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Börsentelegramm

Agrarmärkte im Zeichen des USDA-Reports

von , am
11.06.2014

Weizenkörner in Nahaufnahme
Weizen konnte gestern an der CBoT 3,25 ct zulegen. © Gina Sanders/fotolia.com
Die globalen Agrarmärkte befanden sich gestern bei insgesamt schwacher Umsatztätigkeit in Wartehaltung auf den heutigen Wade-Report seitens des USDA´s. Trotzdem etablierte sich ein marktübergreifend festeres Preisbild. Die große Ausnahme waren die Getreidenotierungen am CBoT. Hier rutschte man krachend ein Stockwerk tiefer und teste gefährliche Unterstützungsniveaus.
 
Baumwolle war mit einem Zugewinn von deutlich über 2 % der Tagessieger. Es wird an dieser Stelle bewusst darauf verzichtet, im Rahmen des Börsentelegramms die einzelnen Erwartungshaltungen hinsichtlich des heute erscheinenden WASDE-Reports in Zahlen zu fassen. Für diese Angaben bitte in die Tagesberichte schauen.

Sojabohne im grünen Bereich

Die Julibohne legte am CBoT gestern 4 ¾ cts/bu zu und settelte bei 14,61 ¾ US$/bu. In den internationalen Beiträgen ist von Schnäppchenjägern die Rede, die sich gestern die Taschen voll gemacht haben sollen und durch ihre Kaufaktivität den Markt stützten. Derartiger Unsinn ist wohl das Ergebnis mangelnden Einfallsreichtums der Autoren und macht nur eines deutlich, nämlich dass der Vorrat an guten Ideen, interessante Kommentare zu verfassen, zur Neige gegangen ist. Sicherlich mag es so etwas wie Schnäppchenjäger gegeben haben und im Vorfeld des heutigen WASDE-Reports mag man sich positioniert haben, aber das waren letztlich nur untergeordnete Dinge, die den Wesenskern gestriger Sitzung unberührt lassen.
 
Das hervorstechende Merkmal gestriger Sitzung war das außergewöhnlich hohe Volumen im Spread zwischen alter und neuer Ernte. Das darf man als einen klaren Beweis für den „Rock `n Roll“ werten, den Goldman Sachs nach wie vor im Markt tanzt. 12 tsd lots in zehn Minuten sind eine Hausnummer, an der man nicht wortlos vorübergehen sollte. Wir werden die Entwicklung im Auge behalten. Die nächsten Tage dürften in dieser Hinsicht extrem spannend werden, denn es könnte mit Leichtigkeit ein Sturm losgetreten werden, der bestens dazu geeignet ist, zu falschen Markteinschätzungen zu gelangen. Bereits am Montag gab es in Argentinien Proteste seitens der Hafenarbeiter, die die Schiffsverladungen wenigstens in Rosario gestoppt haben. Und das am Höhepunkt der Sojabohnenernte. Die Forderungen der Arbeiter gehen dahin, dass man einen vollen Inflationsausgleich beim Lohn durchsetzen will. Da die Teuerungsrate in Argentinien mindestens 30% beträgt, dürften sich zähe Verhandlungen ergeben.
 
Conab berichtigte seine Schätzung über die brasilianische Bohnenernte in 2013/14 marginal nach unten. Hatte man zuvor noch 86,57 mio to prognostiziert, so waren es gestern noch 86,05 mio to. Die Anpassung bewegte sich in einer unmaßgeblichen Größenordnung und hatte für den Markt infolgedessen keine besondere Bedeutung. Im Reich der Mitte konnte man seitens des Staates im Rahmen einer Auktion 134,5 tsd Tonnen Sojabohnen im heimischen Markt absetzen. Das war etwas mehr als ein Drittel der angepeilten Menge. Der Großteil der Ware soll aus dem Jahre 2011 gestammt haben und von zweifelhafter Qualität gewesen sein. Das mag das geringe Interesse seitens der Nachfrager erklären. Es sieht ganz danach aus, als seien nunmehr nur noch minderwertige Bohnen aus den chinesischen Staatslägern zu haben, sodass man davon ausgehen muss, dass die Letter-of-Credit-Finanzierungen (Soybean-Banking) in 2014/15 wieder zunehmen werden.
 
Das französische Agrarministerium bezifferte gestern die Rapsernte unseres linksrheinischen Nachbarn mit 5,2 mio Tonnen. Das wäre ein deutlicher Anstieg von ca. 19% im Vergleich zum Vorjahr, wo man nur unterdurchschnittlich hat ernten können. Hinter vorgehaltener Hand flüsterte man sich aber noch höhere französische Erträge zu, denn das Ministerium ist für seinen Hang zur preisfreundlichen Politik bekannt. "Wenn die schon freiwillig eine derart gute Schätzung herausgeben, müssen wir eine wirklich gute französische Ernte bekommen", meinte ein Ölmüller zur Prognose des Ministeriums. An der Pariser Börse zeigte man beim alten Tief von etwa 345,- €/mto Bodenbildungssignale und stieg an. Der Augusttermin legte 2,25 €/mto zu und schloss bei 346375 €/mto.

Weizen schmiert ab

Der Julitermin am CBoT verlor gestern 12 ¾ cts/bu und settelte mit viel Müh und Not gerade noch eben über der 6,- US$/bu-Marke. Der Schlusskurs lag bei 6,01 ¼ US$/bu. In Antizipation steigender Bestände gab es gestern Verkaufdruck an der Börse zu beobachten. Man erwartet, dass das USDA in seinem heutigen Report die US-Endbestände nach oben korrigiert.
 
Die globalen Zahlen könnten ebenfalls eine bärische Anpassung erfahren, der man frühzeitig aus dem Weg gehen wollte, indem man seine Longpositionen reduzierte. Die Algerier kauften gestern 200 tsd Tonnen Mahlweizen und 200 tsd Tonnen Gerste optionaler Herkunft für August-September-Verschiffung.
 
Conab bezifferte gestern die brasilianische Weizenproduktion in 2014 mit 7,37 mio Tonnen, was spürbar über der Vormonatsschätzung von 6,88 mio to lag. Was Südamerika anbelangt, so gab es gestern auch aus Argentinien eine Meldung. Die Getreidebörse in Rosario bezifferte nämlich die Weizenfläche des Landes für den 2014/15er Produktionszyklus mit 4,4 mio Hektar. Das würde einen enormen Flächenzuwachs von 22% zum vorangegangenen Produktionszyklus darstellen.
 
In Kanada wachsen und gedeihen die Sommerweizenbestände prächtig. Nach Saskatchewan meldet nun auch die Provinz Manitoba einen Abschluss der Aussaataktivitäten in Höhe von 85%. Die Bestandsentwicklung wird zur Freude der Farmer als hervorragend beschrieben.
 
Das kann man nicht mehr von Südrussland behaupten! Nunmehr liegt die erste ernst zu nehmende Ertragsreduktion infolge der trockenen Bedingungen in Russland vor. IKAR nahm seine Getreideproduktionsprognose für Russland im laufenden Zyklus auf 93,5 mio Tonnen zurück. In der letzten Woche preschte man mit einem Zuwachs um 1 mio to auf damals 96 mio to noch nach vorne, aber die heißen Steppenwinde hätten nach einer erneuten Überprüfung der Lage das zu erwartende Ertragspotential bereits reduziert.
 
Die Tatsache, dass man direkt vor dem USDA-Report seine Schätzung verbessert, dürfte wohl zum Gutteil der eigenen Wichtigtuerei geschuldet gewesen sein. Noch schnell sein Fähnchen in den Wind hängen, um hinterher sagen zu können, man habe es je gleich gewusst. Die Pariser Weizennotierungen neigten zur Schwäche und verloren im November 0,50 € und settelten bei 190,25 €/mto. Damit rückt die Marke von 190,- €/mto in Gefahr, durchbrochen zu werden.

Mais Abwärtstrend macht neues Tief

Mit den gestrigen Verlusten von 6 ½ cts/bu und einem Schlusskurs von 4,45 ¼ cts/bu machte der vorherrschende Abwärtstrend im Mais ein neues Tief. Die exzellenten Crop Ratings vom Vortag im Verbund mit der allgemein guten Ausgangssituation veranlasst die Mehrzahl der Marktteilnehmer anzunehmen, dass das USDA heute seine Produktionsprognose für die USA heraufsetzen wird. Das belastete einmal mehr den Markt. Beim Mais berichtigte Conab die brasilianische Produktion 2013/14 auf 77,89 mio Tonnen. Zuvor ging man noch von 75,19 mio Tonnen aus. Die andere Nachricht aus Südamerika betraf Argentinien. Hier schätzte die Getreidebörse in Rosario eine Produktionsmenge von 24,5 mio Tonnen. Das war eine Aufwärtskorrektur von 23,9 mio to, die man zuletzt noch rausgehalten hatte. An der Pariser Börse zeigten die Kurse nach ihrem steilen Abfall seit Anfang Mai Stabilisierungstendenzen. Der alterntige Junitermin legte 0,25 €/to zu und schloss bei 181,75 €/to.

Eurex: Kartoffel stürzt weiter ab

Der schwache Schlusskurs von Montagabend warf einen bedrohlichen Schatten in Form eines Bären auf den gestrigen Dienstag voraus. Der Markt setzte auch prompt seine Schwächeneigung weiter fort und sank gen Süden. Bei einem Umsatz von insgesamt 85 Kontrakten büsste der Apriltermin 2015 0,30 €/dt ein und schloss bei 11,40 €/dt. das Tief des Tages lag bei exakt 11,- €/dt. Der tierische Bereich blieb leider sowohl im Schweinesektor als auch im weißen Sortiment umsatzlos.

China: Milchproduktion auf Erholungskurs

Fronterra, der neuseeländische Milchgigant, hat in einer Stellungnahme bestätigt, dass sich die chinesische Milchproduktion im ersten Quartal 2014 erholt habe. Im Reich der Mitte seien etwa 5% mehr Milch produziert worden als noch im vorangegangenen Zeitraum. Das wertete Fronterra als eindeutiges Zeichen einer sich erholenden Milchwirtschaft in China. Zeitgleich wies man aber darauf hin, dass man die globale Milchnachfrage weiterhin als so stark einschätze, dass die Angebotsmengen übertroffen würden.

China: Regenfälle gehen weiter

Der Süden und der Südosten Chinas sind in den letzten beiden Wochen der Brennpunkt wolkenbruchartiger Regenfälle gewesen. Am schlimmsten hat es die Provinz Guangxi getroffen. Hier mussten sich tausende Menschen von durch die Straßen tobenden Wasserfluten in Sicherheit bringen. Die Stromversorgung und die Trinkwasserversorgung sind örtlich vollkommen zusammen gebrochen. Übers abgelaufene Wochenende hat sich die Lage eher verschärft als entspannt. Angesichts der Wettervorhersagen, die immer weiteren Niederschlag prophezeien, dürfte das Schlimmste noch nicht vorüber sein. Für die nächsten drei Tage sind überdies auch Gewitterstürme für den Norden Chinas in der Vorhersage.

DAX verharrt über der 10000er Marke

Das deutsche Aktienbarometer setzte gestern seine Rekordjagd weiter fort. Mit einem Zugewinn von 20,17 Punkten settelte man bei einem Indexschluss von 10028,80 Zählern. Wir hatten kürzlich an dieser Stelle angekündigt, dann und wann einen Blick nach China werfen zu wollen, weil sich dort wichtige Entwicklungen manifestierten. Insgesamt ist es zu begrüßen, dass sich die kritischen Stimmen mehren und die internationale Presse nicht mehr jeden Brocken, den sie seitens der Politik vorgeworfen bekommt, bedenkenlos und ungekauft einfach hinunter schluckt.
 
Die jüngsten Entwicklungen im chinesischen Immobilienmarkt sind nunmehr auch in der „Systempresse“ angekommen. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete sogar schon über „den sich abkühlenden chinesischen Immobilienmarkt. Inmitten der traditionell aktivsten Saison hat sich die Geschäftstätigkeit dramatisch reduziert. Landverkäufe sind zahlenmäßig und preismäßig gleichermaßen eingebrochen. In 300 chinesischen Städten erreichten die Landverkäufe im Monat Mai noch gerade eben 1767 Transaktionen. Im Vergleich zum Monat Mai in 2013 stellt dies einen Einbruch um 45% dar; im Vergleich zum April 2014 eine Reduktion um 19%. Einige chinesische Städte registrierten überhaupt kein Geschäftsinteresse mehr.“
 
Nun stellt sich die Frage nach den Auswirkungen dieser Entwicklung und welche Symptome sich in aufgrund dessen in anderen Wirtschaftsbereichen breitmachen werden. Unvermeidbar ist eine Schrumpfung der gesamtwirtschaftlichen Tätigkeit in den Peripheriezonen der Verstädterungshochburgen. Die eigentliche Frage aber, die mit dieser Entwicklung einhergeht, ist diejenige ob es gelingt, die wirtschaftliche Kontraktion auf China zu begrenzen oder nicht.


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