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Börsentelegramm

Agrarmärkte im Zeichen des USDA-Reports

von , am
11.12.2014

© Beuermann/landpixel
Der gestrige Tag stand erwartungsgemäß unter dem Einfluss des USDA-Reports. In den monatlichen Zahlen für den Dezember ragten aber keine überraschenden Entwicklungen hervor. Im großen und ganzen wurden die Flüsterschätzungen des Marktes bestätigt.
 
Wesentliche Verschiebungen, die eine Neubewertung der Angebots- und Nachfragesituation nötig machen würden, gab es keine. Am CBoT setzte sich eine abschlägige Tendenz durch, die Bohne, Mais und Weizen belastete.
 
Sojabohne im Minus
 
Die Januarbohne verlor 17 ¼ cts/bu und schloss bei 10,32 US$/bu. Am Abend kamen die Zahlen des USDA´s. Die US-Endbestände der laufenden Kampagne wurden mit 410 mio Scheffel angegeben. Das lag unter der Markterwartung von 427 und unter dem Vormonatswert von 450 mio Scheffel. Die argentinische Bohnenernte wies man mit 55 und die brasilianische Bohnenernte mit 94 mio Tonnen aus. Beides lag in etwa auf dem Niveau des Vormonats. Die weltweiten Endbestände an Sojabohnen wurden mit 89,87 mio to angegeben. Das brachte keine neuen Erkenntnisse.
 
Die statistische Abteilung des brasilianischen Agrarministeriums (Conab) bezifferte gestern die brasilianische Sojabohnenernte mit 95,8 mio Tonnen. Mit dieser Zahl hat man die Vormonatsschätzung von „nur“ 90,5 mio to signifikant verbessert. Wir hatten streckenweise zu trockene Bedingungen gehabt, aber offenbar hat dies keine pflanzenbaulichen Spuren hinterlassen.
 
An der Matif drehten die Rapspreise im Tagesverlauf ins Minus. Der Tag wurde optimistisch begonnen, und grüne Preiszuwächse zierten die Kursbretter. Dann aber drehten die Notierungen, und der Rotstift übernahm das Regiment. Der Februar gab mit einem Verlust von 3,50 und einem Schlusskurs von 339,50 € die Marke von 340,- € preis.
 
Weizen büßt ein
 
Der Märztermin am CBoT verlor gestern 4 cts/bu und settelte bei 5,81 ¾ US$/bu. Das USDA veranschlagte die globalen Endbestände beim Weizen mit 194,9 mio to, was über der Markterwartung von 191,75 mio to lag. Im letzten Monat gingen die Washingtoner Statistiker noch von 192,9 mio to aus. Der Markt wurde hier auf dem falschen Fuße erwischt, sodass ein leicht bärischer Einfluss sichtbar war. Im Kern hat sich die Situation damit aber nicht verändert. Bei den US-Weizenendbeständen der laufenden Kampagne traf das USDA mit 654 mio Scheffel exakt die Erwartungen des Marktes. Im Vormonat lag man 10 mio Scheffel darunter. Auch hier mag es einen leicht bärischen Einfluss gegeben haben. Unterm Strich war der USDA-Report in Sachen Weizen aber ein Non-Event. Die Rahmendaten des Marktes haben sich nicht verändert.
 
Im internationalen Marktumfeld fielen die Südkoreaner auf. Diese hatten einen Tender über 31,2 tsd Tonnen Weizen aufgelegt, kauften dann aber satte 50 tsd to mehr. Die 81,2 tsd Tonnen werden aus Australien kommen und im Mai des kommenden Jahres angeliefert. Der Irak startete einen Routinetender für 50 tsd Tonnen Mahlweizen. Ergebnisse dieser Bemühungen lagen gestern noch nicht vor. Dafür meldete man den Abschluss der Kaufbemühungen aus Jordanien. Die Jordanier buchten 50 tsd Tonnen Mahlweizen optionaler Herkunft. FranceAgriMer (FAM) bezifferte die französischen Weizenendbestände der laufenden Kampagne bei 4,55 mio Tonnen. Das ist ein Zehnjahreshoch und darauf zurückzuführen, dass die Franzosen fürchten, wegen ihrer qualitativ grenzwertigen Ware Absatzprobleme im internationalen Markt zu haben. Besonders der innereuropäische Handel wird skeptisch gesehen. Der außereuropäische Weizenexport wurde mit 8,5 mio Tonnen beziffert, was 30% unter Vorjahresniveau liegt.
 
An der Matif ging´s bergab. Der Januar verlor 2,25 € und schloss bei 184,25 €/mto. Mit diesem Schlusskurs haben die wichtigsten Unterstützungen gehalten.
 
Mais hauchdünn schwächer
 
Der Märztermin am CBoT verlor gestern 1 ½ cts/bu und schloss bei 3,82 ½ US$/bu. Das USDA veränderte die weltweiten Endbestände an Mais so gut wie überhaupt nicht. Mit 192,2 mio to bestätigte man quasi die Vormonatsschätzung von 191,5 mio Tonnen. Die US-Maisendbestände der laufenden Kampagne veranschlagte man mit 1,998 Mrd. Scheffel, was unter der Markterwartung von 2,027 Mrd. Scheffel lag. Im Vormonat wies man in Washington 2,008 Mrd. Scheffel aus. Beide Veränderungen im Zahlenwerk sind untergeordneter Natur und haben bestenfalls kosmetischen Charakter. Im Kern blieb auch hier alles beim alten. Die südamerikanischen Ernten bezifferte man mit 22 mio to (Argentinien) und mit 75 mio to für Brasilien. Auch das sind so gut wie keine Verschiebungen der bereits bekannt gewesenen Daten.
 
US-Exporteure meldeten den Verkauf von 188,9 tsd Tonnen Mais an eine nicht näher genannte Destination. Die statistische Abteilung des brasilianischen Agrarministeriums (Conab) bezifferte gestern die brasilianische Maisernte 2014/15 mit 78,7 mio Tonnen. Das war eine Aufwärtskorrektur von 600 tsd Tonnen. Zuletzt hatte man nämlich 78,1 mio to heraus gehalten. FranceAgriMer (FAM) ließ sich bzgl. Mais dahingehend ein, als dass man nun die französische Maisernte 2014 bei 17,3 mio Tonnen sieht. Das war eine Aufwärtskorrektur der Vormonatsschätzung von 16,9 mio to. Die Endbestände der laufenden Kampagne 2014/15 veranschlagte man mit 4,1 mio to. Bei der Gerste betrügen diese 1,3 mio to. Hier korrigierte man im Vergleich zum Vormonat 100 tsd to nach unten. Die Matif wusste nun überhaupt nichts mit den Maisnotierungen anzufangen. Man entschied, dass es wohl das beste sei, sich nicht vom Fleck zu rühren. Am Ende blieb aber ein Minus von etwa 1,50 stehen. Der Märztermin schloss bei 158,50 €.
 
Zucker: Preise stabilisieren sich
 
Der Zuckerpreis konnte sich gestern weiter stabilisieren. Nachdem man in der ersten Dezemberwoche ein frisches Preistief markieren musste, ging es diese Woche wieder bergauf, wenn auch auf niedrigem Niveau. Der Anlass für die Festigkeit im Markt ist die schwächer als erwartete brasilianische Verarbeitung. Die Zuckerpreise laden trotz des leichten Anstieges nicht zur übermäßigen Produktion ein, sodass es eigentlich nicht wunder nehmen sollte, dass die Brasilianer keine Eile haben, ihr Zuckerrohr zu verarbeiten. Da sich im Zuckermarkt wieder eine spekulative Shortposition aufgebaut hatte, bot der Markt eine offene Flanke für bullische Nachrichten. Diese kamen aus Brasilien und Teile der Shorties kauften zurück. Das Resultat waren steigende Zuckerpreise.
 
In New York schloss der Märzkontrakt bei 15,47 cts/Pfund. Ein Miniplus von 0,05 cts/Pfund.
 
Eurex-Kartoffel: Umsatz steigt, Preis fällt
 
Auch wenn man es kaum noch für möglich gehalten hat, die Kartoffel machte gestern an der Eurex ein neues Tief. Die Umsatztätigkeit zog deutlich an, es wurden immerhin 158 Kontrakte umgesetzt. Der Preis des Aprilkontraktes geriet bei der verbesserten Umsatztätigkeit unter die Räder und gab 0,20 €/dt nach. Am Ende stand ein Kurs von gerade noch 4,50 €/dt. Das ist der niedrigste Preis in der Lebensdauer dieses Terminkontraktes. Mit anderen Worten, beim Kartoffelpreis ist Schmalhans nun endgültig Küchenmeister geworden. Vom Kassamarkt gab es nichts zu berichten. Totes Geschäft an allen Orten. Exporte: Fehlanzeige.
 
Im Schweinebereich konnte man keine Sau zu Umsätzen animieren. Im weißen Sortiment glänzten Butter mit acht Kontrakten und das Magermilchpulver mit einem Kontrakt Umsatz. Das muss besser werden.
 
DAX tritt auf der Stelle
 
Den Daxanlegern ist nicht mehr gut zumute. Die Höhenluft war etwas zu dünn und ist nicht gut bekommen. Vom Sauerstoffmangel beeindruckt ging´s diese Woche bergab. Gestern bremste man aber die Abwärtsbewegung aus und schaffte ein Plus von 6 Punkten. Schlusskurs: 9799,73 Zähler. Wir hatten uns gestern kurz um die Sorge in den Märkten über den weiteren Fortgang der Zinspolitik in den USA geäußert. Das internationale Umfeld blickt mit Sorgesfalten auf der Stirn in fast alle Richtungen.
 
Für einen anderen Aufreger, mit dem niemand gerechnet hatte, sorgte die chinesische Notenbank (PBoC). Erst vor wenigen Wochen hatte Peking die geldpolitischen Zügel gelockert, weil man Gefahren für den schrumpfenden Immobiliensektor sah. Zur Überraschung aller haben die Chinesen zu Wochenauftakt diesen Schritt wieder rückgängig gemacht und sogar noch weiter gehende geldmengenrestriktive Maßnahmen erlassen. In der Folge kamen die chinesischen Aktienmärkte stark in die Bredouille und wurden massiv abverkauft. Gestern stellte sich zwar eine Erholung ein, aber die Chinesen machen mit ihren geldpolitischen Schritten deutlich, auf was es ihnen ankommt und was sie am meisten fürchten: geldseitige Preisinflation!
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