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Börsentelegramm

Agrarmärkte weitestgehend im Ruhemodus

von , am
08.01.2014

Im Vorfeld des am Freitag erscheinenden USDA-Reports blieben die Getreide- und Ölsaatenmärkte gestern weitestgehend ruhig.

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© Torbz/fotolia.de
 
Im Vorfeld des am Freitag erscheinenden USDA-Reports blieben die Getreide- und Ölsaatenmärkte gestern weitestgehend ruhig. Die Schlusskursveränderungen am CBoT waren kaum der Rede wert. Insgesamt war aber eine leicht schwächere Tendenz zu spüren, die sich marktübergreifend manifestierte. Rohöl konnte sich etwas konsolidieren; Aktien wurden fester gehandelt.
 
Bohne unverändert
Die Märzbohne verlor in gestriger Sitzung ¾ cts/bu und settelte bei 12,76 US$/bu. Die Meldung des Tages bestand aus einem Exportgeschäft, das irgendwann über die Ticker lief. Die Chinesen begannen nun auch ihrerseits das neue Jahr im Sojageschäft und kauften in den USA 350 tsd Tonnen Sojabohnen aus der laufenden Kampagne. Damit kann man es heute morgen auch schon bewenden lassen, denn außer dem südamerikanischen Wetter herrschte Nachrichtenflaute. Vorgestern und gestern dominierten noch die trockenen Bedingungen in Argentinien und Südbrasilien. Tropische Wetteraktivität brachte etwas Niederschlag in Regionen um Parana und Mato Grosso. Weiterhin sind sich die Wettervorhersagen dienstübergreifend einig, dass in der zweiten Hälfte der laufenden Woche die argentinischen Anbauzonen guten Niederschlag erwarten dürfen. Lediglich in den äußerst südlichen Regionen Argentiniens könne man sich nicht über Regen freuen.
 
Der Zehntageausblick sieht für Südbrasilien derzeit wechselhaftes Wetter voraus, das immer wieder Schaueraktivität bringt und damit aus landwirtschaftlicher Sicht als begrüßenswert gilt. Die Temperaturen sieht man im sommerlichen Bereich, sodass hier vorerst kein Ungemach droht. Die Rapsnotierungen an der Matif bekamen gestern heftiger auf die Mütze. Der Februartermin büßte 4,75 € ein und schloss bei 356,75 €/mto. Sollte bei der Bohne, die preisliche Unterstützung Richtung Schrot in der Margenkalkulation wegbrechen oder das USDA am Freitag eine bärische Überraschung raushauen, dann kann Raps schnell den Status „Fallobst“ annehmen. Mit gestrigen Verlusten hat der Markt neue Tiefs gemacht und aus charttechnischem Blickwinkel steht die Tür nun sprerrangelweit offen für weitere Verluste.
 
Weizen schaut die Wetterberichte
Der Märzweizen in Chicago verlor gestern 3 ¼ cts/bu und settelte bei 6,02 ½ US$/bu. Die Chicagoer Sitzung war vernachlässigbar, weil es keine neuen Nachrichten zu verdauen gab. Bangladesh ließ sich gestern erstmals im neuen Jahr im internationalen Marktgeschehen blicken und startete einen Einkaufstender über 50 tsd Tonnen Weizen. Auf eine bestimmte Herkunft wurde keinen Wert gelegt, aber man darf davon ausgehen, dass indischer oder australischer Weizen zum Zuge kommen wird, wenngleich die Australier Mitte Dezember letzten Jahres ihre Exportaussichten etwas zurück genommen hatten. In den USA dominierte die arktische Kaltfront das Wettergeschehen in den Plains und im Norden des Mittleren Westens. In sämtlichen Fernsehnachrichten gab es kein anderes Thema zumal der eisige Wind die gefühlten Temperaturen noch einmal brutal unter die gemessenen hat fallen lassen.
 
Der weitere Forecast sieht die arktische Kaltfront weiterhin am Ruder, wenngleich in der zweiten Wochenhälfte die Temperaturen deutlich ansteigen sollen…allerdings ohne den Negativbereich zu verlassen. Aus landwirtschaftlicher Sicht ist interessant, dass diejenigen Gebiete us-amerikanischen Winterweizenanbaus, die keine ausreichende Schneeabdeckung besitzen, auch nicht oder bislang nur gering-gradig von der extremen Kälte betroffen sind. Die Gefahr signifikanter Auswinterungen gilt als nicht existent, was vom Marktverhalten klar bestätigt wird! An der Matif ist man sich seiner eigenen exportgestärkten Bemuskelung bewusst und hält sich trotz international sinkender Kurse wacker über 200,- €/mto. Märztermin gestern minus 0,75 € bei 201,75 €.
 
Mais leicht abschlägig
Der Märztermin schloss gestern in Chicago bei 4,26 US$/bu, was ein Minus von 1 ¾ cts/bu darstellte. Die einzige Nachricht von Bedeutung waren Meldungen über die Akzeptanz seitens Chinas hinsichtlich DDG aus den USA. Im Zuge der Genthematik ist auch das Nebenprodukt der getrockneten Maisschlempe ins Visier der Chinesen geraten. Das ukrainische Landwirtschaftsministerium bezifferte die Maisexporte des Landes im Kalenderjahr 2013 auf 9,5 mio Tonnen, was dank der erholten Erntemengen ein Drittel mehr war als in 2012. An der Matif verlor der Märztermin 0,25 €/mto und settelte bei punktgenauen 175,- €/mto.
 
Kartoffel: Markt auf der Kippe?
Die Kartoffel scheint derzeit auf einem schmalen Grat zu wandeln und links und rechts gähnen die Abgründe weiterer Preisreduktionen. Gerade die zur Verarbeitung bestimmte Industriekartoffel schwebt in Gefahr, ihren derzeitigen preislichen Taumel nicht auskreisen lassen zu können. Der gute Deckungsgrad der Verarbeiter bis weit ins Frühjahr hinein treibt die Anbieter zwar nicht gerade nach Belieben vor sich her, aber der damalige Zugzwang ist vollständig aus dem Markt gewichen, und wir befinden uns langsam aber sicher eher im Zustand eines Käufer- als eines Verkäufermarktes. Die vordere Ware drückt und lässt sowohl die Börse als auch die Kassanotierungen nach unten schauen. Im gestrigen Handel wurden immerhin 240 Kontrakte auf den Apriltermin 2014 umgesetzt, wobei die Notierungen weitere 0,30 €/dt einbüßten und bei 16,20 €/dt settelten. Das Januarschwein wurde zwischen 1,550 und 1,558 dreimal umgesetzt. Das Ferkel und das weiße Sortiment blieben erneut unangetastet.
 
Zucker lustlos
Der Zuckerhandel war gestern sowohl an der Londoner als auch an der New Yorker Börse ruhig. Die Nachrichtenlage war unverändert, sodass aller Voraussetzungen vorlagen, um sich im Müßiggang zu üben. Man zog es vor, ohne große Aufregung weiter vorzurobben. In London schloss gestern der Weißzuckerkontrakt im Märztermin bei 439,50 US$/Tonne. Lang ist's her, als die Tonne noch mit über 850,- US$ bezahlt wurde. Das war Mitte 2011.
 
Robert Theis
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