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Börsentelegramm

Agrarmärkte im Zeichen des USDA-Berichts

von , am
12.06.2014

© Mühlhausen/landpixel
Die globalen Agrarmärkte standen gestern im Zeichen des monatlichen WASDE-Berichts des us-amerikanischen Landwirtschaftsministeriums. Man hielt sich mit seinen Handelsaktivitäten weitestgehend zurück und wartete auf die Zahlen. Diese kamen schließlich um 18:00 Uhr (MEZ).
 
Insgesamt betrachtet stellte das Zahlenwerk des USDA´s keine Neuordnung der bereits bekannten Dinge dar. Man beschränkte sich auf untergeordnete Anpassungen kosmetischen Charakters. Das Ausbleiben frischer Bulligkeit erlaubte es den Bären, die derzeitigen Abwärtstrends fortzusetzen.

Sojabohne im Minus

Die Julibohne verlor gestern 16 ¼ cts/bu und settelte bei 14,45 ½ US$/bu. Wer gehofft hatte, vom USDA einen tieferen zahlenmäßigen Einblick ins Geschehen zu bekommen, wurde gestern enttäuscht. Was die neuerntige US-Produktion anbelangt, so hat sich das USDA der Kopieren+Einfügen-Funktion bedient und das Thema damit abgehakt. Aufgrund niedrigerer Anfangsbestände gab es hinten einen niedrigeren neuerntigen Endbestand zu vermelden, aber die Größenordnung war vernachlässigbar. Auf globaler Ebene blieb ebenfalls alles beim bereits Bekannten.
 
ABARES bezifferte die australische Rapsernte 2014/15 auf 3,471 mio Tonnen, was durchaus eine signifikante Aufwärtskorrektur zur letzten Schätzung darstellte. Zuletzt hatte man mit 2,948 mio to noch deutlich weniger angenommen. Aber nicht nur in Down Under gab es zahlenmäßige Neubewertungen zu beobachten, sondern vor der eigenen Haustür wurde ebenfalls gekehrt.
 
Der Deutsche Raiffeisenverband hob seine Prognose für die heimische Rapsernte 2014 um 300 tsd to auf nun 5,9 mio to an. Die Marke von 6,0 mio Tonnen wollte man nicht sprengen. In der Statistik setzte der Verband höhere Durchschnittserträge an und kam infolgedessen zu höheren Gesamterträgen. In Paris konnte der Augusttermin 0,50 €/mto zulegen und bei 347,25 €/mto schließen.

Weizen durchbricht die 6,- US$/bu-Marke

Der Juliweizen am CBoT verlor gestern 12 ½ cts/bu und settelte am CBoT bei 5,88 ¾ US$/bu. Damit schaut sich der Weizen nun die 6,- US$-Marke von unten an. Die Bären dürfte es freuen. Das USDA hatte die US-Produktion infolge der trockenen Bedingungen in den US-Plains marginal zurückgenommen, aber die hierdurch freigesetzte Bulligkeit reichte bei weitem nicht aus, um den bärischen Einfluss der Bestandszuwächse auf globaler und US-Ebene abzuwehren. Der USDA-Report lieferte also den Bären ausreichend Gründe, um den Abwärtstrend weiter auszubauen. Dabei war das Handelsvolumen am CBoT durchaus signifikant, wenngleich es keine Rekordumsätze gegeben hat.
 
SovEcon nutzte die Zeit vor Veröffentlichung des USDA-Reports und kloppte noch schnell seine Zahlen hinsichtlich der russischen Ernte in den Äther. Hatte man in seiner letzten Schätzung noch 88 – 92 mio to russischer Gesamtgetreideproduktion ausgewiesen, so reduzierte man diesen Wert gestern auf 87 – 90 mio Tonnen. Innerhalb dieser Zahlen wurde die Weizenproduktion von 50 auf 49 mio to reduziert.
 
Der Deutsche Raiffeisenverband veranschlagte gestern in seiner jüngsten Schätzung die deutsche Getreideernte auf 48,3 mio Tonnen. Im Vormonat ging man noch von 47,5 mio to aus und im Jahr zuvor konnte auf deutschen Äckern eine Gesamtgetreideernte von 47,8 mio Tonnen erzielt werden. Was den Weizen anbelangt, so geht der Verband von 25,1 mio to aus. Das sind 500 tsd Tonnen mehr als man noch im letzten Monat veranschlagt hatte. Die Roggenernte Deutschlands beließ man bei 3,8 mio Tonnen. Aufgrund der deutlich geringeren Aussaatfläche bewegt sich dieser Wert ca. 20% unter dem Vorjahresniveau.
 
An der Pariser Matif durchschlug der Preis für den Novembertermin die 190,-er-Marke und settelte nach einem Verlust von 1,- € bei 189,25 €/mto.

Mais verzeichnet neues Viermonatstief

Der Julitermin am CBoT verlor gestern 4 cts/bu und settelte bei 4,41 ¼ US$/bu. Die wegbrechenden Weizennotierungen lieferten die Steilvorlage für schwächere Maispreise am CBoT. Hinzu kamen die verbesserten Produktionszahlen für eine ganze Reihe von Erzeugerländern, die in ihrer Gesamtheit die globale Weizenbilanz weiter entspannten. Die USA ließ man seitens des USDA´s vorerst unangetastet und beschränkte sich auf einen verbalen Hinweis, dass sich die Dinge im Mittleren Westen sehr gedeihlich präsentierten. Das USDA war gestern unterm Strich nicht in der Lage, neue Erkenntnisse zu liefern.
 
Jordanien kaufte gestern 50 tsd Tonnen Gerste optionaler Herkunft für Oktoberlieferung. An der Matif schloss der Junitermin unverändert bei 181,75 €/mto.

Eurex: Kartoffel mit Kurssprung

Die Bullen antworteten gestern mit einem unmissverständlichen Signal in Richtung Bären. Offenbar hat man im bullischen Lager nicht die Absicht, sich alles gefallen zu lassen. Nach den heftigen Verlusten holte man gestern zum Gegenschlag aus und brachte die Preise deutlich nach oben. In den Niederlanden keimten Phantasien darüber auf, ob es nicht zu wenig Niederschlag für die Kartoffeln gegeben habe. Die Situation bei unserem oranjen Nachbarn sieht weit weniger komfortabel aus als bei uns, wo es kontinuierlich Niederschläge gegeben hat. Dennoch hält man die Sorge um das niederländische Produktionspotential als derzeit etwas übertrieben. Nichtsdestotrotz legte der Apriltermin 2015 gestern 0,60 €/dt zu und settelte bei einem Gesamtumsatz von 105 Kontrakten bei 12,20 €/dt.
 
Erfreulicherweise gab es auch zur Wochenmitte Umsatz im tierischen Bereich. Das Mastschwein verzeichnete Aktivität und wurde bei 1,750 bzw. bei 1,760 €/kg im Juli und August 2014 insgesamt dreimal gehandelt. Das Ferkel ging leider leer aus. Das weiße Sortiment behielt ebenfalls auf Tagesbasis seine Unschuld und wurde nicht gehandelt.

China: Teuerungsraten ziehen an

Dass man den offiziell ausgewiesenen Teuerungsraten mit einer gesunden Portion Skepsis begegnen sollte, ist für unsere Leser nichts Neues und lang gepflegte Tradition in unserer Berichterstattung. Trotzdem dürfen/müssen wir festhalten, dass nunmehr auch die von staatlicher Seite niedrig gehaltene statistische Preisinflation deutlich zu steigen anfängt. Die seitens des Reichs der Mitte am Dienstag veröffentlichten Preisinflation betrug im Monat Mai 2014 satte 2,5% im Vergleich zum Mai 2013 und ein Plus von 1,8% im Vergleich zum April 2014. Die chinesische Zentralbank befindet sich nun in ihrem selbst konstruierten Dilemma. Wenn die Verantwortlichen damit beginnen, die sich infolge des geringer gewordenen Geldzustroms entfaltende Korrektur in den überinvestierten Wirtschaftsbereichen mit neuen Gelddruckorgien zu bekämpfen, sind weitere geldseitig initiierte Preissteigerungen unumgänglich. Lässt man die Korrektur in den überinvestierten Bereichen zu, wird sich das, was man als Krise bezeichnet, weiter intensivieren.
 
Um die anziehenden Preise im Nahrungsmittelsegment von der Warenseite her zu bekämpfen, hat man seitens der PBoC (chinesische Zentralbank) die Mindestreserveanforderungen für Banken gelockert, die Kredite in die Agrarwirtschaft vergeben. Die getroffenen Maßnahmen kommen erstens zu spät und reichen zweitens nicht aus, um die Entwicklung in den Nahrungsmittelpreisen aufzuhalten. Die eingeleiteten Maßnahmen zeigen aber, dass man sich seitens der PBoC der Thematik sehr bewusst ist und um die Konsequenzen fürchtet.

Gewinnmitnahmen bremsen DAX aus

Nach den Kurssprüngen zu Beginn der Woche, die den DAX auf neue Hochs katapultierten, übernahmen gestern Gewinnmitnahmen die Dominanz. Der wichtigste Faktor des gestrigen Tages war die überraschende Gewinnwarnung der Lufthansa. Das Papier der Kranichairline wurde zeitweise derart heftig abverkauft, dass die Verluste auf fast 15% anschwollen. Die Stimmung war weitestgehend verdorben und der DAX trudelte abwärts. Am Ende hatte man 78,99 Punkte hergegeben und bei 9949,81 Zählern gesettelt.



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