck an der Börse infolge des eben genannten Gerüchts bzgl. der holländischen Versorgungsstatistik beantwortet worden.
 
Bei einem Gesamtmarktumsatz von immerhin 411 Kontrakten packte der alterntige Apriltermin 2014 2,- €/dt drauf (+16,95%) und schloss bei 13,80 €/dt. Den Bären fuhr der Schrecken durch Mark und Bein, sodass sie sich die fluchtbereit gepackten Koffer schnappten und den Markt verließen.
 
Im Schweinebereich konnte sich der umsatzfreundliche Montag nicht in den Dienstag fortpflanzen. Hier musste man eine Nullnummer hinnehmen. Im weißen Sortiment schritt die Butter zur Ehrenrettung des Komplexes und schaffte im Junitermin 2014 genau einen Kontrakt zwischen Käufer und Verkäufer hin und her zu schieben. Bei einem Preis von 3575,- €/to ging das vor sich; ein Plus von 87,- €/to. Grund genug für die Börse, gleich eine Vielzahl an Fälligkeiten bullisch zu setteln.

Dax zeigt sich beeindruckt

Die Geschäftsberichte aus der Wirtschaft sorgten gestern zum wiederholten Male für Enttäuschung, sodass man sich lieber von Papieren trennte als sie weiter zu zukaufen. Besonders hart erwischte es die Papiere um Fresenius bzw. Fresenius Medical Care. Hier wendeten sich die Anleger mit schreckgeweiteten Augen ab und verkauften in verstärktem Maße. Auch hier war es der Geschäftsausblick für das laufende Jahr, der als miserabel eingestuft wurde. Zeitweise musste man wohl Angst haben, dass die Verluste auf prozentualer Basis die Zweistelligkeit erreichen würden. Das alles ging am DAX nicht spurlos vorbei. Der Index gab zur Mittagsstunde etwa 50 Punkte ab und neutralisierte damit die tags zuvor gemachten Gewinne. Am Ende des Tages blieb ein wenig bedeutsames Minus von 9,59 Punkten übrig, der Index schloss bei 9699,35 Zählern.

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