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Börsentelegramm

Agrarmärkte im Zeichen der USDA-Schätzung

von , am
01.04.2014

© landpixel
Gestern kam das USDA mit dem langersehnten Flächen- und Quartalsbestandsbericht heraus, worauf die Notierungen in Bohne, Mais und Weizen zuerst gemeinsam anstiegen, um anschließend wieder gemeinsam zu fallen. Erst hiernach konnte sich ein marktspezifisches Preisverhalten einstellen, was die Bohne zur Tagessiegerin machte. Mais war ebenfalls bullisch und stieg an. Weizen konnte gerade noch eben ein kleines Plus retten.
 
Zucker, Baumwolle, Kaffe und Kakao waren abschlägig, ebenso das Rohöl in New York und London.

Bohne mit bullischer Reaktion

Die Maibohne legte gestern 27 ½ cts/bu zu und settelte bei 14,64 US$/bu glatt. Bei der Sojabohne galt es in Bezug auf den USDA-Report in Erfahrung zu bringen, ob die 2$-Rallye der letzten Wochen eine fundamentale Rechtfertigung erfährt oder nicht. Der Hamburger Branchendienst Oil World hatte in seiner letzten Schätzung die US-Endbestände an alterntigen Sojabohnen deutlich unterhalb des USDA-Wertes angesetzt, was unterschwellig bereits einen vorweggenommenen Fundamentalfaktor mit Erklärungspotential darstellte.
 
Der Markt wollte aber auch vom USDA einen ähnlich klaren Hinweis auf eine knappere Endbestandssituation sehen, um sich auf diesem Preisniveau wohler fühlen zu können. Dieses klare Signal blieb mit einem Quartalsbestand zum 1. März von 992,3 mio Scheffel aus! Dennoch konnte die Bohne stramm nordwärts ziehen und die Bären auf die Hörner nehmen. Das muss bullisch interpretiert werden, obwohl die chinesischen Bohnenstornierungen samt und sonders nach dem 1. März auf den Markt getroffen sind und das USDA somit ein Hintertürchen hat, im nächsten WASDE-Bericht bärisch zu überraschen.
 
Die neuerntige Fläche veranschlagte das USDA mit 81,5 mio acres, was oberhalb der Markterwartung von 81,07 lag und somit einen leicht bärischen Anklang besaß. Die Zahl lag aber nicht nur über den meisten privaten Schätzungen, sondern zudem auch deutlich über der Prognose aus dem Outlook-Forum (79,5 mio acres). Angesichts dessen nehmen die preislichen Verluste in neuerntigen Terminen nicht wunder, wenngleich man auch hier signifikant oberhalb der Tagestiefs hat schließen können.
 
An der Matif reichte die Handelszeit nicht mehr aus, den strammen Chicagoer Schlusskurs bei der eigenen Preisfindung umzumünzen. Folglich blieben in Paris Verluste stehen. Der Mai büßte 5,25 € ein und schloss bei 407,- €/mto glatt. Der August verlor 4,75 € und schloss bei 369,50 €/mto.

Weizen neutral

Der Maiweizen am CBoT legte gestern 1 ¾ cts/bu ein und schloss bei 6,97 ¼ US$/bu. Auch im Weizen gab es einen sehr volatilen Handel zu registrieren, der in Chicago und an den beiden Qualitätsweizenbörsen in Kansas und Minneapolis die Notierungen schließlich ins Plus hievte. Das USDA bezifferte die sortenübergreifende Gesamtfläche an Weizen in den USA mit 55,8 mio acres, was etwa 500 tsd acres unter der Erwartung lag. Die Quartalsbestände veranschlagte das Ministerium mit 1,055 Mrd. Scheffel. Das lag leicht über der Erwartung von 1,042 Mrd. Scheffel und war demzufolge etwas preispessimistisch zu interpretieren.
 
Am Ende konnten aber weder die Bullen noch die Bären im Ringen um die preisliche Vorherrschaft einen klaren Sieg verbuchen, und man settelte quasi an Ort und Stelle. Im weiteren Verlauf sind in den USA die Bestandsbonitierungen und die Niederschläge von überragender Bedeutung, denn die Marktreaktion auf die gestrigen Zahlen stellten alles in allem eine Art Unbedenklichkeitserklärung seitens der Händler dar, was uns zur Annahme berechtigt, dass die gestrigen Zahlen in gestriger Sitzung den Verdauungstrakt des Marktes vollständig passiert haben dürften.
 
In Paris gab es auch im Weizen Verluste zu verzeichnen. Der Mai verlor 2,- € und der November 1,- €. Die Settlements betrugen 207,75 € bzw. 201,75 €/mto.

Mais packt die Sachen Richtung Norden

Der Maitermin am CBoT schloss gestern mit einem Zugewinn von 10 cts/bu bei 5,02 US$/bu. Damit ist seit sehr langer Zeit wieder einmal die Marke von 5,- US$/bu in den Besitz der Bullen übergegangen. Die Quartalsbestände zum 1. März bezifferte das USDA mit 7,006 Mrd. Scheffel und traf damit die Markterwartung von 7,01 Mrd. Scheffel. Hieraus konnten die Bullen nur schwerlich Honig saugen. Allerdings wurde die neuerntige Fläche auf „nur“ 91,7 mio acres geschätzt. Die meisten privaten Schätzungen bewegten sich im Vorfeld um den Wert von etwa 93 mio acres, sodass die Flächenzahl beim Mais unmissverständlich bullisch daher kam und für die Zugewinne sorgte.
 
Bei Bohne und Mais müssen wir im weiteren Verlauf auf die Aussaat achten, denn es besteht ein klarer Zusammenhang zwischen Aussaatzeitpunkt und Ertragspotential. Der frostige Winter, der die USA lange Zeit im Griff hatte, kann für eine verspätete Aussaat sorgen. In diesem Zusammenhang ist auch zu erwähnen, dass die frühe Entwicklung des El Nino-Phänomens üblicherweise im östlichen Texas in einem nordwärts gerichteten Streifen für ein Übermaß an Niederschlag sorgt. Sollte sich diese Entwicklung einstellen, wäre der östliche Teil des Mittleren Westens zu nass, um eingesät zu werden. Der Supergau in Sachen Aussaat wäre dann perfekt. Aber wir wollen den Teufel noch nicht an die Wand malen, hierfür ist es noch zu früh.
 
Beim nächsten WASDE-Report ist darauf zu achten, wie das USDA mit dem Futterverbrauch an Mais umgeht, denn das PED-Virus hat in den USA zu Schlachtungen von mindestens 4 mio Schweinen geführt, und die Mastrinderherde ist derzeit relativ klein. Vorsicht vor dieser Stellschraube!!! In der Ukraine hat übrigens nachrichtlich die Maisaussaat 2014 am Wochenende begonnen.
 
An der Matif legte der Junikontrakt 0,75 €/mto zu und settelte bei 186,- € glatt.

Kartoffel mit neuen Tiefs

Die zur Veredelung bestimmten Kartoffelnotierungen bestätigten zu Wochenauftakt den an dieser Stelle häufiger geäußerten Verdacht einer fallenden Tendenz. Der kurzzeitigen Erholung hatten wir letzte Woche den Charakter eines „Dead Cat Bounces“ gegeben, und siehe da, gestern nun wurden die alten Tiefs durchbrochen. Bei einem Gesamtmarktumsatz von 161 Kontrakten verlor der Apriltermin 2014 0,20 €/dt und settelte bei 10,80 €/dt. Das schwache Schlusskursniveau erhebt seinen warnenden Zeigefinger vor weiter fallenden Notierungen. Der Kassamarkt gab außer nachlassenden Notierungen nichts her. In Rotterdam fielen die Exportquotierungen um 0,25 €/dt.
 
Im Juni und Juli konnte das Mastschwein insgesamt dreimal bei 1,680 €/kg umgesetzt werden. Das Ferkel wollte nicht nachstehen und brachte es auf zwei Kontrakte Umsatz im vorderen April. Die Kontrakte wechselten bei 58,- €/Stck ihren Besitzer. Die Milchprodukte behielten umsatzmäßig gestern eine milchweiße Weste.

Zucker: Bullische Nachrichten fruchten nicht

Die seit Anfang Februar stattfindende preisliche Erholung in den globalen Zuckerpreisen ist aus fundamental-ursächlicher Sicht den trockenen Bedingungen in Zentralbrasilien zu zuschreiben gewesen. Diese Tendenz erhält nun weitere Unterstützung aus Thailand, denn auch die Thais als zweitgrößter Zuckerexporteur der Welt müssen infolge zu trockener Bedingungen Ertragseinbußen befürchten. Eine derartige Entwicklung würde die globalen Überschüsse reduzieren. Ein Sprecher der zuckerrohrverarbeitenden Industrie, sagte gegenüber Bloomberg, dass man damit rechnen müsse, die Ernte abwärts zu korrigieren. Der Gesamtoutput des Landes sei nunmehr eher bei 11 mio to als bei 12 mio to anzusiedeln. Die Zuckerrohrernte betrüge etwa 105 mio to und nicht wie zuvor angenommen 110 mio to. Trotzdem trudelten die Zuckernotierungen gestern ins Minus.

DAX zeigt sich freundlich

Der Deutsche Aktienindex startete gestern unverändert in die neue Woche, konnte im Handelsverlauf aber leicht in den positiven Bereich drehen. Die allgemeine Teuerung im Euroraum war gering ausgefallen, sodass man weiteren Spielraum für Herren Draghi und seine Gelddruckerei sah. Die Börse in Frankfurt freute es, und der DAX zog zeitweise ins Plus. Allerdings gab es einen Kommentar des Bundesfinanzministers Wolfgang Schäuble zu lesen, der alsbald mit wieder steigenden Zinsen im Euroraum rechnet. Was soll man nun davon halten? Möglicherweise will man politisch den Weg für weitere direkte Staatsfinanzierung durch die Notenbank vorbereiten, indem man einen zinspolitischen Gegenzug initiiert. Gleichzeitig schmierte die Wirtschaft Frankreichs gnadenlos ab und stellte dem Sozialisten Francois Hollande das wirtschaftspolitische Armutszeugnis aus.



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